Unbekannte Taktische Zeichen an einem Krad

  • Guten Tag zusammen,


    ich bin neu hier und freue mich über jede Unterstützung und Hilfe :)


    Aus dem Nachlass meines Großvaters väterlicherseits habe ich einige Fotos. Diese zeigen meinen Großvater als Kradfahrer (Kradmelder?) auf einem Beiwagenkrad. Darauf sind einige Taktischen Zeichen zu sehen, deren Bedeutung ich nicht zweifelsfrei zuordnen kann. Vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen.


    Also :

    Mein Großvater war von August 1939 bis 30. Juli 1940 Angehöriger der 227. Infanteriedivision. Laut noch erhaltenem Wehrpass in der Leichten-Infanterie-Kolonne des Infanterieregiment 328 (welches der 227. ID unterstellt war). Soweit mein Kenntnisstand. Nach meinen Informationen war diese Einheit zunächst (Ende1939 bis April/Mai 1940) zur Grenzsicherung in der Eifel eingesetzt. Kurz vor Ausbruch des Westfeldzuges verlegte die Einheit in den Raum Gronau.


    Auf zwei Fotos, auf denen er sein eigenes, mit ihm zum Militärdienst eingezogenes , feldgrau überlackiertes, Beiwagenkrad (eine DKW SB500 mit Steib Beiwagen) fährt, ist auf dem vorderen Schutzblech des Krades und vorne auf dem Beiwagen das Taktische Zeichen der Infanterie (liegendes Rechteck) zu sehen, hinter dem die Zahl 14 steht. Wofür steht diese 14 ? Ist das die Nummer der Kompanie ?

    Laut meiner Infos war die 14. Kompanie einer ID immer die Panzerjägerkompanie. Wenn ja, wo ist dann die Verbindung zur leichten-Infanterie-Kolonne ? Über dem Taktischen Zeichen befindet sich noch die Zahl 45. Dabei müsste es sich um eine fortlaufende Zählnummer des Fuhrparks der Einheit handeln, wobei es in einer leichten-Infanterie-Kolonne (die eigentlich eine bespannte Truppe mit Pferdefuhrwerken war) nur 1 Beiwagenkrad gab.


    Die folgende Aufnahme (Ausschnitt) entstand im Januar 1940 in Elte bei Rheine.

    Taktisches Zeichen 14.jpg


    Ab dem 10. Mai hat mein Großvater dann am Westfeldzug teilgenommen und ist über Holland und Belgien bis nach Frankreich vorgestoßen. Er war nach der Einnahme von Dünkirchen in Malo-les-Bains (heute ein Ortsteil von Dünkirchen) eingesetzt. Welche Aufgabe er dort hatte entzieht sich leider meiner Kenntnis.


    Interessant ist : es gibt eine Wochenschauaufnahme vom Mai 1940. Darin wird in einer Szene gezeigt, wie eine deutsche Panzerjägerabteilung (wohl einer ID) in Antwerpen gegen belgische Panzer vorgeht. Ein Kameraschwenk des Kriegsberichters geht an einem hinter einem Baum abgestellten solo Krad vorbei (einer Zündapp K600). Auf diesem erkennt man eindeutig auf dem hinteren Schutzblech das gleiche Taktische Zeichen wie das oben beschriebene auf dem Krad meines Großvaters. Mein Großvater war auch in Antwerpen. Davon existiert ebenfalls ein Foto. Allerdings fährt er dort eine solo BMW R12 (eine erbeutete Maschine aus niederländischen Armeebeständen) ohne jegliche Taktische Zeichen. Nur das ursprünglich niederländische KFZ-Kennzeichen auf dem vorderen Schutzblech ist mit grauer Farbe überpinselt worden und es wurde mit weißer Farbe die Kennung "WH" aufgebracht. Wahrscheinlich ist sein eigenes Krad dem Vormarsch zum "Opfer gefallen" und er hat sich eine andere Maschine "besorgt".


    Ebenfalls in gleicher Wochenschau (ein paar Minuten Später) sieht den das Einfahren von Beiwagengespannen mit angehängten 3,7cm PAK- Geschützen im Hafen von Antwerpen. Auch hier ist die Kennung (liegendes Rechteck mit der Zahl 14 dahinter) eindeutig zu erkennen. Ich gehe also davon aus, das es sich tatsächlich um die Panzerjägerkompanie der 227. ID handelte.


    Nach wie vor besteht aber meine Frage : wo ist der Zusammenhang zur leichten- Infanterie-Kolonne 328 (deren Zugehörigkeit meinem Großvater im Wehrpass bescheinigt wurde) ?



