Der ewige Unteroffizier?

  • Hallo zusammen,


    ich hoffe, ich habe den richtigen Bereich für meine Fragen erwischt. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich näher mit meiner Familiengeschichte und bin auf die Fotos meines Vorfahren gestoßen. Ich kann mir aber keinen Reim auf die Summe aller Puzzleteile machen. Weiterhin bin ich sehr unsicher was die Identifizierung einiger Merkmale angeht.

    Was ich bisher zusammengetragen habe:

    Geburtsjahrgang: 1900


    Bild 1: Anfrage bei WAST

    1 WAST.jpg


    Bild 4 Detail:

    4 Detail.jpg

    Zeit: Erster Weltkrieg, 1918

    Auszeichnung: Eisernes Kreuz zweiter Klasse


    Bild 5 Detail

    5 Detail.jpg

    Uniform: Wehrmacht, Unteroffizier (?)

    Um 1939? (erfasste Zeit der Einträge von WAST-Informationen)

    Orden: Verweis auf EK2 im 1. WK? Korrekter Name: Spange?


    Bild 2 Portrait und Bild 3 Detail

    2 Portrait.jpg

    Uniform: Wehrmacht, Unteroffizier (?)

    Auszeichnung: Spange (?) und Verwundetenabzeichen (?)

    Zeit: Vor Herbst 1944

    3 Detail.jpg

    Uniform: Wehrmacht, Unteroffizier (?)

    Auszeichnung: Spange (?) und Verwundetenabzeichen (?)

    Zeit: Vor Herbst 1944


    Im Herbst '44 ist er in die Waffen-SS überstellt worden:

    "After training promoted to Sergeant" - also Unteroffizier bzw. Unterscharführer?

    "January 45 was made Sergeant-of-the-guard" ?

    Unterscharführer findet sich ebenfalls als Bezeichnung

    Diese Informationen auf Englisch sind aus Unterlagen von KZ-Prozessen

    Dann ab Mitte Januar mit Nephritis ins Lazarett bis zur Entlassung im Mai 1945 mit anschließender Gefangenschaft.


    Sind meine Identifizierungen soweit korrekt?

    Ist est ungewöhnlich, dass er die ganze Zeit über in einem Dienstgrad verblieben ist?


    Viele Grüße und ein entspanntes Wochenende,

    Flo :)

  • Guten Tag ans Forum und an Flo,


    mit einem "Sergeant" dürfte tatsächlich ein Unteroffizier der Wehrmacht oder ein Unterscharführer der Waffen-SS gemeint gewesen sein.

    "Sergeant-of-the-guard" steht vermutlich für einen Unteroffizier in der Funktion eines Wachhabenden, beispielsweise einer Kasernen- oder Torwache.


    Bild 4 - Erster Weltkrieg: Bandspange zum Eisernen Kreuz II.Klasse stimmt.

    Bild 5 - Zweiter Weltkrieg, Wehrmacht Heer, Unteroffizier: Die Bandspange könnte für mich zu einem Kriegsteilnehmerkreuz für Frontkämpfer (Ehrenkreuz des 1.Weltkriegs) gehören.

    Bild 2: wie Bild 5 und zusätzlich ein Verwundetenabzeichen, was aber tief auf der Brusttasche sitze und für mich nicht ganz zu erkennen ist.

    BIld 3: wie Bild 5, aber die Bandspange ist für mich nicht eindeutig zu identifizieren, dafür ist das Verwundetenabzeichen (vermutlich in Schwarz) gut zu erkennen.


    Von 1939 bis 1945 Unteroffizier bzw. Unterscharführer gewesen zu sein, ist weder un- noch außergewöhnlich.

    Mir sind vergleichbare "Nichtkarrieren" bekannt.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Tag allerseits,


    es gab eben auch in der Wehrmacht durchaus tüchtige Soldaten, die als Unteroffiziere bis Kriegsende verlässlich ihren Dienst leisteten. Sie waren aber an einer "weitergehenden Kommis-Kariere" nicht interessiert, obwohl sie dazu eigentlich befähigt waren. Und die Vorgesetzten solcher Unteroffiziere wussten das auch und verzichteten auf Beförderungsvorschlägen.


    So gab es auch eingezogene junge Akademiker, die sich weigerten an U-Lehrgängen teilzunehmen.


    Hier fehlt der Gruß.....


    Das dürfte natürlich nicht passieren!!!


    Nachträglich

    herzliche Grüße am Samstagmorgen


    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Peter,


    Quote


    "Sergeant-of-the-guard" steht vermutlich für einen Unteroffizier in der Funktion eines Wachhabenden, beispielsweise einer Kasernen- oder Torwache

    das ist richtig, wobei der "Sergeant-of-the-guard" mit dem Offizier vom Wachdienst vergleichbar ist.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo, laut Taschenbuch f. Wehrausbildung Heer, Abschnitt F 06, trug der "Offizier vom Wachdienst" rechts eine Achselschnur und eine Handfeuerwaffe.


