Soldbuch mit Zielfernrohr

  • Hallo zusammen,


    ich muss echt sagen Ihr macht hier einen tollen Job. Mich hat dieses Soldbuch erreicht. Der Soldat war im Jäger Regiment 737 eingesetzt. Unter den Waffen ist u.a. ein Zielfernrohr eingetragen. Lässt sich hier herausfinden, um was für ein Zielfernrohr es sich handelt? Wurden auch an nicht Scharfschützen Zielfernrohre ausgegeben? Wäre echt super, wenn Ihr mir helfen könntet.

    Grüße Marc

  • Guten Abend ans Forum und an den Anfragenden,


    Zielfernrohr-Gewehre waren Scharfschützen-Waffen. Scharfschützen wurden speziell ausgebildet.

    Nach 1941 durften Zielfernrohre (ZF) in Deutschland nicht mehr für Privatzwecke hergestellt werden, sondern nur noch für militärische.

    Es gab wohl hauptsächlich Wehrmachts-ZF mit eineinhalbfacher und vierfacher Vergrößerung.

    Leider fehlt beim Soldbucheintrag ein Herstellerhinweis, z.B. eine Hersteller-Codierung.

    Von der ZF-Nummer auf einen bestimmten Hersteller oder gab auf eine bestimmte Marke zu schließen, halte ich für spekulativ.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo,


    Quote


    Zielfernrohr-Gewehre waren Scharfschützen-Waffen. Scharfschützen wurden speziell ausgebildet.

    das ist nur teilweise richtig, die Schützenkompanie erhielt eine gewisse Anzahl ZF-Gewehre, meist ZF 41 und 98k mit entsprechender Aufschubschiene, die an besonders gute Schützen ausgegeben wurden. Sie dienten zur Bekämpfung schwer auffassbarer Ziel wie Bunkerscharten usw. Scharfschützen mit Spezialausbildung waren es keine, trotz ZF.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    Da hat sich bis heute nicht viel geändert.

    Der Zielfernrohrschütze (oder neudeutsch Designated Marksman) kämpft eingebunden in den beweglichen Kampf seiner Infanteriegruppe, ist jedoch in der Lage präzises Feuer auf Gegner bis 600m zu eröffnen.

    Der Scharfschütze hingegen kämpft im Zweier-Team i.d.R. aus, mehr oder weniger ausgebauten, aber immer gut getarnten Stellungen. Sein Betätigungsfeld liegt bei Entfernungen 600m+.

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo Marc,


    Quote


    Lässt sich hier herausfinden, um was für ein Zielfernrohr es sich handelt?

    in allen Unterlagen zu dem Thema, die ich habe, gibt es nur zwei Sorten Zielfernrohre:


    Zielfernrohr 41 und Zielfernrohr handelsüblich, das waren Heliavier, Zielvier, Ziel-Dialyt 6-fach, Zieljagd 4-fach, AJACK 4-fach und Zielsechs.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Zitat von Danuser (Peter)

    "Nach 1941 durften Zielfernrohre (ZF) in Deutschland nicht mehr für Privatzwecke hergestellt werden, sondern nur noch für militärische."


    Moin im Thema,


    ist die obige Aussage von Peter so richtig, wenn ja, dann war mir das bisher leider nicht bekannt?


    Kleine Erinnerung am Rande; in den 1980er Jahren fand ich auf einem "Kinderkleider-Flohmarkt" in meinem Heimatort ein Zielfernrohr Zf41 auf dem Stand einer jungen

    Dame, die ausschließlich Spielzeug und Kinderkleider anbot.

    Auf meine Frage, was das denn bitte für ein Ding sei, und wo sie das denn bitte gefunden hat, antwortete die Dame in etwa:

    "Keine Ahnung, irgend so ein optisches Ding, haben wir bei uns auf dem Dachboden gefunden, stammt wohl noch von unserem Opa..."


