Kriegschronik entschlüsseln

  • Hallo Alex,


    ja, in manchen Kruschelkisten geht nichts verloren?


    Die Boote der 4. Landungs-Flottille F 366, F 612,F 387, F 459 und F 623 würde ich jetzt mal ausschließen. Die 4. Landungs-Flottille gehörte zum Zeitpunkt 9.9.1943 der 2.-Landungs-Division an und wurde erst Januar 1944 der 7. Sicherungs-Division unterstellt.


    Die 22. U-Jagd-Flottille mit den U-Jägern UJ 2203 bzw. UJ 2219 kommt somit in näherer Betrachtung. Ein endgültiges Ergebnis bringt die Auskunft des Bundesarchives.


    Dennoch ein Schritt weiter :thumbsup:


    Gruß

    Lothar

  • Guten Tag ans Forum und an "alex.wertheim",


    die in der Gefangenschaft angefertigte Holztafel scheint von "Form und Inhalt" her ein beliebtes Erinnerungsstück gewesen zu sein.

    Zum Vergleich füge ich mal ein Foto der Tafel meines Vaters bei, die er von einem Mitgefangenen bekommen hatte.

    Zum Lager Altamira (Italien) kann ich leider nichts beisteuern.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

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  • Guten Morgen zusammen,


    Danke für die bisherige Hilfe bzgl der Forschung zu meinem Großvater.

    die in der Gefangenschaft angefertigte Holztafel scheint von "Form und Inhalt" her ein beliebtes Erinnerungsstück gewesen zu sein.

    danke für die Tafel aus Dachau. Sehr spannend. Zumal ja auch die Blume darin sehr identisch aussieht. Kennt ihr die Blume und ggf für was sie steht. Mein Großvater war nach und vor dem Krieg zwar landwirtschaftlischer Gehilfe und Gärtnergeselle, ich jedoch habe davon nichts abbekommen...

    Zum Lager in Altamura habe ich nichts weiter gefunden als diese Links, da sind Informationen aber sehr spärlich. Danke dennoch.


    In weiteren Kise ist nun ein Tagebuch/Kalender aufgetaucht, aus dem hervorgeht, dass unser Großvater am 30. Mai 1944 den Befehl „zum Einsteigen auf Boot 2216“ bekommen hat. Damit dürften wir das erste Schiff schon zweifelsfrei identifiziert haben. Im Anhang habe ich ein Foto für Euch.


    Ich werde mich nun an Autor Krellenberg wenden und höflich nachfragen, ob er über sein Buch oder seine einzelne Abhandlung zu UJ2216 (http://www.manfred-krellenberg…8d16effff8089ffffffef.pdf) hinaus noch Informationen hat.


    Herzlichen Dank und viele Grüße!

  • Hallo Alex.

    Kennt ihr die Blume und ggf für was sie steht.

    Es handelt sich hierbei um das Alpen-Edelweiß.

    Es steht für Mut und Tapferkeit sowie die Liebe.

    Mittlerweile ist die Entnahme aus der Natur ja streng verboten, aber früher war es ein gängiger Beweis von Mut und Tapferkeit in die (damals noch unzugänglicheren) Berge zu steigen und dort ein Edelweiß zu pflücken. Schenkte man dieses dann seiner Angebeteten, war dies ein Zeichen großer Zuneigung.

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo Alex,


    mit der Eintragung der Bootsnummer 2216 in das Kalendertagebuch zusammen mit den Angaben in der Kriegschronik sowie der Verleihungsurkunde des Kriegsabzeichen für Minensuch, U-Boot-Jagd- und Sicherungsverbände besteht für mich wie bereits schon zuvor vermutet kaum mehr eine Zweifel daran, dass Dein Großvater ebenso wie meiner bei der 22. U-Bootjagdflottille seinen Dienst tat. Ein paar tolle Sachen hast Du da in der kurzen Zeit zusammengetragen. Sehr schön auch das Relikt aus der Gefangenschaft. Mein Großvater war übrigens in einem Gefangenenlager in Pisa.


