Gerettete Geschichten, 11 Lebensgeschichten von Juden

  • Guten Tag zusammen.


    die Bundesanstalt für politische Bildung hat 11 Lebensgeschichten von Juden bereitgestellt,

    erstklassig aufbereitet, sehenswert.

    Man sollte sich die Zeit nehmen, sich hinein versetzen, sich vor Augen führen lassen,

    was das nationalsozialistische Regime verursacht, verbrochen hat.


    Grüße Thomas


    Die folgenden Filme entstanden im Rahmen des Projekts "The Library of Rescued Memories - die Bibliothek der geretteten Erinnerungen" der Wiener Organisation CENTROPA.

    In diesem Oral-History-Projekt werden Lebensgeschichten europäischer Juden dokumentiert sowie deren Familienfotos archiviert.

    Aus manchen dieser Geschichten und Bilder werden Filme entwickelt, die mit Hilfe von animierten Fotos und Karten sowie autobiographischen Erzählungen die Lebenswege europäischer Juden nachzeichnen.


    Lilli Tauber - Ein Koffer voller Erinnerungen


    Jindřich Lion - Meine Flucht aus Prag


    Die Geschichte der Familie Brodmann


    Güler Orgun - Eine türkisch-jüdisch-muslimische Geschichte


    Matilda Albuhaire - Eine sephardische Familiengeschichte


    Larry und Rosa Anzhel - Eine sephardische Liebesgeschichte


    Haya-Lea Detinko - Wie ich Stalins Gulag überlebte


    Rosa Rosenstein - Leben mit Geschichte


    Matilda und Breda Kalef - Drei Versprechen


    Herbert Lewin - Rosinen meines Lebens


    Teofila Silberring - Damit die Erinnerung nicht stirbt


    weitere Lebensgeschichten:


    Die Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters


    Der Grundbesitz von Joseph Bacharachin Heringen an der Werra, von Wolfgang G. Fischer

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Lilli Tauber - Ein Koffer voller Erinnerungen


    Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs per Kindertransport von Wien nach England geschickt,

    tauscht sich Lilli Tauber mit ihren Wiener Eltern per Brief aus - solange dies noch möglich ist.


    Karoline (Lilli) Tauber wurde 1927 in Wien geboren und vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs von ihren Eltern per Kindertransport nach England geschickt.

    Dort begann sie eine Schneiderlehre und tauschte, solange dies noch möglich war, mit ihren Eltern zahlreiche Briefe aus.

    1941 wurden Lillis Eltern nach Polen in das Ghetto Oppole deportiert, welches 1942 gewaltsam aufgelöst wurde.

    Danach verliert sich ihre Spur.

    Lilli hat ihre Eltern nach dem Krieg nie wiedergesehen.

    1946 kehrte Lilli Tauber nach Wien zurück, heiratete und bekam zwei Kinder.


    https://www.bpb.de/geschichte/…offer-voller-erinnerungen


    Ausführliche Informationen über das Leben von Lilli Tauber sind hier zu finden.


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Jindřich Lion - Meine Flucht aus Prag


    Jindřich Lion, jüdischer Journalist, berichtet von seiner Kindheit in Prag, seiner Flucht nach Palästina,

    seiner Rückkehr, der erneuten Auswanderung nach dem Prager Frühling und von seiner Korrespondententätigkeit in Wien.


    Der jüdische Journalist Jindřich Lion erzählt in diesem Film aus seinem Leben.

    Lion wurde 1922 in Prag geboren.

    Nach dem Münchner Abkommen wanderte er gemeinsam mit seiner Familie nach Palästina aus.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Lion nach Prag zurück.

    Dort arbeitete er als Journalist.

    Nach dem sowjetischen Einmarsch in Prag 1968 eröffnete sich ihm durch eine berufliche Reise die Möglichkeit, Prag zu verlassen.

    Seine zweite Exilheimat fand Lion in Wien, wo er weiterhin als Journalist tätig war.


    https://www.bpb.de/geschichte/…ion-meine-flucht-aus-prag


    Ausführliche Informationen über das Leben von Jindřich Lion sind hier zu finden.


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Die Geschichte der Familie Brodmann

    Kurt Brodmann berichtet von seiner Kindheit in Wien und den unterschiedlichen Wegen seiner jüdischen Familienmitglieder ins Exil.

