Unbekannte Taktische Zeichen an einem Krad

  • Guten Tag zusammen,


    ich bin neu hier und freue mich über jede Unterstützung und Hilfe :)


    Aus dem Nachlass meines Großvaters väterlicherseits habe ich einige Fotos. Diese zeigen meinen Großvater als Kradfahrer (Kradmelder?) auf einem Beiwagenkrad. Darauf sind einige Taktischen Zeichen zu sehen, deren Bedeutung ich nicht zweifelsfrei zuordnen kann. Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen.


    Also :

    Mein Großvater war von August 1939 bis 30. Juli 1940 Angehöriger der 227. Infanteriedivision. Laut noch erhaltenem Wehrpass in der Leichten-Infanterie-Kolonne des Infanterieregiment 328 (welches der 227. ID unterstellt war). Soweit mein Kenntnisstand. Nach meinen Informationen war diese Einheit zunächst (Ende1939 bis April/Mai 1940) zur Grenzsicherung in der Eifel eingesetzt. Kurz vor Ausbruch des Westfeldzuges verlegte die Einheit in den Raum Gronau.


    Auf zwei Fotos, auf denen er sein eigenes, mit ihm zum Militärdienst eingezogenes , feldgrau überlackiertes, Beiwagenkrad (eine DKW SB500 mit Steib Beiwagen) fährt, ist auf dem vorderen Schutzblech des Krades und vorne auf dem Beiwagen das Taktische Zeichen der Infanterie (liegendes Rechteck) zu sehen, hinter dem die Zahl 14 steht. Wofür steht diese 14 ? Ist das die Nummer der Kompanie ?

    Laut meiner Infos war die 14. Kompanie einer ID immer die Panzerjägerkompanie. Wenn ja, wo ist dann die Verbindung zur leichten-Infanterie-Kolonne ? Über dem Taktischen Zeichen befindet sich noch die Zahl 45. Dabei müsste es sich um eine fortlaufende Zählnummer des Fuhrparks der Einheit handeln, wobei es in einer leichten-Infanterie-Kolonne (die eigentlich eine bespannte Truppe mit Pferdefuhrwerken war) nur 1 Beiwagenkrad gab.


    Die folgende Aufnahme (Ausschnitt) entstand im Januar 1940 in Elte bei Rheine.

    Taktisches Zeichen 14.jpg


    Ab dem 10. Mai hat mein Großvater dann am Westfeldzug teilgenommen und ist über Holland und Belgien bis nach Frankreich vorgestoßen. Er war nach der Einnahme von Dünkirchen in Malo-les-Bains (heute ein Ortsteil von Dünkirchen) eingesetzt. Welche Aufgabe er dort hatte entzieht sich leider meiner Kenntnis.


    Interessant ist : es gibt eine Wochenschauaufnahme vom Mai 1940. Darin wird in einer Szene gezeigt, wie eine deutsche Panzerjägerabteilung (wohl einer ID) in Antwerpen gegen belgische Panzer vorgeht. Ein Kameraschwenk des Kriegsberichters geht an einem hinter einem Baum abgestellten solo Krad vorbei (einer Zündapp K600). Auf diesem erkennt man eindeutig auf dem hinteren Schutzblech das gleiche Taktische Zeichen wie das oben beschriebene auf dem Krad meines Großvaters. Mein Großvater war auch in Antwerpen. Davon existiert ebenfalls ein Foto. Allerdings fährt er dort eine solo BMW R12 (eine erbeutete Maschine aus niederländischen Armeebeständen) ohne jegliche Taktische Zeichen. Nur das ursprünglich niederländische KFZ-Kennzeichen auf dem vorderen Schutzblech ist mit grauer Farbe überpinselt worden und es wurde mit weißer Farbe die Kennung "WH" aufgebracht. Wahrscheinlich ist sein eigenes Krad dem Vormarsch zum "Opfer gefallen" und er hat sich eine andere Maschine "besorgt".


    Ebenfalls in gleicher Wochenschau (ein paar Minuten Später) sieht den das Einfahren von Beiwagengespannen mit angehängten 3,7cm PAK- Geschützen im Hafen von Antwerpen. Auch hier ist die Kennung (liegendes Rechteck mit der Zahl 14 dahinter) eindeutig zu erkennen. Ich gehe also davon aus, das es sich tatsächlich um die Panzerjägerkompanie der 227. ID handelte.