    Es handelte sich damals um ein neuwertiges Zf41 im originalen Tragekasten, samt allem Zubehör, Kaufpreis war damals 5,- DM.


    Mit einem Gruß aus dem Nähkästchen...


    Micha


    Nachtrag: Wikipediaseite (E) über das Zf41, zuletzt wohl aktualisiert im Jahr 2015: https://en.wikipedia.org/wiki/ZF41

  • Hallo Thilo, verstehe ich nicht .... du meinst das für 194x .... oder generell?

    Was sind denn dann Scharfschützen?

    Uwe

  • Hallo Uwe,


    "richtige" Scharfschützen besuchten besondere Scharfschützenlehrgänge und erhielten eine erweiterte Schießausbildung gem. H.Dv.1a S. 25 Nr. 4. Hätte der Eigentümer des Soldbuchs einen solchen Lehrgang besucht, wäre er dort eingetragen.


    Die irreführende Bezeichnung Scharfschützen für besonders gute Schützen mit und auch ohne ZF findet sich schon bei Ernst Jünger /Strahlungen:


    Quote

    Auwaldhütte, 14. April 1940

    Am frühen Morgen weckten mich die Maschinengewehre vom Panzerwerk „Roter Rhein“ – das neue in der oberen Scharte des Panzerturmes und das überschwere, das unseren rechten Flügel flankiert. Ich rief Erichson an und gab ihm Feuerbefehl. Dann fuhr ich, nachdem ich mich hastig angezogen hatte, mit dem Rade durch den Auwald nach vorn.


    Kurz vor dem Stand geriet ich in eine Garbe, die in die Pappelstämme klatschte, und suchte eilig den Verbindungsgraben auf. Spinelli, der bereits an Ort uns Stelle war und mit der Besatzung hinter der Betonwand des Bunkers stand, winkte mich richtig ein. Ich liess zwei schwere Gewehre auf die Scharten richten und teilte Scharfschützen ein. (...)



    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Moin zusammen,

    wenn es sich bei der im Soldbuch eigetragenen Seriennummer um die Nummer des ZF handeln sollte (was ich stark bezweifle) kann es sich nur um ein ZF41 oder ein ZF4 handeln.

    Vgl.:

    http://zielfernrohr.b.la9.jp/ZF41database191027.pdf

    https://claus.espeholt.dk/mediearkiv/zielvier_c.pdf

    Wobei die Liste von "Espeholt" auch mit Vorsicht zu genießen ist.


    Im übrigen gab es noch folgende Zielfernrohrmodelle:

    ZF39

    ZF41

    ZF4 / ZFK43

    ZFK43/1

    ZF 43 (B)

    ZFG42

    sowie die Gw.ZF. 4x (handelsüblich) und die daraus entstandenen Zielfernrohre mit Code.

    Wobei nicht alle Hersteller den Code verwendeten.

    AJACK nie, und Zeiss (blc) erst ziemlich spät.


    Darüber hinaus gab es noch Zielfernrohre, die aus der Jägerschaft gespendet wurden, bzw. später konfisziert wurden.


    Zivile Zielfernrohre wurden auch noch nach 1941 hergestellt/verkauft. Dies geht eindeutig aus Studien zu den Seriennummern hervor.


    Das beigefügte Foto aus einem Soldbuch zeigt die Eintragung zu einem Zeiss Zielvier mit Marhodlt Montage.


    Danke

    Gruß

    Wolfgang

    Files

    • soldbuch.jpg

      (99.9 kB, downloaded 75 times, last: )
  • Hallo Wolfgang,


    sehr interessant die Auflistung.

    Frage zum Soldbuch: Hatten Scharfschützen kein Seitengewehr?


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,

    ich hatte zwar noch nicht die Zeit alle infrage kommenden Dokumente diesbezüglich durchzuschauen, aber auf meinen zeitgenössischen Fotos aus dem 2.WK konnte ich noch kein Seitengewehr bei einem Scharfschützen entdecken.