    Als wäre das nicht genug, nun meine zweite Frage (die mir persönlich noch mehr Rätsel aufgibt) :


    Es existieren noch weitere Fotos meines Großvaters, auf denen er mit einigen Kameraden, wieder auf einer BMW R12 aus ursprünglichen niederländischen Armeebeständen zu sehen ist. Diesmal aber als Gespann mit einem niederländischen Beiwagentyp und taktischen Zeichen. Bei dem Taktischen Zeichen (welches sich vorne an dem Beiwagen befindet) handelt es sich wiederum um ein liegendes Rechteck (Infanterie?) mit dem Buchstaben K dahinter. Zuerst dachte ich es wäre kein Rechteck sondern ein "eckig" gemaltes O (Buchstabe O) und es würde bedeuten OK (Oberkommando oder Ortskommandantur ?). Erst bei genauerem Hinsehen mit Lupe konnte ich das "O" als Rechteck erkennen Nun die eigentliche Frage : was bedeutet das K hinter dem Rechteck (Infanterie). Kommandantur oder evtl Korück?)


    Das folgende Foto (Ausschnitt) wurde vor der St. Martins Kathedrale in Ypern aufgenommen

    Taktisches Zeichen OK.jpg


    Die Bilder auf denen er mit diesem Krad zu sehen ist, wurden wohl nicht während des Vormarsches aufgenommen sondern nach der Kapitulation von Holland, Belgien und evtl. Frankreich. Leider sind sie nicht datiert. Aber sie zeigen meinen Großvater und seine Kameraden nur in der Grundform des Feldanzuges (ohne irgendwelche Ausrüstung). Lediglich eine Pistolentasche und eine Karten-Melde-Tasche am Koppel meines Großvaters ist zu erkennen. Er war zu diesem Zeitpunkt Gefreiter.

    Die Aufnahmen zeigen ihn und sein Krad mit drei weiteren Kameraden unter anderem vor dem Menen-Poort in Ypern und vor dem kanadischen Ehrenmal des 1. Weltkrieges ("the brooding Soldier") in St. Julien in Belgien. Die Fotos machen auf mich eher den Eindruck einer "Besichtigungs-Tour". Könnte es also sein, daß er zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in einer Korück-Einheit (deswegen das K im taktischen Zeichen) und zur Kontrolle, Bestreifung des Hinterlandes eingesetzt war (und deswegen Zeit für "Besichtigungen" hatte) ?


    Hier noch der Ausschnitt eines Gruppenfotos auf dem mein Großvater ein Schild hält auf dem das gleiche taktische Zeichen wie auf dem Beiwagen in Ypern zu sehen ist

    Schild mit taktischen Zeichen.jpg


    Aber auch hier wieder die Frage : was hat das mit der leichten-Infanterie-Kolonne 328 zu tun, der laut Eintrag im Wehrpass mein Großvater in dem Zeitraum angehörte, als diese Aufnahmen gemacht wurden ?


    Für jegliche Infos zu den oben beschriebenen taktischen Zeichen, sowie zu Infos zur leichten-Infanterie-Kolonne 328, dem Infanterieregiment 328 und zur 227. ID (besonders die Stationen des Vormarsches / Marschweg während des Westfeldzuges) bin ich sehr dankbar :)

    Vielleicht gibt es ja hier Spezialisten zu diesen Themen......ich komme alleine leider nicht mehr weiter :(


    Mit der Hoffnung auf viele Infos !


    Beste Grüße !

  • Hallo Feuersalamander,

    willkommen im Forum.

    Zur Beantwortung Deiner Fragen wäre es schön, wenn Du die Fotos hier einstellen könntest. Ein Bild sagt mehr aus als tausend Worte!

    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Jack,


    zu Deinen Fragen betreffs takt. Zeichen.

    Das liegende Rechteck ist das Zeichen für Infantrie-Kompanie.

    Die 14 daneben ist die Kompanie-Nummer, also 14. Kompanie.

    Die 14. Kompanien der Inf.Rgter. waren die Panzerjäger-Kompanien! Ich habe aber schon

    öfter gesehen, das das takt. Zeichen für Panzerjäger nicht verwendet wurde sondern das Rechteck.

    Es könnte sich also um ein Bwg.-Krad der 14. (Pz.Jg.)Kp. des Inf.Rgt. 328 handeln.


    Die 45 könnte eine Durchnummerierung der Fahrzeuge des Regiments sein. Oder aber .....


    Mit der leichten Infantriekolonne des Inf.Rgts. 328 hat das alles nichts zu tun.

    Das takt. Zeichen für l. Inf.Kol. war == (die beiden Striche aber durchgezoge!).


