3./ KG 30 Caumont um den 2.8.1944

  • Hallo,

    ich habe in einem Ahnenforschungsforum eine Anfrage aus Frankreich. Danach ist ein erst kurz in der Einheit dienender Beobachter Ogefr Schaller seit dem 2.8.44 nach Feindflug Caumont vermisst. Mitgeteilt wurde dies der Mutter v Oberleutnant Kainz. Kann die restliche Besatzung ermittelt werden?

    Grüße


    Thomas

  • ... Ogefr Schaller seit dem 2.8.44 nach Feindflug Caumont vermisst ...


    Hallo,


    in den Vermisstenbildlisten des DRK im Band LH/Seite 494 gibt es einen Eintrag für einen OGfr. Franz Schaller, der zur Person passen könnte - ist das der gesuchte OGfr. Schaller? Als Truppenteil ist dort die 3./KG 30 mit der Feldpostnummer 37650 genannt, Ort der letzten Meldung war wohl Brüssel. In der Gräberdatenbank des Volksbundes ist er anscheinend bisher nicht verzeichnet.


    Gruß, J.H.

    Files

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Das wird er wohl sein. Danke dafür. Aber es gibt eben diesen Benachrichtigungsbrief des Staffelführers v 12.8.44, wonach er seit 2.8. vermisst wird. Daher die Frage, welche Maschiine der Einheit mit welcher Besatzung seitdem als vermisst/ Verlust gilt-


    Thomas

  • Grüß Gott Thomas,


    herzlich willkommen hier im Forum der Wehrmacht !


    das dürfte schon hinkommen, das Datum 7.44 ,gilt als letzte Nachricht/Feldpostbrief an die Angehörigen !!


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo,


    Ogfr. Franz Schaller war der Kampfbeobachter (Kb).


    Die restliche Besatzung waren:


    (F) Uffz. Franz Liebner

    (Bf) Ogfr. Alois Harzheim

    (Bs) Uffz. Gerhard Pollex


    Liebner und Pollex sind ebenfalls in der DRK-Vermisstenbildliste aufgeführt.
    Die Maschine war eine Ju 88 S-3.


    Gruß, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Hallo, Uwe,


    das ist doch schon einmal etwas, also eigentlich fast alles.

    Vielen Dank dafür.


    Thomas

  • Guten Abend ans Forum und an die Luftwaffenspezialisten,


    wieso sind Schaller, Liebner, Harzheim und Pollex nicht beim Volksbund gelistet und Harzheim nicht beim DRK?

    Oder hatte Harzheim den Absturz überlebt?

    Ist unseren LW-Spezialisten näheres zu einem Absturzort bekannt oder zu dem "Feindflug Caumont"?


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Thomas,

    nach Feindflug Caumont

    ist bekannt um Welcher Ort oder Flugplatz " Caumont " es sich hier handeldt ?


    Grüße

    Fredy

    Suche alles auf die Grenadier-Brigade-Cottbus (aus den Ersatztruppen "Großdeutschland")

  • ... ist bekannt um Welcher Ort oder Flugplatz " Caumont " es sich hier handeldt ? ...


    Hallo Fredy,


    vermutlich handelt es sich um den Ort Caumont-sur-Orne, südlich von Caen gelegen. Es ist zwar nur Spekulation, aber am 1.August 1944 fand dort unter massiver Artillerie- und Luftunterstützung eine Offensive alliierter Truppen statt, nachdem Einheiten der britischen Armee diesen Abschnitt von der US-Armee übernommen hatte. Möglicherweise wurden Einheiten des KG 30 dort zur Abwehr der Luftangriffe eingesetzt? Vielleicht ist die gesuchte JU 88 auch auf See niedergegangen und konnte bisher nicht gefunden werden - damit ließe sich auch erklären, warum die Besatzung nicht beim Volksbund verzeichnet ist?


    Bleibt zu hoffen, das die von Thomas Eingangs genannte französische Anfrage aus einem Ahnenforscherforum nicht von Wracksuchern stammt, die die Herkunft von möglichen Fundstücken und Flugzeugwrackteilen aufzuklären versuchen...


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 2 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo J.H,

    Vielleicht ist die gesuchte JU 88 auch auf See niedergegangen

    ist mir schon klar aber falls der JU 88 vom Flugplatz Lezignan-Caumont gestartet ist, dann ist er im Golfe du Lion niedergegangen

    Zeitraum passt auch, deshalb meine " dumme " Frage;)


    Grüße

    Fredy

    Suche alles auf die Grenadier-Brigade-Cottbus (aus den Ersatztruppen "Großdeutschland")

  • ... deshalb meine " dumme " Frage ...


    Hallo Fredy,


    dumm ist die Frage überhaupt nicht, ich musste ja selbst erst suchen ^^ Die von Thomas genannte Meldung "nach Feindflug Caumont vermisst" würde ich aber eher als Ort des Einsatzzieles dieses Feindfluges verstehen? Uwe hatte schon darauf hingewiesen, dass die Uffz. Liebner und Pollex aus dieser Besatzung ebenfalls in den Vermisstenbildlisten verzeichnet sind, bei Liebner ist als Ort der letzten Meldung abweichend auch noch "Chaumont" angegeben.


