Zweites Wiener HJ-Bataillon // Volkssturm-Bataillon Hauck

  • Hallo zusammen,


    Anbei die bekannten Daten eines weiteren Vst.-Btl.:


    Bezeichnung:

    Zweites Wiener HJ-Bataillon // Volkssturm-Bataillon Hauck


    weitere Bezeichnungen:

    - 2. Wiener HJ-Volkssturmbataillon

    - Volkssturmbataillon 41/7 (?)



    Aufstellungsort:

    Wien

    Das zweite Wiener HJ-Volkssturmbataillon wurde direkt in Wien gebildet. Den Wiener HJ-Bannen war dazu befohlen worden ebenfalls je eine Kompanie aufzustellen. Für die Aufstellung verantwortlich war SS-Hauptsturmführer Otto Hauck, welcher sich aufgrund einer Kriegsverletzung in Wien zur Genesung befand und deswegen dafür herangezogen wurde. Der Gefechtsstand des zweiten Wiener HJ-Bataillons wurde in der Lange Gasse, im 9. Wiener Gemeindebezirk (Alsergrund) eingerichtet. Diese HJ-Volkssturm-Kompanien verblieben in Wien und wurden hier einer entsprechenden Ausbildung an der Panzerfaust, einem Nahkampfmittel zur Bekämpfung von Panzern auf kurze Entfernung, unterzogen. Diese Ausbildung erfolgte zum Teil mitten auf dem Wiener Heldenplatz.


    Aufstellungszeitpunkt:

    30.-31. März (Zusammenstellung)

    1. April (Vereidigung)


    Einheitsführer:

    Bataillonsführer: SS-Hauptsturmführer Otto Hauck


    Gliederung:

    Jeder der 7 Wiener HJ-Banne hatte Ende März je eine Volksturm-Kp. aufzustellen. Diese Kompanien sollten wiederum je zwei bis drei, ca. 50 Mann starke, Panzerjagdkommandos bilden. Es wurden insgesamt sieben HJ-Volkssturm-Kompanien aufgestellt, welche wiederum insgesamt 16 Panzerjagdkommandos bildeten.

    1. HJ-Volksturm-Kp.

    2. HJ-Volksturm-Kp.

    3. HJ-Volksturm-Kp.

    4. HJ-Volksturm-Kp.

    5. HJ-Volksturm-Kp. Kp.Führer Feldwebel Fischer

    6. HJ-Volksturm-Kp.

    7. HJ-Volksturm-Kp.


    Einsatz:

    In den Morgenstunden des 6. April 1945 begannen die russischen Verbände im Westen und Süden mit ihrem Vorstoß auf die Stadtränder von Wien. Die 16 Panzerjagdkommandos des zweiten Wiener HJ-Bataillons wurden nun direkt an den Stadträndern Wiens eingesetzt. Die erste Feindberührung einer HJ-Einheit fand bereits am 5. April bei Purkersdorf statt. Die 5. HJ-Volkssturm-Kompanie unter der Führung von Feldwebel Fischer schoss dabei einen russischen Panzer vom Typ M4 „Sherman“ ab. Nun entbrannte auch der Kampf um die einzelnen Flakbatterien, welche am Südrand Wiens, verstreut in einzelnen Stützpunkten bzw. Flakfestungen, dem Ansturm der Russen trotzten. Ausnahmslos wurden sie überrannt. Dies führte auch zu schweren Ausfällen unter den eingesetzten Volkssturmkräften. Am Zentralfriedhof stellten sich die Panzerjagdkommandos einer weiteren HJ-Volkssturm-Kompanie dem dortigen Ansturm der Russen entgegen. Auch hier konnten die sowjetischen Truppen nur kurz aufgehalten werden.

    Im Laufe des 6. April wurden die deutschen Truppen immer mehr in das Stadtinnere zurückgedrängt. Den weitesten Einbruch erzielten die russischen Truppen bei Hütteldorf. Hier durchstießen die M4 „Sherman“ Panzer de r46. Garde-Panzer-Brigade des 9. Garde-mech-Korps die dünne deutsche Sicherungslinie und stießen in Richtung St. Veit vor. Die in Hütteldorf eingesetzten Panzerjagdkommandos der HJ-Volkssturm-Kompanien schossen erneut einige russische Panzer ab und zogen sich in Richtung Knödelhütte, Satzberg und Heuberg zurück.

    Am 7. April gelang es den russischen Truppen den Einbruch von Hütteldorf und St. Veit bis zum Westbahnhof sowie bis Lainz auszuweiten. Erst entlang des Gürtels gelang es der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ im Laufe des Tages eine neue Verteidigungslinie aufzubauen. Zu den davor eingesetzten HJ-Panzerjagdkommandos bei der Knödelhütte bestand hingegen nur mehr sporadische Verbindung. Als Verstärkung wurde das HJ-Bataillons „Werwolf“ dorthin geschickt.

