Opel mit merkwürdigem WL-Staffelabzeichen (Stuka/Bomber?)

  • Hallo allerseits,


    von einem Bekannten, der die Geschichte von Seesen im Harz anhand alter Fotos aufarbeitet, habe ich unter anderem das folgende Foto zur Bestimmung erhalten. Der Wagentyp ist kein Problem, das ist genau mein Metier: Opel Kadett oder Olympia ab 1938 (eher Olympia als Kadett).


    Ich wüsste aber noch gern, auf welche mutmaßliche Luftwaffeneinheit das Abzeichen auf dem Vorderschutzblech hinweist.


    Für mich als Wk2-Laien sieht das nach Sturzkampfbomber- oder Bombereinheit aus. Merkwürdig finde ich, dass das Emblem nicht aufgemalt zu sein scheint, sondern als separater Schild anmontiert.


    Wer kann etwas dazu sagen?


    Beste Grüße und vielen Dank vorab!

    Michael

  • Hallo Michael,


    die Bombe war ein beliebtes Truppenkennzeichen bei der Luftwaffe, eine kleine Auswahl hier:


    https://www.wwiidaybyday.com/emblems/luftwaffe/lwweapons.htm


    Gibt es mglw. eine Verbindung zum nahen Fliegerhorst Goslar?


    Quote


    auf dem Vorderschutzblech


    Das Teil heißt Kotflügel.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo, danke für die Einschätzung.


    Was den Fliegerhorst Goslar angeht, scheint dieser weniger als Herkunftsort dieses Opel in Frage zu kommen, da dort wohl nur Aufklärungs- und Transport- und Ausbildungsverbände stationiert waren. Sie auch: https://www.relikte.com/goslar/


    Gruß,

    Michael

  • Hallo Michael,


    habe grade diese alte Anfrage entdeckt und gesehen, dass sie nie wirklich beantwortet wurde.

    Das Zeichen da am Kotflügel des Opel Kadett ist kein Staffelabzeichen, sondern eine Art Verkehrszeichen, welches dem Fahrzeug im Fall von Bombenangriffen ein Vorfahrtsrecht im Schadensgebiet zubilligte. Offenbar war der Betreiber des Opel in einem Amt ausserhalb Polizei/Feuerwehr/TeNo - sie hatten ja automatisch Vorfahrt - beschäftigt und hatte dienstlich in bombardierten Gebieten zu tun.

    Anbei ein Beispiel-Motiv aus Berlin - hier sind es hohe Parteifunktionäre, die mit so einem Vorfahrtsrecht ausgestattet waren.

    Leider finde ich momentan nicht die Stelle in meiner Literatur, die dieses Zeichen offiziell erklärt.


    Gruss aus Berlin


    Oldmanhupe

  • Hallo OH,


    Verkehrs- bzw.. Vorfahrtkennzeichen hatte wir hier RAD Fahrzeug


    Bewinkelung hier rotbewinkelte Kraftfahrzeuge


    Literatur: Beiträge zur deutschen Automobilgeschichte / Die Rimann'sche Sammlung deutscher Autoflaggen und Kfz-Stander: Band 1 Deutschland bis 1945


    Quote

    ....Bombenangriffen ein Vorfahrtsrecht im Schadensgebiet zubilligte.

    wenn ich mich recht erinnere gab es von der Partei Hilfseinrichtungen für die Folgen der Bombenangriffen

    Das Vorfahrt-Kennzeichen war der verkleinertet Stander des NSDAP-Gauleiter-Stander auf der Stoßstange.

  • Hallo Forum,


    Dank für die lebhafte Reaktion auf dieses Vorfahrtszeichen in Form einer Fliegerbombe - aber die Beiträge klären dieses Details nicht wirklich auf. Wie gesagt - irgendwo in meiner Bibliothek habe ich ein paar Zeilen zu dem Symbol - bislang aber nicht wiedergefunden.:(

    Der so genannte Rote Winkel an Kfz-Kennzeichen wurde nach der Mobilmachung 1939 ausgegeben an solche zivilen Fahrzeuge, die ein berechtigtes öffentliches Interesse am Betrieb ihres Kfz zu Kriegszeiten nachweisen konnten bzw. zuerkannt bekamen. Grund dafür war die Berechtigung, überhaupt noch Treibstoff und Reifen bekommen zu können. Jede Fahrt musste per Fahrtenbuch dokumentiert und auch begründet werden, private Spazierfahrten mit der Familie am Sonntag gab es offiziell so nicht mehr.

    Fahrzeuge ohne diesen roten Winkel wurden, wenn sie nicht zum Dienst nach Reichsleistungsgesetz eingezogen wurden, stillgelegt. Was sie nicht unbedingt davor bewahrte, in den letzten Kriegsmonaten doch noch "zur Fahne" geholt zu werden.


    Ich kenne den Schriftverkehr einer Fuhrunternehmer-Witwe aus Norddeutschland, die rotbewinkelt und offiziell beauftragt im Milchtransport mit einem alten Ford-Lkw tätig war. Trotzdem hat das zuständige Wehrkreis-Ersatzamt das Auto Ende 1944 requiriert. Hinweis auf die ohne das Auto nicht mehr zu erbringende Versorgungsleistung für die Bevölkerung wurde ignoriert, das Fahrzeug per Abholkommando vom Hof geholt. Höheren Orts hatte man dann nach Eingabe der Kreisleitung doch ein Einsehen und gab ihr das wieder Auto zurück - als Selbstabholer 50 km vom Wohnort entfernt zu übernehmen. Und dort angekommen, war der Wagen aufgebockt, enttankt und ohne Reifen!

