EK I ; Begründungen für Verleihung/ Mehrfachverleihung möglich?

  • Hallo zusammen,


    im Nachlass meines Großvaters haben sich zwei EK 1 befunden. Hierzu folgende Fragen:


    - Wurde bei einer Verleihung von EK 1 die konkrete Begründung schriftlich irgendwo festgehalten (Verleihungsurkunde, Personalakte, o.a.)?

    - Unter welchen Voraussetzungen war eine mehrfache Verleihung von EK 1 an denselben Träger überhaupt möglich? Ich hatte mal gelesen, dass jede EK-Stufe nur einmalig pro Person verliehen worden sei.


    Danke im Voraus für Eure Beiträge!


    Stephan

  • Hallo Stephan und vielen Dank für die Frage.

    Grundsätzlich tauchen öfter in Nachlässen von Soldaten mehrere EK 1 auf. Hatte der Beliehene das Besitzzeugnis dabei, konnte er beim Händler ein Zweitstück erwerben. Für Paradeuniformen oder wenn das verliehene Stück Tragespuren aufwies egal, Nachkauf war für Berechtigte möglich. Stell doch die Fotos, insbesondere auch die Rückseiten hier ein, wir könnten dann ggf. weitere Aussagen treffen.

    Zum Thema: Jeder Soldat konnte nur EINMALIG das EK 1 verliehen bekommen. Das geht aus der Verordnung über die Erneuerung des EK vom 01.09.1939 hervor. Es setzt den Besitz des EK 2 voraus.

    In der Linie der EK bis zum Ritterkreuz war eine Mehrfachverleihung nicht vorgesehen. Der Kriegsverlauf brachte aber genau diesen Umstand mit sich: Was macht man mit einem bereits Beliehenen der erneut eine Tapferkeitstat, für die das EK 1 zur Verleihung gereicht hätte, durchführte ?. Ab 1941 schuf man das Deutsche Kreuz in Gold. Es liegt zwar nicht in der EK Linie, allerdings kann man davon ausgehen, das das DK in Gold für Offiziere bei ca. 7-8 Taten und bei Mannschaften und Unteroffizieren 5-6 Taten die, erneut, zum EK 1 geführt hätten verliehen werden konnte. Das wurde natürlich nicht strikt eingehalten und ggf. auch vom Vorgesetzten nicht so gesehen. So konnte das Deutsche Kreuz in Gold auch bei gleichzeitiger Verleihung der Nahkampfspange in Gold verliehen werden. Wurde durch A. H. festgestellt, da bei der Verleihung ein Soldat das EK 1 noch nicht hatte.

    Eine Verleihungsbegründung bzw. Vorschlag zur EK 1 Verleihung hat es natürlich korrekt gegeben. In den Vorschlaglisten des OKW wurde alles genau dargelegt usw. bis zur genehmigten Verleihung. Diese Listen sind heute äußerst rar und so kann man die Verleihungsbegründung kaum recherchieren. Manchmal steht auch der Verleihungsgrund auf der Rückseite der Urkunde. Ich kenne Verleihungsgründe nur aus Schilderungen beliehener Soldaten. ( Siehe: Das EK Buch des Deutschen Ordensmuseum / Lüdenscheid Seite 178 ff. und Abwicklung der Verleihung 184 ff. und andere Fachbücher ).

    Puuuh, aber interessantes Thema. Ich würde mich über Bilder freuen. Hinweis: Verliehene Kreuze sind immer gerade, gebogene Kreuzarme und rückseitige Sonderverschlüsse sind (oft) Nachkäufe aus dem Fachhandel.

    Noch ein interessanter Hinweis: Der letzte Träger des EK von 1813 / Friedrich Niephagen verstarb am 01.03.1890 ( Siehe auch: Frank Wernitz / Das Eiserne Kreuz )

    An alle Mitglieder alles Gute von Volker

  • Hallo,

    dazu zwei Anekdoten, die erste aus dem 1. WK:

    Der Adjutant zum Regiments-Kdr: Der Gefreite Meyer hat außergewöhnlichen Mut beim Sturmangriff bewiesen.

