Der 28. April 1945 - Reaktionen im "Führerbunker"

  • Tag allerseits,


    Raymond Cartier, ein bekannter Journalist und Autor des 20. Jahrhunderts schuf mit der 3-bändigen "Geschichte des Zweiten Weltkriegs" ein umfassendes Standardwerk. Cartier recherchierte sorgfältig und schrieb vor allem über Hitler und

    sein Gefolge ausgesprochen objektiv.


    Was er über den 28.April 1945 schrieb, ist in der Tat lesenswert.


    Ich zitiere auszugsweise aus dem 3. Band, S. 1184


    Das war Hitlers vorletzter Tag, an dem er noch lebte.


    ...Es ist nicht bekannt, ob Hitler noch erfuhr, dass Mussolini am gleichen Tage ermordet wurde. Aber die Rundfunknachrichten dieses Tages brachten eine neue Enttäuschung. Himmler versuchte durch Vermittlung des Grafen Bernadotte über eine Kapitulation zu verhandeln, das berichtete damals die Agentur Reuter. Hitler sah sich von der SS getäuscht. Der Verrat hatte nach seiner Ansicht durch die Sabotierung der Gegenoffensive in Budapest begonnen. Das Versagen des SS-Führers Steiner

    vor Berlin geschah nach Hitlers Ansicht im Einvernehmen mit Himmler. Man habe ihn, Hitler, in der belagerten Hauptstadt damit den Russen ausgeliefert, so Hitler, damit der ungetreue, arglistige Himmler die Hände frei hatte und den Platz seines Chefs einnehmen kann, indem er das Reich an den Feind auslieferte!


    Hitler schloss sich mit Bormann und Goebbels ein und sie schmiedeten Rachepläne. Eine Geisel musste sofort dran glauben: Hermann Fegelein. Dieser war vor einigen Tagen nach Hause zurückgekehrt, um seine Flucht vorzubereiten. Hitler ließ ihn

    in die Reichskanzlei bzw. deren Bunker zurückbringen, wo er unter Arrest gehalten wurde. Fegelein war früher Jockey und kam dadurch zu einer SS-Kavalleriebrigade in Russland, bis an deren Spitze. Später heiratete er die Schwester der Eva Braun. Er war damit als Verbindungsoffizier der Waffen-SS in den intimen Kreis des Führers aufgenommen worden.

    Fegelein galt als Helfeshelfer des Himmler, keinerlei sonstige Schuldbeweise waren vonnöten. Er wurde deshalb im Garten der Reichskanzlei erschossen. Eva Braun hatte es abgelehnt, für ihren Schwager um Gnade zu bitten.....


    Grüße

    Bert

  • Hallo,

    ich weiß ja nicht ob das so sorgfältig recherchiert ist was er da so geschrieben hat.


    So schreibt z.B. Traudl Junge, Hitlers Sekretärin, das Eva Braun alles versuchte um ihren Schwager zu retten.

    Ausserdem meine ich irgendwo gelesen zu haben das Fegelein den Führerbunker unerlaubter Weise verlassen hatte und

    sich auf der Flucht befand.


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Grüß Dich uwys,


    ich kenne die Aussagen von Traudl Junge nicht. Ich neige aber eher dazu, den Worten des Raymond Cartier mehr Glauben zu schenken. In all seinen Werken ist schlüssig nachzuvollziehen, dass er sorgfältig

    recherchierte. Tatsache ist aber, dass Fegelein erschossen wurde. Der "Führer" hatte also am vorletzten Tag seines Lebens nichts Wichtigeres zu tun, als einen Menschen ohne Gerichtsverfahren umzubringen.

    Das ist das Besondere an diesem historischen Ereignis. Hitler war weder ein Staatsmann noch ein Kriegsherr. Er war en geistiger Kleinbürger bis an sein Lebensende!


    Grüße

    Bert

  • Guten Tag ans Forum,


    Das vom französischen politischen Journalisten Raymond Cartiers 1965 erschienene Werk zum Zweiten Weltkrieg ist als themenbezogenes Standardwerk anerkannt.

    Das wäre sicherlich nicht geschehen, wenn Cartier nicht sorgfältig recherchiert hätte.

    Zwischen dem Erscheinungsjahr 1965 und 2020 liegen zwar 55 Jahre mit weiterer geschichtlicher Forschung und ich weiß nicht mit wie vielen Neuerscheinungen zu Hitler,

    aber nichtsdestotrotz: was zum Beispiel die Definition zur Demokratie von Aristoteles betrifft, ist diese auch heute noch zeitgemäß, wenn auch später andere anerkannte Definitionen hinzugekommen sind.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Grüß Dich Peter,


    was natürlich auch für Cartier spricht, er war in keiner Weise als Franzose "befangen". Er konnte es sich auch erlauben, über das NS-Regime durchaus objektive und vernünftige Aussagen zu treffen, ohne das Demokratieverständnis in irgend einer Form hintanzustellen. Welche kriminelle Veranlagung Hitler hatte, beweist die schnelle Liquidierung Fegeleins. Die ganze damit im Zusammenhang bestehende Problematik beschreibt Cartier - ohne subjektive Bewertungen - in kurzen, aber treffenden Worten.


