Polizeipräsident Oberhausen / Feldwebel Willi Veller † 1941

  • Hallo,


    anbei ein paar gesammelte Daten zum ehemaligen Polizeipräsidenten von Oberhausen, Willi Veller. Er muss wohl zu seinen Lebzeiten einen eigenen Sachbearbeiter nur für sich alleine zur Verfügung gehabt haben, im Bestand des Bundesarchives sind anscheinend 16 personenbezogene Akten u.a. aus der SA, NSDAP, Polizei u. Wehrmacht zu finden. Nachfolgend der Auszug zu seiner Personalakte der Wehrmacht, dort ist er (wie auch beim Volksbund) mit dem Dienstgrad Leutnant verzeichnet. Die rege Bürokratie um seine Person könnte wohl auch durch seine wiederholten Verfehlungen im Dienste der Partei entstanden sein...

    Quellen: Gräberdatenbank Volksbund, Bundesarchiv/Invenio, Datenbank Reichstagsabgeordnete u. Völkischer Beobachter, Ausg. Wien Nr. 189 vom 8.Juli 1941, Seite 8


    Nachname: Veller

    Vorname: Willi

    Dienstgrad: Leutnant

    Geburtsdatum: 09.10.1896

    Geburtsort: Witten

    Todes-/Vermisstendatum: 22.06.1941

    Todes-/Vermisstenort: 4 km ostwärts Bredauen,300 m westl.Höhe 220


    Willi Veller ruht auf der Kriegsgräberstätte in Kaunas. Endgrablage: Block 4 Reihe 11 Grab 459


    PERS 6/250235
    Veller, Willi

    Bestandsbezeichnung: Personalunterlagen von Angehörigen der Reichswehr und Wehrmacht

    Geburtsdatum: 9.10.1896

    Sterbedatum: 22.6.1941

    Amtsbezeichnung/Dienstgrad: Leutnant

    Unterlagenart: Personalakte

    Alte Signatur: Wstb 4262

    Benutzungsort: Freiburg



    Geboren am 9. Oktober 1896 in Witten-Ruhr; reformiert. Besuchte bis zum 10. Lebensjahre die Volksschule und dann die Oberrealschule zu Barmen. Bei Kriegsausbruch Eintritt als Kriegsfreiwilliger in das Inf.-Regt. 171. Wurde dreimal verwundet, zum Vizefeldwebel d. R. befördert, ausgezeichnet und zum Offiziersapiranten ernannt im Jahre 1915. Geriet im August 1916 in russische Gefangenschaft und kam nach Sibirien. Anfang 1918, bei Ausbruch der Bolschewistenrevolution, Flucht aus der Gefangenschaft und wieder Dienst beim alten Regiment. Im Urlaub Immatrikulation als stud. phil. an der Universität Bonn. Von August 1918 bei der Flieger-Ersatz-Abteilung I in Altenburg. Nach Schluß des Krieges Eintritt in das väterliche Geschäft. Nach dem Tode des Vaters selbständig seit 1928. - Seit 17. November 1929 Stadtverordneter in Wuppertal. Seit 1924 in der Partei als SA-Führer und politischer Führer. - Mitglied des Reichstags seit der 5. Wahlperiode 1930.


    Gruß, J.H.

  • Hallo,


    Willi "Emmes" Veller ist ein schönes Beispiel dafür, wie im frühen NS-Staat Positionen mit Leuten besetzt wurden, die hierfür keinerlei charakterliche oder fachliche Eignung hatten.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Guten Tag ans Forum,


    hier einige Ergänzungen zur Kurzbiographie von Willi Veller:


    Er wurde in der Weimarer Republik wiederholt wegen politischer Delikte bestraft bzw. auch inhaftiert.

    Im Juli 1933 wurde er als SA-Oberführer kommissarischer Polizeipräsident in Wuppertal.

    Dort wurden von "seiner" SA-Wachmannschaft im Schutzhaftlager Kemna politische Häftlinge u.a. brutal blutig geschlagen, mussten Kot beschmierte Heringe essen ,dann ihr eigenes Erbrochenes auflecken und wurden in die eiskalte Wupper gehetzt. Zwei Häftlinge starben. Wegen dieser Grausamkeiten wurde Veller SA-intern zurückgestuft und im Dezember 1933 zur SA nach Dresden "abgeschoben". Aber trotzdem wurde er im November 1939 Polizeipräsident in Oberhausen und brachte es letztlich bis zum SA-Brigadeführer. Er fiel am 22.06.1941 als Infanterie-Feldwebel an der Ostfront.

    Quelle: Friedrich Wilhelm: Die Polizei im NS-Staat. Paderborn1997.

    Und wie ich heute bereits an anderer Stelle hier im Forum zitiert habe:


    Schon 1946 bezeichnete Eugen Kogon die typischen Polizeiverwalter aus den Reihen der SS und SA in seinem Buch „Der SS-Staat“ als eine „Fülle frisch hereingekommener verkrachter Existenzen, meist ohne jede charakterliche oder fachliche Vorbildung“.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)