Volkssturm-Bataillon 3/107 // ​​Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld

  • Hallo!


    Anbei die bekannten Daten eines weiteren Vst.-Btl.:


    Bezeichnung:

    Volkssturm-Bataillon 3/107 // Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld


    Aufstellungsort:

    Berlin


    Aufstellungszeitpunkt:

    Vereidigung am 12.11.1944 / Aufstellung am 28.04.1945


    Einheitsführer:

    Reichssportführer Karl Ritter von Halt

    Carl Diem als Ordonanzoffizier


    Einsatz:

    Am 28. April 1945 der Befehl zu Wiedereroberung des Reichssportfeldes


    Besonderheiten / Vermerk:

    Vereidigung am 12. November 1944. Die "berühmte" Ansprache mit dem Verweis auf Sparta am 18. März 1945. Vst.-Btl. bestand aus Hitlerjungen zwischen 13 und 14 Jahren, welche das Reichssportfeld von den Russen zurückerobern sollen. Eine unbestimmte Anzahl von ihnen, die sich weigern in das Sperrfeuer der feindlichen MG zu rennen, werden hinter dem Stadion wegen Desertation und Wehrkraftzersetzung erschossen. Nach dem unsinnigen Angriff liegen viele Tote auf dem Reichssportfeld, die meisten davon noch keine 16 Jahre alt. / Die Brigaden/Btl. der HJ: Reichssportfeld, Pichelsdorfer Brücken und Heerstrasse werden zur Division Mareck/ Division Spandau Ende April 1945 zusammen gefasst.


    Verbleib:

    Offenbar aufgerieben, vernichtet.


    Quelle:

    Internationaler Karl-Leisner-Kreis, Rundbrief Nr.34 vom Dezember 1996, Seite 16

    In: Süddeutsche-Zeitung vom 27/28. Juli 1996, „ Vor dem Mord:der Sport“ von Evelyn Roll

    Tieke Berlin 1945


    Auf Ergänzungen freue ich mich!


    Grüße Uwe


    Edit: Zahlen geändert / Ergänzungen eingefügt / eingefügt (Sven30)

  • Hallo!


    Danke für deinen Beitrag. :thumbsup:

    Vierhundert, die sich weigern in das Sperrfeuer der feindlichen MG zu rennen, werden hinter dem Stadion wegen Desertation und Wehrkraftzersetzung erschossen. Nach dem unsinnigen Angriff liegen 2000 Tote auf dem Reichssportfeld, die meisten davon noch keine 16 Jahre alt.

    ... die Zahlen halte ich für heftig: 400 Erschießungen wegen Befehlsverweigerung sowie über 2000 Angehörige eines einzelnen Volkssturm-Bataillons?! Blöde Frage, aber hälst du die Zahlen für authentisch? Was für Quellen hat Frau Evelyn Roll verwendet?


    Grüße

    Sven

  • Sven30

    Changed the title of the thread from “3 / Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld” to “Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld”.
  • Hallo Sven.


    Kommt mir auch merkwürdig vor. Papier ist geduldig. Stand aber so in der PDF-Datei incl der Fußnote zur Süddeutschen-Zeitung.


    Genau wie es vielen Berichten hier am linken Niederrhein scheinbar "Gang und Gebe" war sich dem Dienst im Volkssturm zu entziehen, sich zu verkrümmeln, nicht anzutreten etc. teilweise unter den Augen der Wehrmacht, oder von Besagter nach Hause geschickt zu werden.


    General der Fallschirmtruppe Eugen Meindl: „Vom ´Volkssturm´ interessierten mich nur seine Waffen, die wir dringend brauchten“; in: BA-MA ZA 1/389,


    Ich habe versucht gerade in das Archiv zu kommen, ist aber nicht so einfach, zudem kostenpflichtig. Vielleicht haben wir hier jemanden im Forum der zb. über eine Schule ein Account bei der SZ hat.


    Grüße aus Alpen


    PS : Es fehlen halt überall an belegbare Erstquellen, und die trotz des Bürokratismus bis zum bitteren Ende, wohl schwerlich für Dein Projekt zu finden sein werden. Leider.


    Siehe auch für den Kreis Kleve Michels/Sliepenbeek (1964), S. 98-100: „Glücklicherweise machte sich das Militär über Kampfkraft und Kampfgeist dieses ‚Volkssturmes’ keine Illusionen und ließ es ohne Aufhebens zu, daß die Leute sich nach dem 8. Februar beim Heranrücken der Front nach und nach verkrümelten.“



    Weiterer Nachtrag.


    Ich habe mal ein wenig recherchiert.


    Offensichtlich sind der Reichssportführer Karl Ritter von Halt und Carl Diem als Ordonanzoffizier nach dem Krieg wieder schön auf die Füße gefallen, doch zumindest heutzutage nicht mehr ganz so unbescholten.


