I.Weltkrieg, I.R. 168 sowie I.R. 116

  • Hallo in der Runde,

    für einen guten Bekannten möchte ich zu seinem Großvater einige Dinge aus dem I.Weltkrieg in Erfahrung bringen.

    Adolf Frechenhäuser geb. am 6.Aug. 1890 in Bierstadt b-/Wiesbaden, wurde als Sergant des 168. Inf.Reg./11. Komp. am 24.Okt. 1918 bei Bavie la Capelle-Valenciennes als vermisst gemeldet (lt. grandeguerre.icrc.org. erhalten vom

    Volksbund, Kassel). Im Anschreiben des Volksbund steht ferner: Er ist vermisst seit dem 24.10.1918 bei Le Quesnoy laut Vermisstenliste. Bestattet wurde er am 26.10.1918 Le Mesnil Farm, Ortsangabe??? Falls das ein Ort ist, es

    ist nicht bekannt wo er liegt! Laut "Prisoners of war Informations bureau, London" hat Frechenhäuser in der Liste die Ser.Nr. ED 15866, Ferner ist noch in der Liste bei "Military Naval Particulars" vermerkt: 116.Res.Inf.Reg.Comp. 4

    No. 4443 ! Dazu teilte der Volksbund mit: "Ergänzend möchten wir noch mitteilen, dass die im Schreiben vom Kriegsgefangenenbüro gemachten Angaben zum letzten Truppenteil (4,/R.I.R. 116) auf der gefundenen Erkennungsmarke beschriftet waren. Demnach gehörte er zuvor dieser Einheit an".Die in diesem Raum gefallenen Deutschen Soldaten wurden in "Le Quesnoy" bestattet, aber nach dem Krieg in den 20-iger Jahren durch den französischen Gräberdienst ohne deutscher Beteiligung u. a. auf den deutschen Soldatenfriedhof 1914/1918 Frasnoy umgebettet. Vermutlich gab es bei der Umbettung Probleme mit der Indenifizierung des Gefallenen (fehlende E.M. ? ), Fazit ist jedenfalls, es gibt hier von ihm kein Einzelgrab, er ruht dort wahrscheinlich in einem Massengrab von unbekannten Soldaten.

    Was mich verwundert: Am 24. Oktober als vermisst gemeldet, am 26. Okt. vom Feind beerdigt. Vermutlich lag er als Schwerverwundeter auf dem Schlachtfeld, der Gegner barg ihn, versorgte ihn, trotzdem verstarb er alsbald.

    Nähere Umstände seiner Verletzung/Gefangennahme/seines Ablebens werden wohl nie geklärt werden können, oder doch?

    Letztendlich interessieren uns die beiden genannten Inf. Regimenter, wo haben sie 1 9 1 8 gekämpft/gibt es ein Kriegstagebuch? Wäre nett wenn hiezu Zuschriften kommen.

    Vielen Dank

    Johann

  • Hallo Johann,


    lt. Liste ist er seit dem 24.10.1918 bei Le Quesnoy als Angehöriger der 11./ Infanterie-Regiment 168 vermißt, die dort hinterlegte Kontaktadresse ist Frau E Frechenhäuser, Honiggasse 1 in Wiesbaden-Bierstadt. Er wurde zuvor zweimal verwundet.


    Die Regimentsgeschichte schreibt zu diesem Tag: In Stellung bei Orsinval, Abends in Stellung bei Preux (Hermannstellung).


    Oftmals handelte es sich um Tote, die vom Gegner geborgen und bestattet wurden. Der Erstbestattungsort "Le Mesnil Farm" liegt nördlich Salesches, unten auf Karte vom Oktober 1918. Der Gegner waren hier Neuseeländer.


    Grüße

    Thilo

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    • Le Mesnil.png

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  • Hallo, Johann,


    gemäß Randvermerk auf der Heiratsurkunde von Friedrich Adolf Frechenhäuser gilt der 24.10.1918 sogar als Sterbedatum. Leider gibt der Randvermerk als Todesort nur Frankreich wieder.


