Anschluss Österreich 1938

  • Hallo zusammen,

    ich hab' eine Frage an die Experten zum Thema "Anschluß Österreichs ans Deutsche Reich".


    Weiss man / jemand welche Einheiten am Einmarsch beteiligt gewesen waren?

    Waren es nur Wehrmachtseinheiten oder auch SS-Einheiten/SS-Standarten? Wenn ja, welche?


    Für Eure Hilfe besten Dank.

    Gruss

    Obergefreiter

  • Hallo Bert,

    das war schonmal ein Volltreffer. Vielen Dank. :thumbsup:

    Daraus ergibt sich aber für mich die nächste Frage.


    Waren nur aktive Soldaten im Einsatz oder wurden auch Reservisten einbezogen?

    Ich vermute eherletzteres, mir fehlt aber der Beweis.


    Danke und Gruss

    Obergefreiter

  • Tag allerseits,


    eigentlich findet man in diesem zitierten Artikel, das Presseorgan stammt aus Österreich, ziemlich viele Infos zum Ablauf des Einmarsches der Wehrmacht, der SS und von Polizeieinheiten in Österreich.

    65.000 Mann waren damals nach Österreich unterwegs - eine stattliche Streitmacht. Dennoch, manches funktionierte nicht richtig: Die Panzer vom Typ I fielen vielfach mit Materialmängel aus, für den nötigen

    Treibstoff wurde nicht die notwendige Vorsorge getroffen. Und mangels Uniformen sollen einberufene Fahrer von Fahrzeugen im Räuberzivil unterwegs gewesen sein.


    Aber da die Österreicher in ihrer Mehrzahl ohnehin "heim ins Reich wollten", waren diese Mängel von untergeordneter Bedeutung.


    Dazu DIE PRESSE:


    Die Rekruten sind halb ausgebildet, Reservisten strömen nur zäh und komplett aus dem Alltag gerissen in die Kasernen, dazu sind sie oft an Waffen, die nicht mehr im Dienst stehen, ausgebildet.


    Und damit ist auch die Frage des Obergefreiten beantwortet: Es wurden ganz offensichtlich auch Reservisten eingezogen!


    Gruß

    Bert

    Edited 2 times, last by Jahrgang39 ().

  • Guten Tag, "Obergefreiter",


    Quote

    :huh::rolleyes::whistling:

    :D;(

    was ist das denn für ein Post?

    Sind wir hier im Kindergarten?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Tag allerseits,


    das österreichische Bundesheer hatte im März 1938 eine Präsenzstärke von rund 60.000 Mann und einen Mobilmachungsstand von etwa 127.000 Mann. Diese Daten waren auch dem NS-Staat bekannt.

    Daraus folgt, dass man nicht nur mit einer Divison in Österreich einmarschierte, sondern mit Verbänden in einer Gesamtgröße von 65.000 Mann.


    Interessant ist auch, dass es eine österreichische Einheit am Fernpass gab, die fürs Erste den Deutschen die Durchfahrt verwehrte.


    Dazu aus DIE PRESSE:


    Die Sperre am Fernpass

    Nur an einem einzigen Ort in Österreich gibt es Widerstand: Und der liegt ebenfalls weit im Westen. Eine gut bewaffnete Sperrkompanie des 3. Bataillons des Infanterieregiments 4 (das war das Wiener (!) Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, Teile davon waren also tatsächlich ausgerückt und standen noch im Westen) unter einem gewissen Hauptmann Edwin Liwa fährt vom Inntal hinauf auf den Fernpass nördlich von Imst, über den eine Straße von Bayern bzw. dem Außerfern her führt. Da zwischenzeitlich der Kontakt zum Militärkommando Tirol und anderen Einheiten abreißt, bleibt die kleine Truppe am Berg.


    Dann tauchen plötzlich deutsche Polizeiautos von Norden her auf. Und Liwa verwehrt ihnen die Durchfahrt. Die Polizisten drehen völlig überrascht um. Die konsternierten Deutschen lassen daraufhin auch Gebirgsjäger, die der Polizei folgen sollen, nicht zum Angriff antreten, und warten ab.