    X(

    Und trotzdem hat sie es geschafft, den Lkw wieder nach Hause zu holen - bis ein paar Wochen später durchziehende deutsche Truppen den Wagen wieder beschlagnahmten. Diesmal auf nimmer Wiedersehen...


    Gruss Oldmanhupe

  • Hallo Oldmanhupe,

    vielen Dank für Hinweis und Anmerkung. Mittlerweile habe ich weitere Fotos von Privatfahrzeugen gefunden, die genau dieses Abzeichen tragen, ohne Wehrmachtsautos zu sein. Irgendwo meine ich als Erklärung gelesen zu haben, dass die fallende Bombe auf Entschärfungskommandos verweise. Sonderlich überzeugend finde ich keine der bisherigen Erklärungen, solange kein Literaturbeleg vorliegt. Interessant immerhin, dass es immer noch Wissenslücken bei diesen Abzeichen zu geben scheint (wie auch bei anderen Themen). Umso mehr Skepsis ist angezeigt, wenn eine Interpretation besonders vehement (oder gar belehrend) vorgetragen wird.


    Gruß,
    Michael

  • Hallo Michael,


    mit Entschärfungskommando hat das Symbol nichts zu tun, denn diese Leute waren entweder Militärangehörige oder von der Feuerschutzpolizei. Die benötigten so ein besonderes Zeichen nicht, da sie mit ihren Dienstfahrzeugen anrückten und damit automatisch Sonderrechte hatten. Aber - es gab ja genug anderes zu tun nach einem schweren Luftangriff, wie die Versorgung der Ausgebombten zu organisieren, noch übrig gebliebenen Hausrat und Wirtschaftsgüter zu bergen und irgendwo unterstellen ect. Das machten üblicherweise Zivilisten von den NSDAP-Organisationen. Und es waren auch Leute im Auftrag der NSDAP unterwegs, die sich ein allgemeines Bild der Lage und auch der Stimmung machten und dann berichteten. Eine Berichterstattung durch diverse Personen und unabhängige Reporter, wie wir sie heute aus jedem Kriegs- und Katastrophengebiet kennen, gab es damals nicht, alle offiziellen Verlautbarungen kamen über das Reichs-Propaganda-Ministerium und wurden dort zuvor zensiert. Man wollte bei aller Not die Kontrolle behalten, daher wurde mit Zunahme der schweren Luftangriffe auf deutsche Städte verstärkt darauf geachtet, wer sich den Schadensgebieten nähern durfte, zumal die Absperrung der Gebiete oftmals durch rasch verpflichtetes Hilfspersonal wie HJ und SA geleistet wurde, für die es schwer war, die Berechtigung ankommender Fahrzeuge zu überprüfen. Mit dem Bomben-Symbol war es eindeutig.


    Gruss aus Berlin

    Oldmanhupe

  • Hallo zusammen,


    bei genauer Betrachtung sind die Bomben anders


    die "Bombe" von Michael wurde auf eine Afrika ähnliches Schild aufgemalt,


    die "Bombe" von OH hat ein Wappenschild als Grund deren Rand verziert oder beschriftet ist.


    imo, zu verschieden um zur gleichen Einheit zu gehören

    Gruss Dieter

  • Danke für die Ausführungen, Oldmanhupe. Wo finde ich Belege für die beschriebenen Aktivitäten ziviler Parteiangehöriger in Gegenden, die von Bombenangriffen betroffen waren? Wie konnte beispielsweise ein Arzt oder ein Ingenieur mit privatem Automobil an ein solches Abzeichen gelangen, um in betroffene Areale zu gelangen, denn das musste ja auch möglich sein. Oder hatten die andere Berechtigungsnachweise? Gruß, Michael

  • Hallo Michael,


    ich gebe zu, exakte Fundorte für solche Belege nicht zu kennen. Ich würde Archive der oft betroffenen Städte vermuten, sofern die Akten den Krieg überlebt haben. Da aber im NS-Staat alles organisiert war, muss es Stellen gegeben haben, die sich spätestens nach den ersten Großangriffen (z.B. Köln) damit befasst haben, vermutlich die jeweiligen NSDAP-Kreisleitungen als örtliche Regierungsstellen. Es muss auch so etwas wie Krisenstäbe gegeben haben, um bei Großschadensereignissen die Aktivitäten der diversen Organisationen sinnvoll zu koordinieren, die nicht den unmittelbaren Einsatz von Polizei/Feuerwehr, TeNo und Luftwaffe betrafen. Letztendlich waren ja regional gesehen viele hundert Helfer zu steuern, die schon im Vorfeld ernannt, geschult und in Bereitschaft gehalten worden sein müssen.

    Ich vermute, dass diese Organisationsarbeit aber besonders die Großstädte und Ballungsräume wie das Ruhrgebiet betrafen, während kleinere Städte aus der Situation eines Angriffs heraus reagieren mussten. Es gibt ja diverse Literatur über den Bombenkrieg bestimmter Gegenden (Freiburg, München, Köln, Berlin, Hamburg, Wilhelmshaven fallen mir ein), deren Autoren müssten solche Unterlagen ggf. gesichtet haben. In wie weit sie aber ihr Wissen ohne Buchverkauf teilen - ist eine andere Frage.


    Viele Grüsse


    Oldmanhupe

  • Hallo Dieter,


    jetzt, wo Du es sagst - finde ich die Stelle in der Literatur auch! Kurios, wie man Dinge mitunter übersieht bzw. überblättert - denn das Buch liegt als Standard-Literatur in Griffweite. Vielen Dank für den Hinweis!:thumbup:


    Gruss Henry