Frauen an der "Heimatfront"

  • Tag allerseits,


    Die weibliche Jugend musste bereits vor dem Kriege Arbeitsdienst leisten. Bemerkenswert ist dennoch, dass der Einsatz von Frauen in Betrieben, Verwaltungen und Bereichen der Wehrmacht erst im Laufe des Krieges an Bedeutung gewann.


    In den letzten beiden Kriegsjahren übernahmen Frauen Tätigkeiten, die zuvor überwiegend von Männern wahrgenommen wurden. Das Zugbegleitpersonal, Trambahnschaffnerinnen und das Personal bei der Post: Überall waren nun Frauen tätig. Ich erlebte es als kleiner Junge, wie meine Großmutter das landwirtschaftliche Anwesen "über die Runden bringen musste" und sogar der Kohlenhändler in unserem Ort Frauen beschäftigte.


    Was nicht in Vergessenheit geraten sollte, ist die Tatsache, dass Frauen ab etwa 1942 auch in den Kampfgebieten des Ostens als Krankenschwestern, als Funkerinnen in den Stäben und weiteren Verwendungen eingesetzt wurden.


    Der Trend der Uniformität erfasste in den letzten Kriegsmonaten sogar noch die Frisuren der Frauen. Junge Frauen bis etwa 40 Jahren trugen nach oben gekämmte Hochfrisuren. Im Volksmund nannte man diese Frisuren spöttisch "Entwarnungsfrisuren".

    Im Winter trugen alle deutsche Frauen damals mit Vorliebe den Turban, der möglichst warmhaltend die Köpfe verzierte. Die kalten Kriegswinter führten auch dazu, dass Frauen die Zivilhosen ihrer Männer nach einer geringfügigen Änderung trugen und sich so gegen Kälte schützten.


    Auch die Knappheit an textilen Stoffen führte wohl ab 1943 dazu, dass Röcke und Kleider, die im Sommer getragen wurden, für die damalige Zeit recht kurz ausfielen. So war sie eben, die damalige Kriegsmode für deutsche Frauen!

  • Tag allerseits,


    dieses Thema hätte eigentlich einige Facetten, die es lohnten, das Thema weiter zu erörtern.


    Während der Kriegszeit gab es ja im Bürgerlichen Recht noch keine Gleichbehandlung der Geschlechter. Die Frauen, die während des Krieges - ohne Vater, Freund oder Mann alles selbst zu erledigen hatten,

    traten damals recht selbstbewusst auf. Der damalige Ton einer Trambahnschaffnerin war fast "männlich herrschend" und so konnten sich die Frauen (auch in anderen Berufen) ziemlich schnell durchsetzen.

    Die Frauen entschieden damals, ohne zuvor den Mann einzuschalten, der an der Front war, über finanzielle Dinge. Frauen in der Landwirtschaft pachteten oder verpachteten Ackerland.

    Viele der damaligen Frauen hofften endlich auf eine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die heimkehrenden Familienväter sahen dies ganz anders. Und wieder war von Gleichberechtigung

    nichts mehr zu hören. Es dauerte nach Kriegsende über ein Jahrzehnt, bis die Gleichberechtigung auch im BGB vollzogen wurde.


    Grüße

    Bert

  • Lieber Bert,



    dass der Einsatz von Frauen in Betrieben, Verwaltungen und Bereichen der Wehrmacht erst im Laufe des Krieges an Bedeutung gewann.

    Hitler hat sich in seinen Monologen mehrfach dahingehend geäußert, dass Frauen wegen der Nachwuchsfrage/ Kinder wichtiger sind als Männer.

    Deswegen gab es damals auch im BDM Koch - und Putzunterricht für die Mädchen, da man die perfekte Hausfrau wollte, was natürlich nichts mit Gleichberechtigung zu tun hatte. Nachdem aber der Krieg eine Wende nahm und auch noch der totale Krieg ausgerufen war, setzte man Frauen auch in Frontnähe ein.


    Gruß Karl

  • Lieber Karl,


    danke für Deine Ergänzung!


