Besonders tragische Einzelschicksale von Soldaten an den Fronten des Zweiten Weltkrieges

  • Hallo zusammen,


    ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn man über viele Jahre veröffentlichte Tagebücher oder Kriegserinnerungen von Soldaten liest,

    stößt man unweigerlich von Zeit zu Zeit auf besonders tragische Einzelschicksale von Kameraden der jeweiligen Verfasser, die einen als Nachgeborenen besonders berühren.

    Diese Einzelschicksale ragen dann aus den oft Hunderten oder gar Tausenden von Gefallenen, welche die Tagebuchschreiber in bitterer Kriegsnot miterleben mussten, heraus.


    An solche besonders tragischen Einzelschicksale von Soldaten an allen Fronten des Zweiten Weltkrieges würde ich hier unter diesem Thema gerne erinnern.


    Zunächst zu meiner Ausgangsfragestellung:

    Wenn man im Netz den Suchbegriff "tragisches Einzelschicksal" eingibt, erscheint als Treffer u.a. ein SPIEGEL-Artikel zu einem Film über die Suche nach dem im April 1945 über Deutschland abgeschossenen US-Piloten Shannon Estill. Für die Hinterbliebenen tragisch, weil der US-Soldat nur gut drei Wochen vor der deutschen Kapitulation gefallen ist.

    Und wenn man das Filmfoto auf der Seite betrachtet wohl ein Einzelschicksal, weil insgesamt nur relativ wenige alliierte Aufklärungsflieger abgeschossen wurden:


    Quote

    Eine Liebe in Zeiten des Krieges

    Der letzte Flug von Lieutenant Estill

    Es war ein tragisches Einzelschicksal in den Wirren des Zweiten Weltkrieges: Am 13. April 1945 wurde der US-Air-Force-Pilot Shannon Estill über Nazi-Deutschland abgeschossen. Er hinterließ seine Ehefrau Mary und seine zwei Wochen alte Tochter Sharon. Ein Kind, das sein ganzes Leben darunter leiden wird, ohne Vater aufzuwachsen.

    https://www.spiegel.de/sptv/nachtclub/a-766531.html


    Als erstes Beispiel für einen deutschen Soldaten, dessen Todesumstände als besonders tragisch erscheinen, möchte ich den Vater des prominenten Schlagersängers Heino erwähnen.

    Ich bekam zufällig Heinos Autobiographie in die Hände, und dort schildert der Sänger die wirtschaftliche und seelische Not der Familie nach dem Tod des Vaters als Funker bei der Wehrmacht Anfang August 1941:


    Quote

    "Finanziell ging es uns nie wirklich gut, vor allem die ersten Jahre meiner Kindheit waren nicht leicht. Am 13. Dezember 1938 wurde ich in Düsseldorf geboren, nur wenige Monate später begann der Zweite Weltkrieg. Mein Vater Heinrich, ein Zahnarzt, wurde im Krieg als Funker eingesetzt. Doch schon am 2. August 1941 starb er, als ein betrunkener Kamerad wild um sich schoss, während die Truppe beim Abendessen saß.

    Mit achtundzwanzig Jahren war meine Mutter plötzlich Witwe - und ich gerade drei Jahre alt. Kein Wunder, dass meine Erinnerungen an meinen Vater ganz verschwommen sind. Mein letztes Bild: Ich saß in unserer Küche, als er auf Heimaturlaub nach Hause kam. Das war ganz kurz vor seinem Tod."

    (Heino mit Martina Mack, Mein Weg. Autobiografie, Köln 2016, S. 16-17.)


    Vielleicht gibt es ja ein Verzeichnis, wo der Todesort des Vaters Heinrich Kramm vermerkt wurde. Ich vermute, es war an der Ostfront, wo er von einem betrunkenen Kameraden beim gemeinsamen Abendessen erschossen wurde, nach den ersten sechs Wochen Russlandfeldzug, denn auf der offiziellen Internetseite steht folgendes dazu:


    "Heinos Vater, ein Zahnarzt, starb in den ersten Kriegstagen.

    Seine Mutter Franziska und seine fünf Jahre ältere Schwester Hannelore wurden nach Pommern evakuiert. Erst 1945 kehrte die Familie nach Düsseldorf zurück.

