General der Infanterie Walther von Unruh, aus Klein Tillendorf .

  • Ich grüsse Sie alle .

    Wie schon erwähnt beschäftige ich mich zur Zeit mit dem Kapitel "Wehrwirtschaft - und Rüstungsstab" in Frankreich .

    Dabei habe ich in RW 24/135 gelesen ,dass der General von Unruh am 29/3/1943 in Le Mans war , und zwar als Sonderbeauftragter des Führers

    In seiner Biographie,liest man, dass er an der Ostfront war .

    kann mir jemand dabei helfen ?


    Jetzt noch zwei "dumme" Fragen :

    In der Bio liest man,dass ihm am 27/8/39 als sogenannter Tannenberggeneral die Charakter eines Generalleutnants verliehen wurde .

    1/ Was ist "einTannenberggeneral" ? War er bei der Tannenbergerschlacht im ersten WK?

    2/ Was bedeutet : " eine Charakter verleihen ",


    Ich weiss, es sind zwei blöde Fragen,aber meine Militärkenntnisse sind sehr begrenzt,, denn das Gebiet ist unwahrscheinlich umfangreich und kompliziert,und ich versuche sie zu ergänzen.

    Im voraus vielen Dank .

    Mit freundlichen Grüssen.

    Johannes Maria

  • Hallo Johannes Maria


    Es gibt keine blöden Fragen nur blöde Antworten!


    Der Titel Tannenberggeneral bezieht sich auf eine Beförderung am Tannenbergtag am 27.08.1939!

    Also nichts mit der Schlacht von Tannenberg sondern eine Veranstaltung zur Erinnerung daran!


    Die Verleihung des Charakters bedeutet, du hast den Titel, aber nicht den zustehenden Sold!


    Salopp gesagt Titel ohne Mittel ;)



    Gruß Arnd

  • Hallo Johannes Maria,


    1) aus Anlass des 25 jähr Jubiläums der Tannenbergschlacht wurde "verdienten" Offizieren und zT auch Portepeeträgern ehrenhalber (also ohne konkrete Beförderungsanlass) der nächsthöhere Dienstgrad verliehen.

    2) "Charakter verleihen". Schon seit "altpreußischer Zeit" wurde Offizieren, die entweder mangels Fähigkeiten vor dem Abschied standen, oder verdienten Offizieren gegen Ende ihrer Dienstlaufbahn der Titel (dh Charakter) des nächsthöheren Dienstgrads verliehen. Das höhere Gehalt wurde nicht gezahlt und in den Ranglisten rangierten diese "Chargierten" stets am Ende.

    So wurden zB Hauptleuten, die die Anforderungen zum Bataillonskommandeur nicht erfüllten und überaltert waren, mit dem Charakter als Major in Pension geschickt. Man sprach volkstümlich auch vom "Charaktermajor" als einem Titel ohne Inhalt u Wert.

    Ein wichtigerer Charakter war (zumindest im Kaiserreich) die Charakterisierung von Generalmajoren zu Generalleutnants. War damit nicht 1 Pfennig mehr Geld verbunden, so durfte doch der prestigeträchtige Titel "Exzellenz" geführt werden.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Karl,

    davon ist auszugehen, dass die "höheren" Dienstgradabzeichen getragen werden durften.

    Sonst hätte sich der ganze "Aufwand" für die derart "geehrten" in einer "Uniformhörigen" Gesellschaft nicht gelohnt8o

    So ein höherer Dienstgrad schmeichelte natürlich den Gehörknöchelchen:D.....


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ingo,


    So ein höherer Dienstgrad schmeichelte natürlich den Gehörknöchelchen

    zumal wenn der Pensionär dann ab und zu auf ein Glas oder mehr Wein ins örtliche Casino ging und sich grüßen ließ.


    Gruß Karl

  • Hallo, als Chef seines eigenen Stabes ist es durchaus möglich, dass Gen. von Unruh am 29. März 1943 in Frankreich war. Belegen kann ich es nicht, aber ausschließen auch nicht.


    Danke für den Hinweis!


    Andreas

  • >Danke an Arnd, Karl, Atlantis und Andrea .

    sehr interessant Ihre Erklärungen . Dank Ihnen werden ich langsam ein bisschen klüger .

    Kann man sich vorstellen,das Standortälteste oft "Offiziere mit Charakter waren "? Es waren doch die "dienstältesten im höchsten Dienstrang" oder ?

    Was bedeutet : "schmeicheltete den Gehörknöchelchen"???

    Mit freundlichen Grüssen.

    JM

  • Hallo Johannes Maria


    Der Charakter wurde im allgemeinen mit der Pensionierung vergeben, also als Ehre am Ende der Laufbahn, die den Staat nichts kostet!

    Schmeichelt den Gehörknöchelchen bedeutet: der so Geehrte freut sich wenn er den neuen Titel hört!


    Gruß Arnd