    Während des Zweiten Weltkriegs verstreuten sich diese über mehrere Länder: England, Palästina, China.


    Dieser Film zeigt die Geschichte der wienerisch-jüdischen Familie Brodmann.

    Kurt Brodmanns Eltern entschieden sich nach der Besetzung Österreichs, ihre beiden Kinder Kurt und Harry ins Exil zu senden.

    Kurt Brodmann wurde nach Palästina geschickt, Harry per Kindertransport nach England.

    Kurts Eltern selbst wanderten nach Schanghai aus. Nach Ende des Krieges reiste Kurt nach Wien zurück und traf dort auf seine Eltern.


    https://www.bpb.de/geschichte/…chte-der-familie-brodmann


    Ausführliche Informationen über das Leben von Kurt Brodmann findet man hier


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Güler Orgun - Eine türkisch-jüdisch-muslimische Geschichte


    Die 1937 in Istanbul geborene Güler Orgun erzählt die Geschichte ihrer jüdisch-muslimischen Familie - beginnend bei ihren jüdischen Vorfahren in Spanien bis hin zu ihrem eigenen Leben im Istanbul der Gegenwart.

    In diesem Film berichtet Güler Orgun über die türkisch-jüdisch-muslimische Geschichte ihrer Familie.

    Deren Wurzeln lassen sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen: Gülers Vorfahren waren "Sephardim", spanischstämmige Juden, die in das Reich der Osmanen geflohen sind. Ihre Eltern, ursprünglich Juden, werden in Istanbul Muslime, weshalb Güler Orgun geborene Muslimin ist.

    Güler wiederum konvertiert 1950 vor ihrer Hochzeit mit einem jüdischen Türken zum Judentum.

    Nach Scheidung, zweiter Heirat (1965) und Geburt zweier Kinder lebt sie bis heute in Istanbul - der Stadt, die eine Brücke zwischen den Kontinenten und den Religionen und zugleich eine zentrale Station ihrer eigenen Familie ist.


    https://www.bpb.de/geschichte/…ch-muslimische-geschichte


    Ausführliche Informationen über das Leben von Güler Orgun finden sich hier.


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Matilda Albuhaire - Eine sephardische Familiengeschichte


    Matilda Albuhaires Vorfahren waren spanischstämmige Juden.

    Sie selbst wuchs in Bulgarien auf. Dort entging Matilda im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihren Eltern nur knapp einer Deportation.


    Ihr Vater und Großvater kamen aus Istanbul, die Vorfahren der Familie sind Sephardim, spanischstämmige Juden.

    Matilda wurde in Bulgarien geboren und wuchs in der Stadt Bourgas auf. Zuhause wurde Ladino gesprochen, die Sprache der sephardischen Juden.

    Matilda war Hebräischlehrerin, bis ihre Schule 1941 geschlossen wurde.

    Während ihre beiden Brüder in Lagern interniert wurden und dort Zwangsarbeit leisten mussten, konnten Matilda und ihre Eltern während des Krieges in Bourgas bleiben.

    Nur knapp entging sie damals einer Deportation.

    Nach dem Krieg konnte sie wieder als Lehrerin arbeiten.


    https://www.bpb.de/geschichte/…dische-familiengeschichte


    Ausführliche Informationen über das Leben von Matilda Albuhaire finden sich hier


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Larry und Rosa Anzhel - Eine sephardische Liebesgeschichte


    Dies ist die Geschichte zweier jüdischer Familien: der Familie von Larry Anzhel und der seiner Frau Rosa.

    Beide wuchsen in Bulgarien auf und lernten sich in Sofia kennen.

    Während des Zweiten Weltkriegs wurden beide interniert und mussten Zwangsarbeit leisten.


    Der Film erzählt die Geschichte zweier jüdischer Familien: der Familie von Larry Anzhel und der seiner Frau Rosa.

    Beide wuchsen in Bulgarien auf und lernten sich in Sofia, der Heimatstadt von Rosas Familie, kennen.

    Kurz darauf wurden sie beide - voneinander getrennt - in Vratsa interniert und mussten dort Zwangsarbeit leisten.