    Heinos Erinnerungen an seine ersten Jahre sind von Bomben-Angst und Hunger geprägt."

    http://www.heino.de/biografie.html


    Zuerst hatte ich mich gewundert, dass der Vater trotz anerkannter Praxistätigkeit in Köln nicht als Militärzahnarzt eingesetzt wurde sondern nur als Funker. Das scheint aber häufiger vorgekommen zu sein, denn in den Erinnerungen Ludwig Igels an die sowjetische Kriegsgefangenschaft wird ein ähnlicher Fall geschildert:



    Obwohl es im militärischen Umfeld nachweislich oft zu tödlichen Unfällen mit Schusswaffen kam, dürfte der Tod beim gemeinsamen Abendessen durch Schüsse eines alkoholisierten Kameraden (der "wild um sich schoss") ein besonders tragisches Einzelschicksal sein. Leider erfährt man nicht, ob Heinos Vater das einzige Opfer des Schützen war oder noch andere Soldaten verwundet wurden. Welche Strafe den Todesschützen anschließend erwartete bleibt ebenfalls unerwähnt. Strafkompanie oder Schlimmeres?


    Beste Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Hallo,

    Zuerst hatte ich mich gewundert, dass der Vater trotz anerkannter Praxistätigkeit in Köln nicht als Militärzahnarzt eingesetzt wurde sondern nur als Funker. Das scheint aber häufiger vorgekommen zu sein, denn in den Erinnerungen Ludwig Igels an die sowjetische Kriegsgefangenschaft wird ein ähnlicher Fall geschildert:

    in einer Armee darf man sich über nichts wundern. Mein Vater hat sich 1941 freiwillig zum Afrikakorps gemeldet, er war laut Tauglichkeitsuntersuchung "Tropentauglich". Er wurde nach Nordfinnland versetzt.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Mein Vater hat sich 1941 freiwillig zum Afrikakorps gemeldet, er war laut Tauglichkeitsuntersuchung "Tropentauglich". Er wurde nach Nordfinnland versetzt.


    Hallo Rainer,


    ja, von solchen Fällen habe ich auch schon gehört. Bei der Operation "Taifun" an der Ostfront Richtung Moskau soll seit dem 2. Oktober 1941 sogar eine ganze für das Afrikakorps vorbereitete Panzerkompanie mit PzKpfw III zum Einsatz gekommen sein. Komplett mit Wüstentarnanstrich und speziellen Luftfiltern.

    Bei Heinos Vater spielte wohl auch der Mangel an guten Funkern eine Rolle. Zahnärzte gab es vielleicht schon genug in der Truppe?



    Ich möchte jetzt noch ein tragisches Einzelschicksal eines deutschen Soldaten schildern, der - nach allem was man weiß - als gebrochener Mann 1944 aus der Wehrmacht entlassen wurde. Zuvor hatte er als Scharfschütze beim Heer bei einem Duell mit einem Scharfschützen der US-Army unwissentlich seinen eigenen Bruder getötet. Sein einziger Bruder war vor dem Krieg in die USA ausgewandert.


    Nachdem er davon erfahren hatte, traf ihn dieser Schicksalsschlag an der Front bei Monte Cassino zwar nicht körperlich aber psychisch so schwer, dass er nicht mehr eingesetzt werden konnte.


    Der Gefreite Manfred Schick, den ich beim Thread "Christen gegen Nazis in der Wehrmacht" schon mehrfach zitiert hatte, hat seinem Vater mit der Bitte um jahrzehntelange Verschwiegenheit gegenüber anderen davon berichtet.


    Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass Manfred Schick aus einer Familie kam, die von Anfang an gegen das NS-Regime eingestellt war (sein Vater wurde mehrfach in "Schutzhaft" durch örtliche NS-Funktionäre genommen) und dass er ein christliches Gymnasium in Schulpforta besuchte, dessen Schüler regelmäßigen Streit und Prügeleien mit den braunen Schülern der örtlichen Napola-Parteischule auszustehen hatten.



    Hier also Manfred Schicks Bericht zum tragischen Ausgang des deutsch/deutsch-amerikanischen Scharfschützenduells:


    "Bericht Nr. 144

    8.-9.5. 1944


    Südlich Cassino, d. 9. 5. 1944


    An der ganzen Südfront ist es ruhig, abgesehen von routinemäßiger Spähtrupptätigkeit. Der rechts an uns anschließenden Division liegen zum Meer hin amerikanische Verbände gegenüber.

