Ärzte/Mediziner - Einkommen - vor u. während des Krieges?

  • Guten Abend, allen,


    in Akten zu einem Arzt wird sein Einkommen (vor Steuern) genannt. Ende der 30er Jahre betrug der Jahresverdienst über 30.000,- RM; 1950 "nur" noch 1/4 davon (nach Währungsreform + in DM).

    Mir erscheinen die in der Akte genannten Zahlen enorm hoch.


    Hat von Euch jemand Vergleichszahlen, auch zum Sold eines Arztes im Kriegseinsatz? (.. und evtl. zu anderen Berufen, Soldateneinkommen, um das Ganze in Relation zu sehen.)


    Ich habe zurm Vergleich leider nur dies:

    - Versorgungsbezüge für Hinterbliebene eines SD-Gruppenleiters, Reichsführer SS, ab 1.6.1944 mtl. 183,- RM + 70,50 RM Haushaltszulage = 253,80 RM.


    Vielen Dank und herzliche Grüße - Margarete

  • Hallo Margarete,


    auch Ärzte bekamen Sold und Gebührnisse nach Dienstgrad Die Besoldung eines Soldaten der Wehrmacht:


    Quote

    Mir erscheinen die in der Akte genannten Zahlen enorm hoch.

    wobei das sofort zur Frage führt was für ein Arzt war das, je nach Fachrichtung soll es auch heute eine erhebliche Spreizung in den Einkommen geben.

    Gruss Dieter

  • Hallo, Augustdieter,


    Dank an Dich. Gekugelt hatte ich. An das LdW hatte ich nicht gedacht. -

    Interessante Angaben. Ein General hatte geringere Einkünfte, als dieser Arzt.

    Der Arzt war schon in der "oberen" Etage angesiedelt.


    Ich hatte an das Statistische Bundesamt bei den Kugelversuchen gedacht, habe aber nur kommerzielle Anbieter gefunden. Gibt es aus der Zeit frei zugängliche Statistiken?


    Grüße von Margarete

  • Hallo Margarete und alle anderen!


    Ein angestellter Arzt im öffentlichen Gesundheitswesen hat wohl wesentlich weniger verdient als einer mit eigener Praxis und Privatpatienten mit entsprechender Liquidation. Das war wohl damals nicht anders als heute?


    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Hi Margarete uaa.,


    hier hatte Steffen / Papa folgendes gepostet:


    "... Beispiele noch zum Einkommen:


    durchschnittliches Jahreseinkommen 1935

    Ärzte = 12.500 RM

    Anwälte = 10.850 RM

    Angestellter = 2727 RM

    Arbeiter = 1375 RM


    aus: Wehler, Hans-Ulrich: Dt. Gesellschaftsgeschichte 1914-1949, München 2003"


    Vll. hilft's.


    Grüße, Kordula

  • Hallo,


    will man Einkommen im Allgemeinen miteinander vergleichen, dann ist es ratsam die inflationsbereinigen Summen zu nehmen.

    Bei Ärzten ist sodann noch zu unterscheiden, ob sie ihr Einkommen in der Hauptsache durch Kassen- oder Privatpatienten erhielten.


    Gruß


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo Magarete,


    leider keine Zahlen zu Ärzten gefunden aber

    doch ganz interessant

    Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich

    digizeitschriften


    Gruß


    Reinhard

  • Guten Abend ans Forum und an Margarete,


    in der Anfrage klingt es so, als stammen die Verdienstangaben aus einer Nachkriegsakte.

    Es gab Gründe, zum Beispiel bei Entschädigungs- oder Ausgleichsanträgen, den finanziellen Anspruch durch unzutreffende Angaben zu erhöhen.

    So geisterten immer wieder Beispiele in der Öffentlichkeit herum, dass die Heimatvertriebenen aus Ostpreußen mehr verlorene Ländereien in Entschädigungsanträgen angegeben hätten, als Kanada an Grundfläche hat.

    Ein anderes satirisches Beispiel ist, dass man aus den durch die Kirche als Holz vom Kreuz Christi verkauften Devotionalien, eine Blockhaussiedlung bauen könnte.

    Kann es sein, dass der hohe Arztverdienst in die mit von mir angegebene Richtung zielen könnte?


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo, Euch,


    Reinhard, genau so etwas habe ich gesucht. Vielen Dank dafür, auch wenn keine Ärzte dabei sind.

    Kordula, schöne Zahlen. Ein kleiner Anhaltspunkt.

    Paul, ist schon klar, dass ich das Jahr 1923 oder 1929 finanziell nicht mit 1938 vergleichen kann.

    Christiane, der Arzt war im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigt.

    Er hat hohe Privatrechnungen verschickt, die Behandlung von Wohlfahrtsempfängern abgelehnt, wurde wegen eindeutiger Meinungsäußerungen ein Jahr vor Hitlers Machtergreifung ermahnt, etwas leiser zu sein und gehörte zu denen, die einen Tag nach Wahlsieg der NSDAP den liberalen Bürgermeister mit Gewalt aus dem Rathaus zerrten.


    Peter aus der Normandie, Du bist mir aber auch ein Schelm (grins). Ich glaube, Du solltest Kanada und Ostpreußen persönlich mit dem Zollstock vermessen. Es könnte mit größter Wahrscheinlichkeit möglich sein, dass Kanada viiiiiel kleiner ist!!!!

    Siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/…8M%C3%BCnchenbernsdorf%29


    Ja, die Zahlen stammen aus einer Nachkriegs-Klageschrift. Allerdings wird dort zur Überprüfung der Zahlen auf das Finanzamt verwiesen. Ob tatsächlich kontrolliert wurde, ist nicht ersichtlich.


