Posthume Beförderung eines Offiziers

  • Hallo an alle von euch


    Ich hätte gerne gewusst, in welchem Zusammenhang ein Luftwaffenoffizier nach seinem Tod (bei einem Unfall während eines Transitfluges) posthum hätte befördert werden können.


    Ich danke euch allen,


    Edelweik

  • Tag allerseits,


    da gab es m.W. damals keine schriftlich fixierten Festlegungen seitens des NS-Staates und der Luftwaffe, wann ein Offizier nach einem tödlich verlaufenen Transitflug posthum zu befördern war.

    Jedenfalls musste es sich um einen Offizier mit beachtliche Erfolgen (z.B. Zahl der Abschüsse) handeln - und das war in der Tat eine Minderheit.


    Ein typisches Beispiel

    https://de.wikipedia.org/wiki/Erbo_Graf_von_Kageneck


    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Bert,


    Vielen Dank für Ihre Antwort,


    Tatsächlich war er der erste Kommandant des Schlachtgeschwaders 101, Helmuth Krebs (und a priori ein Mann, der im SturzKampfGeschwader 1 Waffenleistungen vollbracht hatte, von denen er später für einen Monat das Kommando parallel zum SG101 übernommen hätte).


    Er starb in einem BF108 Taifun bei Meaux, Frankreich, also a priori bei einem Transitflug. Er wurde posthum in den Rang eines Oberstleutnant befördert.


    Ich finde nichts über diesen Mann trotz seiner Dienstakte (die ich am Ende nicht mehr weiß).


    Hast du irgendwelche Hinweise auf dieses Verfahren oder auf den Mann selbst?


    Ich danke dir vielmals,


    Edelweik

  • Hallo Edelweik,


    in der Zenk/Stankey Liste findet sich folgender Eintrag.


    Quote


    KREBS, Helmuth. (DOB: 22.01.07). (DKG). 31.03.41 Hptm. and Kp.-Chef 1. Flugh.Betr.Kp./St.G. 1. 23.11.42 Maj., awarded Ehrenpokal. 01.02.43 Maj., appt Kommodore St.G. 101 (to 29.08.43). 17.05.43 Maj., awarded DKG, I./St.G. 1. 17.06.43 Maj., appt Kdr. I./St.G. 1 (to 15.07.43). 29.08.43 Maj. and Kommodore SG 101, KIA – in Bf 108 shot down near Meaux/France. Posthumously promo to Obstlt. Buried at champigny-St.Andre.

    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo Edelweik,


    zunächst die von mir leider schon üblichen, aber im Sinne einer korrekten Geschichtsschreibung notwendigen, Korrekturen.

    Der Name des von dir als Beispiel gewählte Geschwaderkommodore des SG 101 schrieb sich:

    Krebs, Hellmuth (* 22.1.1907)

    (der Vorname mit Doppel-L, hinten mit "H"). So ist er auch in der Volksbund Gräberdatenbank und bei der WASt namentlich geführt. Nicht zu verwechseln mit Oberleutnant Krebs, Helmuth (* 10.4.1916 in Wurzen) von der 12./KG 40, der als Führer einer Fw 200 am 31.7.42 bei einem Zielübungsflug abstürzte.


    Beide Namen sind bei Holm, deZeng/Stankey und sonstigen "Datenbanken" falsch geschrieben (die Vornamen) - genau deshalb schreibe ich es hier auch. Wenn wir uns von nicht-Muttersprachlern im Internet die Geschichtsschreibung aufdrücken lassen, dann sollte doch wenigstens bei den Eigennamen Korrektheit herrschen.


    Übrigens wurde die von Hellmuth Krebs geflogene Bf 108 von einem Feindjägre beim Überführungsflug abgeschossen. Es handelte sich also um einen "Tod durch Feindeinwirkung" (Jägerbeschuss, feindbeobachtet). Er ist also tatsächlich gefallen - und nicht durch Unfall zu Tode gekommen.


    Zur posthumen Beförderung kenne ich leider nicht die zu Grunde liegenden Richtlinien (Lw-Dienstvorschrift). Nach meiner Erfahrung findet sich eine posthume Beförderung relativ häufig, falls ein Soldat den Heldentod gestorben ist. Und zwar in allen Dienstgrad und Laufbahngruppen. Ich denke, dass es dazu auf jeden Fall des Vorschlages (Antrag) der vorgesetzten Diensstelle bedurfte. Dabei mag eine Rolle gespielt haben:

    - Dienstalter und Diensstellung. Als Geschwaderkommodore finden sich Majore, Oberstleutnante und Obristen.