    Eine der unsrigen Kompanien beklagte seit Tagen Verluste durch Kopfschuß. Man machte einen amerikanischen Scharfschützen ausfindig, der für diese Treffer verantwortlich war, und setzte nun von deutscher Seite ebenfalls einen Scharfschützen gegen ihn an.

    Es wurde ein regelrechtes Duell. Als unser Scharfschütze einen Streifschuß erhielt, wollte er schon aufgeben, weil der drübige ein so exzellenter Schütze sei. Er bezog aber dennoch erneut sein Schützenloch und setzte den Zweikampf fort bis zum für den Gegner tragischen Ende.


    Da die Amerikaner den weit vor ihrer Linie postierten toten Schützen nicht zu bergen versuchten, holten ihn in der Nacht die Unsrigen herüber, um ihn zu bestatten.

    Als man seine Papiere in der Hand hatte, stellte der Kompaniechef fest, daß jener den gleichen Familiennamen und den gleichen Geburtsort hat wie der deutsche Scharfschütze.

    Als man diesen davon informierte, mußte er erkennen, daß der Tote sein vor Jahren ausgewanderter Bruder war. Wo hat das Ganze da noch einen Sinn?



    Der Hauptmann erwirkte nun, daß jener junge Schütze sofort aus der Wehrmacht entlassen wird. Er dürfe aber seinen Eltern nie sagen, welches Unglück er gehabt habe; wenn er sich aussprechen wolle, so möge er es mit ihm tun. Dich aber bitte ich, aus diesem Grunde dafür zu sorgen, daß mein Bericht vierzig Jahre unveröffentlicht liegenbleibt.


    Als wir in unserem kleinen Funktrupp die mit diesem Tod aufgeworfene Frage nach Schuld und Sinn erörterten, kamen wir sehr schnell zu einer Übereinstimmung, denn keiner widersprach, als der einzige Familienvater unseres Trupps feststellte:

    Jeder ist unser Bruder."


    (Manfred Schick, Als Christ im Kriege. Aufzeichnungen eines Gefreiten aus den Jahren 1942 bis 1945, Bad Neustadt a. d. Saale 1989, S. 247-248.)



    Wegen der selbstauferlegten Sperrfrist von vierzig Jahren über den für die betroffene Familie tragischen Ausgang des Scharfschützenduells ist das Buch von Manfred Schick dann auch erst 1989 veröffentlicht worden.



    Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Hallo Bodo,


    Quote


    Vielleicht gibt es ja ein Verzeichnis, wo der Todesort des Vaters Heinrich Kramm vermerkt wurde. Ich vermute, es war an der Ostfront, wo er von einem betrunkenen Kameraden beim gemeinsamen Abendessen erschossen wurde, nach den ersten sechs Wochen Russlandfeldzug,


    Heinrich Kramm, Heinos Vater, ruht auf der Kriegsgräberstätte in Ysselsteyn.Endgrablage: Block AR Reihe 8 Grab 184.


    Er ruhte bis 1958 auf dem Nordfriedhof in Leeuwarden und wurde dann nach Ysselsteyn umgebettet. EM 127-18 Lg.Nachr.Rgt.1.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    auf diese Information zur letzten Ruhestätte von Heinrich Kramm hatte ich gehofft, vielen Dank für die Klarstellung.

    Aber wo (z.B. Kaserne, Übungsplatz, Privatquartier) er vom betrunkenen Kameraden erschossen wurde, ist nicht bekannt?


    Demnach muss sich "die Truppe" von Heinos Vater (kennt man seine Truppenzugehörigkeit?) am 2. August 1941 als Teil der deutschen Besatzungstruppe in den Niederlanden befunden haben. Zu dieser Zeit doch eine relativ friedliche Umgebung mit seltenem Schusswaffengebrauch, was den Gewaltausbruch des Kameraden (der "wild um sich schoss, während die Truppe beim Abendessen saß") umso rätselhafter erscheinen lässt. Die Annahme auf der offiziellen Homepage, dass Heinos Vater "in den ersten Kriegstagen" ums Leben kam, trifft dann ja auch in keiner Weise zu. Ich hatte wegen dieser fehlerhaften Darstellung an den deutsch-sowjetischen Kriegsschauplatz gedacht.


    Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

    Edited once, last by Bodo Franks ().

  • Hallo Bodo,


    sowas kam recht häufig vor, Alkohol und Waffen sind eine gefährliche Mischung. Ich habe vor einiger Zeit zu Todesfällen von DDR-Grenzpolizisten und Angehörigen der Grenztruppen recherchiert, derartige Unfälle "passierten" auch hohen Offizieren.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    Quote


    Ihr dürft nicht alles glauben was in s. g. Biografien steht

    und warum sollte man glauben, was in Zeitungsausschnitten steht, die man nicht lesen kann? Der Düsseldorfer Fotograf hieß Heinz Kramm.


    Und hier im Forum benutzt man Grußformeln.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • heinrich-fritz-kramm.jpgheinrich-fritz-kramm_grab.jpgGuten Tag Thilo,


    das tut mir leid mit der Grußformel.

    Den Artikel aus dem Leeuwarder Courant kann man lesen, wenn man den Google Übersetzer benutzt. Das mache ich auch immer.
    Heinz Kramm ist die Kurzform von Heinrich Kramm. Der Geburtsname ist Heinrich Fritz Kramm. Der Geburtsname von HEINO ist Heinz Georg Kramm. Meine enge Verwandtschaft.


    Herzliche Grüße

    wokrabe

    Edited once, last by wokrabe ().

  • Hallo,


    das ist ein Zeitungsartikel aus der Besatzungszeit, aus Eifersucht erschossen rückt die Wehrmacht nicht in ein so schlechtes Licht wie im Suff erschossen. Wobei auch beides gleichzeitig möglich ist....


    Die Adresse des Fotografen Heinz Kramm war die Charlottenstr. 81c I.Stock in Düsseldorf.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Heinos Vater, Heinrich Fritz Kramm: H. Kramm war kein Zahnarzt. Er hat in Düsseldorf als Fotograf gearbeitet. 1941 hat er sich wegen einer Liebschaft erschossen.


    Hallo allerseits,


    wenn ich es richtig verstanden habe, gehört der User "wokrabe" zur engeren Verwandtschaft und kennt daher die Todesumstände Heinrich Kramms. Aber wie sieht es mit Heino selbst aus? Kennt er die Wahrheit nicht oder hat er bewusst die Erinnerungen an den Vater verfälscht und diese falsche Version dann absichtlich Journalisten gegenüber vertreten?


    Ihr dürft nicht alles glauben was in s. g. Biografien steht.


    • Das von mir zitierte Buch ist eine neue offizielle Autobiographie, d.h. Heino hat daran mitgewirkt:
    • (Heino mit Martina Mack, Mein Weg. Autobiografie, Köln 2016.)

    Darin erzählt er doch, "Mein Vater Heinrich, ein Zahnarzt, wurde im Krieg als Funker eingesetzt. Doch schon am 2. August 1941 starb er, als ein betrunkener Kamerad wild um sich schoss, während die Truppe beim Abendessen saß."


    In einem Interview mit der Kölner Zeitung Express von 2009 vertritt er auch diese Darstellung, sein Vater sei Zahnarzt gewesen, und zwar in Köln, nicht Düsseldort:


    Quote

    EXPRESS fragte nach: „Heino, was verbindet Sie denn überhaupt mit den kölschen Klängen der Höhner?“ Und dann platzte es aus dem Schlagerbarden heraus: „Mein Vater kam aus Köln-Kalk!“

    Heinrich Kramm hatte eine Zahnarztpraxis in Köln. Er fiel 1941 als Soldat im Krieg. Da war Heino drei Jahre alt.

    https://www.express.de/vater-a…-es--ne-koelsche-22246996


    Dann noch der Check bei Wikipedia:

    Heino wurde als Sohn des Zahnarztes Heinrich Kramm und dessen Ehefrau Franziska im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk geboren. Sein Vater war katholisch, seine Mutter evangelisch. Sein Großvater war Organist am Köln,er Dom.[3] Seine beiden Cousins waren Pfarrer.[4] Heinos Vater, der eine Zahnarztpraxis in Köln-Kalk hatte,[5] fiel am 2. August 1941 im Zweiten Weltkrieg.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Heino



    Und dann noch die offizielle Website von Heino und seinem Büro in Bad Münstereifel, wo das ebenfalls so steht:

    Quote

    Heinos Vater, ein Zahnarzt, starb in den ersten Kriegstagen. Seine Mutter Franziska und seine fünf Jahre ältere Schwester Hannelore wurden nach Pommern evakuiert. Erst 1945 kehrte die Familie nach Düsseldorf zurück. Heinos Erinnerungen an seine ersten Jahre sind von Bomben-Angst und Hunger geprägt.
    http://www.heino.de/biografie.html


    Copyright Heino, steht unten auf der Website. Also noch mal gefragt: Weiß er nicht, wer sein Vater war und was mit ihm geschah?