    Nach Ende des Krieges bekamen sie zwei Kinder und verbringen derzeit ihren Lebensabend in Sofia.


    https://www.bpb.de/geschichte/…ardische-liebesgeschichte


    Ausführliche Informationen über das Leben von Larry Anzhel finden Sie hier und solche über das Leben seiner Frau Rosa Anzhel hier

    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Haya-Lea Detinko - Wie ich Stalins Gulag überlebte

    Wegen der Mitgliedschaft in einer zionistischen Vereinigung wurde Haya-Lea Detinko zu 20 Jahren Zwangsarbeit und Zwangsexil verurtelit.

    Erst 1961 kehrte sie mit ihrem Mann aus der Verbannung zurück.


    In diesem Film erzählt Haya-Lea Detinko ihre Lebensgeschichte und berichtet vom Schicksal ihrer Familie:

    Detinko war Mitglied in der zionistischen Jugendorganisation "Hashomer Hatzair" und wurde 1941 von sowjetischen Soldaten verhaftet und in ein Gulag-Gefangenenlager verschleppt.

    Ihre Familie wurde während eines Massakers im Sosyonski-Wald von deutschen Soldaten ermordet.

    Nur ihr Bruder Aron überlebte das Massaker.

    Nach zehn Jahren Zwangsarbeit wurde Haya-Lea nach Sibirien deportiert und lebte dort weitere zehn Jahre in der Verbannung.

    Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, mit dem sie 1961 an seinen vormaligen Wohnort Leningrad gehen durfte.


    https://www.bpb.de/geschichte/…-stalins-gulag-ueberlebte


    Ausführliche Informationen über das Leben von Haya-Lea Detinko finden sich hier.


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Rosa Rosenstein - Leben mit Geschichte

    1907 in Berlin geboren, 2005 in Wien gestorben: Rosa Rosenstein erlebte die Kaiserzeit, die Zeit der Weimarer Republik und das "Dritte Reich".


    Rosa Rosenstein wurde 1907 in Berlin geboren und starb 2005 in Wien.

    Das bedeutet, Rosa erlebte die Kaiserzeit, die Zeit der Weimarer Republik und das Dritte Reich.

    Rosas Familie floh nach dem Machtantritt Hitlers aus Berlin nach Palästina, Rosa und ihr ungarischer Mann Michi flüchteten nach Budapest.

    Rosa gelang es, die Töchter aus Budapest zu ihrer Familie nach Palästina zu schicken, während sie und ihr Mann interniert waren.

    Michi starb im Arbeitslager in der heutigen Ukraine, Rosa überlebte versteckt in Budapest die letzten Monate des Krieges.

    Nach dem Krieg heiratete sie den Wiener Alfred Rosenstein, bekam ihren Sohn Georg und zog zu ihrem Mann nach Wien.

    Georg, heute Zwi, ging 1963, nach der Matura, nach Israel und lebte im Kibbutz.

    1989 übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien.


    https://www.bpb.de/geschichte/…tein-leben-mit-geschichte


    Ausführliche Informationen über das Leben von Matilda Albuhaire finden Sie hier


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Matilda und Breda Kalef - Drei Versprechen


    Matilda und Breda Kalef wurden in Belgrad geboren und fanden während des Krieges Zuflucht in einem katholischen Kloster.


    Pater Tumpej, der sie damals versteckte, ist in Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

    Matilda und Breda Kalef wurden in Belgrad geboren.

    Während des Krieges fanden sie Zuflucht in einem katholischen Kloster in Banovo Brdo, einem Stadtteil von Belgrad.

    Pater Tumpej, der sie damals versteckte, ist in Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt.

    Ihr Vater und ihre Großmutter wurden ermordet, als das jüdische Krankenhaus, in dem sie sich aufhielten, liquidiert wurde.

    1944 konnten Breda und Matilda zu ihrer Mutter zurückkehren.


    https://www.bpb.de/geschichte/…da-kalef-drei-versprechen


    Ausführliche Informationen über das Leben von Matilda Kalef finden Sie hier


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Herbert Lewin - Rosinen meines Lebens


    Herbert Lewin teilt mit uns Familienfotos. Diese bebildern seine Lebensgeschichte.

    Von Osterode im ehemaligen Ostpreussen wanderte er während des Zweiten Weltkriegs über Jugoslawien nach Palästina aus.


