Briefe aus der Heimat (1939)

  • Hallo Ihr Lieben,



    ich besitze sehr viele Feldpostbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg, aber auch ein paar Briefe an den Soldaten Rudolf Reinhardt aus Francop (bei Hamburg), * Lengers (Kr. Hersfeld) 1910.



    Hier soll ein Brief seiner Schwester und seiner Mutter vröffentlicht werden, datiert Lengers 20. Dez. 1939.


    "Unser lieber Bruder Rudolf u. Sohn!


    Soeben erhalten wir Deinen Brief und haben uns sehr gefreut. Ja, ich bin zu Hause, lieber Bruder, und da ist alles in Ordnung. Wir sitzen im Wohnzimmer. Vater schält Äpfel zum Essen. Mutter hat den kleinen Gerhard, eben ist Onkel Valentin gekommen und wenn (es) dann so laut ist, läßt sich schlecht schreiben."



    Mit besten Grüßen

    Wolfgang

  • Grüß Dich Wolfgang,


    wohl ein typischer Brief aus dieser Zeit, im Dezember 1939. Der Polenfeldzug war vorüber, der Krieg im Westen war ein reiner Sitzkrieg; man hoffte, dass bald wieder Frieden einkehren

    könnte. Und so blieb es bei der Schilderung "des bürgerlichen Umfeldes"- mehr nicht. Briefe der Jahre 1942 und später hatten ganz andere Inhalte!


    Grüße

    Bert


  • Hallo Bert,


    ja, so war das. Leider komme ich gerade nicht dazu, den Brief weiter zu transkribieren.


    Ich finde diese Briefe total spannend. Ich besitze sehr verschiedene.


    Herzliche Grüße

    Wolfgang

  • Guten Abend Wolfgang,


    Anrede und Gruß, in jedem Post, so die Regeln.

    Auch andere Posts von dir lassen das vermissen.


    Die Ansage ist ergangen, ab jetzt wird der böse Admin deine Einzeiler "ohne" einfach löschen.


    Alles klar?8)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Thomas,


    ich war bisher der Meinung, dass ich, wenn ich zwei Posts schicke, nur das erste mit Anrede machen "muss". Das zweite ist doch dann so eine Art "P. S." bzw. "Nota bene"?!


    Gruß Wolfgang

  • Guten Tag Wolfgang,


    Quote

    ich war bisher der Meinung, dass ich, wenn ich zwei Posts schicke, nur das erste mit Anrede machen "muss".

    dem ist nicht so.

    Wenn du deine Freunde besuchst, 20 mal im Jahr, sagst du auch nur beim ersten Besuch "Guten Tag Freunde",

    bei den folgenden 19 Besuchen nicht mehr?

    Oder doch eher bei jedem Besuch?;)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Abend, Wolfgang,


    als Feldpostsammlerin bin ich immer interessiert an FP-Belegen, deshalb meine Frage: Unter welcher FP-Nummer wurde der Protagonist angeschrieben? In welcher Einheit hat er gedient? Ist das bekannt?


    Gerne kann ich auch bei der Transliterung behilflich sein, wenn Du den Beleg hier einstellst. Nur zu.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  •  

    Wenn du deine Freunde besuchst, 20 mal im Jahr, sagst du auch nur beim ersten Besuch "Guten Tag Freunde",

    bei den folgenden 19 Besuchen nicht mehr?

     

    Hi Huba,


    wenn ich im Dorf jemanden treffe, sage ich nur beim ersten Mal guten Tag. Beim zweiten Treffen am selben Tag sage ich etwas anderes.


    Gruß Wolfgang

  • Guten Abend Diana,


    ich schaue gern nach und komme auch gern auf Dein Angebot zurück.


    Mit herzlichen Grüßen

    Wolfgang

  • als Feldpostsammlerin bin ich immer interessiert an FP-Belegen, deshalb meine Frage: Unter welcher FP-Nummer wurde der Protagonist angeschrieben? In welcher Einheit hat er gedient? Ist das bekannt?

    Moin Diana, moin Bert,


    leider habe ich den Originalbrief schon wieder verlegt, daher kann ich die FP-Nummer nicht nennen, hier aber jetzt die Transkription:



    "Lengers, den 20. Dez. 1939


    Unser lieber Bruder Rudolf und Sohn!