    Nach wie vor besteht aber meine Frage : wo ist der Zusammenhang zur leichten- Infanterie-Kolonne 328 (deren Zugehörigkeit meinem Großvater im Wehrpass bescheinigt wurde) ?



    Als wäre das nicht genug, nun meine zweite Frage (die mir persönlich noch mehr Rätsel aufgibt) :


    Es existieren noch weitere Fotos meines Großvaters, auf denen er mit einigen Kameraden, wieder auf einer BMW R12 aus ursprünglichen niederländischen Armeebeständen zu sehen ist. Diesmal aber als Gespann mit einem niederländischen Beiwagentyp und taktischen Zeichen. Bei dem Taktischen Zeichen (welches sich vorne an dem Beiwagen befindet) handelt es sich wiederum um ein liegendes Rechteck (Infanterie?) mit dem Buchstaben K dahinter. Zuerst dachte ich es wäre kein Rechteck sondern ein "eckig" gemaltes O (Buchstabe O) und es würde bedeuten OK (Oberkommando oder Ortskommandantur ?). Erst bei genauerem Hinsehen mit Lupe konnte ich das "O" als Rechteck erkennen Nun die eigentliche Frage : was bedeutet das K hinter dem Rechteck (Infanterie). Kommandantur oder evtl Korück?)


    Das folgende Foto (Ausschnitt) wurde vor der St. Martins Kathedrale in Ypern aufgenommen

    Taktisches Zeichen OK.jpg


    Die Bilder auf denen er mit diesem Krad zu sehen ist, wurden wohl nicht während des Vormarsches aufgenommen sondern nach der Kapitulation von Holland, Belgien und evtl. Frankreich. Leider sind sie nicht datiert. Aber sie zeigen meinen Großvater und seine Kameraden nur in der Grundform des Feldanzuges (ohne irgendwelche Ausrüstung). Lediglich eine Pistolentasche und eine Karten-Melde-Tasche am Koppel meines Großvaters ist zu erkennen. Er war zu diesem Zeitpunkt Gefreiter.

    Die Aufnahmen zeigen ihn und sein Krad mit drei weiteren Kameraden unter anderem vor dem Menen-Poort in Ypern und vor dem kanadischen Ehrenmal des 1. Weltkrieges ("the brooding Soldier") in St. Julien in Belgien. Die Fotos machen auf mich eher den Eindruck einer "Besichtigungs-Tour". Könnte es also sein, daß er zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in einer Korück-Einheit (deswegen das K im taktischen Zeichen) und zur Kontrolle, Bestreifung des Hinterlandes eingesetzt war (und deswegen Zeit für "Besichtigungen" hatte) ?


    Hier noch der Ausschnitt eines Gruppenfotos auf dem mein Großvater ein Schild hält auf dem das gleiche taktische Zeichen wie auf dem Beiwagen in Ypern zu sehen ist

    Schild mit taktischen Zeichen.jpg


    Aber auch hier wieder die Frage : was hat das mit der leichten-Infanterie-Kolonne 328 zu tun, der laut Eintrag im Wehrpass mein Großvater in dem Zeitraum angehörte, als diese Aufnahmen gemacht wurden ?


    Für jegliche Infos zu den oben beschriebenen taktischen Zeichen, sowie zu Infos zur leichten-Infanterie-Kolonne 328, dem Infanterieregiment 328 und zur 227. ID (besonders die Stationen des Vormarsches / Marschweg während des Westfeldzuges) bin ich sehr dankbar :)

    Vielleicht gibt es ja hier Spezialisten zu diesen Themen......ich komme alleine leider nicht mehr weiter :(


    Mit der Hoffnung auf viele Infos !


    Beste Grüße !

  • Hallo Feuersalamander,

    willkommen im Forum.

    Zur Beantwortung Deiner Fragen wäre es schön, wenn Du die Fotos hier einstellen könntest. Ein Bild sagt mehr aus als tausend Worte!

    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Jack,


    zu Deinen Fragen betreffs takt. Zeichen.

    Das liegende Rechteck ist das Zeichen für Infantrie-Kompanie.

