SS Einheiten im Lkr. Tirschenreuth / Bezirk Tachau zu Kriegsende

  • Hallo liebe Forenmitglieder,


    ich beschäftige mich mit der lokalen Geschichte zum Kriegsende im östlichen Landkreis Tirschenreuth und dem angrenzenden Sudetenland, Kreis Tachau / Egerland.


    Hier lese ich in der mir zur Verfügung stehenden Literatur immer wieder von SS Einheiten, welche hier in Rückzugsgefechte verwickelt waren und auch in diesen Gebieten stationiert waren. Nur wird in keinem der Bücher / Artikel / Beiträge darauf eingegangen welche Einheiten dies namentlich waren.


    Im Lexikon der Wehrmacht hab ich auch schon Stunden verbracht, bin hier jedoch auch nicht weiter gekommen. Hier kam ich „nur“ auf Einheiten, welche im Raum Weiden i.d,Opf. stationiert waren und sich dann in südliche Richtung, Richtung Donau, zurückzogen.


    Mich interessiere jedoch die Einheiten, welche hier im Landkreis Tirschenreuth / Bezirk Tachau Sudetenland und den angrenzenden Gebieten stationiert und noch in Kampfhandlungen verwickelt waren.


    Auch durch Zeitzeugen konnte ich in Erfahrung bringen, dass hier im April 1945 Einheiten der Waffen SS gekämpft haben.


    Ich bin über jegliche Information sehr dankbar. Werde demnächst hier die Infos, welche ich habe, mir Quellenangaben einstellen. Wenn dies von Nutzen ist.


    Beste Grüße und ein gesundes neues Jahr

    Uli

  • Hallo Uli,

    ich wohne auch im Landkreis Tirschenreuth und befasse mich seit langer Zeit mit dem Kriegsende 1945 im Landkreis.

    Bis auf Ersatzeinheiten der SS-Nord waren hier keine regulären SS-Einheiten im Einsatz. Ich habe im Landkreis TIR Band

    Nr. 27 / 2015 einen Aufsatz über die amerikanische Besetzung geschrieben, dort ist einiges dazu nachzulesen!


    Mit den besten Grüßen

    Erich

  • Hallo Erich,


    vielen Dank für deine Antwort.

    Wo ist dieser Band erhältlich?


    Weißt du wo welche Einheiten Ende April lagen?


    In Hermannsreuth bei Bärnau und Galtenhof / Sudetenland soll es noch zu Gefechten gekommen sein.


    Gruß

    Uli

  • Servus Uli,


    kennst Du das Buch "Kriegsende in der Oberpfalz - Ein historisches Tagebuch" von Rainer Ostermann? (Buchverlag der Mittelbayerischen Zeitung).

    Dort sind an einigen Stellen in der (gesamten Oberpfalz) anwesende SS-Einheiten kurz erwähnt. Ist Dir damit geholfen, wenn ich das Buch mal überfliege und die Meldungen hier sammle

    ? Oder konzentrierst Du Dich nur auf den Landkreis TIR?


    Viele Grüße von einem Weidner!

    Bernhard

  • Servus Uli,

    die Reihe heißt "Heimat Landkreis Tirschenreuth" und wird vom Landkreis/ Landratsamt Tirschenreuth herausgegeben.

    Du kannst den Band 27 mit dem Titel "Bettschart, Resl und Kometen" entweder beim Landratsamt oder über die

    Buchhandlung Bodner in Pressath bestellen. Kannst Du leicht "googeln".


    Gruß Erich

  • Servus Bernhard, Servus Erich!


    das Buch „Kriegsende in der Oberpfalz“ hab ich. Ich denke es gibt nicht mehr viel Bücher mit dieser Thematik welche ich noch nicht habe. Allerdings sind die enthaltenen Infos nicht gerade gehaltreich. Es ist immer nur von „SS Einheiten“ die Rede, jedoch werden diese nicht benannt.


    Den Band 27 konnte ich heute kaufen. Mache mich gleich mal darüber.


    Gruß

    Uli

  • Hallo zusammen, wie bereits angekündigt beginne ich nach und nach die mir bekannten Texte hier einzufügen.


    "Das Verbrechen" BÄRNAU - Stadt und Land, Harald Fähnrich, ISBN -3-928901-02-8, Seite 73 ff.