    Am 13. März befiehlt Liwa den Rückzug hinunter nach Imst, er merkt, dass sich etwas viel zu Großes zusammenbraut, zudem war ein Rückzugsbefehl durchgekommen.

    In Imst angekommen erschrickt er: „Wir waren als gute Österreicher auf den Fernpass befohlen worden, die Heimat zu verteidigen. Wir wurden als vermeintlich deutsche Truppen mit ,Heil'-Rufen empfangen. Die Soldaten und ich waren vor den Kopf gestoßen."

    Und in einem anderen Land waren sie jetzt auch.


    Grüße

    Bert

  • Moin im Thema,


    eine Frage, welche Verbände des RAD (Reichsarbeitsdienst) waren damals beteiligt?

    Es gibt einige Fotos und Kommentare von deutschen Zeitzeugen, die ich hier nicht unbedingt einstellen möchte.


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Tag allerseits,


    bei der "militärischen Besetzung" Österreichs spielte der RAD keine Rolle.


    Jedenfalls waren die Verbände der Deutschen wie folgt eingesetzt:


    Luftlandetruppen werden in Wien, Graz und Klagenfurt abgesetzt. In der zweiten Welle folgen bis 13. März die 17. und 27. Infanteriedivision (Nürnberg/Augsburg) ins Donautal, dazu SS-Truppen, unter anderem nach Tirol, und 12.000 Polizisten. Die 97. Landwehrdivision ist Reserve. Kärnten und die Steiermark werden, wie gesagt, später besetzt. Die Luftwaffe verlegt Aufklärungs-, Jagd- und Bomberstaffeln nach Bayern und Baden-Württemberg.


    Dass nach dem 13. März 1938 auch der RAD bei der "Heimholung der Ostmärker" beteiligt sein wollte und das natürlich mit Fotos bewiesen wurde, das entsprach den Methoden des NS-Staates und seiner

    Organisationen.


    Gruß

    Bert


  • Grüss Gott Thomas,


    ich möchte mich in aller Form dafür entschuldigen. Mir war nicht klar, dass hier in diesem Forum nur 'mit allerernster Miene' geschrieben werden darf. Und somit etwas Spass oder Selbstironie total fehl am Platz ist!

    Ich bitte vielmals um Entschuldigung.


    Zu deiner Frage:

    Wenn man Nachricht #2, #3 und #4 chronologisch liest, könnte man feststellen, dass Nachricht #3 hinfällig wäre, hätte man den Bericht aus #2 aufmerksam gelesen. Somit wäre auch ein Teil der Nachricht #4 hinfällig.

    --> Ein bisschen Selbstironie und Spass an der Kommunikation ergibt Nachricht #5. --> Einen überraschten Smily, gefolgt von einem schähmenden und schliesslich einem pfeifenden und somit vertuschenden Smiley.

    Lachende Smiley sollen die Selbstironie abrunden.


    Andere Frage:

    Warum werden überhaupt Smiley angeboten, wenn die Benutzung mit 'Sind wir hier im Kindergarten?' bewertet wird? Irgendwie unlogisch.


    So: Allen anderen, besten Dank für die Rückmeldungen.

    Gruss

    Obergefreiter 8)

  • Werter "Obergefreiter",


    "mit allerernster Miene" wird hier beileibe nicht gearbeitet. Aber "Smiley-Spielchen" sollten wir in diesem Forum nicht in der Vordergrund stellen; das ist eher etwas für unter 18-jährige.

    Und weil wir nicht im Kindergarten sind, schreiben wir in verständlicher deutscher Sprache gute Forumsbeiträge, die man natürlich auch mit einem "Zwinker-Smiley" beenden kann.


    Bis die Tage lieber Bayernfreund!


