„Führer des Stabes“ eines Bataillons vs. Kompaniechef der Stabskompanie

  • Hallo,


    der Titel sagt es schon aus, mir stellt sich gerade die Frage, welche Aufgaben dem „Führer des Stabes“ und dem „Kompaniechef des Stabskompanie“ zugefallen sind.

    Diesen Beitrag von 2010 hatte ich schon gelesen: Trennung Stab/ Stabskompanie aber so richtig steige ich da trotzdem noch nicht durch.


    Hintergrund:

    In meiner Sammlung habe ich ein Pärchen Dienstsiegelstempel des I. Batl. Gren.Rgt 77 und ich hatte im Netz nach Originaldokumenten gefahndet, die mit diesen Stempeln besiegelt wurden. Ich wurde in soweit schlauer, daß mein Stempel von besagtem „Führer des Stabes“, einem Leutnant, sowie dem „Zahlmeister“ (des Stabes?, der Stabskompanie?), vermutlich wohl ein Uffz. m.P. (?) verwendet wurde.

    Einen ganz ähnlichen Stempel benutzte auch der „Kompaniechef“, ebenfalls ein Leutnant - allerdings trug sein Dienstsiegel eine zusätzliche, kleine „3“ unter dem Hoheitsabzeichen. Bedeutet, dieser Herr hatte sein eigenes Siegel. Wer den Stempel „2“ führte, konnte ich nicht herausfinden, vielleicht der Bataillonskomandeur oder der Spieß...


    Das hat mir die Frage aufgeworfen, welche Aufgaben diese beiden Offiziere (F.d.St. /Komp. Chef) damals wohl hatten, war einer dem anderen gegenüber weisungsbefugt, oder wie kann man sich das ungefähr vorstellen?


    Würde mich freuen, wenn das irgendwer etwas beleuchten könnte.


    Danke und viele Grüße,

    Dierk

  • Hallo Dierk,


    Quote


    Uffz. m.P. (?)

    Unteroffizier mit Portepee.


    Die kleine 3 dürfte die Nummer des Stempels sein, um z.B. bei mißbräuchlicher Verwendung feststellen zu können, welches Dienstsiegel verwendet wurde.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Die kleine 3 dürfte die Nummer des Stempels sein, um z.B. bei mißbräuchlicher Verwendung feststellen zu können, welches Dienstsiegel verwendet wurde.

    Hallo zusammen,


    so ist es in der Tat !

    Für eine Einheit (Kompanie, Batterie usw.) bzw. einen Verband (Bataillon, Abteilung, Regiment usw.)

    war festgelegt, welche Offiziere ein Dienstsiegel führen durften, und diese Anzahl wurde beschafft/

    zugewiesen.

    Zur Unterscheidung waren die (gleichlautenden) Dienstsiegel/Dienststempel durchnummeriert.

    Dies erfolgte - wie von Thilo begründet - aber auch bei Verlusten musste dann nur das in Verlust

    geratene Dienstsiegel für ungültig erklärt werden.

    Die Nummern selbst hatten keine Bedeutung; d.h. der Kommandeur musste nicht zwingend die

    "Nr. 1" haben.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo und vielen Dank für Eure Antworten!

    Unteroffizier mit Portepee.

    die Abkürzung kam von mir, ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, daß ich davon ausgehe, daß der Zahlmeister wohl eher kein Offizier war, sondern vermutlich ein Feldwebeldienstgrad.


    Jedenfalls vermute ich, daß sich besagter Stabsführer und der Zahlmeister ein Dienstsiegel teilen mußten - während der Kompaniechef ein eigenes verwendet hat.


    Allerdings frage ich mich, welche Aufgaben so ein Führer des Stabes wohl im Groben so hatte und welche Aufgaben der Stabskompaniechef im Vergleich wahrzunehmen hatte.

    Sitzt der Stabsführer zwischen Bataillonskommandeur und den Kompanien und reicht die Weisungen von oben zu den Kompanien weiter?