    Die 14 daneben ist die Kompanie-Nummer, also 14. Kompanie.

    Die 14. Kompanien der Inf.Rgter. waren die Panzerjäger-Kompanien! Ich habe aber schon

    öfter gesehen, das das takt. Zeichen für Panzerjäger nicht verwendet wurde sondern das Rechteck.

    Es könnte sich also um ein Bwg.-Krad der 14. (Pz.Jg.)Kp. des Inf.Rgt. 328 handeln.


    Die 45 könnte eine Durchnummerierung der Fahrzeuge des Regiments sein. Oder aber .....


    Mit der leichten Infantriekolonne des Inf.Rgts. 328 hat das alles nichts zu tun.

    Das takt. Zeichen für l. Inf.Kol. war == (die beiden Striche aber durchgezoge!).


    Die Unstimmigkeiten mit der Eintragung im Wehrpass kann viele Gründe haben.

    Z.B. Versetzung ohne Nachtrag im Wehrpass.

    Oder Aufnahme auf einem fremden Krad. Oder, oder ...


    Das zweite takt. Zeichen ist wieder eine Rechteck für Inf.Kp..

    Das K daneben gibt dann Rätsel auf. Der Zusatzbuchstabe K steht normalerweise für Korps.

    Könnte also eine Infantrie-Kompanie beim Korps sein?!?

    Wo war denn Dein Großvater nach dem 30. Juli 1940?

    Du schreibst August 1939 bis 30. Juli 1940 bei der 227. Inf.Div. Und dann?


    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Werner,

    zunächst einmal besten Dank für Deine Erklärungen !


    Der Sachverhalt mit der 14. Kompanie (Panzerjäger einer ID) war mir ja bereits bekannt.

    Die Vermutung, die 45 könnte eine Zählnummer des Fuhrparks der Einheit sein, hatte ich auch.


    Das Bwg.-Krad, auf dem dieses Zeichen zu sehen ist, ist definitiv sein eigenes (privates!) Motorrad. Es wurde mit ihm zusammen zum Wehrdienst eingezogen (was zu Beginn des Krieges nicht unüblich war) und er ist es dort auch selber gefahren. Folglich muss er der Einheit angehört haben, die dieses Taktische Zeichen geführt hat.


    Das zweite Bild mit der erbeuteten BMW R12 aus niederländischen Beständen und dem Taktischen Zeichen mit dem "K" dahinter bleibt weiterhin rätselhaft.


    Tja, nicht zuletzt die Frage : Was hat das alles mit der Leichten Infanterie-Kolonne des IR 328 zu tun ?


    Meine Vermutung ist mittlerweile folgende :


    Der Wehrpass wurde ja nur in der nicht aktiven Zeit der Wehrüberwachung oder für Reservisten geführt. Für Soldaten im Aktiven Dienst gab es ja stattdessen das Soldbuch.

    Laut dem Wehrpass meines Großvaters (Jahrgang 1898) war er bereits Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg (vom 01.03.1916 bis 27.11.1918 in der 8.Kompanie /Reserve Infanterie Regiment 344). Leider ist mir der Einsatzraum/-ort nicht bekannt.

    Er hat aber das Frontkämpfer Ehrenkreuz erhalten.


    Am 02.03.1937 wurde er erneut gemustert und zur Landwehr I überführt. Am 30. August 1939 dann zum Wehrdienst eingezogen. Danach Teilnahme am Westfeldzug als Angehöriger der 227. ID. Laut Eintrag wurde er aus diesem aktiven Wehrdienst im Heer am 30.Juli 1940 entlassen.

    Während des genannten Zeitraumes 30. August 1938 bis 27.Juli 1940 war er laut Eintrag Angehöriger der le Inf Kol IR 328 (Stammrollen Nr. 75).


    Die Entlassungsuntersuchung war dann am 30. Juli 1940 in Münster, da er aufgrund seines Geburtsortes Mönchengladbach dem Wehrkreis VI (Münster) angehörte.


    Während seiner Dienstzeit wurde er dreimal befördert.

