Bewaffnung Vorpostenboot

  • Hallo zusammen!


    Nach dem völlig verkorksten Einstieg in dieses Forum heute Vormittag, der mir zu Recht eine "Kopfwäsche" des Administrators eingebracht hat, mache ich einen neuen Anlauf. Und zwar so, wie es sich tatsächlich gehören sollte... :saint:


    Zunächst nochmals ein freundliches Hallo!


    Ich bin neu im Forum und würde mich gerne hier einbringen. Ich beschäftigte mich seit geraumer Zeit mit der 61. Vp-Flottille, die im 2. Weltkrieg entlang der Polarküste im Geleitdienst eingesetzt war. Mein Großvater war dort Obersteuermannsmaat. Nun bin ich dabei, den Kriegsverlauf dieser Flottille nachzuzeichnen und eben auf der Suche nach Kopien relevanter originaler KTB (z.B. KSV, andere Flottillen,...). Ein wesentliches Thema ist natürlich auch die Auflistung der einzelnen Schiffe und deren Bewaffnung. Gröner gibt hier in seinem Buch über "Die deutschen Kriegsschiffe" zwar Hinweise, jedoch oft nur lückenhaft. Eine wertvolle Quelle dafür ist Skwiots "German naval guns 1939-45".


    Nun hoffe ich, dass man hier im Forum weiterhelfen kann und schicke gleich einmal ein Foto mit. Es stammt von V-6115 Helgoland und mir ist es nicht ganz klar, ob es sich beim vorderen Geschütz (das hintere ist wohl eine 3,7cm) tatsächlich um ein 8,8cm Decksgeschütz handelt. Auch ehemalige Angehörige der Flottille waren sich nicht sicher. Wer hat eine Idee? Vielleicht kann mir jemand helfen.


    Beste Grüße


    Ortwin

  • Hallo Ortwin,


    auch nach dem recht holprigen Einstieg von meiner Seite ein recht herzliches Willkommen im Forum.


    Meine Meinung nach ist auf dem Bild ein Geschütz 8,8 cm SK L/45 zu sehen. Im allgemeinen hatten die Vorpostenboote als Hauptbewaffnung auf der Back eine 8,8 cm stehen.


    Gruß

    Lothar

  • Hallo Ortwin,


    Dein Bild zeigt eine 8,8 cm Flak L/45 in MPL C/13, einen Veteranen aus dem ersten Weltkrieg.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch


    Ups, Lothar war schneller!

  • Hallo Lothar, hallo Schorsch,


    zunächst bin ich erfreut, dass das mit dem "Einstieg" doch noch geklappt hat. :) Dann vielen Dank für die Antworten!


    V-6115 war ja ein norw. Walfänger, der als Marineauslandsauftrag in Oslo 1943 gebaut wurde. Dann wurde die Kanone wohl von Deutschland nach Norwegen transportiert. Gröner schreibt, dass einzelne Boote eine 7,6cm Kanone L/40 Armstrong hatten. Woher kamen denn die dann her? War das überhaupt eine deutsche Kanone?


    Schöne Grüße


    Ortwin

  • Hallo Ortwin,


    leider gibt es bei den "Dergls" der Kriegsmarine so viele individuelle Unterschiede und Varianten in der jeweiligen Bewaffnung, dass allgemeingültige, definitive Aussagen nur schwer zu treffen sind. In den offiziellen Unterlagen der Kriegsmarine habe ich das Kaliber 7,62 cm bisher nur an zwei Stellen gefunden. In der M.Dv. 170 gibt es zwei Hefte, die sich mit Munition für Geschütze dieses Kalibers beschäftigen: das Heft 79 für die 7,62 cm Feldkanone 295/2 (r) (= 76-мм дивизионная пушка обр. 1902/30 гг) und das Heft 83 für eine 7,62 cm Flak Mounting (e). Beides also Beutegeschütze nichtdeutscher Herkunft, die aber von der Kriegsmarine eingesetzt wurden. Bis hierher also die gesicherten Daten. Jetzt meine Vermutungen bzw. Schlussfolgerungen: das sowjetische Geschütz kann für die Bewaffnung der von Dir genannten Fahrzeuge imho ausgeschlossen werden. Bleibt die Frage, was sich hinter dem anderen Eintrag verbirgt. Nach meinem Dafürhalten könnte es sich unter Berücksichtigung der Angabe der Rohrlänge und des Herstellers vielleicht um britische 12 pdr/12 cwt QF-Kanonen handeln, die in irgendeinem norwegischen Arsenal vorgefunden und als Bewaffnung für diese Boote als geeignet eingeschätzt wurden. Solche Kanonen gab seit 1894 in der Royal Navy und deshalb könnte es durchaus sein, dass derartige Geschütze auch an Norwegen abgegeben worden sind. Die etwas moderneren QF 3 inch/20 cwt mit ebenfalls 7,62 cm Kaliber sind wegen der größeren Rohrlänge von 45 Kalibern eigentlich auszuschließen.