    Die Frauen waren während des Krieges weitgehend auf sich gestellt. Ein typisches Beispiel für ein Bauerndorf der Zeit bis 1945: Da liefen nur alte Greise herum, die meist auch nicht mehr in der Lage waren,

    Arbeiten zu verrichten und ansonsten nur Frauen und Kinder und die kümmerten sich um das Vieh, die Heu- und Getreideernte und die sonstigen Arbeiten auf den seinerzeitigen Bauernhöfen. Es ging im

    Wesentlichen um körperlich schwere Handarbeit. Meiner Großmutter stand erst Ende 1943 ein Ukrainer zur Verfügug, der ihr half. Meine Großmutter, die einen kleines Anwesen allein zu bewirtschaften hatte,

    stand damals um 5 Uhr morgens auf und arbeitete bis gegen 19 Uhr. Von Bedeutung auch, sie war 1945 schon 60 Jahre alt.


    Heute spricht man gelegentlich von den Trümmerfrauen nach dem Krieg. Die Leistungen der deutschen Frauen während des Krieges sind aber kein besonderes Thema der Jetztzeit.


    Grüße

    Bert

  • Tag allerseits,


    die während des Krieges für kriegswichtige Arbeiten eingeteilten Frauen wurden damals immer wieder in Berichten hervorgehoben und natürlich auch geehrt.


    Die "rührige Frauenschaftsführerin" in unserer Gemeinde lud die sogenannten "Soldatenfrauen" samt Kinder zu einer Weihnachtsfeier am 25.12.1944 ein. Die Feier fand in einem HJ-Heim statt. Man wusste schon zuvor, dass die Kinder Weihnachtstüten bekommen sollten und die Mütter Kaffe und Kuchen. Der Andrang war gewaltig, denn Ende 1944 herrschte schon überall Schmalhansküchenmeister.


    Wir Kinder freuten uns über die Weihnachtstüte, die wir bekamen. Etwas enttäuscht waren wir auch, weil Schokolade fehlte. Den Müttern wurde sogar Bohnenkaffee serviert. Das war damals etwas

    ganz Besonderes. Die Frauenschaftsführerin hielt eine Rede an die "Soldatenfrauen" und warb für kriegswichtige Dienste (Post, Bahn usw.). Meine Mutter ließ sich für die Bahnhofswache breitschlagen

    und leistete bis Kriegsende mehrmals wöchentlich Bahnhofsdienst zur Betreuung durchfahrender Verwundeten- und Flüchtlingstransporte. Nach Kriegsende bekam meine Mutter dann Probleme bei der Entnazifizierung

    wegen den Arbeiten bei der Bahnhofswache, denn diese unterstand der NSDAP, was meine Mutter bei Antritt des Dienstes nicht wusste.


    Grüße

    Bert

  • Hallo Bert

    Viele der damaligen Frauen hofften endlich auf eine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die heimkehrenden Familienväter sahen dies ganz anders. Und wieder war von Gleichberechtigung

    nichts mehr zu hören. Es dauerte nach Kriegsende über ein Jahrzehnt, bis die Gleichberechtigung auch im BGB vollzogen wurde.


    Grüße

    Bert

    einen sehr wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung leistete Elisabeth Selbert!

    Eine hoch interessante Person.

    https://www.swr.de/swr2/wissen…astcontrib-swr-31242.html


    Ist zwar nach 45 aber ein bisschen OT kann nicht schaden!


    "Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist."

    Heidi Kabel



    Gruß Arnd

  • Grüß Dich Arnd,


    danke für Deinen Hinweis. Es stand zwar dann die Gleichberechtigung von Mann und Frau im GG, dies war ein Grundrecht, aber praktisch fürs Erste nur ein Programmsatz.

    Es dauerte noch einige Jahre, bis die Gleichberechtigung in Einzelgesetzen umgesetzt wurde. Warum das so war? Die männlichen Abgeordneten der damaligen Zeit waren raffinierte Bremser, wenn

    es um solche Dinge ging. Auch Bundeskanzler Adenauer ließ sich mit der weiteren dazu notwendigen Gesetzgebung mit wohl voller Absicht viel Zeit.