    Denn sonst müssten diese fehlerhaften Einträge doch sehr schnell geändert werden können.


    Aus dem Zeitungsartikel werde ich nicht ganz schlau, da ist im Zusammenhang mit der Trauerfeier für Heinrich Kramm

    so oft von Heldenleben, Heldentod bzw. Heldensoldat die Rede.

    Kann jemand den Text rund um diese Floskeln übersetzen?


    Und wenn Heinrich Kramm aus Liebeskummer Selbstmord verübt hat, galt er dann trotzdem noch als "Heldensoldat"?

    Ich dachte immer, Selbstmord ohne Feindberührung in der Etappe wäre beim Militär mindestens ein Dienstvergehen.


    Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Guten Morgen zusammen,


    ein Adreßbucheintrag zu Heinrich Kramm als Zahnarzt läßt sich Ende der 30er/Anfang der 40er in Köln nicht finden.


    Zudem frage ich mich, warum hätte die Wehrmacht die Talente eines ausgebildeten Zahnarztes als Funker "verschwenden" sollen? Klingt für mich nicht logisch.


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Zudem frage ich mich, warum hätte die Wehrmacht die Talente eines ausgebildeten Zahnarztes als Funker "verschwenden" sollen? Klingt für mich nicht logisch.

    Hallo Diana,


    das gleiche dachte ich mir beim lesen der Beiträge auch. Zumal ich einen Mann kannte, der nach 3-4 Semester Medizinstudiums den ganzen Krieg als Arzt verwendet wurde und der den Russen beweisen musste, dass er noch Student war. Sein Studium hat er nicht zum Abschluss gebracht und arbeitete lebenlang als Journalist, so dass seine Zeit als Arzt nur auf die Kriegszeit beschränkte.


    Und wenn Heinrich Kramm aus Liebeskummer Selbstmord verübt hat, galt er dann trotzdem noch als "Heldensoldat"?

    Ich dachte immer, Selbstmord ohne Feindberührung in der Etappe wäre beim Militär mindestens ein Dienstvergehen.

    Hallo Bodo,


    bei aller Skepsis, würde ich die Mitteilung von wokrabe zumindest als einen ernst zu nehmenden Hinweis betrachten. Was den "Heldentod" betrifft, reicht doch die Beschreibung der Todesumstände von Rommel oder von Hitler selbst vollkommen aus, die sind auch den "Heldentod" gestorben...

    Gruß Viktor

  • Guten Morgen wokrabe,


    Soeben habe ich den Zeiungsartikel gelesen. Es ist nog im schönen Altniederländisch geschrieben. Allerdings kann ich daraus nichts entnehmen,

    was darauf hindeutet, dass er etwas mit Heino zu tun haben könnte. Damit möchte ich dir aber nicht zu Nahe treten. Könntest du bitte erklären,

    was ich da nicht verstehe?


    Herzliche Grüße


    Heidy

  • Hallo,

    als nichts für ungut, aber Schills Geschichte von den Brüdern halte ich für Seemannsgarn. Deutsche, bzw. eingebürgerte GIs wurden zumeist im Pazifikraum, japanischstämmige GIs in Europa eingesetzt. Ausnahmen auf Wunsch bestätigen die Regel. Dies wurde gemacht um zu verhindern, dass sie auf Landsleute schießen müssen und sie im Falle der Gefangennahme zu schützen. So wurde es auch in einer Doku mal im US History Channel von Historikern berichtet. Dort ging es um Deutsche, Italiener u. Japaner i.d.US Streitkräften während des WW2. Die Geschichte ist so reißerisch, allein die Motivation den Toten zu bergen um ihn zu beerdigen ist m.M. nach unglaubwürdig.