    01.12.1939 zum Oberschützen

    01.02.1940 zum Gefreiten

    26.07.1940 zum Unteroffizier


    Alle Beförderungen sind unterschrieben von einem Hauptmann S. (den vollständigen Namen nenne ich hier aus Rücksicht auf dessen Nachkommen nicht), mit dem Zusatz: Hauptman und Führer der le InfKol IR328).


    Jetzt kommt´s :

    Ich habe mir bei meinen Recherchen gedacht, über einen Hauptmann und Kompaniechef ist im Internet bestimmt etwas zu finden und ….BINGO !

    Dieser Hauptmann (der relativ prominent ist, da er nach dem Kriege Bürgermeister wurde) war bis zum Kriegsende in Münster stationiert.


    Könnte es also sein, daß mein Großvater während seiner aktiven Dienstzeit und Teilnahme am Westfeldzug in der 14. Kompanie des 328.IR als unterstellter Truppenteil der 227. ID eingesetzt war und die in dieser Zeit vollzogenen Beförderungen nur nachträglich von Hauptmann S. , dem Chef der le InfKol IR328 , in den Wehrpass eingetragen wurden ? Versetzungen sind dort leider nicht eingetragen.


    Das wäre für mich die einzige Erklärung.


    Und jetzt noch ein Nachbrenner :

    Ich konnte mittlerweile Kontakt zum Sohn dieses Hauptmannes herstellen. Leider weiß dieser nicht viel von der Militärzeit seines Vaters bzw ob er im Krieg in Holland , Belgien oder Frankreich war. Er hat aber noch einige Briefe die an seinen Vater gerichtet waren und aus diesen geht hervor, daß er in Münster stationiert war. Dort wurde mein Großvater ja entlassen. Würde also passen.

    Er hat auch die Unterschriften zu den Beförderungen im Wehrpass meines Großvaters zweifelsfrei als die seines Vaters identifiziert.

    Leider hat die derzeitige Corona-Lage ein Treffen mit diesem Sohn bisher verhindert. Wird aber definitiv nachgeholt sobald die Zeiten wieder ruhiger werden.


    Was mein Großvater von Juli 1940 bis 1943 (militärisch) gemacht hat entzieht sich meiner Kenntnis. Privat hatte er ein kleines Fuhrunternehmen (Güternahverkehr).


    Laut Eintrag im Wehrpass wurde er 1943 erneut gemustert. Zwischen dem 30. Juli 1940 bis zur erneuten Musterung 1943, sowie nach 1943 finden sich keine weiteren Einträge im Wehrpass.


    Ich bin aber im Besitz von zwei Fotos die ihn als Unteroffizier der Luftwaffe (in Luftwaffenuniform) an einem Flak-Scheinwerfer zeigen. Diese Fotos müssen dann nach der erneuten Musterung 1943 gemacht worden sein. Offensichtlich ist er wieder in den aktiven Dienst eingetreten und hat dabei die Teilstreitkraft gewechselt (vom Heer zur Luftwaffe) und war in der Nähe des Mönchengladbacher Hauptbahnhofes an einem Flak-Scheinwerfer eingesetzt.


    Er verstarb leider 1976. Da war ich selber noch zu jung um ihn über seine Militärzeit zu befragen. Es läuft aber seit ca. einem dreiviertel Jahr eine WAST Anfrage über ihn. Nach derzeitiger Lage dauert es ja (auch ohne Corona) gut zwei Jahre bis man eine Antwort erhält.


    Bis dahin bleibt es weiterhin spannend.


    Beste Grüße !

    Jack




  • Das K daneben gibt dann Rätsel auf. Der Zusatzbuchstabe K steht normalerweise für Korps.

    Werner

    Hallo Werner, ich kenne das "K" im Westfeldzug für Panzerguppe von Kleist - also Generalkommando XXII. Armeekorps (verstärkt um diverse Zusatzeinheiten)


    von Kleist


    Fotos für das Kennzeichen "K" gibt es im Netz massig ...


    auch im Balkan- und Russlandfeldzug wurde als Kennzeichen das "K" für die Panzergruppe 1 weiter getragen


    Buch


    uwe

  • Hallo Uwe,

    Das „K“ für Gruppe Kleist kenne ich auch. Aber das steht normalerweise immer alleine. Bei Beiwagenkrädern meist auf dem Kotflügel des Beiwagens.