    Bei der Deutsch-Französischen Brigade in Stetten a.k.M. wurde 1987 ein sprachgewandter (Deutsch-Französisch-Englisch) Obergefreiter - eigentlich vorschriftswidrig - mit Achselschnur und P1 am Leibgurt als "Wachhabender Offizier" , zusammen mit einem ihm unterstellten französischen MP- bewaffneten Caporal (Obergefreiter)

    mehrmals ans Kasernen - Tor gestellt.

    Seine Autorität bewies er, als einen deutschen Luftwaffen-General, der vorschriftswidrig seinen Dienstwagen selbst steuerte, stoppte und nicht ohne Ausweis-Vorlage einfahren liess.

    Gruss jostdieter

  • Hallo Jostdieter,

    Klugscheißer-Modus an:

    Sollte es nicht konkreter Faustfeuerwaffe heißen? Eine Handfeuerwaffe ist m. E. auch ein MG42. (Im Englischen würde eine Pistole als Handgun bezeichnet werden).

    Im Deutschen jedoch spezifischer Faustfeuerwaffe, obwohl natürlich Faustfeuerwaffen unter Handfeuerwaffen fallen. Die Bezeichnung Faustfeuerwaffe dient daher als Abgrenzung von Pistolen und Revolvern von den anderen Waffen, die man in der Regel zweihändig hält/bedient.

    Im Waffenrecht finden sich eher die Begriffe Langwaffen und Kurzwaffen. Kurzwaffen sind z.B. rechtlich gesehen Faustfeuerwaffen und (nicht vollautomatische) Schusswaffen mit einer Gesamtlänge unter 60cm.

    Klugscheißer-Modus aus.

    Ich hoffe, Du nimmst mir das nicht krumm.

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Guten Tag ans Forum, sowie besonders an Jostdieter und Andreas,


    obwohl ein Vergleich zwischen Wehrmacht und Bundeswehr bestimmt ein "hinkenden" Vergleich ist, möchte ich mich trotzdem in die entstandene "Wachdiskussion" bezüglich der Bundeswehr einbringen.

    In meinem Reibert aus der 1960er Jahren wird beim Wachdienst der Begriff "Waffen" verwendet. Als im Wach- und Streifendienst eingesetzte Wachhabende sind folgende Dienstgradgruppen genannt:

    • Unteroffiziere ohne Portepee
    • Unteroffizieranwärter
    • Offizieranwärter.

    Wobei für mich Unteroffizieranwärter (UA) Gefreite (UA) und Offizieranwärter (OA) Gefreite (OA) sein können.


    In meinem Taschenbuch für Wehrausbildung des Heeres von 1984 steht unter F 06 (Der Wachdienst in der Bundeswehr - ZDv 10/6) ebenfalls der allgemeine Begriff "Waffen". Als Wachvorgesetzte militärischer Wachen werden ohne Dienstgradgruppen-Zuordnung u.a. Wachhabende und Stellvertretende Wachhabende aufgeführt.


    Neben den Wachhabenden (Sammelbezeichnung) gab es Offiziere vom Wachdienst (Sammelbezeichnung), die laut Taschenbuch von 1984 zumindest Unteroffizier mit Portepee (also mindestens Feldwebel) zu sein hatten.


    Soweit die Theorie, d.h. die Vorschriften. Aber wenn ich bei Jostdieter von dem Obergefreiten als "Wachhabender Offizier" nachlese, so fällt mir nur der Satz ein, den die Frau dieses Obergefreiten gesagt haben soll: Seit dem mein Mann "Wachhabender Offizier" sein darf, weiß ich nicht mehr, was ich ihm kochen soll.


    Zumindest im Zusammenhang mit dem Wachdienst waren beim Bund die waffenrechtlichen / waffentechnischen Begriffe "Handfeuerwaffe" und "Faustfeuerwaffe" offiziell außen vor.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter u.a.,

    was mir gerade dazu noch in den Sinn kommt. Wo kommt eigentlich die Bw-Bezeichnung „Rohr“ statt „Lauf“ her? Diese, sagen wir mal, fachfremde Wortschöpfung konnte ich mir nie erklären, da eine Rohrwaffe ja eine ganz andere Sache ist. Ist darüber was bekannt? Oje, wir schweifen ab.

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Hallo Andreas in Shanghai, das Wort "Faustfeuerwaffe"lag mir anfangs auf der Zunge.