    Die Unstimmigkeiten mit der Eintragung im Wehrpass kann viele Gründe haben.

    Z.B. Versetzung ohne Nachtrag im Wehrpass.

    Oder Aufnahme auf einem fremden Krad. Oder, oder ...


    Das zweite takt. Zeichen ist wieder eine Rechteck für Inf.Kp..

    Das K daneben gibt dann Rätsel auf. Der Zusatzbuchstabe K steht normalerweise für Korps.

    Könnte also eine Infantrie-Kompanie beim Korps sein?!?

    Wo war denn Dein Großvater nach dem 30. Juli 1940?

    Du schreibst August 1939 bis 30. Juli 1940 bei der 227. Inf.Div. Und dann?


    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Werner,

    zunächst einmal besten Dank für Deine Erklärungen !


    Der Sachverhalt mit der 14. Kompanie (Panzerjäger einer ID) war mir ja bereits bekannt.

    Die Vermutung, die 45 könnte eine Zählnummer des Fuhrparks der Einheit sein, hatte ich auch.


    Das Bwg.-Krad, auf dem dieses Zeichen zu sehen ist, ist definitiv sein eigenes (privates!) Motorrad. Es wurde mit ihm zusammen zum Wehrdienst eingezogen (was zu Beginn des Krieges nicht unüblich war) und er ist es dort auch selber gefahren. Folglich muss er der Einheit angehört haben, die dieses Taktische Zeichen geführt hat.


    Das zweite Bild mit der erbeuteten BMW R12 aus niederländischen Beständen und dem Taktischen Zeichen mit dem "K" dahinter bleibt weiterhin rätselhaft.


    Tja, nicht zuletzt die Frage : Was hat das alles mit der Leichten Infanterie-Kolonne des IR 328 zu tun ?


    Meine Vermutung ist mittlerweile folgende :


    Der Wehrpass wurde ja nur in der nicht aktiven Zeit der Wehrüberwachung oder für Reservisten geführt. Für Soldaten im Aktiven Dienst gab es ja stattdessen das Soldbuch.

    Laut dem Wehrpass meines Großvaters (Jahrgang 1898) war er bereits Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg (vom 01.03.1916 bis 27.11.1918 in der 8.Kompanie /Reserve Infanterie Regiment 344). Leider ist mir der Einsatzraum/-ort nicht bekannt.

    Er hat aber das Frontkämpfer Ehrenkreuz erhalten.


    Am 02.03.1937 wurde er erneut gemustert und zur Landwehr I überführt. Am 30. August 1939 dann zum Wehrdienst eingezogen. Danach Teilnahme am Westfeldzug als Angehöriger der 227. ID. Laut Eintrag wurde er aus diesem aktiven Wehrdienst im Heer am 30.Juli 1940 entlassen.

    Während des genannten Zeitraumes 30. August 1938 bis 27.Juli 1940 war er laut Eintrag Angehöriger der le Inf Kol IR 328 (Stammrollen Nr. 75).


    Die Entlassungsuntersuchung war dann am 30. Juli 1940 in Münster, da er aufgrund seines Geburtsortes Mönchengladbach dem Wehrkreis VI (Münster) angehörte.


    Während seiner Dienstzeit wurde er dreimal befördert.

    01.12.1939 zum Oberschützen

    01.02.1940 zum Gefreiten

    26.07.1940 zum Unteroffizier


    Alle Beförderungen sind unterschrieben von einem Hauptmann S. (den vollständigen Namen nenne ich hier aus Rücksicht auf dessen Nachkommen nicht), mit dem Zusatz: Hauptman und Führer der le InfKol IR328).


    Jetzt kommt´s :

    Ich habe mir bei meinen Recherchen gedacht, über einen Hauptmann und Kompaniechef ist im Internet bestimmt etwas zu finden und ….BINGO !

    Dieser Hauptmann (der relativ prominent ist, da er nach dem Kriege Bürgermeister wurde) war bis zum Kriegsende in Münster stationiert.


    Könnte es also sein, daß mein Großvater während seiner aktiven Dienstzeit und Teilnahme am Westfeldzug in der 14. Kompanie des 328.IR als unterstellter Truppenteil der 227. ID eingesetzt war und die in dieser Zeit vollzogenen Beförderungen nur nachträglich von Hauptmann S. , dem Chef der le InfKol IR328 , in den Wehrpass eingetragen wurden ? Versetzungen sind dort leider nicht eingetragen.


    Das wäre für mich die einzige Erklärung.