    In meinem Fall ist es ja Bestandteil bzw Zusatz direkt hinter dem taktischen Zeichen der Infanterie.



    Hallo Ralf ,

    Danke für den Link. Was bedeutet denn dort das „K“ in Klammern hinter dem Schirrmeister?


    Beste Grüße !

    Jack

  • Hallo Uwe,

    das mit Panzergruppe Kleist könnte natürlich sein.

    Die 227. Inf.Div. gehörte aber diesem XXII. (22.) Armeekorps nicht an.

    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Jack


    kann ich momentan nicht sicher beantworten ich denke Kraftfahrdienst aber ohne Gewähr.

    Gerade die Gruppe um den Schirrmeister wurde nach dem Polenfeldzug aufgestockt, ich werde die Veränderung einstellen.


    Grüße

    Ralf

  • Was mich selber stutzig macht , ist die Aussage meines Großvaters er sei in Malo-les-Baines gewesen.

    Das gehört ja zu Dünkirchen.


    Dort ist die 227. ID aber nicht gewesen.


    Auch habe ich einen Zeitungsausschnitt aus einer zeitgenössischen Zeitung (welche genau kann ich leider nicht sagen).


    Da ist ein Foto zu sehen mit der Unterschrift : deutsche Kradschützen bei Omiécourt


    Da ist mein Großvater mit auf dem Bild . Auch an diesem Ort ist die 227. ID nach meinen Informationen nicht gewesen.


    Alles sehr rätselhaft.


    Vielleicht ist es doch besser abzuwarten welche Infos in der WAST Auskunft enthalten sind.

  • Hallo !


    @Feuersalamander/Jack : Du hast dich ganz offensichtlich sehr intensiv und akribisch mit der militärischen Laufbahn

    Deines Grossvaters beschäftigt und dabei eine grosse Fülle an Informationen und Beobachtungen zusammengetragen.

    Dazu möchte ich hier schon einmal meinen grossen Respekt zum Ausdruck bringen, viele der angesprochenen Themen

    sind ja wirklich nicht so einfach zu verstehen/ zu interpretieren (das darf ich aus langjähriger Erfahrung sagen).


    Allerdings kann man bei der intensiven Beschäftigung mit Details manchmal auch den Blick auf das grosse Ganze verlieren.

    Deshalb möchte ich zu den Interpretationen von Jack ein paar Anmerkungen machen, sowohl ganz allgemein, sowie zu Punkten

    die ich (auf Basis der vorliegenden Informationen) anders sehe/interpretiere :


    1.) Du schreibst :

    Quote

    Der Wehrpass wurde ja nur in der nicht aktiven Zeit der Wehrüberwachung oder für Reservisten geführt.

    Für Soldaten im Aktiven Dienst gab es ja stattdessen das Soldbuch.

    Das stimmt so nicht. Der Wehrpass wurde parallel zum Soldbuch geführt und befand sich bei der Kompanie/Einheit, die

    für den jeweiligen Soldaten zuständig war. Das Soldbuch dagegen war "am Mann" (beim Soldaten selbst).

    Es war aber üblich, dass Einträge im Wehrpass deutlich später als im Soldbuch vorgenommen wurden.


    In jedem Fall würde ich aber zunächst mal davon ausgehen, das die Einträge im Wehrpass korrekt sind und Dein Grossvater

    von Aug. 1939 - Juli 1940 bei der le. Inf.Kolonne des IR 328 war.


    2.) Wie erklären sich dann die Bilder, bei denen er im Januar 1940 auf "seinem Bw-Krad" mit der 14 zu sehen ist ?

    Ich sehe zumindest 2 naheliegende Möglichkeiten :

    a) Er musste sein Krad, mit dem er eingezogen wurde, an die 14. Kp. abgeben und hat dann seine Kameraden besucht und

    darum gebeten nochmal ein Foto mit seiner alten Maschine zu machen.

    (Die Wehrmacht hatte grosse Probleme mit der Motorisierung. Da es nicht genügend Kfz. gab und die le.Inf.Kol. nur bespannt war,

    kann ich mir gut vorstellen, dass der Grossvater sich von seinem Krad trennen musste. Das bleibt natürlich Spekulation.)


    b) Er wurde, mit seinem Krad zusammen, zur 14. Pz.Jg.Kp. des IR 328 abkommandiert.

