Gefreiter Alois Rymer *02.10.1910 +05.09.1943

  • Guten Tag zusammen,


    Sollte dies das falsche Unterforum sein, bitte diesen Thread in das passende verschieben...


    Dieses Forum hat mir, als stillem Mitleser, in den letzten Tagen und Wochen bei meiner Suche nach Informationen sehr weiter geholfen.

    Darum habe ich mich entschlossen, meine bisher gewonnen Informationen zu teilen um auf diese Weise etwas beitragen zu können, und natürlich auch um weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

    Im Frühjahr 2017 verstarb mein Großvater. Erst bei der Sichtung von vorhandenen Unterlagen, wurde mir und meiner Mutter klar, das sein Vater im Krieg gefallen ist. Meiner Mutter selbst war das nie bewusst, da in der Familie, wie so oft, nicht darüber gesprochen wurde.

    Das Interesse war sofort da, herauszufinden, was mit meinem Urgroßvater geschehen ist.

    Aus dessen Sterbeurkunde war bereits das o.a. Geburtsdatum 02.10.1910, sowie ein Sterbedatum 05.09.1943 bekannt.


    Eine erste Anfrage beim Volksbund bestätigte das Todesdatum und wies als Todesort folgendes aus:

    San.Kp. 2/383 F.P. 22131

    Außerdem teilte man mit: "Alois Rymer konnte im Rahmen unserer Umbettungsarbeiten nicht geborgen werden. Die vorgesehene Überführung zum Sammelfriedhof in Krasnodar-Apscheronsk war somit leider nicht möglich. Sein Name wird im Gedenkbuch des Friedhofes verzeichnet."


    Das half erstmal nicht viel weiter.


    Die Anfrage bei der WaSt (inzwischen Bundesarchiv) wurde jetzt nach über 2,5 Jahren beantwortet und ließ erstmals nähere Einblicke zu.

    Rymer Alois geb. 02.10.1910 anonym.pdf


    Demnach wurde mein Urgroßvater wahrscheinlich im Februar 1942 als Teil der 18. Welle in die 383. Infanteriedivision, eine sog. Rheingolddivison, eingezogen.

    383 ID.jpg


    Ich vermute er war von Beginn an Soldat in der 11. Kp InfRgt 532 (später umbenannt in GrenRgt 532), da er hier seine Erkennungsmarke mit der Nr. -129- erhielt.

    Nach einer Verwundung in Woronesh im September 1942 und anschließender Genesung ist er vermutlich im Frühjahr/Sommer 1943 zu seiner Einheit zurückgekehrt.

    Am 05.09.1943 wurde er erneut Verwundet und von der Saniätskompanie 2/383 der Division übernommen.

    Hier verstarb er am selben Tage. (Ich vermute evtl. am HVP)

    Angegeben wird seine Grablage mit Ssytschewka-Krimskoje (Nordausgang von Krimskoje)


    Diese Orte konnte ich jedoch zunächst nicht verorten.


    Die Lagekarte vom 05.09. gab hier eine erste räumlich Eingrenzung

    Lage 383 050943.jpg


    Und auf der Deutschen Heereskarte 1:300000 konnte ich ein passendes Ssytschewka ausmachen. (heute Sychovka / Сычовка) ein Krimskoje war nicht zu finden, jedoch ein Klinskoje (heute Klinskoye Клинское). (Ich vermute einen Übertragungsfehler)

    Heereskarte Y53.JPG


    Hier also am Nordausgang vermute ich derzeit seine Grablage.

    Dank Google Maps ist es auch möglich sich etwas um zu schauen. Im nördlichsten (virtuell) zugänglichen Teil entdecke ich ein verfallenes Holzhaus und daneben eine kleine Gedenkstelle. Leider ist der Stein nicht zu entziffern.

    Klinskoye Nordausgang.JPG


    Vielleicht befand sich hier der HVP und der Stein soll den hier gestorbenen Gedenken. Wer weiß...

    Bis hierher hat mich die Geschichte meines Urgroßvaters so gefesselt, dass ich jetzt mehr wissen will.

    Ich plane als nächstes Einsicht in die KTB der 383. ID zu nehmen. Die Unterlagen des Abwicklungsstabes 1944 habe ich bereits vorliegen. Die Division und damit auch die Reste des GrenRgt 532 wurden 1944 bei Bobruisk aufgerieben.

    Vielleicht ist war es besser, dass mein Urgroßvater diese Tragödie nicht mehr miterleben musste...