    Die Geschichte des 2. Weltkriegs schrieb Cartier in französischer Sprache und in einer besonders lesenswerten Form. Die deutsche Übersetzung scheint jedenfalls gelungen zu sein.


    Herzliche Grüße

    Bert

  • Hallo,

    ich meine aber doch, daß einige nach 1965 erschienene Erinnerungen ernstgenommen werden müssen:

    Erich Kempka: "ich habe Adolf Hitler verbrannt" von 1950 und von demselben: "die letzten Tage mit Adolf Hitler" von 1991,

    Traudl Junges Erinnerungen von 2002 (wurden bereits erwähnt) sowie

    Rochus Misch "Der letzte Zeuge" von 2009

    Gruß, Hector

  • Hallo werte Mitforisten,


    im SPIEGEL 15 1995 ist auf Seite 173 in der linken Spalte zu lesen:


    "Mit rotgeweinten Augen bittet Eva Braun um Gnade für den Vater des Kindes, das ihre Schwester bald gebären wird, vergebens: Hitler läßt Fegelein im Ehrenhof der Reichskanzlei erschießen, Freund Mussolini hat ja auch seinen Schwiegersohn Graf Ciano hinrichten lassen."


    ( https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9182358.html )


    Ob das natürlich so stimmt, vermag ich nicht zu sagen.


    Beste Grüße,

    Manfred


  • Tag allerseits,


    widersprüchlich bleiben manche Dinge, die sich 1945 im Führbunker ereignet haben sollen. Da gab es natürlich auch Leute, die fabelhafte Geschichten über den Führer und Eva Braun unters Volk brachten. Selbst Presseorgane wie der SPIEGEL berichteten darüber. Eva Braun sei dem Adolf untreu gewesen; sie habe zeitweise ein Verhältnis mit dem Fegelein gehabt und deswegen weinte sie bitterlich, als Fegelein trotz ihrer Bitten beim "Führer" erschossen wurde.....


    Jedenfalls lässt Carrier sich auf solche unsinnige Fabelgeschichten nicht ein. Kern des Ganzen ist für mich, mit welcher Kaltblütigkeit der "Führer" den Fegeleim umbringen lässt!


    Grüße

    Bert

  • ...Selbst Presseorgane wie der SPIEGEL berichteten darüber. Eva Braun sei dem Adolf untreu gewesen; sie habe zeitweise ein Verhältnis mit dem Fegelein gehabt und deswegen weinte sie bitterlich, als Fegelein trotz ihrer Bitten beim "Führer" erschossen wurde...

    Hallo!

    Seitdem ich "Der Untergang" gesehen habe, interessiert mich auch diese Zeit ein bißchen.

    Von daher: Kannst Du bitte einen Link zu dem Spiegel Artikel einstellen?

    MfG

  • Tag allerseits,


    auf die Schnelle fand ich dies:


    ...

    Spätestens ab 1944 soll sie ein Verhältnis mit Hermann Fegelein gehabt haben, dem Verbindungsmann von SS-Chef Heinrich Himmler im Führerhauptquartier. Eva Braun habe ihn mit ihrer Schwester "verbändelt", um mit ihrem Schwager Umgang haben zu können. Nur seinetwegen sei sie im März 1945 nach Berlin gekommen. Und erst als Fegelein sich mit einer anderen Frau absetzen wollte, entschied sich Eva Braun laut Joachimsthaler, mit Hitler in den Tod zu gehen. Beweisen lässt sich das allerdings nicht.

    .....


    Es ist schon irgendwie typisch, dass sich auch die WELT in gewisser Fabulierlust mit unbewiesenen Dingen befasst.

    Quelle

    https://www.welt.de/print-welt…6/Junggeselle-Hitler.html


    Grüße

    Bert

  • ...auf die Schnelle fand ich dies...

    Hallo !


    Ach so...

    Ich dachte, Du hast einen konkreten Spiegel Artikel in der Hinterhand, aus dem dieses "Episödchen" stammt und der ansonsten die Situation und das Geschehen damals umreißt.


    Manchmal gibt es dort ja wirklich interessante, mehrteilige Artikel - ich hoffte, daß Du gerade so etwas gelesen hattest und damit parat hast.


    MfG