    Das würde bedeuten, dass er formal bei der le.Inf.Kolonne bliebe, aber vorübergehend seinen Dienst im Rahmen der

    14. Pz.Jg.Kp. des IR 328 zu verrichten hätte.


    3.) Zum Wochenschau-Bericht wegen des Einmarsches in Antwerpen :

    Die Eroberung von Antwerpen erfolgte am 17./18.5.1940 u.a. durch Einheiten der 256. ID. Zu der Zeit befand sich die 227. ID

    noch in Holland :

    http://www.lexikon-der-wehrmac…orps/Karte/XXVI0540-3.jpg

    und ab ca. dem 24.5.40 im Raum um Gent.

    Wenn in der Wochenschau (ein Link wäre hilfreich) vom Kampf gegen belgische Panzer berichtet wird, handelt es sich sicher um

    eine andere Einheit, auch wenn das taktische Zeichen mit dem auf dem Photo übereinstimmt.


    4.) Zu den Orten, an denen sich der Grossvater nach Bildern oder eigenen Aussagen befunden hat :

    Quote

    Das gehört ja zu Dünkirchen. Dort ist die 227. ID aber nicht gewesen.

    In Bd. 2, S. 440 der DRK Divisionsschicksale steht zur 227. ID :

    Mai-Juni 1940 : Vorstoss durch die Grebbe-Linie, über die Maas und Schelde bis Dünkirchen. Abdrehen nach Süden.

    Vormarsch in Frankreich bis zur Seine-Mündung bei Le Havre.

    - Die 227. ID war also offensichtlich bei Dünkirchen (und Ypern ist ja von dort auch nur 30 km entfernt).

    - Omiecourt : befindet sich ca. 30 km östlich von Amiens, einem Ort aus der Liste aus der NARA Übersicht die Eumex angegeben hatte.

    Es würde auch zum Marschweg von Dünkirchen nach Süden und dann über Amiens bis nach Le Havre passen.


    Ich sehe da keinen Widerspruch.

    Interessant wäre aber sicher, den Zeitungsartikel zu sehen. Gibt es da ein Datum ?


    5.) Natürlich kannst Du warten, ob in der WASt Auskunft weitere Informationen enthalten sind. Es kann aber auch sein, dass da

    wenig Neues drinsteht, vor allem, wenn Du bereits den Wehrpass vorliegen hast.


    Falls Du noch Interesse hast, wäre es vielleicht hilfreich, wenn Du aus dem Wehrpass noch folgende Seiten einstellen könntest :

    - S. 12 (mit der/den Einheiten)

    - S.21/22 (Ausbildung)

    - S. 23 (Beförderungen)

    - S. 32/33 Gefechtskalender (da kann viel stehen oder sehr wenig)

    evtl. gibt es auch noch Einträge weiter hinten im Wehrpass (als Nachträge, s. unten) die weiterhelfen können.


    Als Beispiel füge ich mal Auszüge aus einem Wehrpass an, in dem der Soldat dreimal zu anderen Truppenteilen seiner Division

    kommandiert wurde. Bei den ersten beiden Kommandos wurde es auf der Einheiten Seite vermerkt, beim 3. Mal steht davon

    aber auf S. 12 nichts sondern es ist nur weiter hinten unter Nachträgen vermerkt.


    Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar zusätzliche Infos liefern.


    Beste Grüsse,


    Uwe

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    Seltsam, die Infanterie ! Sie fährt nicht, sie reitet nicht und unser himmlischer Vater bewegt sie doch...

  • Hallo Uwe,


    erst einmal besten Dank für Dein Lob zu meiner Recherchearbeit. Das hat auch einiges an Zeit in Anspruch genommen.


