3.Kp. Bau-Pionier-Bataillon 144

  • Hallo alle miteinander,


    bin komplett neu hier und auf der Suche nach Informationen zu oben genannten Einheit.

    Ich bin durch einen Zufall auf meinen Ur-Großvater mütterlicherseits gestoßen. Nach einer

    Anfrage beim VDK habe ich folgende Antwort bekommen:

    Name: Johann Hubertz

    Dienstgrad: Obergefreiter

    Geboren: 04.12.1912, Herl

    Truppenteil: 3.Bau.Pi.Btl.144

    Erkennungsmarke: -347-4.Bau.Btl.144

    Todestag: 29.12.1944

    Todesort: Cata am Gran

    Er ist auf dem Soldatenfriedhof Vazec/Slowakei namentlich erwähnt, konnte aber nicht mehr geborgen werden.

    Bei meinen Nachforschungen habe ich noch herausgefunden, das er Maurergeselle war und meine Ur-Oma am

    10. Juli 1939 geheiratet hat. Meine Ur-Oma hat immer erzählt er wäre in Ungarn gefallen an Silvester 1944 und

    ein Kamerad wäre nach dem Krieg bei ihr gewesen und hätte erzählt: "Das er den Hanni gesehen hätte und er hätte einen

    Herzschuss bekommen." Das kann ich nach dieser Meldung des VDK nicht so recht glauben. Die Unterlagen hat meine Ur-Oma

    aus lauter Wut und Enttäuschung weggeschmissen, war ja schon der zweite Mann der ihr weggestorben war.

    Und jetzt versuche ich etwas mehr über ihn zu erfahren. Die Feldpostnummer müsste die 00612 gewesen sein.

    Eine Anfrage in Berlin beim WAST habe ich auch schon gestartet. Kann man einen Lagebericht und Karten für den 29.12.1944 einsehen?

    Für weitere Hinweise und Tipps wäre ich sehr Dankbar.


    Mit freundlichen Grüßen


    Sven

  • Hallo Sven,

    Vom 18.6.1941 bis 21.11.1941 wird die 3. Bau.Btl 144 bei den Heerestruppen der 17. Armee (AOK 17) aufgelistet. Die Armee unterstand zu dieser Zeit der Heeresgruppe Süd.


    http://www.lexikon-der-wehrmac…en/BauBtl/BauBtl144-R.htm


    http://www.lexikon-der-wehrmac…ngen/Armeen/17Armee-R.htm


    Am 8.3.1943 wird die Einheit bei den Heerestruppen des XXXXIX Gebirgs-Armeekorps (49.) aufgelistet. Das Armeekorps unterstand von Juni 1942 bis April 1944 der 17. Armee und ab Oktober 1944 der 1. Panzerarmee.


    http://www.lexikon-der-wehrmac…sGeb/XXXXIXGebKorps-R.htm.


    Die Einheit deines Ur-Großvaters die 3.Bau.Pi.Btl.144 war im Dezember 44 / Januar 45 bei der Heeresgruppe Süd eingesetzt.


    http://www.lexikon-der-wehrmac…pen/HeeresgruppeSud-R.htm


    Der Heeresgruppe Süd war die 8. Armee unterstellt. Das dieser Armee unterstellte XXIX Armeekorps (29.) befand sich Ende 1944 / Anfang 1945 in schweren Abwehrkämpfen am Gran (siehe die Lagekarten des AK). Trotz einer neu aufgebauten Verteidigungslinie wurde die 8. Armee immer weiter in die Slowakei zurück gedrängt.


    http://www.lexikon-der-wehrmac…ungen/Armeen/8Armee-R.htm


    http://www.lexikon-der-wehrmac…gen/Korps/XXIXKorps-R.htm


    Cata am Gran ist nicht sehr weit von der ungarischen Grenze entfernt. Der Gran ist der Grenzfluss zwischen der Slowakei und Ungarn. Die Angaben über deinen Ur-Großvater sind m. E. richtig und auch plausibel.


    Cata am Gran


    Viele Grüße

    Nicco

  • Hallo Nicco,

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Jetzt kann man sich ein wenig ein Bild von dem ungefähren Weg machen.

    Möchte aber noch mehr erfahren und werde weiterforschen!


    Dank Deiner Hinweise werde ich mal weiterschauen.


    Nochmals Danke!


    Viele Grüße

    Sven

  • Hallo allerseits,

    habe da noch eine Frage.

    Welche Aufgaben hatte ein Bau-Pi-Btl genau?