    Zu den angefragten Einheiten werden sich sicherlich noch die 1. WK-Spezialisten melden.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    im Anhang mal die beiden vom Volksbund als Quelle genannten Dokumente mit den Angaben zur Person. Da die Franzosen mit den Familiennamen der gefangenen deutschen Soldaten öfters Schwierigkeiten hatten (Umlaute ä,ü,ö u.ä.), erscheint Adolf Frechenhäuser beim ICRC als Adolf Freckenhausen.

    Quelle: https://www.grandeguerre.icrc.org/en/File/Search


    Der Truppenteil wird dort als Res.-Inf.-Rgt. Nr.116, 4.Comp. angegeben, die auf der Karteikarte (Bild 1) genannte Nr. ED 15866 ist nur ein Querverweis des ICRC zu dem in Bild 2 gezeigten Dokument. Auf der Rückseite der Karteikarte ist das Datum 18.Februar 1919 vermerkt. Den Todesort "Le Mesnil Farm" findet man in Frankreich sicherlich mit der Bezeichnung "Fermé Le Mesnil", Ortsangaben wurden gerne mal eingedeutscht bzw. von der Gewahrsamsmacht eingeenglischt. Den Ort Le Mesnil an sich gibt es in Frankreich wohl mehrfach, er taucht z.B. in den Heeresberichten 1914/18 sehr häufig auf: http://www.stahlgewitter.com/


    Gruß, J.H.


    Edit: Zur Ergänzung hier noch der Eintrag beim Volksbund und der Link zum deutschen Heeresbericht vom 24.10.1918, darin erwähnt auch der von Thilo schon genannte Ort Salesches: http://www.stahlgewitter.com/18_10_24.htm


    Nachname: Frechenhäuser

    Vorname: Adolf Friedrich

    Dienstgrad: Sergeant

    Geburtsdatum: 06.08.1890

    Geburtsort: Bierstadt

    Todes-/Vermisstendatum: 24.10.1918

    Todes-/Vermisstenort: bei Le Quesnoy


    Adolf Friedrich Frechenhäuser ist vermutlich als unbekannter Soldat auf die Kriegsgräberstätte Frasnoy überführt worden. Grablage: wahrscheinlich unter den Unbekannten

    Leider konnten bei den Umbettungsarbeiten aus seinem ursprünglichen Grablageort nicht alle deutschen Gefallenen geborgen und zum Friedhof Frasnoyüberführt werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Adolf Friedrich Frechenhäuser einer der deutschen Soldaten ist, dessen Gebeine geborgen wurden, die aber trotz aller Bemühungen nicht identifiziert werden konnten.

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    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 6 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo,


    das RIR 116 wurde am 14. September 1918 aufgelöst. Die Bataillone wurden wie folgt verteilt:


    I. Bat. zum IR 80 nach St. Benin,

    II. Bat. zum IR 81 nach St. Souplet

    III. Bat. zum IR 87 nach Maurois


    Grüße

    Thilo

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  • Hallo,


    noch ein Nachtrag:


    Lt Standesamt gefallen am 24.10.1918 auf dem Schlachtfeld in Frankreich, der genaue Ort des Todes und die Todesstunde sind nicht festzustellen. 11./IR 168, verheiratet gewesen mit Elisabeth geb. Schiebener. Sterbefallanzeige durch Kommandeur IR 168 am 29.11.1920.


    Grüße

    Thilo

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  • ... Der Erstbestattungsort "Le Mesnil Farm" liegt nördlich Salesches, unten auf Karte vom Oktober 1918. Der Gegner waren hier Neuseeländer ...


    Hallo,


    auch von mir noch ein Nachtrag: Die Fermé Le Mesnil scheint es tatsächlich immer noch zu geben, zu finden mit Google Maps. Sie liegt an der im Heeresbericht geschilderten britischen Stoßrichtung/Straße (Grande Rue) von Romeries nach Salesches, wie auch in Thilos Kartenausschnitt verzeichnet. In Romeries befindet sich eine Kriegsgräberstätte der CWGC, auf der auch 106 Angehörige der Neuseeländischen Armee bestattet sind. Als Truppenteile dieser gefallenen Soldaten werden dort u.a. die New Zealand Rifle Brigade und das Canterbury Regiment der New Zealand Expeditionary Forces (N.Z.E.F.) genannt: https://www.cwgc.org/find-a-ce…munal-cemetery-extension/ und weiterführend https://www.nzhistory.govt.nz/war/nzef-units


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo Diana,

    Hallo Johann H.

