Rekonstruktion möglich?

  • Hallo zusammen,

    aufgrund der "Familienzusammensuche" bin ich hier gelandet. Obwohl mich MIlitärisches nicht interessiert, muss ich mich damit wohl nun beschäftigen.

    Mal sehen, was wir aufklären können...

    Der Vater meines Schwiegervaters, *1912, war Militärreisenbahner. Vermisst seit 03/44, begraben in Saldus/Lettland.

    Erkennungsmarke wurde mir mitgeteilt.

    Kann ich irgendwie herausfinden, was vermutlich die letzte Fracht war, oder z.B. wohin er fuhr - um das etwas zu rekonstruieren?

    Und wie groß ist das Einzugsgebiet eines Soldatenfriedhofs? Sprich in welchem Umkreis ist er verschollen/gestorben?

    Vielleicht kann jemand helfen.

    Vielen Dank und bleibt gesund!

  • Hallo "LeCe",

    hier im Forum gibt es ein paar Kollegen, die dir vielleicht ein paar gute Puzzlesteinchen legen können.

    Was jeodch von Bedeutung wäre: der Name des gesuchten Schwiegervaters, wenn möglich die -dir bekannten- Eintragungen auf der Erkennungsmarke und wenn vorhanden, auch die letzte bekannte Einheit / Feldpostnummer . Ansonsten ist eine Suche praktisch unmöglich.


    Aus dem Stand heraus eine erste, grobe Zuordnung: auf dem Soldatenfriedhof sind wohl überwiegend die während der Kämpfe im "Kurland-Kessel" bestattet.


    Viel Erfolg!


    Herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Danke Uwe. Also nochmal an Alle.

    Um Zusendung der verzeichneten Meldungen habe ich gebeten, schickt das Bundesarchiv sowas raus? Allerdings würde das lange dauern, bis ich überhaupt Antwort erhalte.

    Die Erkennungsmarke von Viktor Roman Cebulla trägt die Nummer: -5038-F.M.Abt. 10. (Hatte die Hoffnung, dass sich aus der Nummer die Einheit erschließt :-)

    Danke

  • Demnach liegt Viktor Roman Cebulla leider nicht in Saldus begraben. Es wird dort lediglich an ihn erinnert.

    da war ich wohl so perplex, dass er dort auftaucht...:-) Danke für den Hinweis

    Hierbei handelt es sich um die Feldeisenbahn-Maschinen-Abteilung 10.

    Heißt das, dass er für die Zuführung ins KZ nicht zuständig war oder ist das doch nicht auszuschließen?

  • Demnach liegt Viktor Roman Cebulla leider nicht in Saldus begraben. Es wird dort lediglich an ihn erinnert.

    Hallo Bernhard,

    aber das heißt immerhin, dass er seinen letzten Einsatz in Lettland hatte?

  • Hallo LeCe,


    a) ja, das deutet darauf hin: Der Sammelfriedhof in Saldus ist wohl für die in Kurland (südwestl. Landesteil Lettlands) Gefallenen "zuständig".

    "Vor allem Gefallene aus den Kämpfen in Kurland (Ende 1944 bis Anfang 1945) erhalten hier ihre endgültige Ruhestätte."


    b) Die Erkennungsmarke 5038-F.M.Abt. 10 gibt leider (normalerweise) nur Auskunft darüber, zu welcher Einheit der Soldat eingezogen wurde. Diese Nummer blieb ihm "für immer". Auch wenn der Soldat zu anderen Einheiten kam, behielt er (im Normalfall) immer seine alte Erkennungsmarke. Wir können also nur sagen, dass Viktor Roman Cebulla vermutlich (als 5038. ?) zur Feldeisenbahn-Maschinen-Abteilung 10 eingezogen wurde.


    Da diese erst im Mai 1942 aufgestellt wurde, wurde er erst sehr spät im Krieg und sehr alt (mit 30 Jahren) eingezogen.

    Vermutung: Er war bisher als Eisenbahner(spezialist) in der Heimat unabkömmlich. Damit ist es aber recht wahrscheinlich, dass er als Spezialist bei der F.M.Abt.10 blieb.


    Die Feldeisenbahn-Maschinen-Abteilung 10 wurde am 6.Mai 1942 durch das WBK Halle als Heerestruppe aufgestellt. Die Abteilung war in Nordrussland eingesetzt, und wurde im März 1944 (sein Vermisstenzeitraum!) aufgelöst, und bildete die Feldeisenbahn-Maschinen-Kompanien 38, 39, 40 und 41.

    Siehe den Link von Matthias: http://www.lexikon-der-wehrmac…triebstruppen/FEBMA10.htm


    c) Hast Du schon mal in den Vermisstenbildlisten nachgeschaut, ob es Vermisste der F.M.Abt.10 gibt?


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo Le,


    also, hat doch schon geklappt mit ein paar Puzzle-Steinchen! ,-)


    Weil ich da was mit "Transporten ins KZ" lese... ...ein allgemeiner Hinweis zu den Feldeisenbahnern.

    Damit bezeichnet man denjenigen Truppenteil des Heeres, der im Frontbereich für die Durchführung des Eisenbahnbetriebes zuständig war. Hier liegt der Schwerpunkt der Aufgaben bei der Versorgung der fechtenden EInheiten mit Munition, Verpflegung, Waffen und Gerät sowie Baumaterial.