    Reg. Kdr.: Na, dann geben Sie ihm das EKII.

    Adj.: Hat er schon!

    Reg. Kdr.: Na, dann das EKI!

    Adj.: Hat er schon.

    Reg. Kdr.: Na dann um Gottes Willen geben Sie ihm 5 Mark aus der Regimentskasse!


    Zweite Anekdote (2. WK):

    Mein Onkel war bei den Fallschirmjägern u.a. bei dem Angriff auf Kreta dabei. Er überlebte den Krieg und erzählte mir, daß der Bataillons-Kommandeur im April 1945 auf die Schreibstube des Btl. kam, einen Zigarrenkasten voller EKII in der Hand. Zum Spieß gewandt soll er gesagt haben: "Wer noch keins hat, soll sich eins nehmen."


    Schöne Grüße,

    JR

  • Hi JR, schöne Geschichte die ich so glauben mag...

    Ist wie der Soldat der von Bismarck gefragt wurde: Lieber das EK2 oder 5 Mark.?

    Gegenfrage: Wie teuer ist ein EK2 ? Antwort:...so 2 Mark.

    Gut dann nehme ich das EK2 und 3 Mark...

    LG Volker

  • Hallo!

    - Wurde bei einer Verleihung von EK 1 die konkrete Begründung schriftlich irgendwo festgehalten (Verleihungsurkunde, Personalakte, o.a.)?

    ... zu der Frage ein Auszug eines Regimentsbefehls vom Mai 1944 aus der Normandie.


    Grüße

    Sven

  • ... Wurde bei einer Verleihung von EK 1 die konkrete Begründung schriftlich irgendwo festgehalten (Verleihungsurkunde, Personalakte,o.a.) ...

    Hallo,


    die Verfahrensabläufe zur Verleihung von Orden und Ehrenzeichen sind in der Regel in den Durchführungsbestimmungen zur jeweiligen Auszeichnung zu finden, siehe auch in der Stiftungsverordnung zum EK 2 von 1939 im Lexikon: http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Orden/ek12.html


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo zusammen,


    zunächst einmal Danke für alle Eure Beiträge zum Thema!


    Stabsarzt1943 : kann ich Dir die Fotos privat per Mail schicken? Ich bekomme Sie hier gerade (noch) nicht auf 400 kB herunter.


    Bei dem besser erhaltenen ist auf der Nadel "L55" eingeprägt. Bei dem schlechter erhaltenen ist die Prägung leider nicht mehr zu entziffern. Was bedeutet diese Prägung?


    Beste Grüße

    Stephan

  • Hallo Stephan,


    L55 ist der Hersteller, Metallwarenfabrik Rudolf Wächtler & Lange, Mittweida.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Stephan ,


    wie Thilo schon den Hersteller genannt hat ist ein L ( Leistungsgemeinschaft deutscher Ordenshersteller ab 1941 ) Stück vermutl. ein nachgekauftes Stück aus dem Fachhandel.

    LDO Stücke waren aus dem Leistungsverband hinsichtlich Herstellung und Garantie etc. vereinheitlicht.

    Schick mir gerne eine PN ich melde mich.

    Schöne Stücke dieses Herstellers.


    LG Volker

  • Hallo Thilo,

    Hallo Volker,


    herzlichen Dank!


    Habe es endlich geschafft, die Dateien zu verkleinern. Ich hoffe, Ihr könnt damit etwas anfangen und es führt zu weiteren Erkenntnissen.


    Was hat es mit dem Band bzw. dem Knopf auf sich?


    Beste Grüße

    Stephan

  • Guten Morgen Stephan.


    2 sehr schöne EK 1 hast Du da.

    Das Stück mit der Punze L/55 ist ein Stück, dass Dein Großvater käuflich erworben hat.

