Biografie und Wehrmacht Laufbahn Willi Reinke

  • Liebe Forenmitglieder,


    nun bin ich "voll drin" in der Familienforschung und habe auch die ersten Auskünfte meines Großvaters Willi Reinke( eigentlich wird nser Familienname Reincke mit "ck" geschrieben...) bekommen.


    Ich habe eine ziemlich mit Informationen vollgepackte EM- Karteikarte erhalten und interessiere mich nun auch für die Laufbahn meines Opas.


    Ich habe ihn nie kennengelernt, aber ich habe aus Erzählungen meines Vaters und seiner Familie einiges in Erfahrung bringen können, vorallem was sein Wesen anging. Ich würde ihm gern ein "Gesicht" geben, denn auch er war wohl Opfer und Täter in diesem grausamen Krieg zugleich.

    Es soll sehr brutal gewesen sein( was natürlich u.a. eine Folge der Erlebnisse im Krieg gewesen sein muss) und nach dem Krieg in der Kasernierten Volkspolizei gewesen sein.

    Aus den Auskünften weiß ich auch,dass er ein Verletztenabzeichen( nennt man das so?) in Gold von Hitler persönlich bekommen hat wegen der vielen Verwundungen.

    Ich habe mal seine Karteikarte hier eingestellt.


    Was mich besonders interessiert ist, was die Ergänzung vor dem Dienstgrad bedeutet .... .... Uffz


    Weiterhin habe ich von meinem Vater erfahren,dass seine Einheit wohl der geheimen Feldpolizei angehört haben soll? Geht das auch aus der seiner Karteikarte hervor?

    Wenn ich im Lexikon der Wehrmacht nachschaue erhalte ich folgende Eintragung, wenn ich Grenadier-Ausbildungs-Bataillon 458 eingebe gibt es diese Info aus:


    "Das Infanterie-Ersatz-Bataillon 458 wurde bis zum 7. September 1939 in Stralsund, im Wehrkreis II,
    aufgestellt. Direkt bei der Aufstellung bildete das Bataillon bereits die Gruppe Geheime Feldpolizei 2"


    Dann macht mich noch der Eintrag vom 9.11.1943 stutzig: II 14.07.1943 ( SS ??? die Buchstaben kann ich nicht erkennen) Laz. Minsk

                                                                        19.7.43  R.L. Gnezen


    Meine Fragen,anhand derer ich versuche seine Stationen und auch Funktionen im Krieg nachzuvollziehen, denn lt. meines Vaters muss Willi( natürlich wie viele andere auch) furchtbare Dinge gesehen und erlebt haben.

    Vielleicht geben ja die Eintragungen und Eure Antworten einen ersten Aufschluss über seine Geschichte.


    Bedeutet das SS im Eintrag 9.11.1943 stutzig: II 14.07.1943 , dass er in einem SS Lazarett war?

    Kann man anhand der Zugehörigkeit zu der Einheit erkennen, was er für eine Funtkion hatte?

    Er wurde auch einmal ausgeflogen, wegen einer Verletzung, war das üblich so,wenn es Verletzte gab?

    Weiterhin geht aus den Unterlagen hervor,dass er sich viele Male im Lazarett befunden hat - kann jemand anhand der Lazarett Aufenthalte noch andere Länder außer Russland festellen?

    Ich kann nicht alles auf der Karte entziffern,vielleicht fällt jemandem noch etwas besonderes auf, was man noch aus der Karte herauslesen kann?

    Ich habe schon identifiziert Schultersteckschuss mit Lunge..., Oberschenkelhalsbruch, Granatsplitter, Minsk und Gnezen.


    Mich würde im Grunde aber am meisten interessieren? War mein Opa bei der SS und wie kann es sein,dass ehemalige Wehrmachtsangehörige dann später in der DDr zur Kasernierten Volkspolizei kamen? War das kein Ausschlussgrund?

    Könnte dahingehend ein Zusammenhang mit der vorherigen eventuellen Zugehörigkeit zur geh. Feldpolizei bestehen?


    Danke und herzliche Grüße ins Forum :) entschuldigung, falls meine Fragestellung evtl. zu unstrukturiert ist.


    Bia



    Files

    »Sie wachsen mit den Schatten einer Vergangenheit auf, die ihnen verborgen bleibt und doch ihr Leben beeinflusst. Sie sind Kriegsenkel...«

  • Hallo Bia


    Mit SS hat dein Großvater nichts am hut gehabt Er war da nur in einen SS Lazarett in Minsk

    da wurde jeder Soldat behandel egal welche Einheiten,


    Ich versuch dann mal ein Auflistung der Lazarette zu machen.