    Auf Fotos aus dem 1.WK und von der Reichswehr sind SG zu erkennen.

    Gruß

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    danke fürs nachschauen. Das Seitengewehr müsste im Soldbuch eingetragen sein und da ist es anscheinend ausgetragen worden.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    es macht eigentlich keinen Sinn, zum Zielfernrohrgewehr ein SG zu führen, denn aufgepflanzt verändert sich die Trefferlage. Das ist zwar beim normalen Gewehr auch so, schlägt sich aber beim Präzisionsschuß mit dem ZF sehr stark nieder.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    das ist natürlich richtig, aber ein SG diente ja vielerlei Zwecken.

    Aus Allerberger: Im Auge des Jägers" :

    "Das neue Seitengewehr 42, ein äußerst praktisches Kampfmesser mit einem Werkzeugsatz im Griff. Erst in den letzten Kriegsmonaten fanden einzelne Stücke ihren Weg an die Front."


    Gruß Karl


    .

  • Hallo,


    zu den Ausführungen von Peter/ Thilo vom 07.11./ 08.11. habe ich folgende Anmerkung aus NARA T314-163 (r2.AK) hinzuzufügen:


    Zwei V.B. der 3./ AR 12(L) waren mit Zielfernrohrgewehren ausgestattet und hatten sie eingesetzt (Anlage). Später wird Schneider

    mit einer Anzahl von 149 erwähnt.


    Gruß

    DieterT314-163.0958 r2.AK Scharfschützen.jpg

  • Hallo zusammen,


    eine Grenadierkompanie hatte laut dem Kriegstärkenachweis (K.St.N.) 131V vom 1.9.1944, 6 Scharfschützen mit Karabinern (K98k Kaliber 7,92 x 57 mm mit Zielfernrohr Zeiss ZF42) und 4 Zielfernrohrgewehre (StGw-44 Kaliber 7,92 x 33 mm mit ZF 4) sowie 3 Selbstladegewehre (G43 Kaliber 7,92 x 57 mm mit Zielfernrohr ZF 4). Eine Grenadierkompanie auf Fahrrädern hatte laut dem K.St.N. 131cV vom 1.9.1944, Scharfschützen für 6 Zielfernrohrgewehre. Eine Füsilierkompanie auf Fahrrädern hatte laut dem K.St.N. 149V vom 1.9.1944, 6 Scharfschützen und 3 Zielfernrohrgewehre sowie 3 Selbstladegewehre. Die ausgewiesenen Scharfschützen gehören jeweils dem Kompanietrupp an.

    Die G43 bzw. die K43 (Karabiner) hatten keine Halterungen mehr für ein Bajonett.

    Das ZF 4 war von 100 m bis 800 m einstellbar.

    Bei dem StGw-44 war auch die Anbringung eines sogenannten Nachtvisiers ZG1229 möglich. Dieses Gerät kam in kleiner Anzahl ab Februar 1945 zur Anwendung.


    Scharfschützengewehr


    Viele Grüße

    Nicco

  • 6 Scharfschützen mit Karabinern (K98k Kaliber 7,92 x 57 mm mit Zielfernrohr Zeiss ZF42)


    Viele Grüße

    Nicco

    Hallo Nicco,

    woher stammt die Bezeichnung "Zielfernrohr Zeiss ZF42"? Aus dem originalen Dokument?

    Danke

    Gruß

    Wolfgang

  • Moin,

    wie bereits in #9 erwähnt,

    halte ich die Liste von Espeholt für mißverständlich! Nix für Anfänger!

    Die Liste von Ken Tomonari (ZF41) dagegen halte ich für erstklassig!

    Gruß

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    das ist meine Schuld. Ich habe zwar zurückgeblättert, aber Deine Links übersehen.


    Grüße von Karl und schönen Sonntag.