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Hallo nochmal,


    wie ich eben nachgelesen habe, ist der Zahlmeister ein Militärbeamter des gehobenen Dienstes, war dann wohl doch einem Leutnant vom Rang her gleichgestellt …


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Anbei noch zwei Bilder aus einem Soldbuch. Die Bezeichnung „Leutnant und Führer des Stabes“ taucht in Selbigen öfter auf.

    Allerdings komme ich da auch über er die Netzsuche nicht weiter, was diese Dienststellung anbelangt (den Namen Rauhaus, Heinz, DKig-Inhaber konnte ich finden). Lediglich in einem Tatsachenbericht, „Zum Heldentod begnadigt“ erscheint dieser Wortlaut in Verbindung zu Belehrungen bezüglich Fahnenflucht usw. Aber auch in Kriegsstärkenachweislisten erscheint dieser Titel nicht.


    Der Zahlmeister war ja offenbar Teil des Stabes, nicht der Stabskompanie, soweit ich hier durchsehe.


    Edit:

    Als drittes Bild noch zusätzlich noch der Stempel mit der „3“. Ich gehe davon aus, daß dieser Leutnant Themsfeldt Kompaniechef der Stabskompanie war.



    Viele Grüße,

    Dierk

  • Hallo,


    Quote


    „Leutnant und Führer des Stabes“

    Gedanke:Wurde hier vielleicht der Führer der Stabskompanie falsch bezeichnet?

    Einen Chef des Stabes gab es auf Bataillonsebene nicht. Er wäre Disziplinarvorgesetzter der Offiziere des Stabes, das käme einem Leutnant nicht zu.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Dierk Adebar, in wikipedia findest Du unter dem Stichwort "Zahlmeister " einige Antworten auf Deine Fragen.

    Noch eine Erinnerung:

    Ein alter Kollege, er sah sich selbst als höherer Zahlmeister und Offizier, erzählte einmal am Stammtisch, er sei hoch zu Ross unter dem Fenster meiner elterlichen Wohnung in Halberstadt vorbeigeritten...Unser Veteran von den Gebirgsjägern zog die Augenbrauen hoch, sagte aber nichts.

    Beste Grüsse jostdieter.

    Quote

    ZITAt wikipedia Zahlmeister:

    In der Wehrmacht waren Zahlmeister bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Militärbeamte des gehobenen Dienstes und galten als Gehilfen des Kommandeurs in Angelegenheiten, welche die Verwaltung betrafen] Diese im Offiziersrang befindlichen Zahlmeister kümmerten sich bei den unteren Stäben um die Geschäfte und Belange der Heeresverwaltung. Ihnen unterstanden die Rechnungsführer. Es gab die Rangstufen:

  • Hallo!

    Gedanke:Wurde hier vielleicht der Führer der Stabskompanie falsch bezeichnet?

    Einen Chef des Stabes gab es auf Bataillonsebene nicht. Er wäre Disziplinarvorgesetzter der Offiziere des Stabes, das käme einem Leutnant nicht zu.

    So in etwa die gleiche Richtung ging auch mein Gedanke - daher auch der Titel dieses Themas. Allerdings paßt da der Umstand nicht so recht inˋs Bild, daß dieser ominöse „Führer des Stabes“ und der Kompaniechef zwei verschiedene Dienstsiegel benutzt haben.

    Auffällig hier: der „Zahlmeister“, zum Stab gehörend, aber nicht zur Stabskompanie, benutzte „mein“ Siegel; dieser sog. „Führer des Stabes“ (dem Namen nach auch zum Stab gehörend) nutze es auch - beide müssen wohl sozusagen in Rufweite zueinander agiert haben.

    Der Kompaniechef der Stabskompanie wiederum - räumlich eher getrennt vom Stab (?) - benutzte ein eigenes, unterscheidbares Siegel. Würde so schon irgendwie Sinn ergeben.


    Interessant wäre zu wissen, ob diese beiden Leutnants Rauhaus und Themsfeldt zeitgleich ihre Funktion im Gren. Rgt. 77 inne hatten. Leider finde ich zu dem Namen Themsfeldt nichts, auch nicht bei der Online-Gräbersuche.