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Hallo,

    als nichts für ungut, aber Schills Geschichte von den Brüdern halte ich für Seemannsgarn.


    Hallo Andreas,

    nichts für ungut, aber der Berichterstatter des Falls der beiden Brüder heißt Manfred Schick, nicht Schill.


    Er war auch kein Seemann, der Garn gesponnen hätte, sondern nach dem Krieg Hochschulprofessor an der TU Darmstadt.

    Sagtest Du nicht, Ausnahmen bestätigen die Regel? Vielleicht hoffte der Bruder, als siegreicher GI in seinen Heimatort in Deutschland einzumarschieren, um seine Eltern vor Übergriffen durch Nazis oder Alliierte zu bewahren. Wer weiß?


    Im Krieg war Dr.Manfred Schick Gefreiter bei der 44. Infanterie-Division (Hoch-und Deutschmeister), über die er das Buch "Monte Cassino. Ein Rückblick nach 60 Jahren" veröffentlicht hat. Und er war an zwei weiteren Sachbüchern zur Einsatzgeschichte der Division in Stalingrad und dem Ende am Plattensee in Ungarn beteiligt:

    https://www.amazon.de/Die-Infanterie-Division-Reichs-Grenadier-Division-Hoch-Deutschmeister


    Sein Bericht über das Schicksal der beiden Scharfschützen-Brüder stammt aus der Berichtesammlung "Als Christ im Kriege. Aufzeichnungen eines Gefreiten aus den Jahren 1942 bis 1945":

    https://www.amazon.de/Als-Christ-Kriege-Aufzeichnungen-Gefreiten


    Seinem in der Heimat von den Nazis bedrohten Vater, der als Krankenpfleger mehrfach von NSDAP-Funktionären in "Schutzhaft" gesperrt worden war, ließ er kontinuierlich geheime Berichte über seine Wehrdienstzeit und Kriegserlebnisse zukommen. Nicht per Feldpost, das wäre zu gefährlich gewesen. Er übergab die Berichte an ihm vertraute Soldaten seiner Division, die auf Heimaturlaub fuhren.


    Insgesamt sollen so bis Kriegsende 70 Kameraden die geheimen Aufzeichnungen zurück nach Deutschland geschmuggelt haben.


    1986, bei einer Diskussion mit einer Gruppe seiner Studenten an der TU Darmstadt, erwähnte er auch die authentischen Berichte aus der Kriegszeit und beschloss, sie endlich nach über 44 Jahren zu veröffentlichen. Gerade wegen des tragischen Scharfschützenduells der beiden Brüder hatte Manfred Schick das bis dahin aufgeschoben. Die Eltern der Brüder sollten auf keinen Fall davon erfahren.


    Der Bericht darüber ist also authentisch und direkt am 9. Mai 1944 nach den tragischen Ereignissen vom 8. Mai 1944 bei Monte Cassino verfasst worden.


    Hallo Bodo,


    bei aller Skepsis, würde ich die Mitteilung von wokrabe zumindest als einen ernst zu nehmenden Hinweis betrachten. Was den "Heldentod" betrifft, reicht doch die Beschreibung der Todesumstände von Rommel oder von Hitler selbst vollkommen aus, die sind auch den "Heldentod" gestorben...


    Ja, Viktor, ich nehme die Infos von wokrabe sogar sehr ernst. Ich frage mich nur warum Journalisten, Manager des Künstlers und der Sänger selbst nicht den richtigen Beruf des Vaters recherchiert und genannt haben. Und auf der offiziellen Website den August 1941 als Tod "in den ersten Kriegstagen" bezeichnen. Weil es sich für die Fan-Community so besser anhört?


    Zudem frage ich mich, warum hätte die Wehrmacht die Talente eines ausgebildeten Zahnarztes als Funker "verschwenden" sollen?


    Ich hatte doch ein anderes Beispiel genannt, wo ebenfalls ein ausgebildeter Zahnarzt erst in der Gefangenschaft als Zahnarzt eingesetzt wurde, weil sonst keiner da war:

    "[...] Der Lange erzählt uns von seiner ehemaligen Praxis. Wegen irgendwelcher Umstände, die er uns nicht berichtet, ist er nur als Gefreiter beim Kommiß beschäftigt worden. Wenn er spricht, hüpft sein Adamsapfel lustig auf und ab."