    Auf der Mariahilferstraße entwickelte sich zwischen den Einheiten der Führer-Grenadier-Division und den Panzern der russischen 46. Garde-Panzer-Brigade, die sich in Richtung Stadtzentrum vorbewegten, ein heftiges Gefecht, bei dem auf beiden Seiten Panzer abgeschossen wurden. Hier waren HJ-Panzerjagdkommandos des 2. Wiener HJ-Bataillons im Einsatz und schossen einige russische Panzer ab. In den südlichen Bezirken Wiens verlief die Front am 7. April vom Südbahnhof über das Arsenal bis zum Prater. Hier hielten die 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ und die 6. Panzer-Division die Stellung. Die im Raum Knödelhütte kämpfenden HJ-Panzerjagdkommandos wurden am 7. April gemeinsam mit den dortigen Flakbatterien von den russischen Truppen eingeschlossen. In der Nacht gelang einem Teil der HJ-Angehörigen ein Ausbruchsversuch. Die zurückbleibenden Soldaten und Hitlerjungen wurden am nächsten Tag von den Russen überrannt, getötet oder gefangengenommen..

    Am Nachmittag des 7. April 1945 wurden der Kampfkommandant von Wien, General Bünau, und seine Alarmeinheiten nach dreitägigem Einsatz dem II. SS-Panzer-Korps unterstellt. Als dies in der Gebietsführung der Wiener HJ bekannt wurde, beschlossen Hauptbannführer Lauterbacher und sein Stab, die beiden Wiener HJ-Bataillone aus den Kämpfen heraus- und in Richtung Donau zurückzuziehen. Als Sammelpunkt für beide Wiener HJ-Bataillone wurde die Hohe Warte bestimmt.

    Am 9. April nahmen die russischen Truppen den Kahlenberg ein und standen mit ihren Panzern bei Nussdorf. Der weitere Vorstoß zum Donaukanal sollte ihnen nun durch HJ-Panzerjagdkommandos verwehrt werden. Die beiden Wiener HJ-Bataillone hatten sich bis zum 9. April wie geplant an der Hohen Warte gesammelt. Vorwärts davon, auf der Linie Heiligenstädterstraße, Armbrustergasse, Silbergasse und Billrothstraße bezogen nun einzelne HJ-Panzerjagdkommandos Stellung.

    Die Kämpfe wurden am 9. April zunehmend heftiger. Das 5. Garde-Panzer-Korps stieß mit T34 Panzern über die Höhenstraße in Richtung Heiligenstadt vor. Von den HJ-Panzerjagdkommandos westlich der Hohen Warte wurden im Laufe des 8. und 9. April zwei Angriffe abgewehrt und in der Silbergasse mehrere russische Panzer abgeschossen. Der Druck der Angreifer wurde jedoch immer stärker und so zogen sich die Wiener HJ-Bataillone in der Nacht von 9. auf den 10. April über den Donaukanal zurück.

    In der Nacht zum 13. April gingen die Reste der 3. SS-Panzer-Division „Totenkopf“ und die 6. Panzer-Division über die Reichsbrücke. Die Brücke selbst wurde schließlich am 14. April fast unversehrt von den Russen eingenommen. Als einzige hielten somit noch die 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ und Restteile der beiden Wiener HJ-Bataillone einen Brückenkopf an der Floridsdorferbrücke.


    Besonderheiten / Vermerk:


    Verbleib:

    Ab dem 11. April wurden die Reste des „Zweiten Wiener HJ-Bataillons“ mit den Resten des HJ-Bataillons „Werwolf“ in die HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ zusammengefasst und in der Stärke von sechs bis sieben Kompanien (600 bis 700 Hitlerjungen sowie Führungspersonal) als Reserve des II. SS-Panzer-Korps eingeteilt

    Teile der HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ wurden in der Tiefe in einer Sicherungslinie auf den Höhen nordostwärts von Korneuburg, von Flansdorf bis Manhartsbrunn und Schleindorf, eingesetzt. Weiter im Osten, bei Deutsch-Wagram, waren in den Tagen zuvor bereits Hitlerjungen einer HJ-Volkssturm-Kompanie des Gebiets 28 (Niederdonau) im Kampf eingesetzt worden. Am 13. April erreichten die sowjetischen Truppen die Linie Hagenbrunn bis Enzersfeld. Zwischen den zurückgehenden deutschen Verbänden entstanden nun immer größere Lücken. So erfolgt eine neuerliche Alarmierung der HJ-Kampfgruppe „Werwolf“. Leutnant Ralf Ringler, bezog nun mit drei Kompanien der HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ ostwärts von Manhartsbrunn eine Abwehrstellung..