    Sorry, dass 3/4 des Beitrages aus Mutmaßungen besteht, aber vielleicht liege ich mit meinen Annahmen nicht allzu weit von den tatsächlichen Gegebenheiten entfernt und konnte etwas helfen.


    Mit freundlichen Grüßen

    Schorsch

  • Servus Schorsch,


    danke für die Informationen! Das mit der 12 pdr/12 cwt QF-Kanone wäre tatsächlich eine gute Möglichkeit und würde noch am ehesten passen.


    Tatsächlich wurde ja bei den Flottillen im Sicherungs- und Geleitdienst überall improvisiert. Das fing schon bei den Schiffen selbst an, noch viel mehr betraf dies dann die Bewaffnung. Es waren Boote der 61. Vp-Flottille offensichtlich mit den genannten 7,6cm K L/40 Armstrong und 8,8cm SK L/45 Geschützen ausgestattet, weitere waren (laut KTB) 6cm Geschütze (z.B. V-6103 Nordlicht zumindest 1942) sowie 4,7cm Kanone (V-6104 Windhuk lt. Gröner). Woher die 6cm und 4cm schon wieder kamen?


    Grüße


    Ortwin

  • Woher die 6cm und 4cm schon wieder kamen?

    Hallo,

    die Deutschen haben alles Material, das ihnen in die Hände fiel, sofern möglich, weiterbenutzt. Mein Vater bekam in Norwegen norwegisches Gewehr, Pistole, Seitengewehr un Säbel. Und als er 1943 als Leutnant wieder nach Kirkenes zur¨ckkam hatte er elne belgische Privatpistole und eine russische Maschinenpistole.

    Auch im Atlantikwall wurde eine VIelzahl nicht deutscher Geschütze eingesetzt.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Moin!


    Wer war eigentlich der Befehlshaber der Vorpostenboote, und wo war deren HQ? Ich habe da nicht gefunden, vielleicht kann mir ja jemand Helfen.

  • Hallo und Willkommen hier im Forum,


    die Vorpostenboote unterstanden dem jeweiligen Befehlshaber der Sicherung.


    Dies waren:


    Befehlshaber der Sicherung der Ostsee (B.S.O)


    Befehlshaber der Sicherung der Nordsee (B.S.N)


    Befehlshaber der Sicherung des Westraums (B.S.W)


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Vielen Dank!

  • Hallo zusammen,


    Die Kriegsgliederung aller Wehrmachtteile in Dänemark vom 1. Dezember 1944 listet für die 16. Vorpostenflottille auf:

    8 Vorpostenboote mit insgesamt

    6 × 8,8 cm Flak

    2 × 7,5 cm

    6 × 3,7 cm Flak

    18 × 2 cm Flak (e)

    2 × 2 cm Flakvierling

    4 × 2 cm Flak;


    für die 17. Vorpostenflottille:

    6 Vorpostenboote mit insgesamt

    1 × 8,8 cm Flak

    5 × 7,5 cm

    5 × 3,7 cm Flak

    2 × 2 cm Flak (-vierling?)

    10 × 2 cm Flak.


    Die Verteilung auf die einzelnen Boote geht daraus nicht hervor.


    https://bunkermuseumhanstholm.…gsgliederung_01121944.pdf


    Gruß, Thomas!

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

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