    Grüße

    Bert

  • Hallo Bert


    Gerne geschehen

    Es gibt einen Film mit Iris Berben über den Entwurf des GG im parlamentarischen Rat in dem sie Elisabeth Selbert spielt!

    Den habe ich leider nicht online gefunden!

    Da waren sogar Frauen gegen den Eintrag ins GG ;(;(

    Die vielen Männern wollten nicht auf ihre Privilegien verzichten!

    Da könnte man noch viel zu schreiben, nur sprengt das den Rahmen!

    Und die Bosse würden, zu Recht, schimpfen;)


    Gruß Arnd

  • Tag allerseits,


    also kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Thema.


    Karl Grohmann erwähnte es bereits: Hitler wollte die Frauen möglichst nur am Herd und in der Familie einsetzen. 1940 dachte man noch nicht an Kriegsverpflichtungen für Frauen. Nach

    den Blitzkriegen rechnete man ohnehin mit einem baldigen Kriegsende. Aber es kam anders! Jedenfalls wurden die Frauen in Deutschland erst etwas später in kriegswichtigen Bereichen

    eingesetzt, als in GB und in den USA. Manche damaligen Tätigkeiten waren für Frauen durchaus erstrebenswert. In unserem Umfeld bis 1945 arbeiteten einige Frauen

    in Wehrmachtskantinen, der "Fressalien" wegen. Frauen in diesen Beschäftigungsverhältnissen konnten mit einer "gewissen kriminellen Energie" einige Lebensmittel ohne Abgabe

    von Lebensmittelkarten "organisieren". Sie hatten auch Glück und wurden nicht "geschnappt"......


    Grüße

    Bert

  • Grüß Dich Micha,


    danke für den Hinweis.

    Da werde ich mich mal durchlesen.


    In erster Linie wollte ich auch darüber schreiben, was ich als kleiner Junge in diesem Zusammenhang so alles erlebte. Mein Erinnerungsvermögen geht bis in das Jahr 1943 zurück.


    Grüße

    Bert

  • Moin Bert,


    gerne, freue mich auch, daß du als ein Zeitzeuge noch etwas erinnerst, wenn auch nur aus deinen Kinderjahren.

    Soz. Erinnerungen aus erster Hand, sehr gut! :thumbup:


    Dann mal los...


    Gruß


    Micha


    P.S. Während der sog. "Aussiedlung" aus dem Sudetenland 1945, war meine Großmutter mit der kleinen Tochter Ingrid auf sich selbst gestellt.

    Der Ehemann war im RAD Einsatz, der Sohn in einer NPEA in Kärnten, Mutter und Tochter mitten im Chaos, auf der Flucht...

    Meine Oma erzählte mir immer wieder, daß sie damals von den Einheimischen als "Deutsche Frau" angesprochen wurde,

    und es gab wohl eine bevorzugte Behandlung der Mutter und Tochter, geschützt durch deutsche Soldaten.

    Dieses "Deutsche Frau" ist mir aus den Erinnerungen der Oma in Erinnerung geblieben, die Angst der Einheimischen vor einer

    deutschen Rache war wohl immer noch allgegenwärtig.

    Was nur wenig später dort geschah, das ist uns allen bekannt.

    Phantasie ist auch eine Begabung

    Edited once, last by Holzkopf ().

  • Hallo zusammen!


    Von der Überschrift dieses Threads "Frauen im Krieg" bin ich etwas irritiert. Worum geht es hier eigentlich? Um Frauen im Dienste der Kriegsmaschinerie? "Frauen im Krieg" waren auch die Gattinnen der Nazibonzen; "Frauen im Krieg" waren jüdische Frauen, die in den Gaskammern der Nazis starben; "Frauen im Krieg" waren Kriegerwitwen, die sich mit ihren kleinen Kindern durchschlagen mussten usw.

    Man kann doch Frauen nicht aufgrund ihres Geschlechtes als homogene Gruppe sehen, weil sie alle die Zeiten des Zweiten Weltkriegs erlebten. Wer käme hier auf die Idee, einen Thread mit der Überschrift "Männer im Krieg" zu eröffnen?!


