Anschluss Österreich 1938

  • Tag allerseits


    da lief manches nicht gar so glatt, beim Einmarsch der Wehrmacht in Österreich.


    Die Rekruten sind halb ausgebildet, Reservisten strömen nur zäh und komplett aus dem Alltag gerissen in die Kasernen, dazu sind sie oft an Waffen, die nicht mehr im Dienst stehen, ausgebildet.

    Offiziere und Unteroffiziere der Reserve rücken nicht selten bei falschen Einheiten und an falschen Orten ein. Die Bäcker-Kompanie der 27. Inf.-Div. etwa zieht irrtümlich Packmeister einer Möbelfirma ein, Insassen einer Nervenheilanstalt (man sagte damals "Irrenhaus") bekommen ebenso irrtümlich Einberufungsbefehle. Viele Kraftfahrer erweisen sich als disziplinlos, vielleicht sind sie auch bloß überfordert in all der Hektik. Und dann der Alkohol: Viele der in der Nacht auf Freitag und noch am nächsten Tag Einrückenden sind ganz einfach angetrunken, besoffen oder verkatert.

    Dazu massenhaft Materialmängel: Mangels Uniformen müssen viele Soldaten, vor allem die "Systemerhalter" (etwa Fahrer, Magazineure, Schreiber, Bautrupps) und Kampfunterstützungstruppen Räuberzivil tragen. Viele Stiefel sind nicht eingelaufen, das führt zu zahlreichen Ausfällen beim Marsch. Maschinengewehre sind in auffallend schlechtem Zustand, Munition für Granatwerfer ist seltsamerweise kaum vorhanden, sodass „mancher Offizier beim Gedanken an Kampf ein schlechtes Gefühl hatte", wie ein Bericht eines Offiziers besagt.

    Der schlechte österreichische Sprit

    Und dann ist da das Spritproblem, das vor allem die Panzer und Panzerwagen betrifft: Als die am 11. März nach längerer Anfahrt durch Passau rasseln, sind ihre Tanks ziemlich leer und die lokalen Vorräte zu gering. Tankzüge treffen erst nach Beginn des Einmarschs ein: Also wird dann unterwegs bei österreichischen Tankstellen aufgetankt – wegen der verhältnismäßig schlechten Treibstoffqualität gehen allerdings Motoren zuhauf ein.


    Ein schräges Detail am Rand: Man könnte überspitzt sagen, dass der deutsche Einmarsch von China direkt unterstützt wurde. Einer der Panzer der 8. Armee wurde nämlich von einem jungen Fähnrich namens Chiang Wei-kuo kommandiert. Der war ein Adoptivsohn des national-chinesischen Präsidenten Chiang Kai-shek und wurde damals in Deutschland ausgebildet, zeitweise auch bei den Gebirgstruppen. Später wurde Chiang Wei-kuo (1916-1997) General des Heeres der Republik China (Taiwan) und eine wichtige Figur in der Kuomintang-Partei.


    Quelle:

    https://www.diepresse.com/3691…nicht-nur-ein-blumenkorso


    Grüße

    Bert

  • Guten Abend zusammen,


    ich suche seit geraumer Zeit vergeblich danach, welche Polizeieinheiten - immerhin 12000 Mann - am Einmarsch in Österreich 1938 mitgewirkt haben. Ich habe kürzlich in eigener Sache vom Bundesarchiv die Info bekommen, dass mein Großvater nebst 235 Kollegen von der Polizeiverwaltung Duisburg vorgeschlagen wurde für die "Verleihung der Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938". Mein Großvater stammte aus Braunsberg (Ostpreußen) und hat 1937 seine Ausbildung zum Schutzpolizisten begonnen. Ein gutes halbes Jahr später musste er nach Österreich, sozusagen während der Ausbildung. Laut einer beigefügten Liste war er vom 13.03.-27.04.1938 dort. Vielleicht war er auch einige Monate später beim Einmarsch ins Sudetenland dabei. Es ist so frustrierend, wie wenig Unterlagen noch zu finden sind.


    beste Grüße


    Stefan

    R 601 2398 .pdf

  • Guten Tag,


    dazu gibts ein paar interessante Details in dem Buch "Kriegsschauplatz Gablitz" (ISBN 9783200029996) über Einheiten und die Begrüßung des Gröfaz und seiner Truppen kurz vor Wien.


    Gruß

    Noaner