    - Todesumstände. Hier: gefallen vor dem Feind - "Heldentod"

    - Familienstand. Die Witwen- und Waisenrente fiel nach posthumer Beförderung höher aus.

    - Ob die Beförderung schon vor dem Tod im Gang war, d.h. bereits zur Beförderung vorgeschlagen, aber noch nicht genehmigt/vollzogen war.


    Wenn der Gefallene beim Tod ganz besondere Leistungen vollbrachte oder großen Mut bewies, dann war der übliche Weg der Würdigung die posthume Verleihung von Tapferkeitsauszeichnungen.


    Mit Grüßen, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Hallo Roland,


    die von dir zitierte Schreibweise des Namens von Hellmuth Krebs ist FALSCH.

    Das hat der Mann nicht verdient.


    Gruß, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Danke Uwe für die Klarstellung.


    Mangels weiterer Quellen war das nicht erkennbar.

    Weiter oben wurde auch von Helmuth geschrieben.


    Die restlichen Daten von Zenk passen doch, oder?


    Gruß Roland

    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo,


    Zuerst einmal vielen Dank für Ihr Feedback,


    Andererseits, Uwe, gestatte mir, Rollands Aussagen über die Schreibweise des Namens Krebs zu bestätigen,


    Helmuth ist gut geschrieben mit nur einem L und einem H am Ende. Der Tote auf der Fw200 wird nur mit einem T notiert.


    Anbei finden Sie das Foto des Grabes des Kommandanten des SG101 (siehe Daten, die entsprechen).


    Irgendwelche anderen Informationen über seine Dienstakte?


    Wie kann es so wenig Informationen über einen Mann mit DKG und Ehrenpokal geben?


    Ich persönlich habe auch ein Originalfoto seiner Beerdigung, auf dem vermerkt ist, dass er mit einem anderen Mann, Hinterberger, zusammen war.


    Beim Durchsuchen meiner Dokumente konnte ich endlich die Crash-Daten mit zwei weiteren Namen finden:


    Anton Abstreiter (1. Wart Ogfr, also Mechaniker im Prinzip)

    Hans (echter Name Johann Baptist) Hinterberger (Flugzeugführer Olt)


    Gibt es noch weitere Informationen über diese Männer? Ich kann auch nichts finden.


    Könnte mir schließlich jemand bestätigen, dass Krebs in der Lage war, das vorläufige Kommando von STG1 parallel zu SG101 zu haben? Die Daten deuten zwar auf einen SG101-Befehl vom 01.02.1943 bis 28.08.1943 hin, aber auf einen einmonatigen Befehl in STG1 vom 17.06.1943 bis 15.07.1943??????. Wie ist das möglich?


    Grüße


    Edelweik


  • Hallo Roland,


    > Mangels weiterer Quellen war das nicht erkennbar.

    Der Volksbund Gräberdatenbank Eintrag wäre verfügbar gewesen.

    Der Volksbund hat seine Daten mit der WASt abgeglichen, bzw. alle Personaldaten stammen aus der WASt.


    Ein großer Teil der deZeng/Stankey Liste stammt aus:

    - den Ritterkreuzträger Lebensläufen (on-line Listen)

    - der on-line DKiG Liste (Excel-Tabelle aus 2007 - abgetippt aus Veit Scherzer, Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold der Lufwaffe 1941-1945)

    - den originalen Air-/Ground Units Daten der http://www.ww2.dk site (Michael Holm) von 1997

    - ergänzt durch Verlustdaten aus den Gen.Qu.-Verlustlisten (hier: oft fehlerhafte Namensschreibweise !).

    Aus den Namens-Ungenauigkeiten resultieren Doppelnennungen und Vermischungen von Bio-Daten von namensähnlichen Offizieren.

    - ergänzt Extrakte aus Diensalterslisten (NARA, BAMA) und Vermisstenliste vom 1.8.44 (NARA)


    Was Hellmuth Krebs betrifft:

    - der Todesort (Absturzort) liegt 12 km von Meaux entfernt - die Angabe bei deZeng ist also hinreichend genau

    - die Daten zu seiner Zeit beim St.G 1 sind ungenau angegeben. Die I./St.G 1 existierte zwischen Jan. 42 (Umbenennung in II./St.G 3) und Juni 43 (Neuaufstellung aus I./St.G 5) gar nicht

    - Datum der DKiG Verleihung, Todesdatum und Endgrablage stimmen.