    Gruß Stefan

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  • Guten Abend Stefan :-) ,

    danke für die Antwort.


    Die Lazarette sind ist erstmal ein Ansatz, den ich gut finde.


    Könnte das mit der Feldpolizei stimmen?


    Ich weiß , dass mein Vater auch mal erzählte, dass er sich mit jeder Art von Gewehren auskannte und extrem zielsicher und gut schießen konnte.

    Als Kinder ,erzählte mein Vater , haben sie im Wald immer nach Patronenhülsen gesucht, dabei hatten mein Vater und seine Geschwister mal eine "Hitlersäge" gefunden, keine Ahnung was das ist, aber jedenfalls war das Ding noch funktionstüchtig. Dafür das sie das Teil wieder anschmeißen wollten, haben sie von ihm dann eine Tracht Prügel bekommen...


    Welche Bedeutung hatte ein .... Uffz in der Wehrmacht, was hatten die konkret für Aufgaben?

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    Edited once, last by Bia Paradies ().

  • Hallo Bia,


    das MG 42 wurde umgangssprachlich Hitlersäge genannt, u.a. auch wegen der hohen Schussfrequenz.

    Kann mir gut vorstellen, daß man sowas in den Jahren nach dem Krieg öfter irgendwo finden konnte.

    Die Verleihung des Goldenen Verwundetenabzeichens durch Hitler kannst du getrost unter "Familiensage" verbuchen.

    Durch Hitler wurden anfangs Ritterkreuze, später auch die Goldene Nahkampfspange verliehen. Danach dann nur noch

    höhere Stufen des RK.


    Grüße

    Stefan

    Suche sämtliches Bildmaterial der 8.Infanterie- / Jägerdivision.

  • Hallo Bia


    hier die Lazarett Aufenthalte


    Willi Reinke


    Einheit

    11./Infanterie-Regiment 458 siehe hier diese war der 258. Infanterie-Division unterstellt.



    Meldungen


    22.10.1941 Ort ? schwer verwundet Oberschenkel und Lungen Durchschuss

    abgegeben Hauptverbandsplatz


    23.10.1941 Feldlazarett (mot) 3 Borowsk siehe hier (Standorte Sanitätseinheiten)

    Steckschuss linke Schulter und Lungenverletzung Zugang vom Hauptverbandsplatz


    04.11.1941 Feldlazarett 258 Borowsk siehe hier


    Steckschuss linke Schulter und Lungenverletzung Zugang vom Feldlazarett (mot) 3 Borowsk


    05.11.1941 Abgang zu Flugzeug


    06.11.1941 Feldlazarett 651 ? nördlich Medyn

    Abgabe Kriegslazarett Juchnow am 8.11.1941


    10.11.1941 Lchtkr.Krgs.Laz. 3/605 Roslawl siehe hier

    Zugang vom Feldlazarett 651


    Abgabe zum Rückwertigen Lazarett am 15.11.1941 ? vermutlich übergabe an Lazarettzug 616


    24.11.1941 Reservelazarett Insterburg

    Steckschuss linke Schulter Zugang vom Lazarettzug 616 ? siehe hier


    14.07.1943 SS Lazarett Minsk

    nicht lesbar


    19.07.1943 R.L. Gnezen

    Granatsplitter Hand ?


    danach


    Reservekriegslazarett 1 Siedlce siehe hier


    danach Abgabe am 24.7.1943 zum Genesen Bataillon 479 Landsberg ?


    02.04.1944 Reservelazarett Radebeul

    27.02.1944 Fleckfieber Zugang vom Feldlazarett 2/542


    So hoffe konnte dir weiterhelfen


    Gruß Stefan

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    Edited 7 times, last by Heinz1982 ().

  • Hallo Stefan,


    Aha...eine Hitlersäge ist als ein Maschinengewehr...hab das eben mal "gegooglet".

    also ob das Verwundetenabzeichen von Hitler verliehen wurde, kann ich nicht verifizieren.

    Aber das goldene Verwundetenabzeichen existiert noch im Nachlass, soviel weiß ich schon mal.


    LG Bia

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  • Grüße dich Stefan... wie hast du das so schnell rausbekommen? Aus der Kartei herausgelesen? Liebe Grüße Bianca

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    Edited once, last by Bia Paradies ().

  • Hallo Bia


    Ja alles da raus gelesen bin aber noch nicht fertig. Mansches schwer zu lesen.