    Im Folgenden möchte ich auf einige Deiner Ausführungen/Fragen antworten.


    zu Punkt 2 :

    a). Das er nur für ein Erinnerungsfoto mit seinen Krad für das Foto posiert hat glaube ich nicht. Es gibt mehrere Fotos (von Januar und Mai 1940) auf denen er mit seinem Krad zu sehen ist.

    b). Die Möglichkeit der Abkommandierung von Leichter Infanterie Kolonne zur 14. Kompanie halte ich für die Wahrscheinlichste.


    zu Punkt 4 :

    Der Vormarschweg der 227. ID "über" Omiecourt scheint ebenfalls wahrscheinlich zu sein. Nach meinen Infos fand dieser Vormarsch aber erst im zweiten Teil des Frankreichfeldzuges statt. Also nach dem 30.07.1940. Zu diesem Zeitpunkt war mein Großvater aber schon aus dem aktiven Heeresdienst entlassen (zumindest laut Eintragung im Wehrpass).


    Der mir vorliegende Zeitungsbericht ist nur der Ausschnitt des Fotos mit dem Titel des Bildes ("Deutsche Kradschuetzen bei Omiecourt"). Titel der Zeitung und Datum sind leider nicht mehr nachvollziehbar. Hier wundert mich auch die Wortwahl "Kradschützen", denn er war Kradmelder und nicht Kradschütze.


    Leider erkennt man aufgrund der groben Bildqualität des Zeitungsbildes das Gesicht meines Großvaters nicht. Mein Vater hat mir aber mal einen Original Abzug des Fotos gezeigt, den mein Großvater (wohl auf Nachfrage) vom Kriegsberichterstatter bekommen hat. Darauf ist mein Großvater eindeutig zu erkennen. Leider liegt mir dieses Foto momentan nicht vor. Es muss sich noch irgendwo im Nachlass meines Vaters befinden.

    Den Zeitungsausschnitt hat er mir jedoch schon vor Jahrzehnten gegeben.


    Hier ein Bild davon :


    Zeitungsausschnitt 1940.jpg


    Mein Großvater ist der Kradfahrer links auf dem Bild (auf dem Grünstreifen vor dem Zaun).


    Ich habe dann recherchiert, wo genau das aufgenommen wurde. Die Ortsangabe "bei" Omiecourt machte das natürlich nicht einfacher. Aber nach akribischer Luftbildauswertung (in Goggle Maps) und spiralförmiger Ausweitung des Suchbereichs um Omiecourt herum, habe ich den Ort der Aufnahme tatsächlich lokalisieren können.


    Es handelt sich um die Landstraße von Chaulnes nach Omiecourt (heute D142), etwa 1,4 km vom Ortszentrum von Omiecourt entfernt. Das Bild ist mit Blickrichtung von Omiecourt nach Chaulnes aufgenommen worden.

    Das Gebäude links im Bild scheint ein Bahnwärterhäuschen an der Bahnstrecke (Güterbahnhof Chaulnes in Richtung Péronne) zu sein. Zwischen den beiden eisernen Strom-Masten (rechts neben dem Haus) sind die hochgefahrenen Bahnschranken zu erkennen, auf der rechten Straßenseite, auf gleicher Höhe, die Pfosten für den Anschlag der Schranken.


    Im Folgenden eine Gegenüberstellung zweier Fotos aus dem gleichen Blickwinkel. Einmal das Bild von 1940 und ein Bild von 2018.


    Auf der Straße nach Omiécourt .jpg




    Zu Punkt 5 : der Wehrpass enthält leider keine weiteren Angaben als die, die ich schon im Eingangsartikel beschrieben habe.


    Dankbar wäre ich nach wie vor für Infos zu dem Taktischen Zeichen der Infanteriekompanie mit dem Buchstaben K dahinter (siehe Bilder im Eingangsartikel).

    Mit der Gruppe "von Kleist" hat das, wie einige Mitglieder bereits vermuteten, nichts zu tun.


    Beste Grüße !

    Jack

  • Hallo !


    Ich komme leider erst heute dazu noch etwas zu antworten :

    1.) Das mit dem Foto hast Du wirklich toll und überzeiugend herausgefunden. Das hat mit Sicherheit viel Zeit und Mühe gekostet.

    Dazu nochmal herzlichen Glückwunsch.


    2.) Darum verstehe ich aber andererseits den folgenden Satz nicht :

    >> Der Vormarschweg der 227. ID "über" Omiecourt scheint ebenfalls wahrscheinlich zu sein. Nach meinen Infos fand dieser Vormarsch

    aber erst im zweiten Teil des Frankreichfeldzuges statt. Also nach dem 30.07.1940. <<

    Der zweite Teil des Frankreichfeldzugs begann am 5.Juni 1940. Die 227. ID könnte etwa um den 10.oder 12. Juni im Raum um Omiecourt gewesen sein.

