Brückenkopf Dillingen/Donau, Absturz einer P-61 am 26.04.1945

  • Moien,

    an diesem Tag/Nacht wurde eine P-61B-10-NO der 417th NFS durch "Friendly Fire" im Brückenkopf Dillingen abgeschossen, die Besatzung ist dabei gefallen. Wie muß ich mir jetzt die räumlihe Ausdehnung dieses US-Brückenkopfes vorstellen? Ähnlich wie bei Remagen, Oppenheim etc.?

    Die P-61 flog wohl einen Nachtschlachteinsatz, möglicherweise wurde sie wie in einem ähnlichen Fall, von der AAA mit einer deutschen Fw 189 verwechselt.

    h.

  • Hallo,


    Quote


    Wie muß ich mir jetzt die räumlihe Ausdehnung dieses US-Brückenkopfes vorstellen?


    unten der Brückenkopf Dillingen am 26. April 1945.


    Grüße

    Thilo

  • Hallo H.,


    ich befasse mich seit mehreren Jahren mit den Geschehnissen im Großraum Dillingen. Vom Abschuss einer „Black Widow“ lese ich in Deinem Beitrag zum ersten Mal.


    Darf ich nach Deiner Quelle fragen?


    Viele Grüße

    Michael

    Suche Informationen zur Geschichte folgender Einheiten im April '45:
    198. ID, 19. VGD, 553. VGD, Flak-Abt. 590, sowie SS-Pz.Gren.-A.u.E.-Btl. 3 und 5.

  • Moien,

    Accident Report der 417th NFS vom 26. April 1945, da der Verlust über eigenem Gebiet eintrat, wurde kein MACR gefertigt.

    Die "Schwarzen Witwen" flogen sowohl Nachtjagd- als auch Nachtschlachteinsätze, in der Regel dann im Tiefflug, zumeist dann auf erkannte Eisenbahnziele. Weiteres bei Interesse per PN.

    h.

  • Hallo H.,


    leider kann ich nicht allzu viel zu der genannten Thematik beitragen. Es scheint allerdings so, als wäre der Verlust des 417th NFS am 26.04.1945 vor gut 10 Jahren einmal Thema in folgendem Forum gewesen:


    http://forum.12oclockhigh.net/archive/index.php?t-18944.html


    In den letzten Jahren habe ich viel in amerikanischen und deutschen Quellen zur Lage südlich des Brückenkopfes Dillingen im April 1945 recherchiert. Zumindest entlang der Achse Dillingen - Krumbach ist mir kein Bericht zu einem Absturz eines amerikanischen Flugzeugs im fraglichen Zeitraum bekannt. Leider ist das aber natürlich keine große Hilfe im Hinblick auf die Beantwortung der ursprünglichen Fragestellung.


    Viele Grüße


    Michael


    P.S.: Zur räumlichen Ausdehnung des Brückenkopfes hier noch ergänzend zu Thilos Karte ein Scan aus "Kriegsende in Bayern 1945" von Joachim Brückner


    http://up.picr.de/1092406.jpg

    Suche Informationen zur Geschichte folgender Einheiten im April '45:
    198. ID, 19. VGD, 553. VGD, Flak-Abt. 590, sowie SS-Pz.Gren.-A.u.E.-Btl. 3 und 5.

  • Moien,

    als Grund für den Abschuß durch eigene AAA wird die Tatsache im Bericht erwähnt, daß vorher vom Boden-IFF deutsche Flugzeuge aufgefaßt worden sind. Die 42-39559 hatte wohl schon das APS-13 Heckradar, welches einen Bereich von 60 Grad hinter der Maschine auf eine Entfernung von 800 yards erfaßte. Feindmaschinen wurden mittels einer Klingel beim RO und Piloten sowie zusätzlich durch eine rote Lampe angezeigt. Die P-61B-10-NO hatte vier ETC für insgesamt 310 Gallon Sprit oder 1.600 lbs GP-Bomben.

    Der Pilot ist in St. Avold beigesetzt, für den RO konnte ich bisher nur herausfinden das er aus einem ländlichen Conty in Oregon stammte.

    Für die in Giebelstadt gecrashte P-61 gibt es einen Accident Report. Für die 42-39559 weist mein Buch mit allen MACR den Raum Mittelmeer auf, als ich vor 30 Jahren in Maxwell diesen anforderte bekam ich "nur" einen Unfallbericht, der allerdings für mich alles Wissenswerte enthielt.

    Eine Möglichkeit die Örtlichkeit zu finden, sind die S-3 Berichte der Bodentruppe und hier wohl auch die Tagesmeldungen der MP,.

    Da die Maschine schon am 27.6.-45 abgeschrieben wurde, muß sie zwischen den US-Bodentruppen herunter gekommen.

    h.

  • Hallo H.,


    vielen Dank für diese Details, die mir so bisher noch nicht bekannt waren.


    Ich denke, es stellen sich zunächst zwei konkrete Fragen, mit denen wir den Ort des Absturzes näher eingrenzen können:


    1.      Welche räumliche Ausdehnung hatte der Brückenkopf Dillingen am 26.04.1945?


    2.      Welche amerikanischen Einheiten, in deren S-3 Reports sich gegebenenfalls nähere Details zum Absturz finden, waren in dieser Zeit im Brückenkopf aktiv?


    Zu Punkt 1 findest Du im Anhang einen Ausschnitt aus der Karte „Seventh Army's drive from the Danube River to V-E Day (April 24 - May 5, 1945)“, wie auch die entsprechende Korrelation mit einem aktuellen Satellitenbild aus Google Maps.


