Kriegsgefangenschaft meines Vaters 1944-1946 (Normandie, Frankreich, USA)

  • Hallo Forum,


    mein Vater wurde am 28.8.1944 in der Normandie (bei Soissons) von einer US-Einheit gefangen genommen.

    Erst am 16.9.1944 gab es ein Aufnahmeformular ("Prisoner of war preliminary record") in einem POW-Lager U-102 (keine Ahnung, wo das war, dazu habe ich nirgends Infos gefunden!).

    Seine ISN war 31G-800159, er war Leutnant im Pz.Gr.Rgt. 2.

    Am 25.9.1944 wurde er in eine "evcuation zone of intern" verlegt/zugeteilt.

    Erst am 22.2.1946 kam er in das CCPWE #15 bei Attichy und am 26.2.1946 in das CCPWE #17 bei Stenay - das ist dokumentiert.

    Am 2.4.1946 wurde er entlassen.:)

    Aber die Zeit zwischen Sept.1944 und Februar 1946 muss er in einem POW-camp vermutlich in den USA verbracht haben.


    Ich habe dazu schon im Jahr 2017 bei WASt angefragt, die haben mir die Kopie des oben erwähnte Formular geschickt (kann ich bei Interesse gerne hochloaden)

    und können aber keine nähere Ortsangabe zur Überführung nach Amerika machen.


    Sagt euch das POW-Lager U-102 etwas ?

    Oder habt ihr vielleicht Kenntnis von Überführungen aus Frankreich nach Amerika in diesem Zeitraum ? Wie das abgelaufen ist ?


    Danke für Hilfe und Information jeder Art.


    Grüße aus Wien

    Harald

  • Guten Tag ans Forum und an den Anfragenden,


    ich kenne ein Soissons, das zwischen Compiègne und Reims in der Picardie liegt. In der Normandie ist mir ein Soissons unbekannt.

    Zum Verschiffen von deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich nach Großbritannien und von dort aus in die USA braucht man einen Seehafen ("evacuation zone if intern"), die natürlich zur Verfügung standen.

    Die Lagernummer 102 passt zum Lager Llanddarog / Carmathen / Wales /Großbritannien. Von dort aus wurden auch amerikanische Kriegsgefangene in die USA weitergeleitet.

    Falls noch nicht bekannt: CCPWE stand für "Continental Centrals Prisoners of War Enclosures", also für amerikanische Kriegsgefangenenlager in Frankreich.

    Die Gefangenennummer des Vater war übrigens auch eine amerikanische.

    In der Auskunft von der WASt müssten auch die Kriegsgefangenenlager in der USA aufgelistet sein, in denen Ihr Vater Ihrer Einschätzung nach gewesen sein kann.

    Aber möglicherweise ja auch nicht. Er mag von Frankreich aus nach Großbritannien gebracht worden sein und dann wieder nach Frankreich zurück. Das alles unter Regie der amerikanischen

    Gewahrsamsmacht.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    danke für die Antwort.

    Es tut mir leid, mit Soissons habe ich natürlich jenes in der Picardie gemeint; der Verweis auf die Normandie war zwar Anlass bezogen, aber örtlich falsch.?(

    Und auch danke für den Hinweis betr. CCPWE, war mir bereits bekannt.

    Die WASt hat die POW camps leider nicht aufgelistet, lt. WASt wurde mein Vater "am 25.09.1944 übergeführt nach Amerika", aber "ein Camp ist in den Unterlagen nicht verzeichnet".

    Das hat die Existenz eines US camps vermuten lassen. Aber das Lager Llanddarog könnte passen, wobei die Benennung mit U-102 für mich nicht verständlich ist.

    Wenn Llanddarog stimmt, dann wäre er die ganze Zeit (1944-1946) in Wales gewesen? Das würde den vagen Erinnerungen meiner Mutter widersprechen, die früher oft von einem Lager in Amerika gesprochen hat; aber vielleicht war das ein örtliches Missverständnis.

    Jedenfalls eine interessante Sicht, an die ich die bisher nicht gedacht habe.


    Vielen Dank und Grüße aus Wien


    Harald

  • Hallo Peter,


    Zum Verschiffen von deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich nach Großbritannien und von dort aus in die USA braucht man einen Seehafen ("evacuation zone if intern"), die natürlich zur Verfügung standen.


    wieso ist eine "evacuation zone of intern" ein Seehafen ? Ich dachte hier eher an eine Spitals- oder sonstige med. Stelle.