    Zwei Männer aus Hermannsreuth (Anm.: Ortsteil von Bärnau), der Wirt Dill und Anton Weigl, hatten geplant mit dem Bürgermeister nach Schwarzenbach (Anm. Ortsteil von Bärnau, Richtung Tirschenreuth) zu gehen - wo die Amis schon waren, um ihren kleinen Ort kampflos zu übergeben. Die sie hatten die Rechnung ohne den Bürgermeister gemacht, der auch Ortsgruppenführer war. - Dies ist ein Teil der überlieferten Vorgeschichte.


    "In Hermannsreuth hatte sich eion Zug Waffen-SS festgesetzt unter der Führung eines Leutnants (Anm. Müsste eigentlich Untersturmführer heißen), angeblich vion dem Bürgermeister ins Dorf gerufen. Der junge Leutnant hatte seinen Sitz beim Bürgermeister.

    Neun ältere Männer aus Hermannsreuth waren sich einig, dass der Krieg eigentlich zu Ende sei und man Hermannsreuth übergeben solle und man dies der Obrigkeit sagen müsse: Der Wirt Lorenz Dill, Franz Haberkorn, Anton Janker, Benno Nürbauer, Anbton Schiffl, Anton Weigl sen., Anton Wolfrum und sein Bruder Franz Wolfrum und Johann Zant. Das letzte Wort wollte Lorenz Dill führen, einer der ältesten Männer im Dorf. Diese Männer fühlten sich in der Verantwortung für alle Bewohner und gingen in der Frühe zum Bürgermeister, trafen ihn vor dem HAus und sprechen ihn deswegen an. Lorenz Dill sagte, er spreche im Namen seiner Begleiter: Die SS solle abziehen, die Bewohner wollten weiße Fahnen hissen und den Ort kampflos übergeben, es seien doch nur Kinder und Frauen und alte Leute hier... Der Bürgermeister rief den Leutnant. Er drohte, dass sie feige seien, sich kampflos zu ergeben, er werde das verhindern und rief seinen Burschen, daß er ihm die Pistole bringe. Die Männer schauten, daß sie heimkamen. Doch die Folgen blieben nicht aus.



    Der Leutnant schickte Posten von Haus zu Haus, daß sämtliche Haushaltsvorstände zum Bürgermeister zu kommen hätten. Man traf sich dort, auch die acht Männer waren dort und warteten jetzt auf das Strafgericht. Es kam etwas anders; alle wurden belehrt - keine kampflose Übergabe, Feigheit vor dem Feind werde mitr dem Tode bestraft. Alle ließ man heimgehen, der Wirt jedoch sollte seinem Vorgesetzten überstellt werden. Ein Posten begleitete ihn heim, wo Dill sich einen Mantel anziehen durfte. Seins Frau MArgarethe, 67 Jahre alt, ahnte Schlimmstes, eilte währenddessen zum Leutnant und bat ihn - auf den Knien - ihren Mann, der dorch ein alter Mann von 76 Jahren ist, alufen zu lassen. Er ließ sich nicht erbarmen.

    Lorenze Dil wurde zum Bataillonsstab in Galtenhof / Thörl (Anm. Sudetengau) gebracht. Ein Standgericht verurteilte ihn zu Tode. Es war der 29.April 1945 abend, am Tag bevor die Amis nach Bärnau kamen. Das Urteil wurde sogleich vollstreckt. Er wurde im "Bärenloch" erschossen; vorher hat er sein Grab schaufeln müssen.

    Die Familie erfuhr es gleich. Seine Tochter REsl (*1912) nahm Verbindung zu der UNNRA auf, daß man in die Tschechei hineinfahren könne; den Galtenhof war nun Ausland. Ein Weißrusse durfte es mit dem Fuhrwerk nach einigen Tagen, oder dauerte es 10 Tage? Als man das Grab fand, sah ein Fuß des Ermordeten aus der Erde. Lorenz Dill war in die Grube gefallen und einfach verscharrt worden. - Alle im Dorf waren über die Untat sehr bestürzt. Vater (Anton Weigl sen.) erzählte mir oft davon. (Anton Weigl *1914 Hermannsreuth)


    Ergänzende Auskunfte gab der Enkel des Ermordeten, Josef Krauthahn (*1941 in Hermannsreuth) :"Mutter (*1912) erzählte, das ERschießungskommando bestand aus jungen Kerlen. Der Leutnant soll es geleitert haben. Das erste Mal schossen sie vorbei. Da wurden sie belehrt, wenn sie ein zweites Mal nicht träfen, wären sie selber dran. Einer davon soll nachher beim Essen gesagt habemn, so ein alter Mann... er brächte kein Essen hinter... Großvater (*1869) wurde nach seiner Überführung noch ein, zwei Tage im Leichenhaus (Bärnau) aufgebahrt. -

    In den 50er Jahren vernahmen Kripobeamte meine Mutter Theresa: es ging dabei recht lasch zu; sie wissen wer dieser Leutnant gewesen sein könnte... Zu einem Gerichtsverfahren ist es nie gekommen."