    Das Wort "Faust- .."schien mir aber zu brutal für die heutigen Empfindlichkeiten, deshalb "Handfeuerwaffe".

    Beim Fliegenden Personal hiess das lästige Utensil in der Flugjacke "Wumme".

    ------------------

    Hi Peter in der Normandie:

    Quote

    . den die Frau dieses Obergefreiten gesagt haben soll: Seit dem mein Mann "Wachhabender Offizier" sein darf, weiß ich nicht mehr, was ich ihm kochen soll.

    ..Der zitierte Obergefreite hatte keine Ehe- Frau. Soviel ich weiss, lief da aber was unter dem Codewort " NATO- Matratze".

    Gegessen wurde das hervorragende Kantinenessen der Deutsch-Französischen Brigade.


    Noch ein Zitat von Peter:

    Quote

    In meinem Taschenbuch für Wehrausbildung des Heeres von 1984 steht unter F 06 (Der Wachdienst in der Bundeswehr - ZDv 10/6) : Als Wachvorgesetzte militärischer Wachen werden ohne Dienstgradgruppen-Zuordnung u.a. Wachhabende und Stellvertretende Wachhabende aufgeführt.

    Quote

    Neben den Wachhabenden (Sammelbezeichnung) gab es Offiziere vom Wachdienst (Sammelbezeichnung), die laut Taschenbuch von 1984 zumindest Unteroffizier mit Portepee (also mindestens Feldwebel) zu sein hatten.

    Im gleichen Taschenbuch steht unter B 25 ein Bild mit dem Text:

    Schulterschnur

    Offizier vom Wachdienst

    Heer/Luftwaffe

    Diese Schulterschnur trägt der Obergefreite auch auf dem mir vorliegenden Bild.

    War vielleicht vorschriftswidrig, den Obergefreiten - kein Offiziersanwärter, aber sprachgewandt - mit Schulterschnur , "Wumme" und Offiziers-Pistolentasche als

    "Wachhabenden Offizier" ans Kasernentor zu stellen.

    Der deutsche Luftwaffen-General, der vorschriftswidrig selbst seinen Dienstwagen steuerte, hat ihn jedenfalls ernst genommen und ihm schliesslich seinen Ausweis gezeigt.

    Versichere hiermit, dass ich niemand , lieber Andreas, was krumm genommen habe.

    Hoffe das gleiche von Peter.

    Gruss jostdieter

  • Hallo,

    War vielleicht vorschriftswidrig, den Obergefreiten - kein Offiziersanwärter, aber sprachgewandt - mit Schulterschnur , "Wumme" und Offiziers-Pistolentasche als

    "Wachhabenden Offizier" ans Kasernentor zu stellen.

    ein OvWa spielt nicht Torposten, der hockt im Stab in einem Büro. War bei mir so, ich hatte einen OvD, der für die Wache und noch ein paar andere Sachen zuständig war. Allerdings bei meinem letzten OvWa in der General Heusinger Kaserne in Hammelburg war das ganz anders. Da war ich Telefonposten und Türschliesser. Zweimal am Tag durfte ich auch den Kasernenzaun ablaufen und zum xten Mal aufschreiben, wo Bäume den Kasernenzaun schon angehoben hatten. Flaggenparade durfte ich auch leiten am Kaserneneingang am Morgen. Nachmittags Flaggenparade mit so 15 bis 20 Flaggen. Die brach ich nach fünf Minuten ab, weil die Flaggendrähte nicht ausgedrillt waren. Arbeiter von der "Sitzende Tätigkeit Ohne Verantwortung" wechselten die Drähte aus. Neue Flaggenparade, gleiches Ergebnis, wieder abgebrochen. Endergebnis, Flaggen wurden morgens um vier formlos hochgezerrt und abends um zehn wieder runtergewürgt.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • ein OvWa spielt nicht Torposten, der hockt im Stab in einem Büro.

    Hallo,


    so habe ich das auch kennengelernt!

    Wobei es bei uns am Tor nur SchwarzRotGold morgens zu hissen und abends niederzuholen gab.


    Bei uns gab es noch eine etwas kniffligere Aufgabe für den OvWa, wir hatten einen weit abgelegenen Lagerkomplex mit mehreren Hallen und sehr dürftiger Außenbeleuchtung, dort ging der OvWa mehrmals Nachts alleine Streife, der Fahrer blieb mit G3 im Jeep zurück und der OvWa schlich, wie John Wayne - PTasche offen, Hand an der Waffe, durchgeladen und gesichert - um die Hallen.


    War in Zeiten, in denen die RAF hin und wieder Anschläge verübt hat und der Torposten hinter einer Brustwehr mit aufgelegtem G3 stand.


    Gruß


    Dieter