    Herbert Lewin wurde 1917 geboren.

    Er wuchs in Osterode im heutigen Polen auf. Anhand von Fotos, die er -fast erblindet- kaum noch sehen kann, schildert er eine Lebensgeschichte.

    Er berichtet von seinem besten Freund, der Hilterjunge werden musste, und dennoch seinen jüdischen Freund nicht im Stich ließ.

    Während sein Bruder und seine Eltern nach England auswanderten,

    bereitete sich Herbert auf einem Bauernhof in Jugoslawien auf sein späteres Leben im Kibbuz vor. Im Jahr 1939 emigrierte er illegal nach Palästina.

    1955 zieht Herbert mit seiner Frau Trude, die er in Palästina kennengelernt hat, in ihre Heimatstadt Wien.


    https://www.bpb.de/geschichte/…win-rosinen-meines-lebens


    Ausführliche Informationen über das Leben von Herbert Lewin finden Sie hier


    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Teofila Silberring - Damit die Erinnerung nicht stirbt

    Teofila Silberring berichtet von ihrer Kindheit in Krakau,

    von ihrem Leidensweg über verschiedene Konzentrationslager bis hin zum Todesmarsch nach Ravensbrück und der Befreiung des Lagers durch sowjetische Truppen.


    Teofila wuchs in Krakau auf.

    Nach der Besetzung Polens wurde ihre Mutter von deutschen Soldaten erschossen.

    Teofila, ihr Bruder Henryk und ihr Vater wurden in das Ghetto Podgorze deportiert.

    Von dort aus wurde sie in das KZ Plaszow geschickt und von ihrer Familie getrennt.

    Während dieser Zeit arbeitete sie für Oskar Schindler, der sich mehrmals für ihr Überleben einsetzte.

    Dennoch wurde sie nach Auschwitz deportiert. Von Auschwitz aus schickte man sie auf einen Todesmarsch über Leipzig nach Ravensbrück, wo sie die Befreiung durch sowjetische Truppen miterlebte.

    Nach dem Krieg kehrte Teofila nach Krakau zurück.

    Dort lernte sie auch ihren späteren Mann kennen. Ihren Vater und ihren Bruder sah sie nach dem Krieg nie wieder.


    https://www.bpb.de/geschichte/…e-erinnerung-nicht-stirbt


    Ausführliche Informationen über das Leben von Teofila Silberring finden Sie hier

    Quelle: (© 2010 Bundeszentrale für politische Bildung und Centropa)

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Huba

    Changed the title of the thread from “Gerettete Geschichten” to “Gerettete Geschichten, 11 Lebensgeschichten von Juden”.
  • Guten Abend zusammen,


    über ein paar Tage habe ich diesen Thread zusammengestellt,

    Lebensgeschichten, Lebensgeschichten von Juden, die dem nationalsozialistischen Regime ausgeliefert waren.

    Schaut euch den einen oder anderen Film an, versetzt euch in die Lage der Person, es lohnt sich.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Abend Thomas ,


    Danke für das Einstellen dieser Hinweise . Schon die Einleitungen der verschiedenen Schicksale sind vielsagend. Ich bin gespannt mehr

    über die einzelnen Lebensgeschichten zu erfahren.


    Herzliche Grüße


    Heidy

  • Hallo Thomas,

    danke für das Einstellen.

    Es ist mehr als erschreckend und bedrückend, wenn ich die einzelnen Geschichten lese.

    Sie spiegeln doch mehr als klar den ganzen Terror des NS- Staates wieder.

    Im Gedanken bin ich bei all den unzähligen, Millionen Opfer.

    Möge so etwas nie wieder passieren.


    Lg Andre

  • Moin,


    Also, ich finde die Idee an sich schlicht und ergreifend hervorragend! Am besten wirklich als Sammlung von Geschichten, ohne jedewede Kommentare. Nur so wirkt der Thread. Vielleicht sollten wir einen eigenen Diskussionsthread zu den geretteten Geschichten einrichten.


    Wichtig: wir sollten aufpassen, dass hier ausschliesslich Opfergeschichten erzählt werden; keine “Landserromantik”.