    Das andere EK 1 ist das tatsächliche Verleihungsstück.


    Das linke EK liegt in einem Etui mit weinrotem Bezug. Dies ist ein Etui für das Verwundetenabzeichen in Silber.


    Gruß

    Dirk

  • Hallo ins Forum,

    ich kann mich nur anschliessen...schöne Stücke.

    Kleine Ergänzung:

    Ob das andere Stück das Verleihungsstück ist kann man wohl nicht sagen. Markierung ?

    Die Knopflochdekoration gehört definitiv nicht an die Uniform sondern an den Zivilanzug , lieber Eumex..:*.

    EK2 und Ostmedaille, hier gerollt nicht in Schleifenform..siehe Foto

    Und LG an Alle bei dem Regen...Volker

    Files

    • sierig1.jpg

      (28.35 kB, downloaded 41 times, last: )
  • Hallo "Eumex", Dirk und Volker,


    es ist für mich wirklich beeindruckend, wie sich hier ein Puzzle langsam zusammen setzen lässt! Vielen Dank nochmal!


    Eine Ostmedaille war im Nachlass nicht vorhanden, dafür aber das Infanterie-Sturmabzeichen und das Verwundetenabzeichen in Schwarz ( Dirk: vielleicht gehörte das rote Etui ja dennoch ursprünglich dazu...)


    Mein Großvater hat tatsächlich ab 1941 mit der 9. Infanterie-Division am Ostfeldzug teilgenommen, insofern ist das mit der Ostmedaille stimmig.


    Schönen Sonntag Euch allen noch

    Stephan

  • Hi Stephan,

    so soll es sein...macht Spass. Das schwarze Verwundetenabz. im Etui glaube ich nicht...eher Tüte. Hat er vielleicht noch die Silberstufe bekommen ? Noch eine kleine Bitte...wenn möglich hätte ich gerne Fotos der EK 1 Rückseiten insbesondere Nadeln und Haken wenn Du kannst...wäre toll.

    Regen, Regen und LG Folker

  • Hallo Folker,


    anbei lade ich Dir gerne Fotos von den Rückseiten hoch... warum sind sie interessant für Dich?

    Fotos von der Gravur auf den Nadel des besser erhaltenen EK waren nicht realisierbar.


    Schönen Sonntag Abend

    Stephan

  • Hi Stephan,

    1000 Dank für die Bilder aber wo fange ich an zu erklären ?:

    Kurz: Jeder Sammler bzw. jeder Interessierte wird nach kurzer Zeit die Auszeichnung von der Rückseite betrachten. Die Rückseite gibt Aufschluss über:

    Das Befestigungssystem / evtl. Verlötungen der Nadel bzw. des Nadelbocks ggf. auch Gewinde für Schraubscheiben / Hersteller und Zeitperioden.

    Gerade beim EK haben sich viele "Kopierer" Mühe mit dem Vorderseitenfinish gegeben, bei der Rückseite aber dann oft "versagt". Gut für den versierten Sammler.

    So würde ich dann das links abgebildete Stück als unmarkiert deklarieren, liegendes Nadelscharnier hoch angebracht, bauchige Nadel mit flachem angelötetem

    Nadelhaken in eckiger Form (d.H. keine Rundnadel ). Standart EK 1. Stimmt das in etwa so ? Somit müsste das ein frühes verliehenes Stück aus den Anfangsjahren 1939 - ca. 1942

    sein. Halte alles in Ehren und versuche mehr über den Träger zu erfahren. ( Im Buch The IRON CROSS of 1939 von Gordon Williamson sind schöne Aufnahmen diesbezüglich abgebildet. )

    Alles Gute und bis bald von Volker

  • Hallo Volker,

    freut mich, wenn Dir die Fotos ebenfalls etwas gebracht haben sollten.

    Nochmals herzlichen Dank für Deine Unterstützung!


    Bis demnächst vielleicht mal wieder

    Stephan