    ( Du kannst Dich hier im Forum gerne dazu einlesen, Matthias Kähler und seine Kollegen von der Arge Eisenbahn haben dazu einiges recherchiert und hier eingestellt )


    Worüber Du dich zu sorgen scheinst ist sicher nicht in den Aufgabenbereich der Feldeisenbahner gefallen.


    Herzliche Grüße

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Bernhard,


    Quote

    Hast Du schon mal in den Vermisstenbildlisten nachgeschaut, ob es Vermisste der F.M.Abt.10 gibt?

    es gibt zwei Vermißte der Einheit FPN 27324, Viktor Roman Cebulla ist nicht darunter, einmal Thomas Keitel ohne Vermißtenort und einmal Ehme Kuhlmann vermißt Riga 3/44.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Das sind ja viele Neuigkeiten von Viktor Roman. DANKE! Auch sein Sohn wird sich freuen!

    Gab es denn auch im März 44 markante Kämpfe in Lettland? Kurland war ja erst im Herbst. Und so ein Angriff auf einen ganzen Zug müsste doch irgendwo verzeichnet sein...(sollte man meinen).

    Ehme Kuhlmann vermißt Riga 3/44.

    ...und scheinbar sind ja mehrere vermisst.

  • Hallo,

    mir sind noch weitere Fragen eingefallen.

    Wo kann z. B. die Ausbildung als Eisenbahner vermerkt sein. Das Eisenbahnverrmögen hat keine Personalakte mehr.

    in einem Nachruf unbekannten Autors, der bei meinen Schwiegereltern an der Wand hängt, steht folgednes( was die Person betrifft und stark gekürzt):

    "Eingerückt 1939 nach Tropau. Feldzug in Polen. Uk-gestellt bis 1942. Abgestellt nach Russland. Er nahm ehrenvollen Anteil an den Abwehr- und Rückzugsgefechten bis Schlesien. Am 20.01.1945 gefallen für sein Vaterland."

    Weißt heißt UK-gestelllt? Mich irritiert auch das Todesdatum, der Januar 45.

    Danke Euch und schöne Ostern!

  • Hallo LeCe,


    a) Hier siehst Du die Frontlage Ende Februar 1944:

    http://www.gutenberg-e.org/esk01/maps/LageOst29Feb44a_lg.jpg


    b) Interessant finde ich, dass Thilo in den Vermisstenbildlisten einen Soldaten gefunden hat,

    der in der selben Einheit wie vermutlich Dein Verwandter FPN 27324 (F.M.Abt.10) und zum selben Zeitraum vermisst gemeldet wurde wie Viktor Roman:

    Ehme Kuhlmann vermißt Riga 3/44. Riga war zumindest Ende Febr. 1944 ja noch recht weit hinter der Front.


    c) Du schriebst: "Und so ein Angriff auf einen ganzen Zug müsste doch irgendwo verzeichnet sein."

    Gibt es Informationen, dass Viktor Roman beim Angriff auf einen Zug versprengt wurde?

    Eisenbahner sind ja nicht nur mit dem Zug gefahren, sondern sie haben Bahnhöfe und Stellwerke betrieben, Strecken und Fahrzeuge repariert.

    Ich bin kein Spezialist für Eisenbahntruppen, aber vielleicht weiß jemand, was die Hauptaufgabe von Feldeisenbahn-Maschinen-Abteilungen war?


    d) Bezieht sich der Nachruf bei Deinen Schwiegereltern auf Viktor Roman? Wenn Du magst, könntest Du ihn hier einstellen.


    e) "uk-Stellung" bedeutet, dass ein Wehrpflichtiger nicht eingezogen wurde, weil er in der Heimat "unabkömmlich" war. Z. B. weil er als ausgebildeter Eisenbahner oder Facharbeiter "unersetzlich" war.

    Je länger der Krieg dauerte, desto strenger wurde "gesiebt".


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo LeCe,


    Maschinenämter entstammen dem Eisenbahn-Wesen,

    Die deutsche Reichsbahn war in regionale Direktionen untergliedert ( "Reichsbahn-Direltion Stuttgart", "Reichsbahn-Direktion Berlin" etc. ).


    Innerhalb der Direktionen gab es jeweils wieder regionale Untergliederungen wie

    - Betriebsämter ( "für alles, was mit der Durchführung des Fahrbetriebes zusammenhängt" ) ,

    - Bahnmeistereien ( Instandhaltung der Gleisanlagen ) und neben einigen anderen Stellen auch die sogenannten Maschinenämter.

    Diese Maschinenämter waren für die Belange des Lokfahrdienstes zuständig, ihnen unterstanden die Betriebswerke ( "Heimat" und Einsatz-Dienstelle für die Loks und das Lokpersonal ) in der Region sowie die Werkstätten zur Wartung und Reparatur der Lüße oks.


    Vielleicht konnte ich mit der Kurz-Version einen ersten Überblick ermögliochen. Bei weiteren (Rück-) Fragen kannst Du dich gerne melden.


    Herzliche Grüße und frohe Ostern

    Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Guten Abend "LeCe",


    Anrede und Gruß, Forumsregel, unbekannt?

    Liest man sich nicht immer erst die Hausregeln durch b e v o r man die gute Stube betritt?


    Immer wieder ein Ärgernis, aber wohl nicht zu ändern.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!