Radovan (Rudolf) Saiko aus der Steiermark / Österreich - Recherche zu meinem Grossvater

  • Sehr geehrte Experten des Forum!


    Meine beiden Großväter wurden beide aus der Steiermark/Österreich in die Wehrmacht eingezogen. Obwohl sie ein langes arbeitsreiches Leben bis in die 90er-Jahre führten (und von meinen Großmüttern noch viel länger überlebt wurden), habe ich es leider verabsäumt Informationen („Oral History“) zur Kriegsteilnahme einzuholen. Meine Eltern wissen auch wenig bis de facto gar nichts. Nun in meinen 50ern beginne ich mich für diese beiden Biografien zu interessieren, wie viele Familien heutzutage. Als ehemals jahrelanger Milizoffizier des österreichischen Bundesheeres habe ich einen weiteren persönlichen Zugang zum Thema.


    Zwar möchte ich keine detaillierte "historische" oder "militaristische" Ahnenforschung betreiben, jedoch würde ich gerne einen groben Überblick recherchieren, der zumindest die wesentlichen Stationen und Orte mit Zeiträumen sowie Einheiten und allenfalls Funktionen meiner beiden Großväter von der Einberufung über ihre gesamten Kriegsteilnahme bis rund um das Kriegsende chronologisiert.


    Dazu stelle ich die beiden Kriegsteilnehmer jeweils in einem eigenen „Thema“ in der Rubrik Einheiten ein, wie mir empfohlen wurde. Die angegebenen Informationen sind alles was ich dazu habe.


    Nachdem ich in diesem Forum sehe, dass hier erhebliches Wissen versammelt ist, ersuche ich um sachdienliche Hinweise, Hilfe, Informationen aller Art zu meinen beiden Großvätern:

    • Infos zu sonstigen Stellen oder Archiven, wo ich Anfragen richten kann (ev. mit Einschätzung von Sinnhaftigkeit und Aussichten)
    • Infos aus der Expertise hier aus dem Forum: zB eine Aufschlüsselung der Angaben aus den Karteikarten des Bundesarchivs und davon ausgehende Tipps

    Mit Dank im Voraus und großer Neugier auf das was da kommt,

    verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!



    Hier nun die Daten:


    Radovan (Rudolf) Saiko

    Geb. 14.04.1903 in Serbien als Radovan Marinkowitsch an der damals sog. „Militärgrenze“ der K.& K. Monarchie zu Serbien. Er wurde von einem dort stationierten K.& K. Oberst und seiner Gattin Frau Maria Saiko noch als Kleinkind nach Lassnitzhöhe im Bezirk Graz-Umgebung in der Steiermark/Österreich adoptiert.

    Beilage: 1 Karteikarte aus dem Bundesarchiv sowie Begleitbrief

    Beilage: 1 Portraitfoto (Datum unbekannt)

    Beilage: 1 Feldpostkarte an den „Gfr. Rudolf Saiko“ mit der Nr. 51949 sowie in Großbuchstaben: L.P. und (a oder d) sowie Paris.


    Informationen aus der Familie bzw. anderen Dokumente:

    • Radovan Saiko muss schon ca. 1943-1944 in Kontakt mit der Resistance (M.O.I. Tarn-et-Garonne) gewesen sein und war wohl innerhalb der Wehrmacht subversiv tätig (Gegend Toulouse?)
    • Radovan Saiko desertierte im August 1944 und tauchte bei einer lokalen Resistance-Gruppe unter (Le Poujol sur Orb, Gegend Montpellier)
    • (Anm.: Der betreffende örtliche Chef der Resistance war zuvor im STALAG XVIII B in KREMS-GNEIXENDORF in Österreich inhaftiert. Wir haben bis heute Kontakt mit dessen Familie)
    • Radovan Saiko wurde nach Kriegsende 1945 von General Zeller des 16. Militärdepartements als „Zivilist“ bestätigt und konnte damit Ende 1945 die Heimreise nach Lassnitzhöhe bei Graz antreten
  • Hallo Harald,


    herzlich Willkommen bei uns im Forum.


    die erste Einheit deines Großvaters war die Flak-Ersatz-Abteilung 95 und diese lag in der Flak-Kaserne in Frankfurt/M.-Hausen

    Das war eine Ausbildungseinheit die bis Ende 1944 keine Frontverwendung hatte.

    Belegt ist auch ein Lazarett Aufenthalt im Reserve Lazarett Frankfurt/M. I, ab dem 24.11.1941 mit Leistenbruch links

    Als nächste Einheit, ausweislich der Feldpost-Nr. 51949, war er beim Landesschützen-Zug der Luftwaffe 74/XI. Das "Lgpa" Paris steht für den Leitweg

    der die Feldpost genommen hat. Er lag mit dieser Einheit im April 1942 in Frankreich.

    Der genauer Standort der Einheit ich nicht bekannt dürfte sich aber in Süd-Frankreich befunden haben da er am 12.06.1943 in das Lazarett 933

    in Toulouse eingeliefert worden ist.

    Zur Einordnung Landesschützen waren Einheiten die sich mit mit Sicherung- und Bewachungsaufgaben befasst war. Durchweg ältere und körperlich weniger

    belastbare Soldaten.