    (Ludwig Igel, dawai, dawai. Lager 292 - Zitadelle Dünaburg, Balve i. W. o. J., S. 213.)


    Auf dem Foto Heinrich Kramms von wokrabe sieht man, dass er eine Luftwaffenuniform getragen hat. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass die Luftwaffe bereits genügend Zahnärzte verpflichtet hatte. Und gut ausgebildete Funker waren bei der Wehrmacht ebenfalls knapp. Aber Heinos Vater war ja sowieso Fotograf, wie wir jetzt wissen.


    das gleiche dachte ich mir beim lesen der Beiträge auch. Zumal ich einen Mann kannte, der nach 3-4 Semester Medizinstudiums den ganzen Krieg als Arzt verwendet wurde und der den Russen beweisen musste, dass er noch Student war. Sein Studium hat er nicht zum Abschluss gebracht und arbeitete lebenlang als Journalist, so dass seine Zeit als Arzt nur auf die Kriegszeit beschränkte.


    Dann müsste er aber eigentlich Urkunden gefälscht haben, um als Arzt eingesetzt zu werden. Mein Vater hatte einen Klassenkameraden, der nach 4 Semestern Kriegsstudium Medizin durchs Physikum gefallen war. Beim zweiten Versuch nochmal. Deshalb wurde er nur als Sanitätsfeldwebel verwendet und ist noch 1945 in der Tschechei gefallen, als er auf eine Mine trat.


    Zumal ich einen Mann kannte, der nach 3-4 Semester Medizinstudiums den ganzen Krieg als Arzt verwendet wurde und der den Russen beweisen musste, dass er noch Student war.


    Sowjetische Kommandeure hatten offenbar gelegentlich ganz eigene Vorstellungen davon, wer als Arzt einzusetzen war.

    In einem autobiographischen Roman hat Bert Franken über das Schicksal eines deutschen Juristen geschrieben,

    der, als er im Verhör seinen Dr. jur. nannte, plötzlich im Lazarett als Chirurg arbeiten musste. Und das ohne jede Vorkenntnisse oder Medizinsemester.

    Hätte er sich geweigert, wurde ihm mit Erschießung gedroht:


    Du Doktor - Du operieren ...Roman nach Tatsachen. (Deutsch) Gebundenes Buch – 1976

    von Bert Franken (Autor)

    https://www.amazon.de/Du-Doktor-operieren-Roman-Tatsachen


    Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

    Edited 2 times, last by Bodo Franks ().

  • Hallo Bodo,

    Schill->Schick Tippfehler am Handy.

    Bodo, ich zweifle ja in keinster Weise an, dass die Geschichte genau so im Buch beschrieben wurde, aber glaubwürdiger wird sie dadurch, dass sie gedruckt wurde, auch nicht.

    War Schick Augenzeuge beim Bergen des Amerikaners und beim Auswerten der Dokumente, die er bei sich trug? Selbst wenn, glaube ich die Geschichte nicht. In welchen Dokumenten soll denn der deutsche Geburtsort drin gestanden haben? In US Dokumenten z.B. US Passport wird der als Geburtsort der US Bundesstaat angeben, nicht der Ort der Geburt. Bei Geburt im Ausland steht dann zB Germany oder France, nicht Bochum oder Paris.

    Dass der Name ggf. Gleich war könnte stimmen. Wer weiß?
    So eine Geschichte, wäre sie so geschehen, hätte bei der Menge von Leuten die davon Wind bekommen haben sich rasch verbreitet. So etwas bleibt doch nicht „geheim“. Ich halte es nicht für eine Lüge, aber sagen wir mal für eine Metapher eines religiös inspirierten Geschichtenerzählers.
    So ein Fall hätte es bestimmt auch in die Regimentsgeschichte geschafft.

    Solange die Geschichte nicht aktenkundig belegt ist halte ich sie für nicht bewiesenes Hörensagen. Aber ich muss zugeben, schöne Geschichte, sollte man mal Hollywood anbieten. Dagegen verblasst „Saving Private Ryan“

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Sowjetische Kommandeure hatten offenbar gelegentlich ganz eigene Vorstellungen davon, wer als Arzt einzusetzen war.