    Liebe Grüße,

    Justus

  • Die Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters


    "Wir wurden per Lastwgen abgeholt. Nur die drei Polen aus der Umgebung und ich. Da waren aber schon welche auf dem Lastwagen aus den umliegenden Ortschaften, die kannte ich gar nicht. Wir durften ja nicht die Plane lichten und gucken, wohin wir fahren. Dann hielt der Wagen an, die Plane wurde weggezogen und das Erste, was ich sah, war ein Glagen. Da befand sich ein Platz im Wald. Rundherum war es flach, es war ein Waldstück. Wir mussten vom Wagen runter und uns in einer Reihe aufstellen und dahin zum Galgen mussten wir gucken. DAnn kam ein Wagen vorgefahren, der war offen, es war keine Plane darüber. Darauf standen zwei Personen, ein Mädchen und ein Junge, und ein Wachmann war auch auf dem Wagen. Das Mädchen war kahl geschoren, der Junge auch, beide um die 20 Jahre, und ein SS-Mann sagte zu und ,Guckt euch die beiden an. Das ist ein Pole und das ist eine deutsche Sau.´ Ja, Sau hat er gesagt. ,Weil sie sich mit dem Polen abgegeben hat. Sie kommt ins Lager. Und er wird hier vor euren Augen aufgehängt. Merkt euch das, das passiert euch genauso, wenn ihr das auch macht.´ Da wurde mir mit einem Mal heiß, mit einem Mal kalt. Im Moment kommt einem so richtig ins Bewusstsein, was ich da so mache. Dann musste er da runter (vom Wagen), wurde dahingeführt und musste auf einen Stuhl, eine Art Hocker steigen, der Strick wurde umgebunden und der SS-Mann ging dahin und stieß mit dem Fuß den Hocker weg.Sie (das kahl geschorene Mädchen) durfte gar nicht vom Wagen absteigen und musste sich alles von da angucken. Was hat die geschrien. Der (SS-Mann) hat dann noch mehr geredet, aber das habe ich nicht gehört."


    Für Josef Machewka muss das schreckliche Erlebnis tief gewirkt haben, schließlich lebte er ebenfalls in einer verbotenen Liebesbeziehung zu einer jungen Deutschen aus dem Dorf:


    "Der Bruder kam einmal auf Fronturlaub, so erzählte mir der Josef, da haben die beiden im Bett gelgen, sie hat ihn dann so mit dem Bett zugedeckt. Der Bruder kam nämlich ins Schlafzimmer und begrüßte sie und sagte nur lachend: ,Dann schlaft mal weiter.´ Der Bruder hätte nur die Polizei anrufen müssen. Tat er aber nicht."


    Gekürzt wiedergegeben aus Schäffer,Nickel: "Ich hatte nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten." Die Lebensgeschichte des Ferdinand Matuszek. 2014 herausgegeben vom Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne e.V.






  • Guten Morgen in die Runde,




    Der Grundbesitz von Joseph Bacharachin Heringen an der Werra



    von Wolfgang G. Fischer



    Stand: 10. Nov. 2019




    Nachdem ich schon viele Jahre über das Schicksal der jüdischen Einwohner von Heringen geforscht hatte, fiel mir vor kurzem Originalkorrespondenz der nach Frankfurt verzogenen Eheleute Joseph und Meta Bacharach mit ihren Nachbarn Frewert und Küchenmeister in Heringen aus dem Jahr 1939 in die Hände.


    Sie spielte eine Rolle im Wiedergutmachungsverfahren der Erben. Joseph Bacharach starb in Frankfurt am 29. Mai 1940, möglicherweise an den Folgen der Haft im KZ Buchenwald (Nov.-Dez. 1938). Er wurde 60 Jahre alt.


    Der angesehene Kaufmann stammte aus einer Familie, die schon 1692 in Heringen nachweisbar ist (Rechnungen des Amtes Friedewald). Seine zweite Frau Meta war eine geb. Katz und stammte aus Nentershausen (Hessen). Aus dieser späten Ehe gingen die Töchter Ruth (geb. 1928) und Lore (geb. 1930) hervor. Joseph Bacharach hatte lange Jahre den Vorsitz im Turnverein 03 Heringen e.V. (bis 1928) inne und war auch sonst gut im Ort integriert.