    Und jetzt noch ein Nachbrenner :

    Ich konnte mittlerweile Kontakt zum Sohn dieses Hauptmannes herstellen. Leider weiß dieser nicht viel von der Militärzeit seines Vaters bzw ob er im Krieg in Holland , Belgien oder Frankreich war. Er hat aber noch einige Briefe die an seinen Vater gerichtet waren und aus diesen geht hervor, daß er in Münster stationiert war. Dort wurde mein Großvater ja entlassen. Würde also passen.

    Er hat auch die Unterschriften zu den Beförderungen im Wehrpass meines Großvaters zweifelsfrei als die seines Vaters identifiziert.

    Leider hat die derzeitige Corona-Lage ein Treffen mit diesem Sohn bisher verhindert. Wird aber definitiv nachgeholt sobald die Zeiten wieder ruhiger werden.


    Was mein Großvater von Juli 1940 bis 1943 (militärisch) gemacht hat entzieht sich meiner Kenntnis. Privat hatte er ein kleines Fuhrunternehmen (Güternahverkehr).


    Laut Eintrag im Wehrpass wurde er 1943 erneut gemustert. Zwischen dem 30. Juli 1940 bis zur erneuten Musterung 1943, sowie nach 1943 finden sich keine weiteren Einträge im Wehrpass.


    Ich bin aber im Besitz von zwei Fotos die ihn als Unteroffizier der Luftwaffe (in Luftwaffenuniform) an einem Flak-Scheinwerfer zeigen. Diese Fotos müssen dann nach der erneuten Musterung 1943 gemacht worden sein. Offensichtlich ist er wieder in den aktiven Dienst eingetreten und hat dabei die Teilstreitkraft gewechselt (vom Heer zur Luftwaffe) und war in der Nähe des Mönchengladbacher Hauptbahnhofes an einem Flak-Scheinwerfer eingesetzt.


    Er verstarb leider 1976. Da war ich selber noch zu jung um ihn über seine Militärzeit zu befragen. Es läuft aber seit ca. einem dreiviertel Jahr eine WAST Anfrage über ihn. Nach derzeitiger Lage dauert es ja (auch ohne Corona) gut zwei Jahre bis man eine Antwort erhält.


    Bis dahin bleibt es weiterhin spannend.


    Beste Grüße !

    Jack




  • Das K daneben gibt dann Rätsel auf. Der Zusatzbuchstabe K steht normalerweise für Korps.

    Werner

    Hallo Werner, ich kenne das "K" im Westfeldzug für Panzerguppe von Kleist - also Generalkommando XXII. Armeekorps (verstärkt um diverse Zusatzeinheiten)


    von Kleist


    Fotos für das Kennzeichen "K" gibt es im Netz massig ...


    auch im Balkan- und Russlandfeldzug wurde als Kennzeichen das "K" für die Panzergruppe 1 weiter getragen


    Buch


    uwe

  • Hallo Uwe,

    Das „K“ für Gruppe Kleist kenne ich auch. Aber das steht normalerweise immer alleine. Bei Beiwagenkrädern meist auf dem Kotflügel des Beiwagens.

    In meinem Fall ist es ja Bestandteil bzw Zusatz direkt hinter dem taktischen Zeichen der Infanterie.



    Hallo Ralf ,

    Danke für den Link. Was bedeutet denn dort das „K“ in Klammern hinter dem Schirrmeister?


    Beste Grüße !

    Jack

  • Hallo Uwe,

    das mit Panzergruppe Kleist könnte natürlich sein.

    Die 227. Inf.Div. gehörte aber diesem XXII. (22.) Armeekorps nicht an.

    Beste Grüße

    Werner

  • Hallo Jack


    kann ich momentan nicht sicher beantworten ich denke Kraftfahrdienst aber ohne Gewähr.

    Gerade die Gruppe um den Schirrmeister wurde nach dem Polenfeldzug aufgestockt, ich werde die Veränderung einstellen.


    Grüße

    Ralf

  • Was mich selber stutzig macht , ist die Aussage meines Großvaters er sei in Malo-les-Baines gewesen.

    Das gehört ja zu Dünkirchen.


    Dort ist die 227. ID aber nicht gewesen.


    Auch habe ich einen Zeitungsausschnitt aus einer zeitgenössischen Zeitung (welche genau kann ich leider nicht sagen).


    Da ist ein Foto zu sehen mit der Unterschrift : deutsche Kradschützen bei Omiécourt


    Da ist mein Großvater mit auf dem Bild . Auch an diesem Ort ist die 227. ID nach meinen Informationen nicht gewesen.


    Alles sehr rätselhaft.


    Vielleicht ist es doch besser abzuwarten welche Infos in der WAST Auskunft enthalten sind.