    Bert

  • Tag allerseits,


    um das Thema fortzuführen:


    In einer Volksabstimmung am 10. April stimmten über 99 Prozent für den „Anschluss“. Von alledem wollten die Österreicher nach 1945 nichts mehr wissen. Sie stilisierten sich zu den ersten Opfern Hitlers und versuchten so vergessen zu machen, wie begeistert sie ihn im Frühjahr 1938 empfangen hatten.


    Diese Bewertung dürfte u.U. als krass gewichtet werden. Man könnte fast meinen, da war jemand etwas rechtslastig, der so formuliert.


    Des Rätsels Lösung: Dies Bewertung stammt vom Deutschlandfunk!


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=240021


    Auch in den sowjetischen Kriegsgefangenenlagern gab es schon 1943/44 vereinzelt österreichische Wehrmachtssoldaten, die forderten, von den Deutschen getrennt zu werden. Man trug sogar rot-weiß-rote Armbinden.

    Die Sowjets beeindruckte dies jedoch in keinster Weise.


    Gruß

    Bert



  • Hallo zusammen,


    ein kurzer Abschnitt zum Einmarsch im Sudetenland aus dem Eisenbahnkurier Special108, Die Eisenbahn im Sudetenland:


    Zitiert aus der Reichenberger Zeitung vom 12. Oktober 1938: "Mit der Befreiung unseres Gebietes von den Bedrückern setzte schlagartig die Tätigkeit der Deutschen Reichspost ein. Häufig noch vor der militärischen Besetzung trafen die mutigen Stephansjünger mit ihren Kraftfahrzeugen ein, um Post-, Telegraphen-, Fernsprech- umd Kraftpostbetrieb aufzunehmen. Deutsches Organisationstalent, Pflichteifer und Pflichtgefühl waren Trumpf. Als Bravourstück zog in Aussig noch vor dem Militär eine Kolonne von 8 Kraftpostomnibussen, vorneweg ein Landkraftwagen ein."


    Hierzu die Frage wie funktionierte die Übergabe/Übernahme in Österreich, der Einmarsch erfolgte ja wohl "Blitzartig" ohne lange Vorbereitung?



    Schönen Nachmittag, Thomas

    Edited 2 times, last by Pogg 3000 ().

  • ... Hierzu die Frage wie funktionierte die Übergabe/Übernahme in Österreich, der Einmarsch erfolgte ja wohl "Blitzartig" ohne lange Vorbereitung?


    Hallo,


    der "Anschluss" Österreichs erfolgte von deutscher Seite keinesfalls "blitzartig". Das war ein von langer Hand wohlvorbereitetes und durchdachtes Unternehmen, wie man auch anhand des entsprechenden Führererlasses zur Überleitung der Österreichischen Post- und Telegraphenverwaltung auf das Deutsche Reich und der dazu veröffentlichten Durchführungsbestimmungen sehen kann. Juristisch war der "Anschluss" schon in fast allen Einzelheiten in der erforderlichen Gesetzgebung vorbereitet, die entsprechenden, notwendigen Gesetze wurden schon eine Woche nach dem Einmarsch deutscher Truppen als Führererlass veröffentlicht.

    Quelle: Reichsgesetzblatt, Teil 1, Ausg. Nr. 30 vom 19.März 1938 (Führererlass) u. Teil 1, Ausg. Nr. 71 vom 30.April 1938 (Durchführungsbestimmungen z. Führererlass)


    Edit: Ähnliche Durchführungsbestimmungen gab es übrigens auch im Jahr 1939 in Danzig, als die dortige Post in die deutsche Reichspost eingegliedert wurde.

  • Hallo zusammen,


    @: Johann Heinrich: Danke für Deinen Beitrag, wieder etwas gelernt.


    Eine weitere Folge waren die beschleunigte, endgültige Einführung des "Rechtsverkehrs" auf Strasse (Wiki:: Links- und Rechtsbetrieb als Regelfahrordnung; Österreich; graz.radln. net, 1938 wechselte man nicht nur die Straßenseite) und Schiene [Teilweise] (Wiki: Links- und Rechtsbetrieb, Österreich).


    Schöne Grüße, Thomas