    Nachdenklichen Gruß

    Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Tag allerseits,


    ich führte bereits aus, dass dieses Thema viele Facetten hat. Daraus folgt auch, dass man das Thema nicht nur auf "Soldatenfrauen", "Frauen in der Landwirtschaft", "arbeitende Frauen in kriegswichtigen Einrichtungen und Betrieben"

    beschränken muss und kann. Insoweit "irritiert das Thema" beileibe nicht.


    Abwegig ist jedenfalls, dass dieses Thema genauso unsinnig wäre, wie "Männer im Krieg". Die besondere Rolle der Frauen zu Kriegszeiten war schon für die Zeit von 1914 bis 1918 Thema vieler Erörterungen.

    Dazu

    https://ww1.habsburger.net/de/themen/frauen-im-krieg


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Tag allerseits,


    den vorstehenden Hinweis nehme ich zur Kenntnis.

    Meine Ausführungen sind nicht theoretischer Natur gemäß den damals geltenden staatlichen Regelungen, das ist der Unterschied zum Thema bei der ARGE Eisenbahn.

    Ich erlebte das Geschriebene als kleiner Junge und das war es mir Wert, darüber zu schreiben. Aber vielleicht sind solche Dinge hier überhaupt nicht erwünscht und das bloße Aufzählen von damals

    geltenden Bestimmungen die "bessere Lösung".....


    Bis die Tage

    Bert

  • Lieber Bert,


    als Threadstarter hast Du es natürlich in der Hand, festzulegen, was Dir wichtig ist zu besprechen. Und es ist natürlich bei der von Dir gewählten recht allgemeinen Überschrift legitim, nachzufragen, worauf es Dir ankommt und was Du vielleicht selber erwartest. Ich habe Deine EInleitung

    dieses Thema hätte eigentlich einige Facetten, die es lohnten, das Thema weiter zu erörtern.

    so verstanden, dass der thematische Fächer ziemlich weit geöffnet ist.

    Vielleicht geht es dem ein oder anderen Leser so, dass gerade der Mix aus persönlichen Erfahrungen (die ja in diesem Forum stets sehr willkommen sind) und offiziellen Quellen (nicht minder willkommen!) zum Erkenntnisgewinn beiträgt. Somit finde ich es sehr vielversprechend, es auf einen derartigen Thread einmal ankommen zu lassen.


    In diesem Zusammenhang finde ich den nachdenklichen Einwurf von Cristiane

    "Frauen im Krieg" waren auch die Gattinnen der Nazibonzen; "Frauen im Krieg" waren jüdische Frauen, die in den Gaskammern der Nazis starben; "Frauen im Krieg" waren Kriegerwitwen, die sich mit ihren kleinen Kindern durchschlagen mussten usw.

    ausgesprochen bereichernd. Warum nicht alle möglichen Facetten zusammentragen? Vielleicht gibt es auch gerade unter diesen Aspekten wertvolle persönliche Erinnerungen zu berichten?


    Ich lese Deine Erinnerungen jedenfalls immer gerne - und würde mich freuen, wenn Dein Thread viele Co-Autoren bekommt und wächst und gedeiht!


    Liebe Grüße,

    Justus

  • Tag allerseits,


    dieses Thema bezieht sich auf die Leistungen der Frauen bei Bewältigung der Probleme in "der Heimatfront". Im Übrigen stammt diese Wortschöpfung von den Briten. Sie schufen bereits

    im 1. Weltkrieg das Wort "Homefront".


    Dass in Deutschland noch in den letzten Kriegswochen z. B. die Briefzustellung, Bahnen und Straßenbahnen funktionierten, das war auch den deutschen Frauen zu verdanken. Damit beschäftigt sich das eigentliche Thema. Es geht also nicht um die Frauen von Nazibonzen und jüdische Frauen. Das wäre ein eigenes "spezielles Thema"


    Grüße

    Bert

  • Guten Morgen Bert,


    Danke für die Präzisierung. Wäre es in Deinem Sinne, die Threadüberschrift entsprechend anzupassen? Etwa: "Frauen an der sogenannten Heimatfront"? Oder "Frauen an der "Heimatfront" "?


    LG Justus