    Etwa um den 25. Juni befand sie sich bereits im Bereich der Kanalküste be Le Havre. Da könnte er also durchaus dabei gewesen sein.


    Wenn Du einer der wenigen glücklichen bist, die noch über einen Wehrpass eines Angehörigen verfügen, Du daraus aber nichts zeigen willst,

    ist das natürlich Deine Entscheidung. Manchmal kann mit etwas Erfahrung aber doch noch etwas mehr herauslesen, z.B. wann welche Einträge

    gemacht wurden alle von der gleichen Einheit oder von verschiedenen etc.

    Mehr als Hilfe anbieten kann man nicht. (und immer bekommt man alleine auch nicht alles richtig raus, s.o.).


    3.) Zum taktischen Zeichen:

    Wie bereits in Post #6 von Steyr26 angemerkt, wurden die Taktischen Zeichen von der Truppe nicht immer ganz

    vorschriftsmässig angebracht. Deshalb möchte ich mal einen Verdacht äussern :

    Rechteck für Inf. und K für Kolonne = Inf.Kol.

    Bestimmt nicht so vorgesehen aber vielleicht hat es ja keinen gestört ?


    Beste Grüsse,


    Uwe

    Seltsam, die Infanterie ! Sie fährt nicht, sie reitet nicht und unser himmlischer Vater bewegt sie doch...

  • Guten Tag Uwe,


    kein Problem, daß Du etwas später geantwortet hast.


    Danke für Dein Lob zur Recherchearbeit zum Foto. Ja, bei solchen Dingen bin ich hartnäckig......und dadurch meistens erfolgreich ;).


    Den Aussagen meines Großvaters nach (also so wie meine Eltern es mir später immer erzählten, da ich erst 6 Jahre alt war als er starb) bin ich die ganze Zeit davon ausgegangen, daß er nach Erreichen von Dünkirchen (genauer: Malo-les-Baines) dort für den Rest seiner Heeres-Dienstzeit (die laut Wehrpass am 30.07.1940 in Münster endete) dort blieb, denn er hat immer sehr schwärmerisch diesen Ort erzählt.


    Aber klar, vom zeitlichen Ansatz her könnte er (und wird er sehr wahrscheinlich auch) mit der Division weitergezogen sein, sonst würde es das Foto von ihm bei Omiecourt nicht geben.


    Zum Wehrpass:

    Also es ist nicht so, daß ich nichts zeigen möchte (da gibt es nichts zu verheimlichen) aber die Einträge sind alle von der gleichen Einheit (leichte Infanterie Kolonne des IR 328) und sogar vom gleichen Hauptmann (dessen Sohn ich mittlerweile kontaktieren konnte) unterschrieben. Deswegen ist zu vermuten, daß er die ganze Zeit über der selben Einheit angehörte. Aus diesem Grund sah ich bisher keine Notwendigkeit Bilder des Wehrpasses zu veröffentlichen, da er einfach nicht mehr Infos hergibt. Das ist alles.


    Verwundert hat mich eben nur die Tatsache, daß es auf den Fotos von ihm unterschiedliche Taktische Zeichen auf den Krädern gibt (einmal 14. Kompanie und einmal das mit dem "K"). Vielleicht wurde er aber wirklich mal innerhalb des Regiments zur 14. Kompanie abkommandiert. Nur ist das eben nicht im Wehrpass eingetragen.



    zum Taktischen Zeichen :

    Deine Vermutung (Rechteck für Inf. und K für Kolonne = Inf.Kol.) ist natürlich plausibel. Ich habe wohl die ganze Zeit immer zu kompliziert gedacht ("K" für Korps, Korück, Kommandantur usw.) Manchmal sind die einfachen Erklärungen die besseren (auch wenn es nicht sicher ist und das verwendete Zeichen nicht nach Vorschrift war).

    Auf jeden Fall vielen Dank für den Tipp...….das macht es für mich jetzt wieder verständlicher :)


    Beste Grüße !


    Jack