    Die Reste der HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ wurden am 17. April 1945 in Ruppersthal gesammelt. Hier wurden sie vom Kommandeur des II. SS-Panzer-Korps, SS-Ober-gruppenführerBittrich für ihren Einsatz in einer Ansprache gelobt. Mehrere Hitlerjungen erhielten Auszeichnungen verliehen. Im Anschluss erfolgte der Marschbefehl in Richtung Westen. Zu Fuß marschierten die Hitlerjungen in den nächsten Tagen bis nach Linz und von dort weiter in Richtung Ennstal. Im Zuge der Marschbewegung wurde die HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ wieder in zwei Bataillone zu je drei Kompanie gegliedert. Dieses I. und II. Bataillon der HJ-Kampfgruppe „Werwolf“ erreichten schließlich am 3. Mai den Raum Tamsweg. Die HJ-Angehörigen wurden nun auf einzelne Bauernhöfe aufgeteilt und hier sollten sie schließlich auch das Kriegsende erleben. Viele der Hitlerjungen sollten in weiterer Folge erst nach Monaten und Jahren wieder nach Wien zurückkehren. Viele blieben aber auch für immer vermisst.


    Quelle:

    Markus Reisner: „Schirachs Wiener Hitler-Jugend – „Treu bis zum Ende“, Magisterarbeit Universität Wien

    Ringler, Illusion einer Jugend, S.142-170, S. 180ff

    Rauchensteiner, Der Krieg in Österreich 1945., S. 127 ff; S.156ff.

    Egger/Jordan, Brände an der Donau., S.53ff

    Fred Borth, Nicht zu jung zum Sterben. Die Hitler-Jugend im Kampf um Wien 1945, Wien 1988, S.93f; S.109 ff., S. 181.


    Auf Ergänzungen freue ich mich!


    Beste Grüße

    Ingo


    Edit: Bezeichnung geändert / eingefügt (Sven30)

    Edited once, last by Sven30 ().

  • Hallo Sven,


    ja, die 41/7 ist leider unsicher;(. Sie wird in einer Quelle als Hypothese(?) gesetzt.Ich müsste die Stelle erst wiederfinden=O


    Zit: "Jetzt willst Du es aber wissen.." Da ich wenig weiß, bin ich stets an Wissenszuwachs interessiert und will einfach alles wissen:D:saint:.8o...


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo!

    ja, die 41/7 ist leider unsicher ;( . Sie wird in einer Quelle als Hypothese(?) gesetzt.Ich müsste die Stelle erst wiederfinden

    Solange du selbst sagst, dass die Ordnungszahl unsicher ist, solange werde ich das o.g. Vst.-Btl. erstmal unter den beiden anderen Bezeichnungen laufen ... irgendwann wissen wir mehr! ;)


    Grüße

    Sven

  • Sven30

    Changed the title of the thread from “Zweites Wiener HJ-Volkssturmbataillon - Volkssturmbataillon 41/7 (?)” to “Zweites Wiener HJ-Bataillon // Volkssturm-Bataillon Hauck”.

  • Hallo,


    ich hab hier noch einen kurzen Pressebericht über die Vereidigung bzw. die Fahnenübergabe einer dort so bezeichneten Volkssturm-Kompanie z.b.V. "Generaloberst Dietl" vom März 1945 in Wien, die wohl aus Angehörigen des HJ-Bannes 509 Wien-Florisdorf aufgestellt wurde. Leider ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, zu welchem Volkssturm-Bataillon sie gehörte.

    Quelle: Völkischer Beobachter, Ausg. Wien Nr. 63 vom 15.März 1945, Seite 2


    Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand bestand das HJ-Gebiet Wien (27) im Jahr 1944 noch aus den nachfolgenden 10 HJ-Bannen, Gebietsführer müsste (entgegen dem o.g. Presseartikel) zu diesem Zeitpunkt eigentlich der Hauptbannführer Sepp Kracker-Semler gewesen sein :


    HJ-Bann 491 Wien-Ottakring

    HJ-Bann 501 Wien-Mitte

    HJ-Bann 502 Wien-Ost

    HJ-Bann 503 Wien-Süd

    HJ-Bann 504 Wien-Südost

    HJ-Bann 505 Wiener-Wald

    HJ-Bann 506 Wien-Südwest

    HJ-Bann 507 Wien-West

    HJ-Bann 508 Wien-Nord

    HJ-Bann 509 Wien-Florisdorf

    Quelle: Handbuch der Stadt Wien, Band 1944


    Und überhaupt: Wo ist eigentlich Niki, wenn man ihn mal braucht...? ^^


    Gruß, J.H.

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