    Ich erhoffe mir irgendwo nähere Hinweise zur möglichen Grablage zu erhalten.

    Sollten hier vielleicht noch zusätzliche Informationen vorhanden sein, oder ich mit meinen Vermutungen offensichtlich falsch liegen hoffe ich auf eure Zuarbeit.

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

    Edited once, last by Systemlord ().

  • Hallo!


    Zuerst einmal herzlich Willkommen hier im Forum und ich denke mal, ich spreche da für mehrere Mitglieder, wenn ich sage: Klasse Einstand!!! :thumbsup:


    Auf der Lagekarte vom 05.09.1943 sind zwei Räume der 383.Inf.Div. eingezeichnet (Teile und Masse 383.Inf.Div.), ich vermute mal bei dem kleineren Teil dürfte es sich um eine Kampfgruppe gehandelt habe ...


    Anbei ein Auschnitt einer russischen Karte mit dem von dir vernuteten Ort ...


    Ich suche mal weiter nach KTB´s oder FMS ...


    Grüße

    Sven

  • Grüß Gott Systemlord,


    herzlich willkommen hier im Forum der Wehrmacht !


    was mich stutzig macht, warum sollte man einen Soldaten der bei der Heeresgruppe Mitte,Smolensk,Briansk verstorben ist nach Apscheronsk in den Kaukasus (ca 1500km) umbetten wollen.....

    Kann es sein, dass es sich um einen anderen Rymer handelt,oder eine andere Einheit....??


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Hallo Systemlord,


    die von Dir identifizierten Orte dürften schon stimmen, auch ich vermute, dass nicht Krimskoje sondern Klinskoje gemeint ist.


    Bei dem von Dir nachgewiesenen Gedenkstein dürfte es sich eher um eine Gedenkstätte für sowjetische Soldaten handeln, eine Vermutung, die noch verifiziert werden müsste.

    Es war durchaus üblich bei der Wehrmacht Feld- und Heldenfriedhöfe anzulegen, die sich oftmals an Orten befanden, wo viel gestorben wurde (Feldlazarette, HVP etc.), auch gab es in Frontabschnitten mit wenig Bewegung Divisionsfriedhöfe.

    Diese Friedhöfe wurden beim Zurückweichen der Front regelmäßig durch die Wehrmacht geschleift.

    Aus dem Gesagten lässt sich ziemlich sicher ableiten, dass dort nicht an deutsche Soldaten gedacht wird.


    Gruß


    Paul


    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • was mich stutzig macht, warum sollte man einen Soldaten der bei der Heeresgruppe Mitte,Smolensk,Briansk verstorben ist nach Apscheronsk in den Kaukasus (ca 1500km) umbetten wollen.....

    Kann es sein, dass es sich um einen anderen Rymer handelt,oder eine andere Einheit....??

    Hallo,


    hatte bei mir in der Verwandtschaft einen ähnlichen Fall.


    Es handelte sich um einen Ort, von dem man annahm, er läge in der Nähe von Reshew, dort ist der Vermisste auch im Gedenkbuch verzeichnet. Nach intensiver Suche u.a. mit Hilfe von KTBs des Verbandes konnten wir herausfinden, dass es einen Ort gleichen Namens bei Juchnow gab, dort passte dann Zeitraum und Einheit.


    Gruß


    Dieter

  • Hallo Zusammen


    Seitens des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge liegt und bereits die Meldung
    vor, dass die namentliche Ehrung für Alois Rymer auf dem Sammelfriedhof in
    Apscheronsk/ Russland veranlasst wird.
    Diese Form der Ehrung erfolgt für ehemalige Wehrmachtsangehörige, deren sterbliche Überreste bei den Umbettungsarbeiten nicht mehr identifiziert werden können,
    die also unter den Unbekannten umgebettet wurden, sowie in den Fällen, wo sterbliche Überreste im Ausbettungsbereich der jeweiligen Friedhofsanlage nicht oder voraussichtlich nicht mehr zu bergen sind.


    Damit ist die Sache eigentlich geklärt


    Bei den Erstgrablagen ist mir das auch schon mehrmals aufgefallen. Scheint so gängige Praxis beim VDK zu sein. Da spielt die Entfernung keine Rolle.


    Gruß Stefan

  • Hallo Zusammen,


    Vielen Dank erstmal für die konstruktiven Beiträge.