    Grüße

    Harald

  • Hallo,


    Quote


    "evcuation zone of intern"

    heißt korrekt evacuation zone of interior, zone of interior bezeichnet das Staatsgebiet der USA.


    Grüße

    Thilo.

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    danke für die Erklärung.

    Jedes Ergebnis nach einer Google-Suche für " evacuation zone of interior" liefert mir Angaben zu "The Medical Department: Hospitalization and Evacuation, Zone of Interior".

    Leicht verwirrend.

    Wenn es sich dabei aber tatsächlich um das Staatsgebiet der USA handelt, dann wäre mein Vater im September 1944 in die USA verschifft worden, oder sehe ich das jetzt falsch ?


    Grüße

    Harald

  • Hallo Harald,


    mach' es doch nicht komplizierter als es ist!


    Der Vermerk "Evac. to Z. I." bedeutet schlicht und ergreifend, dass der Betreffende in die USA verschifft wurde! Wann genau und wohin in den USA ergibt sich aus den Unterlagen in der Kriegsgefangenenakte, soweit diese in Berlin (vollständig) vorliegt.


    Mit etwas Glück ist auf einem der Dokumente auch der Geleitzug genannt, mit dem er die Passage gemacht hat.


    Vielleicht stellst Du doch die Kopie der DD/WASt einfach mal hier ein - u. U. findet sich ja ein weiter führender Hinweis darin.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • N'Abend Harald,


    besten Dank für's Hochladen der Unterlagen.


    Der am. PoW Preliminary Record ist leider nicht besonders aussagekräftig, da nur ein vorläufiges und sehr frühes Dokument. Interessanter wäre der am. Basic Personnel Record, der neben zwei Lichtbildern des Gefangenen auf der Rückseite auch Angaben dazu enthält, woher der Gefangene kam und wohin er verbracht wurde (Lager in den USA!). In der gleichen Tabelle sind auch eventuelle Versetzungen in andere Lager aufgeführt.


    Auf der Dir vorliegenden Kopie des am. PoW Preliminary Record ist unten ein schmaler Zettel angeheftet mit dem Vermerk "EVAC. ZI. 25 SEPT. 44" - auf diesem Zettel in der Akte eines meiner Onkel befindet sich auch noch ein handschriftliches Kürzel, dass sich mir erst Jahre später als die Bezeichnung des Geleitzugs offenbart hat, mit dem er seine Reise in die USA angetreten hatte! Weiterhin wird hier auch nur noch vermerkt, dass und wann er den Briten übergeben wurde (mit einem weiteren handschriftlichen Kürzel, das vermutlich auch die Bezeichnung des Nachkriegs-Schiffstransports angibt) - Lager werden hier keine genannt, obwohl die Tabelle hierfür vorgesehen ist, wie man auch in Deinem Fall sieht ...


    Ih weiß nicht, wie das momentan in Berlin läuft, nachdem die DD/WASt dem BA angegliedert wurde. Aber vielleicht hilft ein Anruf beim Sachbearbeiter/bei der Sachbearbeiterin mit der Bitte um Überprüfung, ob sich in den Unterlagen zu Deinem Vater nicht doch auch noch der am. Basic Personnel Record befindet - der könnte für Klarheit sorgen ...


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Auch guten Abend Stefan,


    danke für Deine wirklich genaue Überprüfung der PoW Preliminary Record. Ich werde dazu mit der DD/WASt Kontakt aufnehmen und sie auf diese Dinge hinweisen.

    Vielleicht haben sie noch detailliertere Unterlagen als sie bei einer Erstanfrage bekannt geben. Mal sehen.


    Grüße aus Wien

    Harald

  • Hallo Harald,


    wenn du von der WASt eine Antwort bekommst, bitte lasse es mich wissen.


    Der Werdegang meines Großvater verlief auch so, nur dass es von ihm angeblich keine Unterlagen bezüglich Gefangennahme und Aufenthalt in den USA gibt. Hast du da extra noch einmal nachgefragt? Bei mir stand, dass die Originalunterlagen der Österreicher 1957 von den ZS-Behörden vernichtet wurden. Ich habe nur die Kriegsgefangenennummer der Amerikaner.


    Lg Michael

    Such alles über die 4. Batterie Fliegerabwehrkanone-Ersatz-Abteilung 8 und die 21. Kompanie Fallschirmjäger-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 1

  • Hallo Michael,


    ich habe mit der Informationsfindung mit WASt schon 2017 begonnen, hat damals einige Monate gedauert, war aber fürs Erste ganz ergiebig.