    Viele Grüße

    Sven

  • Augustdieter

    Changed the title of the thread from “3.Bau.Pi.Btl.144” to “3.Kp. Bau-Pionier-Bataillon 144”.
  • Hallo Sven, hallo zusammen,


    Pioniere sind auch heute noch Kräfte in einem Heer, deren Auftrag die Förderung der Bewegung der eigenen Truppe, die Hemmung der Bewegungen der feindlichen Truppen sowie die Erhöhung der Überlebensfähigkeit der eigenen Truppe ist. Dazu sind sie mit bautechnischen Mitteln und mit Sprengmitteln ausgestattet und entsprechend ausgebildet. An der Front beseitigen sie für die kämpfende Truppe Hindernisse wie zum Beispiel gegnerische Minen oder legen Minensperren, bauen und zerstören Brücken. Pioniere (Baupioniere) werden zum Ausbau von Stellungen, zum Straßenbau und zum Bau von Bunkern eingesetzt. Sie sind zur Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben mit den verschiedensten Fahrzeugen ausgestattet. Wenn sie nicht entsprechend ihrer Ausbildung Verwendung finden, müssen sie bei Bedarf auch als Fronttruppe ihren Dienst versehen. Häufig waren die Bau-Pionier-Bataillone die beweglichen Reserven.


    Viele Grüße

    Nicco

  • Hallo Nicco,


    vielen Dank für Deine ausführliche und verständliche Antwort.


    Viele Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,


    ergänzend kann ich noch die folgende Liste der Stellenbesetzung vom 21.08.1940 hinzufügen:


    Bau-Bataillon 144: Btl.-Kommandeur Major a.D.z.V. Richard Küster seit 15.2.1940

    1. Kompanie: Kompanieführer Leutnant d.R.z.V. Karl Simon seit 9.5.1940
    2. Kompanie: Kompanieführer Hauptmann d.L. Heinrich Boland seit 5.3.1939
    3. Kompanie: Kompanieführer Oberleutnant d.L.a.D. Georg Klein seit 5.3.1940
    4. Kompanie: Kompanieführer Oberleutnant d.L.d.B. Thomas Winter seit 3.3.1939
    Bau-Kolonne :Kolonnenführer Oberleutnant d.R.z.V. Walther E. Willmann seit 4.7.1940

    Quelle: Gliederung und Stellenbesetzung der Wehrmacht


    Laut dem Volksbund ist ein
    Oberleutnant Georg Klein *1908

    mit dem Todes-/Vermisstendatum vom 22.03.1943

    im Kgf.Lag.Nr. 97 in Jelabuga verzeichnet.

    Viele Grüße

    Nicco

    Edited once, last by Nicco ().

  • Hallo Nicco,


    vielen Dank!

    Was bedeutet den

    Oberleutnant d.L.a.D.

    Wie kann man den näheres über die Todesursache herausbekommen?

    Viele Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,


    Oberleutnant d.L.a.D bedeutet Oberleutnant der Landwehr außer Dienst.


    Der Offizier war entweder ein Einjährig-Freiwilliger im Kaiserlichen Heer (dann kann es aber nicht der Georg Klein * 1908 sein) oder ein Einjährig-Freiwilliger in der Reichswehr. Für das Kaiserliche Heer waren das junge Männer, die sich, im Alter zwischen dem vollendeten 17. und dem 23. Lebensjahr, freiwillig zu den Streitkräften meldeten, um ihrer Dienstpflicht zu genügen. Die Einstellung erfolgte zum 1. Oktober eines jeden Jahres, ausnahmsweise auch zum 1. April eines Jahres. Die Einjährig-Freiwilligen durften, sofern möglich, sich den Truppenteil selbst aussuchen und dienten ein Jahr. Nach sechs Monaten aktiver Dienstzeit konnten sie zum Gefreiten befördert werden. Die Einjährig-Freiwilligen wurden, sofern sie sich eigneten, zu Offizieren der Reserve und der Landwehr ausgebildet, ansonsten zu Unteroffizieren der Reserve und Landwehr. Für das kaiserliche Heer endete die Reservepflicht, inklusive der einjährigen Dienstzeit, nach sieben Jahren. Für die Reichswehr habe ich da keine gesicherten Informationen. Ich vermute aber, dass sich viele Bewerber, gerade Ende der Zwanziger-, Anfang der Dreißigerjahre, mit einer einjährigen Dienstzeit aus der Arbeitslosigkeit retten wollten, ohne die sich auf die doch recht langen Dienstzeiten der Reichswehr (25 Jahre für Offiziere, 12 Jahre für Unteroffiziere und Mannschaften) zu verpflichten. Nach Umbennung der Reichswehr in Wehrmacht und Einführung der Wehrpflicht 1935 wurde die Dienstzeit des Einjährig-Freiwilligen abgeschafft.


    Wie kann man den näheres über die Todesursache herausbekommen?

    Möglicherweise durch das Kriegstagebuch des XXIX Armee-Korps (29.)


    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde: KTB XXIX Armeekorps


    Viele Grüße

    Nicco

  • Hallo Nicco,


    vielen Dank für die wieder mal ausführliche Antwort !!!

    Habe mit Dir einen Glückstreffer gelandet ! :thumbsup:

    Werde mich mal mit dem Bundesarchiv auseinander setzen.


    Viele Grüße

    Sven

  • Hallo Sven,


    es freut mich, dass ich dir ein bisschen helfen konnte und Danke für das Kompliment. :)

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen weiteren Recherchen.

    Es wäre schön, wenn du die Ergebnisse hier einstellen würdest, wenn du das möchtest.


    Viele Grüße

    Nicco