    Auf der Lagekarte vom 05.09.1943 sind zwei Räume der 383.Inf.Div. eingezeichnet (Teile und Masse 383.Inf.Div.), ich vermute mal bei dem kleineren Teil dürfte es sich um eine Kampfgruppe gehandelt habe ...

    Das ist auch noch so ein ungeklärter Bereich. Gem. dem KTB Nr. 6 der 292. ID ist ihr am 31.08.43 das vstk. GrenRgt 532 (das Rgt meines Urgroßvaters) und Teile A.R. 383 und PiBtl 383 sowie II./A.A. 620 unterstellt worden. Diese scheiden aber bereits am 01. bzw. 02.09. wieder aus.

    Danach wird die Div nur noch durch A.A. 616 unterstützt.

    was mich stutzig macht, warum sollte man einen Soldaten der bei der Heeresgruppe Mitte,Smolensk,Briansk verstorben ist nach Apscheronsk in den Kaukasus (ca 1500km) umbetten wollen.....

    Ja, das hat mich bei meinen ersten Nachforschungen beim Volksbund auch überrascht, und darum bin ich damals auch noch nicht wirklich weiter gekommen.

    Mittlerweile denke ich, dass aufgrund der Nennung von "Krimskoje" als Grablage diese wohl fälschlicherweise in den Kubanbrückenkopf verlegt wurde. Dort gab es ein Krymskaja (heute Krimsk) nördlich von Noworossiysk. Und dafür wäre Apscheronsk der passende Sammelfriedhof.

    Ich werde mich auf jeden Fall nochmal an den Volksbund wenden. Evtl. wurde einfach an der falschen Stelle gesucht.

    Bei dem von Dir nachgewiesenen Gedenkstein dürfte es sich eher um eine Gedenkstätte für sowjetische Soldaten handeln, eine Vermutung, die noch verifiziert werden müsste.

    Ja, das vermute ich auch. Aber ich könnte mir denken, dass nach dem Ausweichen der Wehrmacht ein vorher genutzter HVP evtl. durch die Rote Armee weiter genutzt worden ist. Und dementsprechend evtl. Deutsche und russische Grablagen nahezu identisch sind.

    Aber das ist natürlich reine Spekulation...


    Grüße

    Claas

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

    Edited once, last by Systemlord ().

  • Hallo zusammen,


    Quote

    Ich werde mich auf jeden Fall nochmal an den Volksbund wenden. Evtl. wurde einfach an der falschen Stelle gesucht.

    Paul Spohn hat mich auf einen evtl. ehem. Friedhof aufmerksam gemacht, dafür nochmal danke.

    Mit diesen Informationen habe ich mich nochmal an den Volksbund gewandt, aber bisher keine Antwort erhalten. Aber gut Ding will Weile haben.


    In der Zwischenzeit versuche ich die letzten Tage meines Urgroßvaters zu rekonstruieren, auch weil die Lagekarte vom Todestag anscheinend nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

    Dazu bin ich noch auf der Suche der NARA Rollen T314 R1087 und R1090 (KTB Nr. 8, XLVI. PzKorps) und T315 R2181 und R2182 (KTB Nr. 5 der 383. ID).

    Sollte die jemand zugänglich haben würde ich mich sehr freuen, wenn ich da mal einen Blick rein werfen dürfte.


    Gruß

    Claas

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo Uli,


    ja das habe ich schon gesehen.

    4 Rollen wären halt schon ne Menge Asche...

    Ich habe, glaube ich, irgendwo gelesen, dass die Originalakten wieder bei Bundesarchiv liegen. Ist dem so? Dann würde ich vielleicht da mal vorbei schauen. Das wäre auf jeden Fall zunächst die günstigere Variante.


    Gruß

    Claas

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo Claas


    ja, das ist korrekt, aber die Kopien in Freiburg sind auch nicht billig.

    Habe mir mal eine andere Liste angeschaut, aber auch da tauchen sie nicht auf.

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Hallo Claas ,


    ich weiß ja nicht ob du sämtliche KTB von der 383.ID haben willst oder nur der Zeitraum für dich wichtig ist in der dein Urgroßvater gefallen ist.

    Sollte es nur der Zeitraum September 1943 sein, wäre es bedeutend billiger sich an das Bundesarchiv zu wenden.


    Viele Grüße Micha

    Suche alles zur 208.Infanterie-Division

  • Hallo zusammen,


    Ich bin bei meiner Rekonstruktion ein kleines Stückchen weiter gekommen.

    Die räumliche Orientierung scheint soweit zu stimmen.