  • Hallo,


    kann bitte jemand die eingestellte Auskunft des Bundesarchivs herausnehmen? Die Personendaten des Sachbearbeiters sind dort wieder nicht unkenntlich gemacht worden.


    Vielen Dank! Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Sehr geehrter Herr JH,


    wenn Sie mich aufklären welche Daten gemeint sind, kann ich das gerne selbst machen.

    Im Beibrief habe ich meine eigenen Daten gelöscht, auf der Karteikarten ist anscheinend handschriftlich mein Name angegeben: Meinen Sie das? Sonst?


    Mfg

  • Lieber Claas,


    danke, faszinierend dieses Forum... dazu:


    1. "von" Saiko war er nie, was auch immer zu dieser Liste geführt hat. (Anm.: aber auch bei meinem anderen Großvater hat sich die Schreibweise (für die Nachwelt unbemerkt!) tatsächlich in den 20-30ern verändert, was erst beim Nachlass und Begräbnis auffiel und doch einiges an Papierkram nach sich zog. Die gute alte Zeit, am Land zumal, ohne EDV...)


    2. Zur Sache: Ich deute die Liste mit Datum 1950 als eine Wohnsitzanmeldung/Bestätigung für den Aufenthalt dort im Krankenhaus, wissen Sie mehr darüber? (aber da muss ich nicht ins Detail, danke für die Übermittlung!)


    3. Was ich nicht kenne: Warum Arolsen Archiv und was ist das?

    (Ev. kommen wir der Tatsache näher, dass mein Großvater ja nachweislich desertiert und in den Widerstand ist, darüber aber zB im Bundesarchiv nichts angemerkt ist).


    Jede Info freut,

    mit Dank nochmals,

    mfG 2GiK ;-)

  • Hallo


    Zu 2. Er war vom 24.11.1941 bis 07.01.1942 in einem Lazarett oder Hospital in Frankfurt am Main, oder wurde danach dorthin verlegt und dort entlassen. Zu dem Zeitpunkt gehörte er dem 3. Bataillon der Flak Ersatz Abteilung 95 an.


    Zu 3. Das Arolsen Archiv bewahrt vor allem Dokumente zu verstorbenen KZ-Häftlingen sowie zu ehemaligen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, die sich nach dem Krieg als sogenannte Displaced Persons in Deutschland aufhielten.

    Von der Amerikanischen Besatzungszone gibt es jedoch auch Listen mit allen Ausländern, die sich während und/oder nach dem Krieg in Deutschland aufhielten (in einem Ort in der Amerikanischen Besatzungszone).

    Diese Listen enthalten übrigens auch Ausländer, die schon lange vor dem Krieg in Deutschland lebten und keine Zwangsarbeiter waren.


    Gruss

    Svenja

  • Hallo,


    Quote


    1. "von" Saiko war er nie, was auch immer zu dieser Liste geführt hat. (Anm.: aber auch bei meinem anderen Großvater hat sich die Schreibweise (für die Nachwelt unbemerkt!) tatsächlich in den 20-30ern verändert, was erst beim Nachlass und Begräbnis auffiel und doch einiges an Papierkram nach sich zog. Die gute alte Zeit, am Land zumal, ohne EDV...)

    in Österreich wurde das Führen von Adelstiteln 1919 verboten. Auch nach Anschluss ans Deutsche Reich blieb das so, Hitler hat sich die Entscheidung über diese Frage für die Zeit nach Kriegsende vorbehalten.


    Wie hieß denn der Oberst, der ihn adoptiert hat, mit Vornamen?


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Lieber Thilo,

    dazu sind mir als Österreicher mit halbwegser akademischer Bildung die wesentlichen Daten und Umstände bekannt :-)

    Der Oberst hieß Richard Pig (1863-1929) und Saiko war der Mädchenname seiner Frau Maria Pig (1866-1945).

    Ich bin hier aber nicht auf der Suche nach der Politik dieser Zeit, sondern schlichtweg nach der Chronologie an Orten, Ereignissen und Einheiten meiner beiden Großväter vom Einrücken bis zur Rückkehr aus dem WK II.

    Danke trotzdem für das Interesse,

    bG 2GiK

  • Liebe Svenja,


    danke für die Infos!

    Der Krankenhausaufenthalt ist einmal ein Baustein der Chronologie, den ich vermerke!


    Und das Arolsen Archiv habe ich nun kennengelernt, sehe ich jetzt aber nicht als besonderes Zeichen. Wir haben diesbezüglich in unserer Familie wie auch Lebensumfeld keine besonderen Erlebnisse aus dieser Zeit. Wir waren seit meiner Urgroßelterngeneration (davor weiß ich nichts) aus und in der Region verwurzelt. Nur eben in der Zeit des Nationalsozialismus kamen meine beiden Großväter etwas herum.


    Bei dem Dokument kann sich einfach um irgendeine eine Bestätigung aus 1950 betreffend Krankenversicherung o.ä. handeln. Es gab da sicher viel aufzuarbeiten.


    Als Österreicher weiß man: Kaiser kommen und gehen, die Verwaltung bleibt ;-)

    (wie man auch hier wieder am Auftauchen verschiedener Doukemnte sieht)


    bG 2GiK