    Soeben erhalten wir Deinen Brief und haben uns sehr gefreut. Ja, ich bin zu Hause (Anmerkung: eigentlicher Wohnsitz Mahlum bei Hildesheim), lieber Bruder, und da ist alles in Ordnung.Wir sitzen im Wohnzimmer (Stube hinter der Küche). Vater schält Äpfel zum Essen (Der Vater hatte im Sommer einen Schlaganfall.), Mutter hat den kleinen Gerhard (* Hildesheim 14. Apr. 1939).


    Eben ist Onkel Valentin gekommen (* 1916) und wenn (es)dann so laut ist, läßt sich schlecht schreiben. Aber heute kostet alles Nerven, fast bei jedem Menschen. Auch Liesel (Rudolfs Ehefrau) hat (es) ja nun wieder schwer (sie ist im achten Monat schwanger), aber der Herr kann helfen über Bitten und Verstehen.


    Mutter wollte Dir ein Päckchen schicken, sie will aber warten bis nach Weihnachten. So musst Du Weihnachen mit einem Briefchen Vorlieb nehmen. Vater und Mutter wollen Dir ja besonders schreiben, ich will nur den Anfang machen.


    Ich war schon am Samstag bei Gustav (ihrem Ehemann), die Bahnverbindung ist sehr schlecht nach Hersfeld von Heimboldshausen ab (Hersfelder Kreisbahn). Das Soldatenleben ist nicht Jedermanns Ding (ihr Ehemann hatte einen schwachen Magen).


    Bist Du jetzt in Hannover? Dann hättest Du mich bald besuchen können. Denke, Du bekommst Weihnachten Urlaub? Wir schrieben an Liesel auf einer Karte. Gustav wird nicht lange ausgebildet, vielleicht zusammen sechs Wochen, weil er Führerschein Klasse 2 hat (Gustav war dann im Krieg Kraftfahrer). Dreimal am Tage Essen und strammer Dienst. Der erste Dienst ist der schwerste, nicht wahr.


    Nun, lieber Rudolf, wünsche ich Dir von Herzen viel Freude und Segen zum Weihnachtsfest, dass Du die Tage zu Hause gesund mit Deinen Lieben verlebst. Ich habe ja die Freude, zu Hause zu sein. Ludwig und Valtin kommen auch (die beiden ledigen Brüder).


    In treuer Verbundenheit und Liebe

    Deine Schwester.


    Vielen Dank für die 1 Mark für Mutter, sie hatte es vergessen und nun frohe Weihnachten."



    Mit besten Grüßen
    wolfgang

  • Lieber Wolfgang,


    interessant auch an diesem Brief ist die Tatsache, dass vom Krieg überhaupt nicht die Rede ist. Man beschränkt sich in diesem Brief auf die Familie, auf Krankheiten und sonstige Dinge.

    Natürlich ist zu bedenken, dass damals im Dezember 1939 viele Deutsche gar nicht daran glauben konnten, dass nach dem Erfolg in Polen der Krieg erst so richtig beginnen könnte.


    Interessant ist folgende Passage in diesem Brief:


    Aber heute kostet alles Nerven, fast bei jedem Menschen. Auch Liesel (Rudolfs Ehefrau) hat (es) ja nun wieder schwer (sie ist im achten Monat schwanger), aber der Herr kann helfen über Bitten und Verstehen.

    Dabei geht es um die Beschwernisse des Alltags (Einführung der Bewirtschaftung von Lebensmitteln und sonstigen Wirtschaftsgütern). Und eine Schwangerschaft war in der damaligen Zeit schon

    irgenwie eine Belastung, weil der künftige Vater nun Kriegsdienst zu leisten hatte.

    Grüße

    Bert

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    Aber heute kostet alles Nerven, fast bei jedem Menschen. Auch Liesel (Rudolfs Ehefrau) hat (es) ja nun wieder schwer (sie ist im achten Monat schwanger), aber der Herr kann helfen über Bitten und Verstehen.

    Dabei geht es um die Beschwernisse des Alltags (Einführung der Bewirtschaftung von Lebensmitteln und sonstigen Wirtschaftsgütern). Und eine Schwangerschaft war in der damaligen Zeit schon irgendwie eine Belastung, weil der künftige Vater nun Kriegsdienst zu leisten hatte.

     

    Guten Morgen Bert,


    für Liesel war es die dritte Schwangerschaft in vier Jahren, im Sept. 1936 und Dez. 1938 waren Töchter geboren worden. Außerdem war Liesels Mutter schwer krank und starb bald darauf. Liesel scheint eh nicht sehr nervenstark gewesen zu sein.


    Mit besten Grüßen

    Wolfgang