    Den Ic Meldungen des AOK 9 an die Heeresgruppe Mitte konnte ich weitere Angaben zum Todestag meines Urgroßvaters entnehmen.


    So verlief die Nacht vom 04.09. auf den 05.09. wohl relativ ruhig. Und die 383. ID befand sich in der Absetzbewegung auf die Linie "Anni".

    Ein bevorstehender Angriff wurde jedoch aufgrund beobachteter Feindbewegungen und Aussagen von Überläufern erwartet.


    Zwischenmeldung IC 04.09.43.JPG


    Morgenmeldung IC 05.09.43.JPG


    Morgenmeldung_Nachmeldung IC 05.09.43.JPG



    Um 0530Uhr am 05.09. begann dann ein Angriff auf die Stellungen der 383. ID. Die Linie Westrand Wald 3km WSW Gremjatscheje - Westrand Ssytschewka - Herzhöhe konnte gehalten werden. Ssytschewka fiel damit dem Feind in die Hände. Am Nachmittag folgten weitere Angriff auf die Herzhöhe und Höhe 246,9. Diese wurden abgewährt.


    Zwischenmeldung IC 05.09.43.JPG


    Bei der Abwehr der Angriffe am 05.09. muss mein Urgroßvater im Endeffekt tödlich durch Granatsplitter verwundet worden sein.


    Damit war er einer von insgesamt 284 Gefallenen, Verwundeten und Vermissten Soldaten der 383. ID im Zeitraum vom 01.bis 10.09.1943.


    Verluste AOK 9 1.-10.9.43.JPG


    Das bringt mich nun zu weiteren Fragen:

    Wo befanden sich Höhe 246,9 und Herzhöhe?

    Und wo Lag die Linie Anni?


    Gruß Claas

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Nochmal Hallo zusammen,


    Ich denke meine erste Frage kann ich doch selbst beantworten.


    Ich habe eine russische Karte im Maßstab 1:100000 gefunden, mit deren Hilfe wohl etwas mehr Licht ins Dunkel kommt.


    n36-118 russian map.JPG


    Wenn man sich mal den Bereich zwischen Sychovka und Ruzhnoye anschaut, fallen zwei trigonometrische Höhenpunkte auf.

    Der Punkt 247,9 ostwärts Ruzhnoye und der Punkt 240,2 südlich von Ruzhnoye. Ich vermute der Punkt 247,9 ist die Höhe 246,9 und der Punkt 240,2 die sog. Herzhöhe.

    Das diese Punkt wichtig waren, erkennt man auch wenn man mal mit StreetView darauf schaut.

    Der Blick aus Höhe 246,9 in Richtung Herzhöhe, zeigt sehr gut, welchen taktischen Vorteil das Halten dieser Höhen hatte. Es heißt ja nicht umsonst: Wer die Höhe hat, hat auch das Tal.

    Herzhöhe.jpg


    Daraus folgere ich für mich, dass der Frontverlauf am Abend des 05.09.43 im Bereich der 383. ID in etwa so aussah:


    n36-118 russian map_Lage.JPG

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Dank Google Maps ist es auch möglich sich etwas um zu schauen. Im nördlichsten (virtuell) zugänglichen Teil entdecke ich ein verfallenes Holzhaus und daneben eine kleine Gedenkstelle. Leider ist der Stein nicht zu entziffern.

    Klinskoye Nordausgang.JPG

    Hallo zusammen,


    Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es sich hier vmtl. um die Grablage/Gedenkstelle von 22 russischen Soldaten handelt.

    Die Namen der Soldaten sind hier zu finden: https://pamyat-naroda.ru/memorial/burial.php?id=260252386

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Hallo nochmal,


    Ich hoffe man nimmt es mir hier nicht übel, dass ich meinen eigenen Thread so zuspamme.

    Aber ich denke die gewonnenen Erkenntnisse sollten an einem Ort gesammelt bleiben, und mir hilft es ungemein, dass ich diese hier sammeln kann.

    Und evtl. findet ja der Eine, oder Andere, das ebenso spannend wie ich.

    Daraus folgere ich für mich, dass der Frontverlauf am Abend des 05.09.43 im Bereich der 383. ID in etwa so aussah:


    n36-118 russian map_Lage.JPG

    Ich habe eine russische Lagekarte vom 05.09.2019 gefunden. Und die bestätigt diesen Verlauf im wesentlichen.

    Ausschnitt 05.09.43 russ.JPG


    Und was für mich noch wichtiger ist, ich habe jetzt einen Anhaltspunkt auf die 11. Garde-Schützendivision, welche der 383.ID im Bereich Ssytschewka-Klinskoje gegenüber stand.