    Joseph Bacharachs (Halb-)Schwester Karoline hatte 1887 Gustav Dessauer aus Ellrich im Harz geheiratet, dessen Mutter geb. Bacharach wiederum aus Heringen stammte. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor, fünf Söhne und zwei Töchter. Sohn Hermann fiel im Ersten Weltkrieg für „Kaiser und Vaterland“. ..Sohn Helmut begründete in Heringen einen Lederhandel (mit Schuhverkauf, Marke „Salamander“). Sohn egfried, kriegsversehrt (ihm musste ein Bein abgenommen werden), ging zu Post und erbaute sich ein Wohnhaus (Hintergasse 8).


    Die Familien Bacharach und Dessauer 1930er Jahren zunehmend Schwierigkeiten. Eine der kleinen Töchter, die das nicht verstand, suchte eine Lösung und meinte: „Mama, komm, wir kaufen eine Kuh, dann sind wir auch Christen!“


    Am 9. Nov. 1938 wurde Joseph Bacharach verhaftet, seine Frau und Töchter versteckten sich im Schlafzimmer unter den Betten. Die Scheiben wurden eingeschlagen, die Geschäfte geplündert und zerstört.


    Die damals 14-jährige Maria Natt aus der Hauptstraße beschrieb die Szenerie vor ein paar Jahren so: „Am Abend des 9. Nov. 1938 gegen 19 Uhr gab es in der unteren Pfarrgasse beim Haus Bacharach einen Menschenauflauf. Hitler-Jungen und aufgehetzte Parteigenossen riefen Parolen wie 'Juda verrecke'. Plötzlich kam ein kleiner TruppSA-Mnner hinzu, auch Heringer waren darunter, und schon krachte es.“


    Einige Täter mussten sich nach 1945 in Entnazifizierungsverfahren für ihr Tun verantworten.


    Eine Passantin, die in der Nachbarschaft ihre Tochter besucht hatte, kam während der Plünderung am Schuhhaus Dessauer vorbei, das Joseph Bacharach für seinen in die Niederlande ausgewanderten Neffen Helmut Dessauer betreute. Jemand rief ihr zu: „Namm Däi au ä böar Schoh!“ Darauf antwortete sie: „Do well ech lebber börfuß geh!“


    Meta, Ruth und Lore Bacharach fuhren mit dem Zug nach Frankfurt, wo bereits Verwandte der Familie lebten, Joseph Bacharach kam ins KZ Buchenwald.


    Nach einigen Wochen wurde der Familienvater entlassen, anscheinend als gebrochener Mann. Er lebte noch anderthalb Jahre und starb am 29. Mai 1940 in Frankfurt (Sandweg). Seine Witwe und die beiden Töchter wurden in den Osten deportiert und ermordet.


    Zu Joseph Bacharach sind im Landesarchiv Wiesbaden eine Devisenakte aus der NS-Zeit (Abt. 519/3 Nr. 23478) und zwei Rückerstattungsverfahren (Abt. 519/A Nr. Fu 510 und 642) vorhanden. Die Devisenakte besteht nur aus wenigen Blättern, die RE-Verfahren haben aber einen Umfang von jeweils über 100 Blatt. Die Sache Küchenmeister-Bacharach ist als Teilverfahren in Nr. Fu 642 (6+7) enthalten.


    Gleich 1946 bemühte sich der aus dem KZ Theresienstadt entlassene Neffe von Joseph Bacharach, Siegfried Dessauer (geb. Heringen 1894) um die Rückerstattung bzw. Entschädigung der Grundstücke seines Onkels, vor allem des Wohn- und Geschäftshauses (Nr. 97).


    Bald stellte sich aber heraus, dass er gar nicht der Erbe war, weil seine Tante seinen Onkel überlebt hatte. Erben waren deren Geschwister Katz in Palästina und den USA.


    Die Familien Frewert und Küchenmeister versuchten nun zu beweisen, dass der Verkauf rechtmäßig gewesen war. Dies konnte jedoch aufgrund der Gesetzeslage gar nicht der Fall sein, so dass die Heringer Bürger einiges an die Erben nachzahlen mussten.




    Mit besten Grüßen

    Wolfgang

  • Guten Abend zusammen,


    ich habe die letzten beiden Geschichten von Justus und Wolfgang in die Listung des Ausgangsposts eingetragen.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!