    Der zweite Stempel aus meinem Besitz (Bodenfund in mäßiger Erhaltung) zeigt (vermutlich) die Feldpostnummer 27262 B. Ich vermute, das „B“ präzisiert die Nummer auf die Stabskompanie gehörig, die Nummer selbst gehört ja zum I. Gren. Rgt. 77


    Ja, zu der Funktion Zahlmeister habe ich den Wikieintrag gelesen und auch eine kontroverse Diskussion hier, bezüglich Gegenüberstellung Wehrmachrsbeamte und militärischem Rang. In soweit bin ich schon einmal schlauer geworden.


    Ist schon schwierig.


    Vielen Dank für alle bisherigen Antworten und Grüße,

    Dierk

  • Grüß Gott Dierk,


    der Buchstabe B ,steht aber für die 1.Kp , 5. Kp. ,9.Kp

    der Buchstabe A Steht für Stab


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Nochmals ich...


    Auf dieser Scribdseite:


    https://de.scribd.com/document…168/Bataille-Des-Ardennes


    findet sich ein interessanter Vermerk zum I. Bataillon, ich zitiere mal den Passus:


    „Le I./ Gren. Rgt. 77 est, quant à lui, commandé par l’Hauptmann Weber, puis par le Lieutenant Görtz jusqu’à sa mort, et enfin par le Leutnant Rauhaus.“


    Übersetzt:

    I. / Gren. Rgt. 77 wird vom Hauptmann Weber, dann von Leutnant Görtz bis zu seinem Tod befohlen und zum Schluß durch Leutnant Rauhaus.


    Verstehe ich das Richtig? Die Führung des Bataillons oblag zu Kriegsende einem Leutnant?

    In den letzten Wochen war ja alles möglich, waren ja nicht mehr viele da, aber das erstaunt mich jetzt schon.

    Wäre dann der Titel „Führer des Stabes“ gleichzusetzen mit komissarischer Bataillonskommandeur?


    Kurios.


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Hallo,


    es gab eine ähnliche Bezeichnung.

    Ordonnanzoffzier - zugleich Führer des Unterstabes.

    Auszug KStN 115c (1941) - dient nur als Nachweis und Dokumentation und weicht in der Einheitsbezeichnung ab.

    Da der Ordonnanzoffzier dann später zugleich Nachrichtenoffizier war, wurde die alte "wohlklingende" Bezeichnung beibehalten.

    Klinkt ja auch wichtiger.;)

    Nach meinen bisherigen Kenntnissen gab es sowas öfters, das Bezeichnungen, Funktionen etc. weiter übernommen wurden, obwohl nicht korrekt.

    Files

    • Unterstab.JPG

      (164.29 kB, downloaded 15 times, last: )

    Grüße Matthias

  • Hallo Eumex,

    der Buchstabe B ,steht aber für die 1.Kp , 5. Kp. ,9.Kp

    der Buchstabe A Steht für Stab

    danke für die Aufklärung, seltsam, paßt auch wieder nicht in‘s Bild.


    Matthias ,


    auch Dir allerbesten Dank!


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Hallo,

    Die Führung des Bataillons oblag zu Kriegsende einem Leutnant?

    wenn ein Leutnant der dienstgradhöchste Offizier im Btl. war, dann war das so.

    Ich bin selbst bei der BW als GUA Maschinenältester und Zugführer gewesen, obwohl ich gerade nur den Unteroffiziersvorausbildungslehrgang, sprich der stellvertretender Gruppenführer sein sollte.

    Mein Vater war als Leutnant mehrere Monate lang Kompanieführer.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • Hallo zusammen,


    wie auch in dem weiter oben verlinkten - ziemlich umfangreichen - Post

    erwähnt, war die gliederungsmäßige Struktur der Bataillone/Regimenter

    im Hinblick auf Stab/Stabskompanie im Verlauf des Krieges durchaus

    unterschiedlich.