    Ich habe hier auch, so vermute ich zumindest, einen Teil des KTB dieser Division gefunden. Leider kann ich es noch nicht lesen, aber vielleicht findet sich jemand, der mir das übersetzen kann.

    00000091-min.jpg  00000092-min.jpg  00000093-min.jpg


    Außerdem bin ich auf eine (Angriffs)Skizze aus dem fraglichen Zeitraum gestoßen. Was ist darauf zu sehen/lesen?


    rsz_00000052.jpg



    Alle Unterlagen stammen aus folgender Quelle: https://pamyat-naroda.ru/documents/

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

  • Ich habe hier auch, so vermute ich zumindest, einen Teil des KTB dieser Division gefunden. Leider kann ich es noch nicht lesen, aber vielleicht findet sich jemand, der mir das übersetzen kann.

    00000091-min.jpg  00000092-min.jpg  00000093-min.jpg

    Hallo zusammen,


    Mittlerweile habe ich die Übersetzung erhalten.

    Im KTB der 11. GSD steht folgendes:


    "4.9.1943


    (handschriftl. Vermerk: – 52 –)


    Um 00.30 übernahm das Garde-Schützenregiment 33 vom Bataillon 3 des Garde-Schützenregiments 77 der 26. Garde-Schützendivision den Abschnitt: rechts – unbenannter See, Südwestrand ZURIKOWO, links – Pfad 600 m südl. davon; das Garde-Schützenregiment 27 übernahm um 02.00 den Abschnitt: links vom Garde-Schützenregiment 33, Pfad rechts, links – Beugung der voll ausgezogenen Höhenlinie 500 m östl. GREMJATSCHEJE; Garde-Schützenregiment 40 übernahm für Garde-Schützen­regiment 27 östl. von unbenanntem Wasserlauf 500 m.


    Um 10.00 erging der Gefechtsbefehl Nr. 09/OP des Kommandeurs des 16. Korps: „11. Rotbanner-Garde-Schützendivision mit einem Bataillon des Motorisierten Regiments 545 und Korpsartillerieregiment 1165 greift an mit dem nächsten Auftrag: Einnehmen des Abschnitts: Höhe 216,7, nachfolgend Einnehmen von KOLPATSCHËK“.


    Grenzen: rechts – RESANKA, (ausschl.) ZURIKOWO, (ausschl.) SYTSCHËWKA, MOLIDA am Nordwestrand von KOLPATSCHËK; links – Pkt. 205,3, Garten südwestl. 500 m. RJASANKA, Kirche in GREMJATSCHEJE (ausschl.) Pkt. 208,2 (ausschl.) nördlicher Ortsrand PLASTOWOJE, KOLPATSCHËK.


    Die Gefechtsgliederungen der Divisionstruppenteile sind in zwei Staffeln aufgebaut. Garde-Schützen­regiment 33 – rechts – Schützenbataillon 3, links – Schützenbataillon 1, rechts rückwärts hinter Schützenbataillon 3 – Schützenbataillon 2; Garde-Schützenregiment 27 – 1. Staffel – rechts – Schützenbataillon 1/ links Schützenbataillon 3, links rückwärts hinter Schützenbataillon 3 – Bataillon 2.


    Frontbreite des Angriffsstreifens der Division: 1 500 m. Garde-Schützenregiment 40 in zweiter Staffel hinter Garde-Schützenregiment 27.


    Grenzen der Regimenter: Garde-Schützenregiment 33 – rechts – Divisionsgrenze, links – südwestl. Ortsrand RESANKA, Wege- und Straßeneinmündung nordöstl. GREMJATSCHEJE 500 m, gegabelte Schlucht 50 m Nordwestrand GREMJATSCHEJE, Wegbiegung 200 m südwestl. Pkt. 216,7.


    Artilleriegruppierung. Infanteriebekämpfungsgruppe – 11 – Korpsartillerieregiment 1165. Infanteriebekämpfungsgruppe – 27 – Bataillon 2 des Garde-Artillerieregiments 30 und Artillerie des Garde-Schützenregiments 40. Im direkten Richten – 3 Geschütze 76 mm der Divisionsartillerie, 4 Geschütze 76 mm der Regimentsartillerie, 11 Geschütze 45 mm.