    Dann müsste er aber eigentlich Urkunden gefälscht haben, um als Arzt eingesetzt zu werden

    Hallo Bodo,


    über die Einzelheiten war aus dem Mann nichts herauszukriegen. Allein damals, wie auch heute ist anhand des Alters kaum zu erwarten, dass jemand mit 21 Jahren bereits ein Arzt sein kann. Meine Vermutung war immer, dass er als ein Lagerarzt gedient haben könnte, und deswegen für NKWD von Interesse gewesen war.


    Ob er nun aufgrund seiner Fähigkeiten, oder wegen Not am Mann als Mediziner diente, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Gruß Viktor

  • Bodo, ich zweifle ja in keinster Weise an, dass die Geschichte genau so im Buch beschrieben wurde, aber glaubwürdiger wird sie dadurch, dass sie gedruckt wurde, auch nicht.


    Hallo Andreas,

    der Fall wurde nicht erstmals im Buch beschrieben, sondern aus dem Originalbericht des Verfassers vom 9. Mai 1944 an den Vater Manfred Schicks übernommen.

    Es handelt sich eben gerade nicht um "Geschichten" sondern um eine zeitgenössische Berichtesammlung. Du vermutest demnach, Schick hätte als Wehrpflichtiger seinen dringend auf Nachrichten von der Südwestfront wartenden Vater mit erfundenen Episoden hinters Licht führen wollen?

    Wenn man sämtliche Berichte seit 1942 gelesen hat, kann man das wegen der offenen und ehrlichen Schilderungen des Kriegsalltags ausschließen. Der Vater war Kriegsveteran des 1. Weltkrieges und konnte deshalb Wahrheit und Fiktion sehr gut unterscheiden. Er wollte genau wissen, was sein Sohn dort erlebte, von der Rekrutenausbildung bis zum Kampfeinsatz in den Bergen mit hohen Verlusten durch

    US-Jagdbomber und Artillerie.


    War Schick Augenzeuge beim Bergen des Amerikaners und beim Auswerten der Dokumente, die er bei sich trug?


    Nein, bei der Bergung nicht (was sollte er in der vordersten Stellung?), aber bei der Untersuchung der persönlichen Dokumente beim Stab.

    Außerdem hat der überlebende Scharfschütze, der Bruder des tödlich getroffenen US-Soldaten, ihn eindeutig als seinen vor Jahren ausgewanderten Bruder identifiziert. Deshalb brach dieser doch zusammen und wurde dienstunfähig.


    So eine Geschichte, wäre sie so geschehen, hätte bei der Menge von Leuten die davon Wind bekommen haben sich rasch verbreitet. So etwas bleibt doch nicht „geheim“.


    Ja, sicherlich gab es an der Front und in den Kompaniestäben Diskussionen darüber, Manfred Schick beschreibt doch selbst wie sie im Funktrupp darüber sprachen. Wichtig war doch nur, dass weder die Eltern der beiden Soldaten noch die NS-Personalplaner wissen sollten, warum der Scharfschütze auf Betreiben seines Kompaniechefs aus dem Militärdienst entlassen wurde.


    Aber ich muss zugeben, schöne Geschichte, sollte man mal Hollywood anbieten. Dagegen verblasst „Saving Private Ryan“


    Das meinst du jetzt aber sicher ironisch, denn die Geschichte hat doch anders als Private Ryan kein Happy End. Wer geht dafür ins Kino? Außerdem dreht Hollywood doch nie Front-Kriegsfilme über das Leben und die menschlichen Gefühlswelten böser Nazi-Soldaten.

    Tom Cruise als Oberst Graf von Stauffenberg und seine Mitverschwörer in der Etappe waren die seltene Ausnahme.


    Ein Film wie Letters from Iwo Jima von Clint Eastwood über zwischenmenschliche Dramen japanischer Soldaten im Gefecht mit US-Truppen wäre für eine Verfilmung des deutschen Kriegsgegners völlig undenkbar.


    Gruß,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Hallo Bodo,

    mag sein dass es so war, ich will darüber nicht streiten.

    Der von Dir geschilderte Umstand, dass der dt. Scharfschütze beim Anblick des Amerikaners zusammenbrach ging nicht aus der oben zuvor eingestellten Geschichte hervor. Auch nicht, dass Schick bei der Auswertung der Papiere anwesend war. Wir werden es nicht mehr herausfinden. Ist denn die Einheit bekannt bei der sich das angespielt haben soll?

    Beste Grüße

    Andreas

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)