Was war ein Bereitstellungsschein? Küstenhilfswehr Memel

  • Hallo zusammen,


    bei der Durchsicht von CAMO-Akten zum XXVIII. AK (Herbst und Winter 1944, Memel) ist mir eine Einheit in Bataillonsstärke untergekommen: Küstenhilfswehr (Memel).

    Diese Einheit wurde wahrscheinlich Mitte Juli 1944 in Memel aufgestellt und war nach der Bildung des Brückenkopfes Memel auf der Nehrung im Rahmen der Div. z. b. V. 607 als Kampftruppe eingesetzt.

    Ende Dezember 44 wurde die Küstenhilfswehr schließlich in den Volkssturm überführt.


    In der angehängten Quelle heißt es: "Die KHW hat seinerzeit einen Bereitstellungsschein vom Seekommandanten im Abschnitt Memel erhalten, ist jedoch nicht im eigentlichen Sinne Soldat."

    Kam so eine "Einberufung" mit Bereitstellungsschein öfter vor? Ich habe davon noch nie gehört.

    Wie war der rechtliche Status einer solchen Truppe?


    Danke für eure Hinweise

    Frank

    Files

    • KHW_16.12..jpg

      (399.29 kB, downloaded 27 times, last: )

    Suche Informationen/Fotos zur 56. Minensuchflottille

  • Hallo Frank,


    ein Bereitstellungsschein ist eine Mob-Anweisung, in der steht daß sich im Mob-Fall zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort einzufinden ist. In dem Fall hier also eine eher vorbereitende Maßnahme.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    vielen Dank für die Information. Ich verstehe diese "Mobilisierung" im vorliegenden Fall als eine Art Notmaßnahme des Seekommandanten Memel.

    Im Juli 1944 war ja die Rote Armee nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte gefährlich nahe an Memel herangekommen.

    Unklar ist mir allerdings, auf welcher verwaltungstechnischen Grundlage die Männer mobilisiert wurden.

    Konnte z.B. der Seekommandant einen Plakatanschlag machen lassen mit dem Aufruf von allen Männern Ü45?


    Bleibt für mich außerdem die Frage, warum die mobilisierten Männer "nicht im eigentlichen Sinne Soldat" (siehe Zitat bei #1) waren?

    Was fehlte denn zum Status Soldat?


    Unter https://hospitalstrasse22.wordpress.com/tag/kustenhilfswehr/ findet sich das Schicksal eines Angehörigen der KHW anhand von Briefen rekonstruiert (englischsprachige Seite).

    Er war ab September 1944 zur Bewachung des örtlichen Gas- und Wasserwerkes eingesetzt und fiel am 11.10.44 beim russischen Angriff auf Memel.

    Beim Volksbund ist er als "Wehrmann" gelistet (siehe Anhang). Wurde dieser Begriff verwendet, weil er eben nicht "Soldat" war?

    Er hatte bereits im 1.WK gedient (siehe Verlustliste 1.WK).


    Gruß Frank


    Nachtrag: Die Entscheidung zur Übernahme der KHW in den Volkssturm traf das stellvertretende Generalkommando I.AK.

  • Hallo Frank,


    Quote

    Bleibt für mich außerdem die Frage, warum die mobilisierten Männer "nicht im eigentlichen Sinne Soldat" (siehe Zitat bei #1) waren?

    Was fehlte denn zum Status Soldat?

    die KHW durfte wie auch Landwacht und Volkssturm keine Gliederung der Wehrmacht gewesen sein ,daher waren deren Angehörige keine Soldaten, nach innen im Sinne des Wehrgesetzes, u.U: auch nach außen im Sinne der Haager Landkriegsordnung.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941