    Infanteriebekämpfungsgruppe – 33 – Bataillon 1 des Garde-Artillerieregiments 30, Bataillon 1 des Motorisierten Regiments 545. Im direkten Richten – 3 Geschütze 76 mm der Divisionsartillerie, 3 Geschütze 76 mm der Regimentsartillerie, 8 Geschütze 45 mm.


    Am Tag stellten die Divisionstruppenteile die Ordnung wieder her, reinigten Waffen, beobachteten den Feind und hemmten mit Gewehrfeuer seine Bewegung sowie die Durchführung von Verteidigungsarbeiten.


    Abends klärten die Aufklärungsgruppen der Garde-Schützenregimenter 27 und 33 den gegenüberliegenden Feind auf. Ein Zug der 9. Aufklärungskompanie führte auf Befehl des Befehlshabers der 11. Garde-Armee eine nächtliche Suche im Raum der Höhe 246,9 durch.



    5.9.1943


    Vor der Divisionsfront verteidigt sich der Feind mit Kräften des Infanterieregiments 453 und der 253. Infanteriedivision im Abschnitt: Straße 1 km östl. Pkt. 214,0, Wege- und Straßeneinmündung 500 m nordöstl. GREMJATSCHEJE, Ostrand GREMJATSCHEJE, Pkt. 193,9 und weiter nach Süden. Nachts intensives feindliches Artillerie- und Granatwerferfeuer. Zwei Artillerieangriffe auf den Divisionsgefechtsstand. Der Gehilfe für materiell-technische Sicherstellung des Kommandeurs und der Leiter Finanzen des selbständigen Gebirgsjägerbataillons 15 wurden getötet. Ein Offizier und ein Mannschaftsdienstgrad wurden verletzt. Um 04.00 unternahm der Feind einen Feuerüberfall mit allen Waffenarten gegen die vordere Linie der Verteidigung und in die Tiefe des Angriffsstreifens der Division.


    Eine Aufklärungsgruppe des Garde-Schützenregiments 27, die in Richtung GREMJATSCHEJE operierte, nahm einen Gefangenen. Der Gefangene ist der Unteroffizier Ludwig Mischer von der 6. Kompanie des Infanterieregiments 458 der 253. Infanteriedivision. Er sagte aus, dass die Division den Abschnitt vom Fluss SNESCHET’ im Rayon BELYJE BEREGA bis zum Fluss NAWLJA südl. von GREMJATSCHEJE verteidigt.


    Die Aufklärungsgruppe der 9. Aufklärungskompanie, die in Richtung der Höhe 246,9 im Einsatz war, blieb erfolglos. Die Aufklärungsgruppe schlug Gassen in Minenfelder und in eine Drahtsperre des Feindes und erreichte dessen Schützengräben. Der rechte Sicherungstrupp bemerkte einen Soldaten im Graben und sprang hinein, um ihm den Weg abzuschneiden. Die Brustwehr erwies sich als vermint. Durch die Detonation starb ein Aufklärer, 6 wurden verwundet. Nach einem Schusswechsel mit dem Feind zog sich die Aufklärungsgruppe zurück.


    Die Aufklärungsgruppe des Garde-Schützenregiments 33 näherte sich unter einer Artilleriekanonade des Feindes dessen Schützengräben an und brach um 04.20 in sie ein. Eine kleine Gruppe von Soldaten zerstreute sich. Die Aufklärer liefen in verschiedene Richtungen, machten aber keinen Feind aus, was sie unverzüglich dem Regimentsstab meldeten.


    Um 05.00 begannen Divisionstruppenteile, dem zurückweichenden Feind nachzusetzen, wobei sie unterwegs auf Widerstand einiger MPi-Schützengruppen und MG-Nester stießen. Aus Richtung der Punkte 214,0 und 208,2 führte der Feind starkes Gewehrfeuer. Feindliches Artillerie- und Granatwerferfeuer vom Westrand SYTSCHËWKA und aus der Schlucht 1 km südwestl. davon.


    Gegen 08.00 erreichte das Garde-Schützenregiment 33 den Abschnitt 500 m östl. SYTSCHËWKA, das Garde-Schützenregiment 27 säuberte GREMJATSCHEJE von feindlichen MPi-Schützen. Um 08.30 begann der Feind aus der Schlucht nordöstl. SYTSCHËWKA einen Gegenangriff gegen die Flanke des Garde-Schützenregiments 33 mit Kräften in Stärke einer Kompanie MPi-Schützen. Der Gegenangriff wurde abgewehrt.