    Gut dass Du Dich an Manfred Krellenberg gewandt hast. Dieser kann Dir bestimmt noch ein paar zusätzliche Informationen zu UJ-2216 geben. Ich spreche da aus Erfahrung...;)


    Da UJ-2216 meines Wissen nach erst realtiv spät nach der Indienststellung in den Einsatz kam, vermute ich allerdings, dass Dein Großvater vorher noch auf anderen Booten gefahren ist, wodurch durchaus auch wieder UJ-2203 oder UJ-2219 in Frage kommen könnten. Je nach Laufbahngruppe und Bedarf haben die Marinesoldaten oftmals die Bordkommndos innerhalb der Flottille gewechselt.
    Mein Großvater gehörte als Signäler jedoch zu den s.g. Funktionären an Bord und ist daher vorrangig nur auf UJ-2221 eingesetzt worden.
    In der Regel kannten sich die Besatzungsmitglieder innerhalb einer Flottille untereinander und pflegten in der Freizeit den privaten Umgang an Land miteinander. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass sich unsere Großväter damals gekannt haben, bzw. sich zumindest einmal über den Weg gelaufen sind.


    Wenn erst die Auskunft aus dem Bundesarchiv vorliegt, können wir bestimmt auch noch etwas mehr über den militärischen Werdegang (Ausbildungsstationen) Deines Großvaters vor der Tätigkeit bei der 22. U-Bootjagdflottille herausfinden.


    Bitte halte uns auf dem Laufenden.


    Beste Grüße


    Falko



  • Hallo Alex,


    wieder ein Schritt weiter.


    Ich sehe das dein Großvater als Besatzungsmitglied von UJ 2203 oder 2219 nach deren Versenkung am 9.9.1943 und nach Verwundung und Erholung, er am 30. Mai 1944 auf UJ 2216 einstieg.


    Schon eine Anfrage am Bundesarchiv getätigt? Halte uns weiter auf dem laufenden.


    Gruß

    Lothar

  • Guten Abend zusammen,


    ich freue mich sehr von Euch zu lesen. Ich bin richtig im Fieber und danke Euch sehr für Eure helfenden Zeilen. Ich habe das Gefühl meinem Großvater derzeit sehr nahe zu sein. Das ist sehr schön.

    Zum Verständnis: Ich lebe inzwischen rund 300km von meiner Familie und noch lebenden Großmutter (die Frau des hier behandelten Heinrich Klein) entfernt. Ich bekomme die Inhalte der angesprochenen Kiste nur häppchenweise, sodass es für Euch als Außenstehende etwas merkwürdig aussehen muss, wenn sich die Informationen nur langsam zusammen fügen, trotz vorhandener eigener Aufzeichnungen.


    Lieber Systemlord. Danke für die Ausführungen zum Alpenedelweiß. Ich hatte sowas vermutet und kann die Holztafeln dank Deiner Info nun besser verstehen!


    Lieber Falko. Ich habe den Antrag ans Bundesarchiv erst in den vergangenen Tagen per Mail rausgeschickt. Da muss ich nun noch länger aushalten... ich werde hier aber in jedem Falle berichten.

    Ich denke auch, dass mein Opa auf 2219 oder 2203 war. Nach der Versenkung und Verwundung am 9.9.43 könnte er sich erholt haben.

    Danach das Kommando für uj2216. Mal gucken, was die Damen und Herren im Archiv dazu haben. Ich bin sehr gespannt.


    lieber Lothar,

    auch Dir vielen Dank. Du hast mich erst auf Herrn Krellenbergs Buch gebracht. Manchmal bin ich total erstaunt, dass es ausgerechnet zur möglichen Flottille auf welcher mein Großvater gedient haben könnte, ein solches Werk gibt.


    Noch weitere Ergänzungen, wenn es Euch interessiert:
    Der Kalender, den wir gefunden haben, ist vom Jahr 1944.


    Der erste Eintrag ist aus dem März 1944. Ich würde Euch gerne einige Seiten fotografiert hier einstellen, wenn es Euch interessiert.


    Im April wurde mein Großvater in den „Unterstab“ aufgenommen. Tätigkeit: Tischler (Ich hoffe, ich lese das richtig!?) Was ist ein Unterstab?


    Im Juli ist eine spannende Woche: zuerst mehrere Feindberührungen, dann hat er das Attentat von Graf v Stauffenberg auf Hitler verzeichnet.


    Am 24. Juli schreibt er „Umänderung der XX (kann ich nicht lesen). Ein Dank der Wehrmacht an den Führer.“ Ich kann mit diesem Eintrag nichts anfangen.