    Hallo Thilo,

    das nenne ich Punktlandung! Ich bin überwältigt, soviel Infos in der kurzen Zeit. Schön das es E U C H gibt!

    Jetzt habe ich genug zu tun und muß alle Daten auswerten!

    Nochmals herzlichen Dank,

    Johann



    Es ist bereits alles gesagt, nur nicht von allen. (Karl Valentin)

  • Hallo, Johann,


    falls Du Kopien aus dem Geburts- und Heiratsregister von Adolf Friedrich Frechenhäuser haben magst, kann ich Dir die gerne zukommen lassen.


    Sind Dir auch die Verlust- und Vermißtenlisten bei genwiki bekannt? Dort wird A.F. Frechenhäuser mehrfach genannt sowie weitere Personen namens Frechenhäuser aus Bierstadt.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo und guten Morgen Diana,

    vielen Dank für Dein Angebot, bitte stelle die Geburtsurkunde und Heiratsurkunde zu Hr. Frechenhäuser hier ein, dann kann mein Bekannter aus Wiesbaden (seit gestern Mitglied "Lutz62)

    und ich die Dokumente herunterladen. Genwiki ist mir bekannt, habe dort schon einige Infos zu meinen Verwandten entdeckt. Ich stöbere jetzt bei genwiki nach den Verlustlisten, falls ich nicht klar komme melde ich mich gerne wieder bei Dir.

    Schönen Tag,

    Johann




    Es ist bereits alles gesagt, nur nicht von allen. (Karl Valentin)

  • Hallo, Thilo,


    das dürfte eher ein "Tüncher" gewesen sein; auf dem von Dir gezeigten Ausschnitt vielleicht schlecht zu erkennen, aber auf der Heiratsurkunde deutlich besser zu lesen.


    Urkunden folgen gleich.


    Johann, zur Familie Frechenhäuser gibt es zahlreiche weitere Dokumente bei ancestry; Geschwister, Eltern usw. Besteht da auch Bedarf?


    Beste Grüße

  • Hallo Thilo,

    dieser Text stammt aus der Urkunde vom 29.November 1920, ausgefertigt bei der Behörde in Bierstadt. Der Text müßte heißen:

    Tüncher (also ein Maler bzw. Anstreicher) Adolf Friedrich. Mitglied Lutz62 sagte mir, er war wirklich im Zivilleben ein "Tüncher"!

    Schönen Tag,

    Johann

  • Hallo,


    auf "Tüncher" wäre ich nie gekommen, höre ich auch zum ersten mal, Eigentlich kenne ich den Beruf auf hessisch als Weißbinder.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Diana,

    würde mich über alle Dokumente bzgl. Frechenhäuser bei Ancestry freuen, bitte stelle alles von Geschwistern/Eltern soweit vorhanden,hier ein.

    Schönen Abend,

    Johann

  • Hallo, Johann,


    das mache ich gerne, es wird nur einige Zeit in Anspruch nehmen, denn Adolf Friedrich hatte mindestens 8 Geschwister, die zwischen 1876 und 1895 geboren wurden (was ich so auf die Schnelle sehen konnte).


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo zusammen,


    Quote

    auf "Tüncher" wäre ich nie gekommen, höre ich auch zum ersten mal, Eigentlich kenne ich den Beruf auf hessisch als Weißbinder.


    Ausgangsberufe waren die Schildmacher,.........Daraus entstand der Beruf der Schilderer, Schildner, Schilter oder Schildermaler,

    die bereits 1197 ihre erste eigene Zunft in Magdeburg hatten.

    Aus den Bauberufen entwickelten sich die Maurer, Weißbinder, Klaiber, Putzer, Kälker, Tüncher und Weißmaler.

    Die Bildschnitzer, die zunächst ihre Bildwerke auch farbig fassten, betätigten sich so auch als Fassmaler.

    https://www.mappe.de/berufsbezeichnungen/

    Gruss Dieter