"Soldatenkrankheit"

  • Liebe Mitglieder des Forums,

    ich habe Euch in letzter Zeit – als neues Mitglied – schon einige Fragen gestellt und wirklich hilfreiche Antworten bekommen.

    Ich bin dabei, etwa 500 Briefe durchzusehen, die mein Vater seiner Frau, meiner Mutter, aus dem Krieg geschrieben hat.

    Dabei tauchen immer wieder Fragen auf. Heute diese, die Euch/Ihnen vielleicht ein wenig albern vorkommt:


    Am 28. Juni 1943 schreibt er aus Russland:

    Viele bei uns sind krank, sie fühlen sich ganz schwach und apathisch, dazu Magenschmerzen, Fieber und alles Mögliche. Man nennt das Allgemeines Wohlhygienefieber. Hoffentlich bleibe ich weiter davon verschont. Bis jetzt hat es gut gegangen. Entwarnung gibt er am 20. Juli: Die böse Krankheit habe ich also nicht bekommen, wie Du siehst.


    Was kann er gemeint haben?

    Danke und viele Grüße


    Hannes

  • Guten Abend ans Forum und an den Anfragenden,


    als Wolhynien wird oder wurde eine historische Landschaft in der Ukraine bezeichnet. Dort waren die Deutschen im Ersten und Zweiten Weltkrieg mit dem Wolhynischen-Fieber konfrontiert, einem bakteriellen Übertragungsinfekt durch Läuse.

    Paul hat durch seinen Link schon auf diese Erkrankung hingewiesen. Die vom Vater der Mutter geschilderten Krankheitssymptome kann man wohl als typisch bezeichnen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Guten Morgen Freunde,

    das besagte Fieber hatte mich im Februar 1944 im Brückenkopf südlich Narwa befallen. Ich war Funker bei einem Btl. des Rgt. 401 der 170 Inf.Div.. Ich lag mit dem Btl, vor einem, Angriff im tiefverschneiten Wald. Eigenartigerweise standen dort Zelte in denen 4-eckige Kastenöfen standen, die befeuert starke Hitze ausstrahlten. Das Fieber befiehl mich ganz plötzlich nachts. Ich lag in der Nähe des Ofens und war ganz aphatisch, nahm alles verzögert wahr. Ein Kamerad stellte mir das Kochgeschirr mit Eintopf auf den Ofen neben mir. Ich versuchte krampfhaft den Topf zu nehmen, was mir einfach nicht gelang. Am Morgen trat ich in diesem Zustand dann mit meinem Funkgerät auf dem Rücken zum Angriff an. Ich torkelte durch die Gegend wie besoffen und nahm alles wie im Traum wahr. Ich weis nur noch, dass wir unsere Funkstelle neben einem Stapel steifgefrorener gefallener Kameraden aufbauten, die uns beiden Funkern bei einem russ.Feuerüberfall vor Baumkrpierern schützten, weil wir zur Deckung unter sie krochen. Nach 2 Tagen war das Fieber wieder verschwunden. Der Sani sagte mir hinterher, dass ich das "Wodhlhynienfieber" gehabt habe.

    Herzliche Grüße

    Ferdil

    Ferdi