Versorgung von Gehirn - und Schädelverletzten ?

  • Hallo,


    eine Frage, die mich schon seit längerem beschäftigt, ist, wie wurden bei der Wehrmacht Gehirn - und Schädelverletzte versorgt.

    Gab es für sie spezielle Lazarette (z.B. in den von Bodelschwingh'schen Anstalten Bi-Bethel)?


    Auch würde mich interessieren, wie Trauma-Patienten behandelt wurden?

    (aus Zeiten WK I gibt es Aufnahmen von so genannten "Kriegswacklern", denen im Schützengraben die Nerven durchgingen)

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Tag allerseits,


    ein Kriegskamerad meines Vaters erlitt eine schlimme Schädelverletzung. Er sollt damals eine Metallplatte in den Schädel verpflanzt bekommen haben. Nach einem langen Lazarettaufenthalt kam er wieder

    recht gut mit dem Leben zurecht. Er war zwar halbseitig etwas gelähmt und hatte danach auch gewisse Probleme beim Sprechen. Er ließ sich nicht unterkriegen und lief bis Kriegsende mit einem Stock durch

    die Gegend - immer in Uniform (er war Hauptmann). Er war wohl ein Paradebeispiel dafür: "Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!" Andere Schwerkriegsbeschädigte, die sich nach der Kriegsverletzung "gehen ließen",

    kamen nicht mehr richtig auf die Füße....


    Grüße

    Bert

  • Hallo zusammen


    Mein Großvater ist im Frankreichfeldzug, am Kopf, verletzt worden!

    So daß er ausgemustert wurde!

    Er hatte wohl einen Schädelbruch ohne Splitter im Gehirn.

    Habe ich aus einem Antwortschreiben vom Amt.

    Soweit ich die Unterlagen verstehe war er in einem normalen Lazarett.

    Er hat mich noch gesehen, ist allerdings gestorben als ich drei Jahre alt war.

    Das Herz hat nicht mehr mitgemacht.


    Gruß Arnd

    Edited once, last by Arnd50 ().

  • Hallo Gerd,


    das klärt zwar Deine Frage nicht speziell, aber vom Inhalt her zumindest für die schlimmsten Fälle.


    https://wehrmed.de/article/325…im-zweiten-weltkrieg.html


    http://www.med.uni-magdeburg.d…d9_Kapitel10_Pfeiffer.pdf


    Eindeutig ist die Gruppe der Hoffnungslosen wurde - zumindest nicht lebenserhaltend - versorgt.

    Kein schönes Ergebnis für solche Verwundete, aber die Vielzahl der Verwundeten erforderte - und das gilt auch heute - für solche drastische Maßnahmen.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    danke für die beiden Berichte.


    Ich kenne die Triage aus meiner Zeit als Sani bei der BW, aber ich kann mich nicht erinnern, über hoffnungslose Fälle gesprochen zu haben.

    Erst bei meiner einzigen Wehrübung 1990, wurde das Thema und wir spielten einen hoffnungslosen Fall durch.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

    Edited once, last by Gerd Wolf ().

  • Hallo,

    ich weiß von einem ehemaligen hohen in Ungnade gefallenen NSDAP-, genauer NSLB-Funktionär, gebürtig aus HH, der aufgrund "abweichlerischer Tendenzen" 1934 aus dem Reichserziehungsministerium entfernt wurde und dann später im Krieg als Hauptmann a.D. in Kiel in einer speziellen Institution Reha-Maßnahmen für schwer Schädel/Hirnverletzte betreute. Nach dem Krieg wurde er als belasteter NSDAP-Partei Funktionär nicht wieder ins Beamtenverhältnis übernommen und schlug sich als Privatschullehrer durch.

    Gruß,

    JR

  • Hallo Gerd,


    anbei ein Beleg für ein Hirnchirurgisches Sonderlazarett in Odessa.


    Ich kann mich grob an eine Aussage von "Peter Bamm" in seinem (sehr lesenwerten) Buch "Die unsichtbare Flagge" über seinen Einsatz als Chirurg in einer bespannten Sanitäts-Kompanie erinnern:

    Sinngemäß und ohne Gewähr seine Aussage: "Der Schädelschuss" muss nicht sofort operiert werden, er verträgt auch einen Flug. Wenn er aber operiert wurde, braucht er absolute Ruhe. Aber nur in wenigen Sonderfällen war Lufttransportkapazität vorhanden.


    Wenn Du magst, suche ich die genaue Stelle mal raus.


    Viele Grüße nach Bielefeld!

    Bernhard

  • Guten Morgen,


    Zitat eines Mitglieds des Wissenschaftlichen Senats im Heeressanitätswesen, Dr. Bumke im Herbst 1942:

    "Ausnehmen kann man Schwachsinnige, die entlassen werden können, sofern gleichzeitig das Sterilisierungsverfahren betrieben wird,

    denn dann erfährt ja jeder, daß sie nicht ihres Zitterns, sondern ihres Schwachsinns wegen vom Wehrdienst befreit worden sind."


    Es geht um seelisch-nervöse Reaktionen von Soldaten (die so genannten Kriegszitterer)


    Quelle: Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich - Wer war was vor und nach 1945; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 2011

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)