    Im LdW steht zu lesen, dass die I. und II.Gruppe des KG 30 im Juli 1944 von den Plätzen Le Culot und Paris-Orly gegen die Invasionsfront eingesetzt wurden: http://www.lexikon-der-wehrmac…/Kampfgeschwader/KG30.htm


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    von "J.H" >> vermutlich handelt es sich um den Ort Caumont-sur-Orne, südlich von Caen gelegen.

    Guter Ansatz.


    Aber in diesem Fall passt Caumont-l'Evente (zwischen Saint-Lo und Villers-Bocage gelegen) viel besser.;)

    Ein brit. Mosquito Nachtjäger der 96.NFS meldet für 01.00 Uhr früh in der Nacht 1./2.8.44 Abschuss und Aufschlag einer "Ju 188" in der Gegend "10 miles northeast Tessy".

    [Anm.: in den Nächten 1./2. und 2./3. melden die Mosquito-NF insgesamt 2 x Ju 88 und 4 x Ju 188 als Abschüsse. Tatsächlich waren alles Ju 88]


    Ziele der Kampfverbände in diesen Nächten waren Truppenbewegungen, Verkehrsknotenpunkte und Aufmarschräume der all. Truppen im Großraum St.-Lo, Avranches, Vire.

    Beteiligt waren u.a. I. und II./KG 30, II./KG 26, I. und II./LG 1, KG 54 und KG 66 mit Ju 88, II./KG 51 mit Me 410, I./KG 2 und III./KG 100 mit Do 217, die ex. 6./KG 77 und jetzt Bel.St./KG 26 als Beleuchter/Pfadfinder (unvollständige Liste aus den Verlustmeldungen). Die Lw-Einsätze waren gegen den Ausbruch der 1. US-Armee (Bradley) aus dem Raum Saint-Lo und deren Durchbrüche in Richtung Avranches gerichtet.


    Naturgemäß lagen die Ziele alle jenseits der Front, die Abstürze erfolgten großteils auf nunmehr alliiertem Gebiet.


    Damit dürfte auch die Frage von Fredy ("Emil1915") #8 beantwortet sein.

    Verluste über See, hier Ärmelkanal, erfolgten hauptsächlich schon im Juni, vereinzelt noch im Juli 44, als ein Hauptziel der Kampverbände der alliierte Nachschub-Schiffsverkehr zur Invasionsfront war.

    Im westlichen Mittelmeer war das KG 30 nach Invasionsbeginn (Normandie) nicht aktiv.


    Vermisste Flieger im Allgemeinen

    Die vermissten Besatzungen an der "Invasionsfront" liegen zum großen Teil als "Unbekannte" auf den Friedhöfen in der Normandie. Wie schon oben beschrieben, erfolgten die Verluste im alliierten Hinterland.

    Die Besatzungen wurden in Feldgräbern oder auf kleinen Friedhöfen bestattet. Eine Identifikation der sterblichen Überreste war den Alliierten nur begrenzt möglich - die Reste der Flugzeuge und Besatzungen oft kaum identifizierbar.

    Was dann später bei den Umbettungen noch zu identifizieren war, wurde identifiziert. Der Rest als "unbekannt" auf die zentralen Kriegsgräberstätten umgebettet.

    Rein theoretisch wäre eine Identifikation heute in vielen Fällen über die neueren forensischen Methoden möglich. Dazu müssten alle "unbekannt" Bestatteten exhumiert und in eine genetische Datenbank eingetragen werden.

    Außerdem wäre ein genetisches "Profiling" der gesamten "bio-deutschen" Bevölkerung notwendig. Den Rest erledigen die Computer. Ersteres wäre sehr aufwändig, letzteres aus juristischen Gründen unmöglich.


    Zu "Danuser", #7:

    > wieso sind Schaller, Liebner, Harzheim und Pollex nicht beim Volksbund gelistet und Harzheim nicht beim DRK?

    > Oder hatte Harzheim den Absturz überlebt?

    Auch wenn schon x-mal (von mir gefühlte dutzende Male) geschrieben, hier noch mal - bis es auch der/die Letzte gelesen hat:


    Der Eintrag in die DRK-Vermisstenbildliste wurde in den frühen 50ern von den Hinterbliebenen veranlasst, falls noch Hoffnung auf Überleben (Rückkehr aus Gefangenschaft) oder anderweitige Schicksalsklärung bestand.

    Entweder hatte Harzheim keine Hinterbliebenen mehr - oder sie hatten sich mit seinem Tod abgefunden. Nach meiner empirischen Erfahrung (Verlustdatenbasis) sind für die Fliegende Truppe rund 40% der Vermissten in der DRK Liste eingetragen. Für die fragliche Besatzung liegt die Quote also schon weit über dem Durchschnitt.


    Der Eintrag in die Gräberdatenbank des Volksbunds erfolgte primär bei BEKANNTER Grablage. Deshalb heißt es ja auch Volksbund-Gräberdatenbank.

    Speziell vom östlichen Kriegsschauplatz sind auch viele Namen mit heute unbekannter Grablage verzeichnet - aber zu diesen Gefallenen gab es eine ursprüngliche Grabmeldung (Erstbegräbnisort) und den Status "gefallen".

    Ich selbst habe nur sehr wenige "wirklich" vermisste "Flieger" in der Gräberdatenbank des Volksbundes gefunden.


    MfG, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

    Edited once, last by DR40eghs ().