    Ab Ende Juli schreibt er öfter von „ ..-. „

    (Punkt, Punkt, Strich, Punkt). Ich habe das Gegoogelt und leite mir es holprig selbst her: es steht für das u im Morsealphabet. Ich habe gelesen, dass manche auch „u are in danger“ interpretieren. Das könnte auf Feindkontakt hindeuten. Aber das ist mir irgendwie zu wenig fundiert...


    Ich erstelle unten einen weiteren Kommentar, um mehr als die 5 erlaubten Bilder in einem Kommentar anzufügen. bis gleich...


    Viele Grüße!!!

  • Hier geht es nun weiter:


    Ende August 1944 schreibt er von der letzten Seefahrt auf 2216. danach ist er mit Gelbsucht ausgestiegen. Eine glückliche Fügung, wenn man sich den weiteren Verlauf von UJ2216 anschaut, den er dann auch beschreibt.


    was nach einem weiteren Urlaub ab Oktober bis Jahresende passiert, weiß ich nicht. Ab Oktober schreibt er täglich ein Gedicht in die einzelnen Tagesfelder. rein gar nichts mehr zu seiner Rolle im Krieg.


    Zum Abschluss habe ich aber noch etwas besonderes. Ein paar Zeilen eines damaligen Freundes. Ganz vorne auf Seite eins. Quasi die Innenseite des Einbandes:

    „Echte Freundschaft bezwingt jedes Hindernis- Dein Freund Werner vergisst dich nicht“

    Darunter steht der volle Name und eine Adresse eines Dorfes in Oberfranken. (Ich möchte das hier sicherheitshalber nicht veröffentlichen, da ich nicht weiß, ob betreffende Person an der Adresse heute noch lebt oder Nachkommen dort hat.


    Ich habe in dem Ort schon drei Personen mit dem gleichen Nachnamen angeschrieben, mit der Frage ob ihnen. Ein Werner in ihrer Familie bekannt ist, der im Krieg war.


    Sehr spannend alles... sehr spannend. Danke für Eure Hilfe und Euer Interesse!


    Und nochmal: viele Grüße...

  • Hallo Alex,


    der Eintrag am 24. Juli heißt "Umänderung des Grußes".


    Gruß aus dem Norden

    Achim

    In Memoriam: Richard Möller *06.06.1907 MIA 16.01.1945 und Wolfgang Möller *04.02.1936 +11.05.2012

  • ... einzelne Abhandlung zu UJ2216 ...


    Hallo,


    in der Chronik Seekrieg der WLB ist einiges zu UJ 2216 und zur 22.U-Jagdflottille zu finden, nachfolgend nur mal der Eintrag zur Versenkung, Zitat:


    12.– 14.9.1944 Mittelmeer
    Am 12./13.9. legen ein Minenschiff und 2 MFP südöstlich von La Spezia die Minensperre »Hummel«. Am 13./14.9. legen 2 MFP die Minensperre »Hornisse«. Der den Rückmarsch der MFP deckende dt. U-Jäger UJ 2216 (ex-franz. L’Incomprise) wird vor Sestri Levante bei einem Angriff des US PT 559 (Lt. Nagle) versenkt.

    Quelle: https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/44-09.htm


    Die Versenkung von UJ 2216 wird auch in amerikanischen Quellen genannt, so z.B. in "At Close Quarters - PT Boats in the United States Navy" von Robert J. Bulkley Jr.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo zusammen,


    im KTB der 22. U-Bootjagdflottille ist zu UJ-2216 für den 13.09./14.09.1944 Folgendes eingetragen:


    13.09.44: U.-Jäger 2216 läuft aus. Er soll vor Tino zwei M.F.P. aufnehmen und nach Genua geleiten.
    14.09.44: U.-Jäger 2216 nimmt 2 Minenfährpräme auf und tritt Marsch nach Genua an. Geleit wird von Flugzeugen mit Leuchtbomben und Markierungsbojen beleuchtet und mit Bomben angegriffen. Angriff durch 2 P-Boote mit 5 Torpedos. U-Jäger 2216 erhält Torpedotreffer achtern und sinkt in kürzester Zeit. Besatzung wird durch die M.F.P. und das Führerbootes eines Gegengeleits gerettet. 6 Mann sind gefallen, 17 vermisst, 9 verwundet. Gefechtsbericht ist beigefügt.


    Der Gefechtsbericht und Skizzen aus dem KTB hat Manfred Krellenberg online gestellt. (http://www.manfred-krellenberg…8d16effff8089ffffffef.pdf)


    Beste Grüße


    Falko