Suche nach dem Ort der Gefangenschaft 31G

  • Hallo zusammen,

    habe gestern einen Brief meines Großvaters aus der Gefangenschaft erhalten. Er wurde in Frankreich in Gefangenschaft genommen, dass wusste ich schon aus Erzählungen. Jetzt würde mich interessieren wo er denn in Frankreich von den amerikaner gefangenen genommen wurde.


    Anbei seine Kriegs-Gefangenen-Nummer:

    31 G 1910859


    Was kann man daraus lesen?

    31 - müsste der Ort seiner Gefangenschaft sein

    G - müsste für Nationalität deutsch stehen

    1910859 - wird seine PersonenNr. Sein?


    Desweiteren würde mir noch folgendes interessieren. Was kann man aus diesen Sachen lesen?


    8736th Labor Service Company

    1159th Labor Supervision Company

    1st Labor Supervision Area

    APO 164 - US Army


    Im Netz finde ich leider nichts, außer die Erklärung Labor!


    Würde mich sehr freuen wenn ich was heraus finden würde. Über euer Fachwissen freue ich mich jetzt schon!

    Vielen Dank für eure Hilfe schon jetzt im voraus!


    LG Alex

  • Hallo Alex,


    im Netz findest Du dazu vielleicht nichts, im Forum schon ;)


    Zu den am. Kriegsgefangenennummern z. B. -> HIER - zu den am. Labor Companies z. B. -> HIER


    Vorab: die 31 steht für ETO = European Theater of Operations = Europäischer Kriegsschauplatz, Genaueres lässt sich daraus leider nicht ablesen. Das G steht - wie Du schon richtig vermutet hast - für Germany und die nachfolgende, 7-stellige Nummer ist auch nur eine Art fortlaufende Nummerierung, die keine weiteren Rückschlüsse zulässt.


    Was die amerikanischen Labor Companies angeht, gestaltet sich eine Informationssuche sehr schwierig, da die nicht gut dokumentiert sind.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    hier noch etwas zu den Arbeitseinheiten,


    8736th Labor Service Company; Arbeits-Kompanie (dt.Kriegsgefangene) 1945 Raum Süddeutschland


    1159th Labor Supervision Company 02.05.1945 – 04.07.1945 Deutschland , Arbeits-Über/Bewachungs Kompanie


    1st Labor Supervision Area 1 Überwachungsbereich 1 Arbeitseinheiten


    APO 164 - US Army Army Post Office 164 zentrales US-Feldpostamt für die Kgf-Post

    Gruss Dieter

  • Hallo zusammen,


    zur Bestimmung des Standorts dieses APO 164 müsste man wissen, von wann die Angabe auf dem Brief stammt (s. Anhang).


    Gruß, Stefan

    Files

    • APO-164.jpg

      (34.42 kB, downloaded 33 times, last: )

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    zur Bestimmung des Standorts dieses APO 164 müsste man wissen, von wann die Angabe auf dem Brief stammt (s. Anhang).


    Gruß, Stefan

    Hallo Stefan,

    Ihr seit ja weltklasse!


    Anbei der Brief mit Datum: 27.01.1945

    Schuh Karl - Gefangenschaft - Brief an Schwester - 30 Prozent.jpg


    Vermute das war sein erster Brief an eienem Angehörigen! Hier war er in Frankreich.


    Kannst du mir mehr dazu erzählen?


    Danke euch!


    Gruß Alex

  • Anbei sein vermutlich letzter Brief bevor er aus der Gefangenschaft in die Heimat durfte.


    28.04.1946 - Muttertags Gruß an seiner Mutter

    20200604164506-00001.jpg

    Kann es eventuell sein das er nicht nur in einem KGF-Lager war?


    Würde mich freuen durch euch noch einige Informationen zu erhalten! Danke! Es freut mich durch euch noch mehr zu erfahren!


    Gruß Alex

  • Hallo Alex,


    aus dem ersten Brief lässt sich leider nicht ersehen, in welchem Lager er interniert war. Ende Januar war der Krieg im Westen noch in vollem Gange, im befreiten Frankreich gab es jede Menge amerikanisch geführte Kriegsgefangenenlager, die US-Truppen standen an der Westgrenze des Deutschen Reichs und versuchten, den Westwall zu durchbrechen! Erst Mitte/Ende März kam der große Durchbruch mit anschließendem Durchmarsch bis zum Rhein.


    Bei dem Brief vom 27.01.1945 handelt es sich doch auch um das amerikanische Standardformular für Kriegsgefangenenpost. Kannst Du bitte mal den Teil mit der Absenderangabe hier einstellen? Da sollte doch auch eine Absenderadresse zu finden sein, wie auf dem Brief vom 28.04.1946.


    Es ist im Übrigen mehr als unwahrscheinlich, dass Dein Großvater in nur einem Lager war! Dass Gefangene in andere Lager verlegt wurden, war an der Tagesordnung, da man die Männer ja nach Möglichkeit zu Arbeiten heranzog. Und deshalb wurden Gefangene dorthin verlegt, wo man sie als Arbeitskräfte benötigte.


    Interessant bei der Absenderangabe auf dem Brief vom 28.04.1946 ist die Angabe: APO 164 via München! Offiziellen Angaben zufolge befand sich das APO 164 Ende Januar 1945 im französischen Metz! Wie da München rein passt, darauf kann ich mir im Moment noch keinen Reim machen :(


    Um hier verlässliche Angaben zu bekommen, empfehle ich Dir eine Anfrage zum militärischen Werdegang Deines Großvaters beim Bundesarchiv. Dabei solltest Du gezielt auch nach Unterlagen zu seiner Kriegsgefangenschaft fragen, die im Fall, dass sie überliefert wurden, belastbare Informationen enthalten. Die Kosten hierfür halten sich im Rahmen, aber Du musst mittlerweile eine Wartezeit von bis zu fast zwei Jahren einkalkulieren ...