    Leider gab es zum Thema Kriegsgefangenschaft sehr wenige Infos, erst auf erneute Nachfrage habe ich den oben zitierten Preliminary Record erhalten. Der ist zwar wahnsinnig interessant, aber

    mangels genauerer Details doch zu wenig. Ich bin aktuell bei der neuen BD (exWASt) mit einer neuen Anfrage daran.

    Sollte ich eine Antwort bekommen, stelle ich sie hier rein.


    Grüße

    Harald

  • Lieber Harald,


    ich werde es genauso machen wie du und nach dem Preliminary Record dem und Basic Personnel Record fragen.


    Lg Michael

    Such alles über die 4. Batterie Fliegerabwehrkanone-Ersatz-Abteilung 8 und die 21. Kompanie Fallschirmjäger-Ersatz- und Ausbildungs-Regiment 1

  • Hallo, Harald,



    Ich bin Archäologe in Frankreich, wo ich kürzlich an der Ausgrabung des Gefangenenlagers von Stenay (Maas) gearbeitet habe, das CCPWE n°17 genannt wurde und in dem Ihr Vater inhaftiert war.


    In diesem Jahr muss ich die Studie über das Lager und die vielen Objekte, die bei der archäologischen Ausgrabung ausgegraben wurden, abschließen.


    Wenn Sie irgendwelche Dokumente, Fotos, Gegenstände oder Zeugnisse haben, wäre ich daran interessiert, sie für meine Studie zu sehen.


    Im Gegenzug würde ich Ihnen gerne alle Dokumente und Informationen über das Stenay-Lager zur Verfügung stellen.



    Grüße


    Frédéric Adam

  • Salut Frédéric,


    herzlich willkommen hier im Forum :)


    Wird die Studie (ich nehme an, damit ist der Grabungsbericht gemeint) veröffentlicht? Falls ja, wäre ich sehr daran interessiert.


    Cordialement


    Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo, Stephan,


    Der Suchbericht ist in Arbeit. Sie muss bis Ende des ersten Halbjahres 2021 abgeschlossen sein.

    In der Zwischenzeit ist jede Info über das Lager, in dem die Gefangenen sind, willkommen.

    Die Quelle der Informationen wird selbstverständlich im Bericht angegeben.


    Herzlichst

    Frédéric

  • Wenn Sie irgendwelche Dokumente, Fotos, Gegenstände oder Zeugnisse haben, wäre ich daran interessiert, sie für meine Studie zu sehen.


    Im Gegenzug würde ich Ihnen gerne alle Dokumente und Informationen über das Stenay-Lager zur Verfügung stellen.

    Hallo Frédéric,


    Ihre archäologischen Aktivitäten im Stenay sind natürlich sehr interessant. Wie Sie aus dem oben angeführten Preliminary Record meines Vaters entnehmen können, steht dort "#17 am 26.2.46". Daraus habe ich geschlossen, dass er am 26.2.46 aus Stenay entlassen wurde. Mehr Infos habe ich dazu leider nicht, auch keine Fotos.

    Das betrifft leider die gesamte Zeit seiner Kriegsgefangenschaft, die primär in den USA war und erst 1946 in Frankreich (Attichy, Stenay) geendet hat. Keine Doku, keine Fotos, auch DD/WASt konnte keine Ausklunft geben.

    Wenn Sie mir trotzdem Infos über Stenay zur Verfügung stellen würden, würde das mein Bild seiner Gefangenschaft klarer machen.


    Vorab vielen Dank und alles Gute für die Ausgrabungsarbeiten in Stenay.


    Beste Grüße aus Wien

    Harald

  • Hallo Frédéric,

    zum POW Lager STENAY habe ich zwar keine Fotos, Gegenstände etc. aber vielleicht hilft auch eine Information.

    Mein Vater war bei der 167. VGD und wurde am 13.1.1945 bei Bras-Bastogne gefangen. Von dort kam er ins Lager

    nach STENAY. In diesem Lager wurden er von Captains (österreichische Exilanten) zu den letzten Tagen der

    Kämpfe verhört und seine Daten aufgenommen. Er blieb in Lager für 2 Wochen und kam dann ins Lager ATTICHY, von dort ins

    Lager nach CHERBOURG. Erst in Cherbourg durfte er eine Rotkreuzkarte ausfüllen, die am 3. November 1945

    zu Hause ankam. Von Cherbourg ging es im Zug (Viehwaggon) nach Marseille ins Lager 404. Schließlich landete er in Amerika

    im POW-Lager Crossville.

    Vielleicht hilft diese Information etwas weiter.


    Beste Grüße aus Österreich

    Rehburg