    Problem: bei ungeprüfter Übernahme solcher Quellen wird das FdW ebenfalls zunehmend fehlerhaft.

    Die korrekten Daten stehen in den BArch-Offiziers-Personalakten (Freiburg), ehemals Bestand Kornelimünster.


    Viele Grüße, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Hallo Edelweik,


    > Andererseits, Uwe, gestatte mir, Rollands Aussagen über die Schreibweise des Namens Krebs zu bestätigen,

    Das Bild des vorläufigen Grabkreuzes ist kein Beweis - nur das Papier (Standesamt, Personaleinträge der Wehrmacht) zählt. Auf den Holz-Grabkreuzen sind die Namen häufig falsch geschrieben. Das fällt dann der Mutter oder Ehefrau auf, wenn sie das Foto zugeschickt bekommt.

    Nach dem Krieg bestand ausreichend Zeit zur Klärung der korrekten Schreibweise durch Datenaustausch/-abgleich zwischen Angehörigen, Ämtern, WASt und dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge.


    Und: Unser Roland schreibt sich selbst mit EINEM "L" in der Mitte - zumindest unterschreibt er so.


    Seit der Umbettung auf die Kriegsgräberstätte Champigny-St.André ist der Name auf dem nun steinernen Grabkreuz hoffentlich richtig geschrieben.

    Hier noch einmal der VDK-Datenbankeintrag zu Obstlt. Hellmuth Krebs (Kdore. SG 101; + 29.8.43),

    und der VDK-Datenbankeintrag zu Oblt. Helmuth Krebs (Flugzeugführer 12./KG 40, + 31.7.42).


    > Könnte mir schließlich jemand bestätigen, dass Krebs in der Lage war, das vorläufige Kommando von STG1 parallel zu SG101 zu haben?

    Nein, das ist nicht möglich. Die I./St.G 1 wurde im Juni 43 neu aufgestellt und nahm ab Anfang Juli 43 im Bereich der Luftflotte 6 an der "Operation Zitadelle" teil, Einsatzraum Orel. Der Stab SG 101 lag zur gleichen Zeit in Reims, Frankreich.

    Das passt nicht zusammen.


    (Abstreiter, Hinterberger)

    > Gibt es noch weitere Informationen über diese Männer? Ich kann auch nichts finden.

    Im Internet vermutlich nicht. Bei der WASt in Berlin schon.

    Die Personaldaten sind beim Volksbund (Gräbersuche) öffentlich zugänglich.


    Mit Grüßen, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Un séjour sans faille

    Hallo Uwe,


    Vielen Dank für Ihre Antwort,


    Zunächst einmal entschuldige ich mich bei Roland, denn ich habe tatsächlich die französische Variante seines Namens Mea Culpa genannt.


    Was den ersten Punkt betrifft, so wurde mir der Eindruck vermittelt, dass die Personen, die damals die Bestattung vorgenommen haben, über Belege über die Identität dieser Person verfügten. Ich habe mir vorgestellt, dass es einen Fehler auf der Seite des Volksbundes geben könnte.

    Die WW2.DK-Seite erwähnt auch ihren Namen mit nur einem L; und in diesem Fall, was sind ihre Quellen? Ich beziehe mich auf das Dokument, in dem die Offiziere sowie die Seiten zu STG 1 und SG 101 aufgeführt sind.

    Ich habe das aktuelle Grab noch nicht gesehen, gibt es irgendwelche Bilder davon?


    Vielen Dank auch für das Feedback zur Geschichte von Krebs' Befehlen zwischen STG1 und SG101.

    Wie ist es möglich, dass ein solcher Fehler gemacht werden kann?

    Hätte er nicht in diesem Monat nach Orel gehen können, falls er beispielsweise in Bezug auf seinen früheren Dienst zurückgerufen worden wäre?


    Wie und können wir auf WASt-Informationen über diese Männer und sogar Krebs zugreifen?

    Die Volksbund-Daten enthalten keine militärischen Karrieren.


    Nochmals vielen Dank und wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören,


    Seid gegrüßt,


    Edelweik