    Der Begriff „Bridgehead“ wird im englischen Sprachraum definiert als „a fortification protecting the end of a bridge nearest an enemy oder „an area around the end of a bridge. Dementsprechend ergibt sich als nördliche Grenze des für uns relevanten Gebiets die Donau. Die ungefähre Ausdehnung des Brückenkopfes Dillingen habe ich Dir in den Kartenausschitten in blauer Farbe markiert.


    Wie zu erkennen ist, reichte der „Brückenkopf“ (ob man hier noch von einem Brückenkopf sprechen kann, sei mal dahingestellt) in seiner östlichen Ausdehnung bereits bis nach Horgau und die westlichen Vororte der Stadt Augsburg. In westlicher Richtung bildet laut Karte die Stadt Günzburg die Grenze, was allerdings nicht ganz den Tatsachen entspricht. Tatsächlich standen amerikanischen Truppen (im Konkreten die 63rd Infantry Division, die in der Karte fehlt) am 26.04.1945 bereits auch bei Leipheim südlich der Donau.


    In seiner südlichen Ausdehnung waren die Breitengrade der Orte Thannhausen und Krumbach (in der Karte nicht eingezeichnet) überschritten.


    Hier dürfte der blaue, beide Ortschaften Richtung Osten umgehende Haken hervorstechen. Und das führt uns auch schon zu Frage 2. Hierbei handelte es sich um einen Vorstoß von Teilen der 12th Armored Division Richtung Schwabmüchen/ Landsberg, um hier den Übergang über Wertach und Lech zu erzwingen. Im Zuge dessen wurden dann auch diverse Außenlager des KZ Dachau erreicht. Das aber ist wieder eine andere Geschichte…


    Zurück zum eigentlichen Thema: Neben der bereits genannten 63rd Infantry Division und der 12th Armored Division waren auch die 3rd Infantry Division und die 4th Infantry Division im Brückenkopf aktiv. Daneben sind noch eine ganze Reihe weitere, eigenständige (non-organic) Einheiten zu nennen, die den oben genannten Divisionen im fraglichen Zeitraum unterstellt waren (z.B. die 101st Cavalry Group).


    Im Rahmen meiner Recherchen habe ich mich bisher hautsächlich mit der 63rd ID und der 12th AD befasst, welche die Hauptlast der Kämpfe im Brückenkopf trugen. Zu beiden Einheiten liegen mir die After Action Reports und Unit Journals, sowie ergänzende Dokumente vor. Ergänzend dazu habe ich Zugriff auf die S3 Reports des 56th Armored Infantry Battalion der 12th Armored Division. Keines der Dokumente gibt zum Absturz der P-61 allerdings etwas her. Auch im persönlichen Gespräch und Briefwechsel mit Veteranen beider Einheiten fand ein solcher Vorfall nie Erwähnung.


    Ich vermute daher, dass es zielführender sein dürfte, die Unterlagen der 3rd ID und 4th ID nach entsprechenden Anmerkungen zu durchforsten.


    Viele Grüße


    Michael



    Anhänge:


    Seventh Army's drive from the Danube River to V-E Day (April 24 - May 5, 1945) - Ausschnitt_cr.jpg                  Seventh Army's drive from the Danube River to V-E Day (April 24 - May 5, 1945) - Correlation_googleMaps_cr.jpg

    Suche Informationen zur Geschichte folgender Einheiten im April '45:
    198. ID, 19. VGD, 553. VGD, Flak-Abt. 590, sowie SS-Pz.Gren.-A.u.E.-Btl. 3 und 5.

    Edited once, last by BArch/ivar ().

  • Hallo Michael,


    die von Dir oben genannten Definitionen für den Begriff bridgehead geben nur zwei, aber nicht wirklich passende Definitionen wieder - es geht hier nicht um den engeren

    Bereich um eine Brücke herum.


    Die dritte bei https://en.m.wiktionary.org/wiki/bridgehead genannte passt:


    (military) An area of ground on the enemy's side of a river or other obstacle, especially one that needs to be taken and defended in order to secure an advance.


    Wie groß so ein Brückenkopf ausdehnungsmäßig letztlich ist, hängt von der militärischen Situation ab.


    Gruß, Stefan



    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Hallo Michael, ich habe alle Abstürze in der Gegend recherchiert und kenne Absturzstelle und Besatzung.

    Der Absturz war nicht exakt über dem Brückenkopf sondern ca. 20km östlich Donauwörth

    Wenn Interesse besteht, können wir uns mal austauschen.


    Fehlender Gruß, böses Foul...Huba

    Suche alle Infos zu der 2.Staffel/NAG 13, speziell 1944 und 1945

  • Hallo Stefan, Hallo Luftakrobat,


    stefan : Vielen Dank für Deine Ergänzung zum Thema "Brückenkopf".


    Luftakrobat : Danke auch für Deine Nachricht. Da ich mich sehr für die Verluste der Luftwaffe im letzten Kriegsjahr im Landkreis Günzburg interessiere, macht es sicher Sinn, sich hier einmal auszutauschen. Nichtsdestotrotz denke ich, es interessiert sich sicher auch der ein oder andere Mitleser für das Schicksal der P-61. Von daher fände ich es schade, wenn die Details nur per PN diskutiert werden.

    Ich verstehe allerdings auch, wenn Du Deine Rechercheergebnisse vielleicht (noch) nicht öffentlich machen willst. ;-)


    Viele Grüße


    Michael

    Suche Informationen zur Geschichte folgender Einheiten im April '45:
    198. ID, 19. VGD, 553. VGD, Flak-Abt. 590, sowie SS-Pz.Gren.-A.u.E.-Btl. 3 und 5.