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=196107

    https://www.mainpost.de/region…t-befleckt;art766,2232089

    https://www.gapgeschichte.de/n…xt/06_ritter_von_halt.htm




    Zitat Spiegel online :


    Im März 1945 , das Olympiastadion war zur Festung ausgebaut, der Volkssturm auf dem Olympischen Platz vereidigt, Reichssportführer Karl Ritter von Halt kommandierte das Bataillon "Reichssportfeld" - rief der große Organisator am Olympiastadion noch einmal die Jugend; und der damals 18jährige Reinhard Appel, später Chefredakteur des ZDF, "kann nicht vergessen", wie Diem "in einer flammenden Rede, in der viel von Sparta und Opferbereitschaft vorkam", die Hitlerjungen der Division "Großdeutschland" zum "siegreichen Endkampf" aufforderte.

    Einen Monat später, nach dem Endkampf um das Stadion zwischen der Roten Armee und zusammengetrommelten Hitlerjungen, lagen mehr als 2000 Tote auf dem Reichssportfeld, fast alle Pimpfe im Alter von 13 und 14 Jahren.

    Nichts am Stadion erinnert an ihren sinnlosen Tod. Nur Carl Diems, des im gesegneten Alter von 80 Jahren im Bett gestorbenen Rektors der neugegründeten Hochschule für Leibesübungen in Köln, wird mit einer Porträtplakette am Marathontor ehrend gedacht.


    Quelle : https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13495408.html

  • Hallo Sven.


    In weiser Voraussicht habe ich vorhin mal meiner Freundin, weil ich weis das ihr Vater früher ganz stark im DLV engagiert war war, beim kochen die Geschichte vom Reichssportfeld erzählt.


    " Ach Carl Diem , die Geschichte kenne ich, da hat mein Vater mal , selbst Träger des Carl-Diem-Schildes , im Auftrag des DLV die Vorkommnisse recherchiert."


    Im nachhinein hat sich dann wohl der DLV von Carl Diem distanziert.

    Es wurde wohl auch eine Klage seitens des Sohnes auf dem Wege gebracht, um zu verhindern das Carl Diem da in irgendwas verwickelt war.


    Vielleicht kann ich ja auf diesem Wege an die Bestätigung der angegebenen Zahl kommen. Vielleicht.


    Grüße Uwe

  • Guten Abend,


    in den von Thilo hier eingestellten Erinnerungen

    des Fritz Pietrowiak findet sich keinerlei Hinweis

    auf das oben beschriebene Ereignis.


    Wenn es Tote in dieser großen Zahl gegeben hätte,

    wäre vll. doch irgendwas auch ihm bekannt geworden.


    Grüße, Kordula

  • Hallo Kordula,


    Wenn es Tote in dieser großen Zahl gegeben hätte,

    wäre vll. doch irgendwas auch ihm bekannt geworden.

    Allein der Satz:

    "Einen Monat später, nach dem Endkampf um das Stadion zwischen der Roten Armee und den zusammengetrommelten Hitlerjungen ........"

    ist doch sehr interessant.


    Wurde Nürnberg von der RA erobert ?


    MfG Ludwig

    Never let go!

  • Hallo Sven, hast natürlich recht!

    Sorry, da habe ich wohl das Reichssportfeld nach Nürnberg zu den Reichs......... verlegt.

    Tut mir leid, man sollte wohl immer alles gründlich lesen, bevor man schreibt.

    MfG Ludwig

    Never let go!

  • N´Abend!

    Tut mir leid, man sollte wohl immer alles gründlich lesen, bevor man schreibt.

    Alles gut, passiert jedem Mal ... ;)


    Wurde Nürnberg von der RA erobert ?

    ... wäre ein sehr gutes Argument gegen den Artikel gewesen!

    Wenn es Tote in dieser großen Zahl gegeben hätte,

    wäre vll. doch irgendwas auch ihm bekannt geworden.

    ... das ist ehrlich auch mein Gedankengang! Ohne den NS zu verharmlosen, aber solche Auswüchse sind mir bisher noch nicht untergekommen ....


    Grüße

    Sven

  • Hallo Kordula, Sven und alle Mitleser.


    Stimmt alles, die Zahlen sind ja erschreckend und schon eigenartig das man in soweit nie etwas davon gehört hat. Scheinbar berufen sich alle im Internet zu findenden Beiträge auf den Artikel von Evelyn Roll.


    Ich habe mal im Forum "Sonstiges" eine Anfrage gestellt, wer Zugriff auf das Archiv der SZ hat.


    Archiv der Süddeutschen Zeitung


    Grüße Uwe

  • Hallo!

    Stimmt alles, die Zahlen sind ja erschreckend und schon eigenartig das man in soweit nie etwas davon gehört hat. Scheinbar berufen sich alle im Internet zu findenden Beiträge auf den Artikel von Evelyn Roll.