    Ohne weiter verwirren zu wollen, stelle ich einmal Fotos aus dem Album

    meines Vaters ein. Dabei hatte das Infanterie-Regiment 110 bereits 1939

    ein Stabskompanie; KpChef war ein Oberleutnant/Hauptmann. Wenn man

    die Fotos interpretiert, dann gehörten Reiter-Zug, Nachrichten-Zug und

    Pionier-Zug organisch zur Stabs-Kompanie. Dazu kam dann noch das

    Stabspersonal (Mannschaften), hier als "Unter-Stab" bezeichnet. Mein Vater

    war - im Stab "großgeworden" (begonnen als Regiments-Schreiber) - als

    Unteroffizier Führer des Unter-Stabs.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo,


    danke für die weiteren Beiträge - die Bilder schaue ich mir nachher ganz in Ruhe auf dem Rechner an!


    Ja, dann war es wohl so, daß der „Führer des Stabes“ wohl gleichbedeutend war mit Bataillonskommandeur. Mangels höherer Dienstgrade eben von einem Leutnant bekleidet - immerhin war er ja hochdekoriert.


    Zu dem Stempelpaar gehört auch noch eine „Taschenbuchkartei der Dienststelle“, Berichtigungsstand 24.2.45


    Sind insgesamt 119 Personen gelistet (10 Schtz.,1 Matr., 19 Gefr., 45 Ogefr.,15 Stgefr.,14 Uffz., 2 Fw., 2 Ofw., 1Hfw., 1Lt.).


    Da nur 1 Leutnant geführt ist (Willy Konrad, Jg. 1924, 14.4.42 zur Kompanie, 1.11.44 Leutnant) wird dieser wohl der Kompaniechef gewesen sein.

    Leider finde ich zu dieser Person auch nichts...


    Zum Verständnis:

    Ist „Stabskompanie“ im Falle des I. Gren. Rgt. 77 gleichzusetzen mit der 1. Kompanie? Wie bei der Bundeswehr?

    Entschuldigung für die vielleicht blöde Frage, aber mit solchen Gliederungen usw. habe ich mich bisher noch nicht wirklich befasst.


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Noch eine Ergänzung, eben noch gefunden...


    Passend zum 3. Bild des Beitrages #6 zwei weiterere Nachturlaubsscheine. Alle U-Scheine liegen nur 5-14 Tage auseinander. Zweimal unterschrieben von Leutnant Themsfeldt, gnädigerweise 1x mit Kompanieangabe 1./ Gren.-Rgt. 77.

    Ein U-Schein unterschrieben vom „Lt. u. Fhr. d. Stbes.“ Name kaum zu lesen, „Cleo“ ? Letztgenannter U-Schein trägt als Einheitsbezeichnung Stab I. G.R. 77

    Ein weiterer Hinweis darauf, daß zeitgleich beide Titel Verwendung fanden und dieser „Führer“ mit der Stabskompanie primär wohl nichts zu tun hatte...


    Viele Grüße,

    Dierk

  • Mein Vater war als Leutnant mehrere Monate lang Kompanieführer.

    Hallo zusammen,


    das war v.a. in den letzten beiden Kriegsjahren an der Tagesordnung. Ausschlaggebend

    war wohl neben den hohen Ausfallzahlen auch die Tatsache, dass viele der "jungen"

    Offiziere über ein enormes Maß an Erfahrung verfügten, weil sie als Mannschaften/

    Unteroffiziere bereits einen großen Teil des Krieges mitgemacht hatten.


    Als Leutnant waren sie dann aber "lediglich" Kompanie-Führer im Gegensatz zum

    etatmäßigen Kompanie-Chef (i.d.R. ein dienstälterer Oberleutnant, der zur Beförderung

    zum Hauptmann heranstand).


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Rudolf,

    ich war am 5; Tag als Leutnant für eine Woche der einzige Offizier in der Kompanie und hatte eine Stunde Zeit den Unterricht "Eid" und "Feierliches Gelöbnis" vorzubereiten. Die Unterrichtsvorbereitung habe ich noch irgendwo in einem Ordner. Gab mittags durch Kasak noch Ärger, Kdr war auf meiner Seite, da ich mich genau an die Unterrichtsvorbereitung der BW gehalten hatte. Kasak sprach kein Wort mehr mit mir. Esak lachte mit.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Tag, mein lieber Rainer,


    sag mal, extra für Dummis wie ich einer bin,

    was ist Kasak und Esak?


    Lollek und Bollek?8)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!