    Seid herzlich gegrüßt von Margarete

  • Hallo,


    bei Anträgen wurde nach dem Krieg gerne etwas gemauschelt, so schrieb mein Uropa folgende Bemerkung in einen Antrag auf Kriegerelternrente:


    "Mein Sohn war ein dankbarer Junge, der seine Eltern unterstützen würde, wenn er noch leben würde. Mein anderer Sohn hingegen mußte ein armes Mädchen heiraten."


    (Nachweise zum Einkommen vom Mann des armen Mädchens, meinem Opa, legte mein Uropa trotz mehrfacher Aufforderung nicht vor, aus gutem Grund)


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Tag allerseits,


    Ärzte im öffentlichen Dienst (z.B. in den Gesundheitsämtern) waren und sind vielfach verbeamtet ( Medizinalrat, Obermedizinalrat, Medizinaldirektor, Ltd. Medizinaldirektor).
    Medizinalräte werden in der Regel in der Besoldungsordnung A 13, Obermedizinalräte in A 14, Medizinaldirektoren in A 15 und Leitende Medizinaldirektoren in A 16 vergütet. Die Einstufungen für Ärzte bei der Wehrmacht und nun bei der Bundeswehr sind nicht unbedingt vergleichbar mit den "zivil verbeamteten" Ärzten.

    Grüße

    Bert

  • Moin,

    trotz Tätigkeit im öffentlichen Dienst gab es mW die Möglichkeit daneben privat tätig zu sein. Je nach Ruf und Können kam dann noch einiges obendrauf.

    Gruß,

    JR

  • Tag allerseits

    trotz Tätigkeit im öffentlichen Dienst gab es mW die Möglichkeit daneben privat tätig zu sein. Je nach Ruf und Können kam dann noch einiges obendrauf.

    Gruß,

    Wer im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, kann nicht ohne Weiteres "daneben privat tätig sein". Dazu benötigten und benötigen auch Ärzte im öffentlichen Dienst die "Genehmigung einer Nebentätigkeit". Es kann

    nicht davon die Redes sein, dass solche Genehmigungen "umfassend und großzügig" erteilt wurden und erteilt werden. Und damit sind z.B. für Medizinalräte und Oberstabsärzte der Bundeswehr mögliche Zusatzverdienste nie besonders hoch.

    Anders ist es natürlich bei Chefärzten von Kliniken, denen regelmäßig ein sogenanntes Liquidationsrecht zusteht (Abrechnung privatärztlicher klinischer Leistungen).


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    es gibt "Koryphäen", deren Einkommen deutlich über denen normaler Ärzte liegt. Bei manchen liegt es tatsächlich am Können, bei anderen eher am Geschäftssinn. Dürfte damals wie heute so gewesen sein.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Tag allerseits,


    was man unter "Koryphäen" hier zu verstehen hat, das ist eine andere Sache. Nochmals: Großverdiener mit nebenher verdientem Geld im Rahmen der Nebentätigkeitsverordnung wird ein Medizinalrat oder ein

    Oberstabsarzt nie. Wer heute als Medizinprofessor Chefarzt einer Klinik wird, der muss schon "einiges vorzuweisen haben". Die dann ausgehandelten Verträge sehen auch erhebliche Abgaben aus Privatliquidationen vor: die Abführung aller Sachkosten und 40 und mehr Prozent aus den abgerechneten ärztlichen Leistungen. Damit noch nicht genug, müssen Chefärzte meist einen sogenannten

    Pool bedienen, aus dem Oberärzte, Assistenzärzte gewisse Beträge dafür erhalten, dass sie bei der Behandlung von Privatpatienten mitwirkten. Für den Chefarzt einer Klinik bleibt auch nach diesen Abführungen

    neben seinem Gehalt ein ordentlicher Betrag übrig. Seine Ehefrau kann getrost zu Hause bleiben und die Abrechnung der Privatliquidationen erledigen. Aber dieses "Liquidationsrecht" von Chefärzten in Kliniken

    ist irgendwie international. Selbst in der kommunistischen UdSSR hatten dortige Chefärzte ähnliche Liquidationseinnahmen neben ihrem Gehalt.


    Grüße

    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Tag allerseits,


    für Interessierte die nachfolgende Fundstelle:


    https://www.praktischarzt.de/arzt/gehalt-arzt/


    Vor 1939 und dann bis 1945 findet man fürs Erste keine Fundstellen zu den Verdiensten der damaligen Ärzteschaft. Die unterschiedlich hohen Einnahmen und Gehälter (nach Fachdisziplinen) dürften zur

    Zeiten der Reichsmark ähnlich differenziert gewesen sein.


    Grüße

    Bert

  • Guten Tag, allen,


    inzwischen hatte ich das stat. Bundesamt angeschrieben und heute die Antwort erhalten, dass zur Beantwortung meiner Fragestellung keine Daten vorliegen.


    Für Eure Informationen und Anregungen danke ich Euch herzlich. Ein bisserl habt Ihr mir damit weiter geholfen.


    Bleibt gesund! Margarete

  • Hallo Margarete,


    in der STABI bei uns in Berlin gibt es allerlei Zahlenwerke, Falls der Weg für Dich zu weit ist, lass es mich wissen, ich besuche den - für mich - heiligen Ort gerne und stöbere durch sämtliche Kataloge.


    Das die Statistiker nichts haben, kann ich einfach nicht glauben, so sind sie ………………..!


    Gruß


    Paul


    G-W-G'