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Stefan.

    Anbei nochmal der erste Brief. Ich hab nochmal alles eingescann und vergrößert. Scheinbar hat sich mein Großvater verschrieben bzw. Ich hab nicht richtig geschaut :(

    Schuh Karl - Gefangenschaft - Brief an Schwester - 002.jpg


    Hier jetzt das neue Datum: 27. Januar 1946 er hat aus der 5 eine 6 gemacht.

    Schuh Karl - Gefangenschaft - Brief an Schwester - 30.jpg


    Schuh Karl - Gefangenschaft - Brief an Schwester - 30 Prozent.jpg


    Jetzt hab ich noch mal selbst in meinem Vater seinen Archive gekramt (ist ja mittlerweile scho ne sucht^^ und habe das noch gefunden.

    Schuh Karl - Gefangenschaft - 1. Brief - Suche - 30.001.jpg

    Schuh Karl - Gefangenschaft - 1. Brief - Suche - 30.002.jpg


    Freue mich jetzt schon über Infos.

    Vielen herzlichen Dank Euch jetzt schon!!!


    Gruß Alex

  • Hallo Alex,


    vielen Dank für die Klarstellung mit dem Datum.


    Das einzige, was sich damit an dem von mir oben Gesagten dadurch ändern kann, wäre der Standort des APO 164: entweder noch Nancy oder schon Metz - die beiden französischen Städte liegen aber nicht allzu weit voneinander entfernt.

    Eine grundsätzliche Bedeutung für den Aufenthaltsort Deines Großvaters sehe ich darin allerdings nicht.


    Die Postkarte, die Du noch eingestellt hast, ist die Standard-Benachrichtigung, mit der Gefangene in amerikanischem Gewahrsam Ihre Angehörigen über Ihren Verbleib offiziell informieren durften. Wenn ich mich jetzt ad hoc recht entsinne, konnten die Gefangenen diese Karten erst ab Dezember 1945, also teilweise bereits ein Jahr nach ihrer Gefangennahme, versenden!


    Ich empfehle Dir nach wie vor, eine Auskunft beim Bundesarchiv einzuholen.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Danke Stefan!!!


    Hab schon ne Brief an das Budesarchiv geschickt.

    Dies tat ich schon im Januar. Habe meine beiden Großväter und die Großväter meiner Frau verschickt. Mal schauen. Ich hoffe es dauert nicht so lange!


    Aber ich muss euch schon loben! Ihr seit spitze!


    Vielen Dank?


    Gibt es eventuell Beiträge für die Kgf-Lager Metz und Nancy?


    Irgendwie stell ich mich ein wenig blöd an:D


    Dankeschön

    Gruß Alex

  • Hallo Alex,


    keine Sorge, Du stellst Dich nicht blöd an - wie kommst Du denn darauf?


    Davon abgesehen ist dieses Forum schließlich dazu da, dass man hier Fragen stellen kann und mit ziemlicher Sicherheit brauchbare Antworten darauf bekommt.


    Niemand weiß alles und selbst Fachleute hier im Forum lernen jeden Tag dazu ;)


    Ich muss nachsehen, was ich zu den Lagern im Raum Metz/Nancy finde.


    Ich kann Dir aber jetzt schon sagen, dass es gerade im Hinblick auf die unzähligen kleinen Nebenlager, in denen gerade die Männer aus den Kriegsgefangenen-Arbeitseinheiten (Labor Companies) untergebracht waren, schwierig wird herauszufinden, in welchem Ort Dein Großvater untergebracht war, wenn keine weiteren Hinweise auftauchen.


    Ich weiß auch nicht, welchen Einzugsbereich das APO 164 hatte, d. h. das Lager muss nicht unbedingt in der Nähe von Metz oder Nancy gewesen sein.


    Ich melde mich morgen wieder, wenn ich einen Blick in meine Unterlagen geworfen habe.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank Reinhard ( Eumex) für die Lagerliste. Diese Auflistung beinhaltet allerdings nur die französisch geführten Lager, die i. d. R. nicht mit den amerikanisch geführten Lagern übereinstimmen! Abgesehen davon werden in dieser Liste nur die großen (Haupt-)Lager aufgeführt. Diese hatten unzählige Nebenlager-Standorte, in denen kleinere Kriegsgefangenen-Arbeitseinheiten untergebracht waren.


    Die Franzosen hatten zwar einige der US-Lager übernommen und in eigener Regie weiter geführt, aber die Mehrzahl der französischen Lager wurde französischerseits neu eingerichtet (übernommene US-Lager erkennt man an der Bezeichnung, die von der für originäre französische Lager abweicht).


    Ich hänge mal eine (vermutlich unvollständige) Liste mit amerikanisch geführten Lagern in den Départements Moselle, Meurthe-et-Moselle, Meuse und Bas-Rhin an, die u. U. in Frage kommen könnten. Aber auch hier ist - wie bei den französisch geführten Lagern - davon auszugehen, dass die einzelnen Kriegsgefangenen-Arbeitseinheiten (Labor Companies) zwar über die großen Lager verwaltet wurden, ihren jeweiligen Standort aber an einem anderen Ort hatten.


    Gruß, Stefan

    Files

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Stefan, hallo Eumax,

    Vielen herzlichen DANK für eure Unterstützung!


    Jetzt warte ich mal die WASt ab und hoffe auf informationen über den Verlauf als Soldat meines Großvater. Hoffentlich bekomm ich ein wenig was raus aus dem Bundesarchiv.


    Also nochmal Danke an alle!

    Gruß Alex