    Nun mein Fragen:


    Ist bekannt welches Bataillon seinen Gefechtsstand um den 29.04.1945 in Galtenhof hatte?


    Kann man sagen, ob es sich wirklich um einen Zug Waffen-SS handelte, oder ob hier eine Verwechslung vorliegt? (Leutnant)


    Weiss man welches Standgericht in dieser Zeit in diesem Raum tätig war? Ich kann mich erinnern schon was in dieser Richtung gelesen zu haben...


    beste Grüße

    Uli

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    militariasammler-tir@gmx.de

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  • Hallo,


    meine weitere Schilderung:


    "Der Krieg am Lande" BÄRNAU - Stadt und Land, Harald Fähnrich, ISBN -3-928901-02-8, Seite 74 ff.


    BEIERFELD (Anm. Ortsteil von Bärnau, ca. 2km westlich von Hermannsreuth): Erwin Schmidkonz (*1926) war vom Arbeitsdienst entlassen worde und am 19. April zu Fuß von Regensburg kommen zu Hause eingetroffen. Er berichtet:

    "Zwei Tage später quartierte sich eine Kolonne SSler (so 30 Mann zu Fuß) unter dem Kommando eines Oberleutnant Rausch in unserem Hof ein. Die Amis in Wendern (Anm. Ortsteil von Bärnau, ca. 3 km südwestlich von Beierfeld) merkten dies inrgendwie und beschossen unseren Hof; Gegenwehr konnten die kaum bewaffneten Deutschen nicht mehr leisten. ... Das ging bis zum 2. Mai. Es war 5 Uhr abends, als der Ami kam. ... Drei Panzer standen beim Haus und feuerten in Richtung Hermannsreuth. Damit war der Krieg zu Ende. ... Wir gingen über die Felder und kamen zur Straße (Anm. Straße Griesbach - Bärnau. Dort lag im Straßengraben ein toter deutscher Soldat mit Kopfschuss - und auf der Straße ein zerfetzter Ami Jeep. Angeblich hatte er mit eine Handgranate, die er an einem Strick über die Straße zog, die Ami Fahrzeug aufhaltne wollen; er wurde sofort exekutiert. ... Am "Brand, am Waldrand fanden wir ein Deckungsloch. Darin saß ein deutscher Soldat. Ihm fehlte der Kopf. Man sah am Baum über ihn den Granateinschlag. ... Beide Gefallenen wurden an Ort und stelle begraben, die Gräber wurden mit Holzkreuzen versehen."


    Beste Grüße

    Uli

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  • Hallo zusammen,


    In dem zitierten Buch ist noch von weiteren Ereignissen zu Kriegsende zu lesen. Hier ist immer nur von "SSlern" die Rede.


    Kann es sein, dass sich hier eine versprengte Einheit befand? Oder Teile er Ersatzeinheiten der 6. Nord? Oder wurde einfach angenommen es waren SS Soldaten. Ich konnte hierfür noch keine Beweise finden. Angeblich kam es entlang der Bayerisch / Böhmischen Grenze auch zu teilweise heftigen Nahkämpfen. Man kann noch gut Reste von Deckungslöchern und Schützengräben in den Wäldern erkennen.


    vielen Dank für eure Beiträge!


    beste Grüße

    Uli

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  • Guten Morgen Uli,


    was ist los?

    Keine Anrede, kein Gruß mehr, so wie es die Regeln des Forums vorgeben?

    Nicht schwächeln....8)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Uli,


    wie Du selbst gemerkt hast, wird immer nur von "SS'lern" gesprochen, es hat sich bisher niemand die Mühe

    gemacht, zu differenzieren. Ich kenne Harald Fähnrich sehr gut, er hat, ohne ihm nahe zu treten, vom Militär

    wenig Kenntnisse. Ich habe ihn in seinem demnächst erscheinenden Buch über die KZ-Todesmärsche in

    unserem Raum, ein wenig unterstützt.