    Um 10.00 erreichten Truppenteile den Abschnitt Westrand SYTSCHËWKA, Pkt. 223,3, 1,5 km südwärts. In SYTSCHËWKA wurden 4 Geschütze erbeutet. Die Truppenteile begannen in diesem Abschnitt Ordnung herzustellen und die Artillerie heranzuführen mit dem Ziel, den Angriff weiter voranzutreiben und die Front nach Nordwest zu lenken. In den Grenzen SYTSCHËWKA, Höhe 209,4 – rechts; Pkt. 223,3, Pkt. 215,7 – links. Angriff in Richtung KLINSKOJE.


    Um 12.00 setzten die Divisionstruppenteile den Angriff fort. Gegen 13.00 rückte das Garde-Schützen­regiment 33 bis zur Linie des Weges 1 km westl. SYTSCHËWKA vor; das Garde-Schützenregi­ment 27 bis an den Südosthang der Höhe 216,7; das Garde-Schützenregiment 40, mit dem rechten Flügel an den südl. Ortsrand SYTSCHËWKA gelehnt, rückte bis zum Abschnitt Straße SYTSCHËWKA – Pkt. 223,3 vor.


    In diesem Abschnitt wurde der Angriff der Divisionstruppenteile von starkem Gewehr- und Artillerie- und Granatwerferfeuer aufgehalten. In der Schlucht 1 km nördl. SYTSCHËWKA sammelt sich bis zu einem Bataillon feindlicher Infanterie. In der Schlucht 500 m nördl. Pkt. 216,7 sammeln sich Kräfte bis in Kompaniestärke der feindlichen Infanterie, auf der Höhe mit der Geländemarke 215,7 wurde Bewegung von 3 Kampfpanzern und 8 selbstfahrenden Geschützen festgestellt.


    (handschriftl. Vermerk: – 53 –)


    Am Kampftag wurden 6 Feindgeschütze erbeutet (davon 2 defekt) und 95 Offiziere und Soldaten liquidiert.


    Rechts im Raum von Pkt. 215,8 kämpft die 1. Garde-Schützendivision. Links entlang des Nordufers der NAWLJA greift die 26. Garde-Schützendivision an.


    6.9.1943


    Um 06.00 begannen die Divisionstruppenteile den Angriff, nachdem sie über Nacht die Kräfte umgegliedert und Munition herangeführt hatten. Sie trugen Verwirrung in die Kampfordnung des Feindes und zerstreuten mit Artillerie- und Granatwerferfeuer und dem Feuer der Handwaffen die Infanterie, Teile brachen in die Schützengräben ein und verdrängten den Feind von den eingenommenen Linien. Sie nahmen die Höhe 216,7. Gegen 09.00 rückten die Divisionstruppenteile vor zur Linie: Garde-Schüt­­zen­regiment 33 – 1 km nordöstl. des Kolchos Proletarskij Oktjabr’, Garde-Schützenregiment 40 – Osthang der Schlucht 1,5 km westlich des Kolchos Proletarskij Oktjabr’, Garde-Schützenregiment 27 – Senke 1,5 km östl. von KOLPATSCHËK.


    An dieser Linie wurden die Truppenteile der Division umgegliedert. Das Garde-Schützenregiment 40 wurde ins Gefecht eingeführt, das Garde-Schützenregiment 33 in die zweite Staffel zurückgezogen. Nach Heranführung der Artillerie für die direkte Feuerführung begannen die Divisionstruppenteile erneut, den Angriff in Richtung KLINSKOJE auszuweiten und leiteten gegen 12.00 ein Gefecht im Abschnitt KLINSKOJE, POGREBKI, KOLPATSCHËK ein. Um 13.00 nahm das Garde-Schützenregiment 27 das Dorf POGREBKI ein, das Garde-Schützenregiment 40 – KLINSKOJE, und das Garde-Schützenregiment 33 erreichte 500 m östl. das Dorf WOSROSCHDENIJE gemeinsam mit den Garde-Schützenregimentern 40 und 27.


    Um 14.00 erhielten die Divisionstruppenteile eine neue Richtung für den Angriff. Die Division hatte den Auftrag erhalten, die Angriffsrichtung zu ändern und anzugreifen in dem Streifen: rechts – KLINSKOJE, PRIJUTOWKA, NIKOLAJEWKA (ausschl.) Kolchos Perwomajskij; links – KOLPATSCHËK, SOKOLOWO, KALINOWKA, ALJËSCHINKA.