    Dein Großvater hat einiges durch gemacht. Daher auch das Goldene Verwundeten Abzeichen


    Gruß Stefan

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  • Grüß dich Stefan

    Ich hab echt Schwierigkeiten, die Schrift zu entziffern, auch die Kürzel sind schwierig, da ich damit zu wenig Erfahrung habe.


    Also nachdem was ich da so lese, ja er hat wohl einiges durchgemacht, als so junger Mensch. Da ist es ihm kaum zu "verdenken" das er dann so ein Wesen entwickelt hat, als er dann aus dem Krieg wieder zurück war. Diese Traumata beschäftigen danach noch Generationen,dass weiß ich aus meiner Arbeit, ich arbeite u.a. mit, und das ist echt Ironie des Schicksals mit Kriegstraumatisierten, auch mit denen die die Traumata als Nachkriegsgenerationen weitervererbt bekamen( Kriegskinder/ Kriegsenkel). Danke sehr für deine Mühe, ich weiß das zu schätzen,dass du mir mit der "Übersetzung " der Kartei hilfst. :):):)

    PS: ich seh aus deinem Profil, du kommst aus Sachsen? Ich nämlich auch,Nähe Zwickau.

    Grüße Bianca

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    Edited once, last by Bia Paradies ().

  • Hallo Bia


    Ja alles konnte ich auch nicht lesen aber ich denk jetzt hast du erstmal einen Überblick.

    Ja ich komme ursprünglich aus der nähe von Chemnitz besser gesagt Erzgebirge so Richtung Zschopau.

    Bitte an die Grußformel denken


    Gruß Stefan

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  • Lieber Stefan,

    Grußformel: Oh Verzeihung, das habe ich vergessen, ich werde mich noch in die Regeln einarbeiten müssen, ich ging in der Annahme,dass ist im "Verlauf nicht notwendig" . Ich werd das künftig beherzigen. Danke sehr, für die Erstellung des ersten Überblicks. Das ist schon sehr ausführlich, ich hätte das nie hinbekommen. Zschopau kenn ich gut, da war ich erst kürzlich, die Heimat sollte man gut kennen, die schhöne :-) Burg Kriebstein ist da in der Nähe. Ich habe gerade mal die Orte in der Karte eingegeben.

    Schon allein der Aufenthalt in Roslawl und dann weiter nach Instersburg...zwischen den beiden Orten liegen 848 km....

    Gnezen ist übrigens richtig, das liegt im heutigen Polen, das habe ich auch so herausgelesen.

    Grüße Bianca

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  • Hallo Bianca


    Ja die Entfernung ist weit aber mit dem Lazarettzug war das eine normale Strecke.

    wenn ich das so raus lese war er da ca 1 Woche unterwegs bis Insterburg.

    Und das Wort vor dem Uffs könnte (San) Uffs gewesen sein wenn ich die Schrift richtig deute.

    Also nebenbei noch Sanitäter. Was hat er den vor dem Krieg gemacht.


    Gruß Stefan

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  • Hey Stefan,


    das weiß ich nicht so genau,was er vor dem Krieg gemacht hat.

    Ich weiß nur,dass er vom Land kam, aus Mecklenburg und das die Eltern einen Hof hatten, der hieß Hof Selmsdorf.


    Ob er medizinische Kenntnisse hatte oder die erst in der Militärlaufbahn erworben hat, dass kann ich nicht sagen.

    Aber vielleicht weiß da mein Vater was.

    Manno man...was für eine Odysee hatte er da hinter sich, unfassbar. Und niemals hat sich jemand mit der Geschichte befasst oder es wurde aufgearbeitet. Ich interessiere mich aber sehr dafür, denn nur so kann die Geschichte( auch seine irgendwann ruhen).


    Das dann mein Vater dann auch eine Laufbahn beim Militär eingeschlagen hat...kein Wunder. Der war aber jahrelang bei einer Speziealeinheit, bei der Marine der KSK - 18 und dann später auch bei der Stasi.


    Willi hat nach dem Krieg dem Alkohol sehr zugesprochen, er war so brutal,dass sich seine Frau mit 7 Kindern von ihm trennte. Er wurde dann von der Familie dann ausgestoßen.Ich bin die erste, die sich nach sovielen Jahren mit ihm befasst.


    Sehr tragisch,so jung, mit Sicherheit kriegstraumatisiert, viele Leben auf dem Gewissen( es war eben Krieg). Und dann hat er das alles noch überlebt, ob Glück oder ob er sehr hart im Nehmen war? Keine Ahnung.


    Grüße Bia

    »Sie wachsen mit den Schatten einer Vergangenheit auf, die ihnen verborgen bleibt und doch ihr Leben beeinflusst. Sie sind Kriegsenkel...«