    Man muss unterscheiden, ob es sich um Bewacher der KZ-Todesmärsche handelt, diese waren in der Regel

    sehr gemischt (Landesschützen der STALAG's, lettische und ukrainische SS-Angehörige, Angehörige der

    örtlichen Polizeistationen, die bis zum Zuständigkeitsbereich der nächsten Polizeistation die Bewachung

    übernehmen mussten), oder reguläre Kampfeinheiten, die auch sehr unterschiedlich zusammengesetzt

    waren. Ich habe bis dato noch keinen einzigen geschlossen eingesetzten Waffen-SS-Verband bei uns

    lokalisieren können. Zudem waren auch Kriegsgefangenentransporte aus bereits besetzten Wehrkreisen

    mit Bewachern unterwegs.

    Zu den Kämpfen an der Grenze zum Egerland ist noch zu sagen, dass Ende April verschiedenste Einheiten

    aus Westböhmen versuchten, über die Tschechisch-Deutsche Grenze zu entkommen, da die Russen und

    tschechische Partisaneneinheiten nachrückten, ausserdem hatten amerikanische Einheiten begonnen

    von Waidhaus aus, in Richtung Pilsen vorzustoßen. Dieses ganze Kapitel Kriegsende im nordöstlichen

    Bayern ist fast noch unbearbeitet geblieben.

    Gruß Erich

  • Servus Thomas, entschuldige, ich hab die drei Beiträge als einen betrachtet. Vorne Hallo und dann Grüße. Soll ich alle abändern?


    Beste Grüße

    Uli

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    militariasammler-tir@gmx.de

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  • Servus Erich,

    vielen Dank für deinen Beitrag!

    Wachmannschaften der Todesmärsche schließe ich hier in oben genannten Fällen aus. Es waren keine Häftlinge hier.


    Ah auf das Buch bin ich ja mal gespannt. Wie du schon treffend geschrieben hast bringt er ja in manchen Publikationen auf dem militärischen Sektor etwas durcheinander.


    Wenn man manche Berichte so liest dann denkt man, dass hier nur Waffen SS Einheiten unterwegs gewesen sind. Wie gesagt, hierfür konnte ich bislang noch keine Beweise finden.


    Bis auf die Todesmärsche vom KZ Buchenwald / KZ Flossenbürg aus. Welche jedoch nicht in die Bärnauer Gegend kamen.


    beste Grüße

    Uli

  • Guten Tag Uli,.


    alles gut, sonst hätte ich ganz anders geschrieben, ich bin bekannt dafür.8)


    Fingerspitzengefühl, wann kann ich, z.B. bei Auflistungen, Bilderserien usw darauf verzichten,

    wann sollte ich eine Anrede und einen Gruß verwenden, so schwer ist das nicht.


    Quote

    Vorne Hallo und dann Grüße.

    na, ich weiß schon, was dort n i c h t stand..."verar..." solltest du mich nicht.

    Was Foren, gerade die Arbeit, die Aktivität in Foren, angeht, da bin ich dreimal chemisch gereinigt, glaub mir.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Abend Thomas,


    Das glaub ich dir gerne. Hatte ich vergessen und nachgebessert. Wenn ich wieder aufeinander folgende Beiträge verfasse werde ich darauf achten. War nicht böse gemeint.


    Nichts für Ungut.


    Beste Grüße

    Uli

  • Hallo Uli,


    eine Möglichkeit zur Identifikation, zumindest von deutschen Verbänden, könnten alliierte Lagekarten für den entsprechenden Zeitraum in der Oberpfalz sein.


    Gruß

    Dieter

  • Hallo Dieter,


    Vielen Dank für deine Hinweise!


    mich konnte was interessantes feststellen:


    am 21.04.1945 war anscheinend eine SS Einheit im Bereich östlich von Weiden i.d.Opf.

    https://www.loc.gov/resource/g…?r=0.65,0.63,0.08,0.098,0


    Nur was hat es mit der Bezeichnung auf sich? SS NBGN


    Bereits am 30.04. war diese Einheit wieder „verschwunden“.

    Handelt es sich bei 413 um eine Division? Lage nordöstlich von Tirschenreuth.


    https://www.loc.gov/resource/g…=0.661,0.573,0.11,0.134,0


    Dann am 5.5. östlich von Tirschenreuth die Einheit „2“ was bedeutet dies?

    https://www.loc.gov/resource/g…0.625,0.464,0.214,0.261,0


    Beste Grüße

    Uli

  • Hallo zusammen,

    die Bezeichnung der SS -Einheit nördlich Weiden lese ich als

    __XX__

    SS NBGN

    Demnach soll es sich um eine Division (XX) NiBelunGeN handeln??


    Beste Grüsse

    Ingo