    Nach Umgliederung der Kräfte begann die Division um 15.00 den Angriff und nahm gegen 17.00 folgenden Abschnitt ein: Garde-Schützenregiment 40 – westl. Waldrand 300 m östl. von Pkt. 214,4, Garde-Schützenregiment 27 – Westrand SOKOLOWO, Garde-Schützenregiment 33 – im Abschnitt – einzelnes Waldstück 1,5 km nördl. SOKOLOWO, Schule SOKOLOWO.


    Der Feind verstärkte das Artillerie- und Granatwerferfeuer sowie das Gewehrfeuer. Da die Divisionstruppenteile den Feuerwiderstand des Feindes nicht brechen konnten, begannen sie sich in den eingenommenen Abschnitten festzusetzen, die Artillerie nachzuziehen und Munition heranzuführen.


    Im Raum der Station Proletarskij Oktjabr’ wurde bei einem getöteten deutschen Soldaten ein Buch gefunden, in dem stand, dass sich vor der Divisionsfront das Infanterieregiment 532 der 383. Infanteriedivision verteidigt. Der Nachbar zur rechten – 1. Garde-Schützendivision – fand bei einem getöteten Offizier den Plan der Verteidigung im Abschnitt: KLJUKOWNIKI, NIKOLAJEWKA, MAL. MURAWLJËWKA, BJAKOWO. Um Zeit zur Verstärkung des Verteidigungsabschnitts KLJUKOWNIKI – BJAKOWO zu gewinnen, leistet der Feind starken Widerstand im Abschnitt Pkt. 209,1, 213,0. Vor der Divisionsfront feuern eine Batterie Sechslingswerfer [„Nebelwerfer“, Anm. d. Übers.] und eine große Wurf- und Granatwerfermaschine. In den Schluchten südöstl. Pkt. 207,1 wurde eine Ansammlung feindlicher Infanterie festgestellt."



    Das hilft mir bei der Suche nach der Grablage meines Urgroßvaters, wie erwartet, nicht wirklich weiter, lässt mich aber die Todesumstände besser verstehen.

    Kann mir irgend jemand von euch die Karten des russischen Generalstabes 1:50000 N36-118-A und N36-118-B besorgen aus der Zeit um 1943? Ich habe zwar die N36-118 in 1:100000 vorliegen, aber damit komme ich nicht wirklich weiter und die moderneren Versionen bringen mich nicht voran.

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

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  • Hallo nochmal,


    Da in Zeiten von Corona, ein Besuch beim BAMA erstmal flach fällt, werde ich mich weiter mit den Ereignissen am 05.09. aus Sicht der Roten Armee befassen.

    Da ich noch immer nicht genau weiß, wo die 383. ID mit dem GrenRgt 532 im Raum Ssytschewka-Klinskoje eingesetzt war. Ist mir bisher nur bekannt, dass Sie entweder der 1. oder 11. Garde-Schützendivision (evtl. auch der 26.) des 16. Garde-Schützenkorps der 11. Garde-Armee gegenüberstand. Im bereits vorher gezeigten KTB der 11.GSD findet sich kein Hinweis auf die 383. ID


    Aus dem KTB der 11. Garde-SchützenArmee kann man jedoch zu den Abläufen folgendes entnehmen:


    Bericht 11.GSA_3 -min.jpg Bericht 11.GSA_4 -min.jpg

    Zur 1. Garde-Schützendivision habe ich kein KTB, aber zwei Kampfberichte vom 05.09.1943:


    Der erste von 11.00 Uhr des 05.09.1943


    Kampfbericht 1. GSD 5.9..jpg


    Und der zweite von 16.00 Uhr des 05.09.1943.

    Einsatzbericht 1. GSD 5.9..jpg


    Ich konnte auch endlich die passenden 1:50000 Karten N-36-118-A und N-36-118-B finden, mit deren Hilfe sich das Geschriebene besser nachvollziehen lässt.

    Anbei ein Auschnitt aus N-36-118-B:


    ausschnitt 1.gsd 5.9..JPG

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.

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  • Hallo zusammen,


    Nachdem jetzt die Gräberkarteikarten bei Ancestry einsehbar sind. Hänge ich sie der Vollständigkeit halber hier mit dran.

    Daraus folgen zwei neue Erkenntnisse:

    1. Mein Urgroßvater verstarb, wie bisher vermutet, am HVPL.

    2. Er erlag der Verwundung am 05.09.43 um 11.00 Uhr.

    Files

    Gruß Claas


    Ich Suche alles über die 383. ID, speziell GrenRgt 532.