    Ich änder die o.g. Zahlen mal in "unbestimmte Anzahl" um, denke mal damit läuft jeder konform.


    Grüße

    Sven

  • Hallo,


    gem. dem Buch Nazi Games: The Olympics of 1936 von David Clay Large war dies das Volkssturm-Bataillon 3/107.


    Der "Blick ins Buch" lässt mich folgenden Abschnitt lesen:


    "A wall next to the Dietrich-Eckhart-Theater served as an execution site for Wehrmacht soldiers or Volkssturm personell who showed any signs of cowardice or defeatism. Between August 12th [sic] and April 14th, 1945, SS execution squads shot more than two hundred "traitores" at this site, many of them young boys."


    Bzw. übersetzt: Eine Mauer neben dem Dietrich-Eckart-Theater diente als Hinrichtungsstelle für Wehrmachtssoldaten oder Angehörige des Volkssturmes, die Anzeichen von Feigheit oder Defätismus gezeigt hatten. Zwischen dem 12. August (Tippfehler??) und dem 14. April 1945 erschossen SS-Exekutionskommandos mehr als 200 "Verräter" an dieser Stelle; viele von Ihnen kleine Jungen.


    https://books.google.de/books?…ortfeld%203%2F107&f=false


    LG

  • Hallo Flo!


    Danke für deine Angaben, werde die gerne anpassen, aber selbst 200 erscheint mir noch recht hoch ... versteht mich nicht falsch, ich möchte die Zahl nicht krampfhaft nah unten korregieren, jedoch zumindest vielschichtig überprüfen lassen.


    Grüße

    Sven

  • Sven30

    Changed the title of the thread from “Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld” to “Volkssturm-Bataillon 3/107 // ​​Volkssturm-Bataillon Reichssportfeld”.
  • Hallo Sven,


    ich will auch keine Verbrechen relativieren - mir erscheint die Zahl ebenfalls relativ hoch.


    Der Autor des Buches scheint zumindest recht angesehen zu sein.


    EDIT: laut dem selben Buch war die Vereidigung am 12. November 1944. Die "berühmte" Ansprache mit dem Verweis auf Sparta am 18. März 1945.


    Am 28. April 1945 der Befehl zu Wiedereroberung des Reichssportfeldes mit dem Resultat von 2.000 Toten.




    LG

  • Hallo!

    EDIT: laut dem selben Buch war die Vereidigung am 12. November 1944. Die "berühmte" Ansprache mit dem Verweis auf Sparta am 18. März 1945.


    Am 28. April 1945 der Befehl zu Wiedereroberung des Reichssportfeldes mit dem Resultat von 2.000 Toten.

    Danke, habe die Daten übernommen ...


    Grüße

    Sven

  • Guten Tag allseits,

    hi Uwe,

    sicherlich nicht - darauf gibt es wohl gar keine Hinweise.


    Hi Sven,

    finde es nicht gut, die Zahlen aus dem Eingangspost zu ändern.

    Die Diskussion drehte sich ja genau um o.a. Zahlen.


    Fände es besser + auch korrekt, stattdessen eine Ergänzung

    dort vorzunehmen.


    Grüße, Kordula

  • Hallo,


    sorry schon wieder ich (habe gerade Urlaub und etwas Zeit zum stöbern):


    Interessant auch das Interview mit Reichsjugendführer Axmann / Rechtfertigung des Einsatzes der HJ im Endkampf um Berlin / Picheldorfer Brücken / Reichssportfeld (müssten ja dem Volkssturm zugeteilt gewesen sein?):


    Ab Minute 52:55


    https://www.youtube.com/watch?v=zBpcycxLKYM&t=2747s


    LG

  • Hallo,


    Quote


    Eine Mauer neben dem Dietrich-Eckart-Theater diente als Hinrichtungsstelle für Wehrmachtssoldaten oder Angehörige des Volkssturmes, die Anzeichen von Feigheit oder Defätismus gezeigt hatten.

    das Dietrich-Eckart-Theater heißt heute Waldbühne und ganz in deren Nähe liegt die Hinrichtungsstätte Murellenberg.


    Quote


    Unter den Nationalsozialisten wurde hier eine Wehrmachtshinrichtungsstätte errichtet: In der Murellenschlucht , am Hang des Murellenberges wurden zwischen dem 12. August 1944 und dem 14. April 1945 Deserteure, Wehrdienstverweigerer und Befehlsverweigerer unterschiedlicher Dienstgrade, mehrheitlich nach Urteilen des Reichskriegsgerichtes , standrechtlich erschossen. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, ca. 230 sind bisher namentlich ermittelt; viele der Exekutierten wurden im Spandauer Fort Hahneberg beerdigt

    https://www.berlin.de/ba-charl…aetten/artikel.177394.php



    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    danke, dann ist die Angabe mit dem August in dem Buch kein Fehler; sondern die Erschießungen fanden dort schon seit dem Sommer 1944 statt.


    LG