"Kaczmarek", der Pilot hinter dem Ritterkreuzträger

  • Hallo,


    "Kaczmarek", der Deckungs - Pilot hinter dem ( oftmals) Ritterkreuzträger -Piloten/ Staffel - Gruppen - Geschwaderführer?, ein eher psychologisches Phänomen, das ich hier in den Raum und zum Erkenntnisaustausch stellen möchte.

    "Kaczmarek", hatte dafür zu sorgen, dass das vor ihm fliegende Ass in Sachen Abschusszahlen im Einsatz den Rücken frei hatte um zum Abschuss zu gelangen.

    Gibt es da irgendwelche Aussagen/Kommentare/Tagebuchaufzeichnungen/Berichte etc. über die Stimmungslage/Einstellung etc. dieser "Deckungspiloten", die eigentlich vornehmlich den erwünschten Abschuss des Chefs gegen feindliche Angreifer decken mussten/durften, meist ohne selbst zum Ab - Schuss ( und Ehren/Orden) zu kommen?

    > wurden diese ausgewählt auf Grund ihrer Qualifikaton und bestimmt

    > waren das meist/oft die selben


    Meine Einschätzung ( Aus damaliger Sicht):

    > war das für den Kaczmarek. eine Ehre?

    >war das für den Kaczmarek ein Nachteil wegen fehlender Abschussmöglichkeiten?

    > war das für den Kaczmarek ein Vorteil für evtl. Beförderungen wenn der Chef z. B./ meist Vorgesetzter war?

    > war das für den Kaczmarek eine Überlebensstrategie?

    und

    welche Stellung/Dienstgrad war erforderlich einen Kacz zu haben?


    Grüße von Karl

    Edited once, last by Karl Grohmann: Kaczmarek berichtigt ().

  • Hallo Karl,


    einen bestimmten Dienstgrad mußte man nicht besitzen, um einen Kaczmarek zu haben, wenn man erfolgreich war. So hat zB Ltn Erich Hartmann, sein Handwerk bei dem Rottenführer Ritterkreuzträger Feldwebel Rossmann gelernt.


    Bei "guten" Rottenführern zu fliegen, war oftmals eine "Lebensversicherung". Der Brilliantenträger Hartmann war stolz darauf, keinen seiner Kaczmareks im Einsatz verloren zu haben.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Guten Tag ans Forum und an Karl,


    kann es sein, dass der polnische Name "Kaczmarek" bei der Luftwaffe in "Katschmarek" quasi "eingedeutscht" worden war?

    Irgendwie hat sich das im meinem Hinterkopf festgesetzt.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    in der Luftwaffen-Memoiren-Literatur finden sich beide Begriffe, wobei in der Tat der "Katschmarek" häufiger verwendet wird.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Moin im Thema,


    ich war der Meinung, der sog. "Kaczmarek" wäre der Bordschütze in einer Junkers Ju 87 "Stuka" gewesen?

    Wieder etwas gelernt, ein interessantes Thema, vielen Dank für alle Informationen... :thumbup:


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Hallo,


    n der Luftwaffen-Memoiren-Literatur finden sich beide Begriffe, wobei in der Tat der "Katschmarek" häufiger verwendet wird.


    in dem Buch von Toliver/ Constable: "Holt Hartmann vom Himmel" Motorbuch Verlag ist der "Katschmarek" auf einer Bildbeischrift als "Kaczmarek" namens Hans- Joachim Birkner, RK - Träger mit 117 Luftsiegen in 14 Monaten bezeichnet. (Tod durch Flugunfall.)

    Auf S. 66 ist er wie folgt geschrieben: Katschmarek.

    Dort berichtet er von einem Katschmarek/Rottenflieger namens Capito. In dem Buch steht dann auf S. 67: "Dies war der einzige von 1400 Kampfeinsätzen bei dem einem Rottenkameraden Hartmann´s etwas zugestoßen war."


    Gruß Karl

  • Hallo,


    Quote


    "Kaczmarek" namens Hans- Joachim Birkner, RK - Träger mit 117 Luftsiegen in 14 Monaten bezeichnet. (Tod durch Flugunfall.)


    Absturz beim Start in Krakow infolge Motorausfall mit einer Bf 109 G-14 Werksnummer 510531


    Quote


    Dort berichtet er von einem Katschmarek/Rottenflieger namens Capito. In dem Buch steht dann auf S. 67: "Dies war der einzige von 1400 Kampfeinsätzen bei dem einem Rottenkameraden Hartmann´s etwas zugestoßen war."

    Günther Capito wurde zwar abgeschossen, überlebte aber. Nach dem Krieg in der Bundesluftwaffe, zuletzt Oberst.


    Grüße

    Thlio

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Karl Grohmann, du fragtest.

    Quote

    ..welche Stellung/Dienstgrad war erforderlich einen Kacz zu haben?

    Vermutlicher Ursprung des Begriffes: Von meinem Vater, Ende des WW I Leutnant in einem schlesischen Infanterie - Regiment, weiss ich,

    dass der Putzer eines Offiziers "Kaczmarek" genannt wurde.

    Die Rekruten stammten aus Schlesien.

    Sie waren lt. einem Militärwitzbuch - wegen vermeintlicher Einfältigkeit- öfters Gegenstand von Offiziers- Kasino-Witzen.


    Gruss aus dem für norddeutsche Kaltblüter schon wieder zu warmen (25°) Grenzach von jostdieter.


    PS: Bei der Bundesluftwaffe war die Position im Abgasstrahl des Rottenführers nicht beliebt,

    weil man gnadenlos durchgerüttelt wurde, manchmal bis zum Reihern...

  • Hallo Thilo,


    danke für Info zu Capito.


    Hallo Dieter,


    durchaus möglich, dass der Begriff dann übernommen wurde.

    Die Sache mit dem Abgasstrahl kann ich mir gut vorstellen. Mir genügen die Gewitter ( etwas davon entfernt erlebt) Luftverwirbelungen und Luftlöcher in Passagiermaschinen.


    Gruß Karl

  • Guten Tag,

    es war ja nicht grundsätzlich so, dass der Rottenflieger keine Abschussmöglichkeiten hatten.

    Beispiel: Fw.(später Leutnant) Erwin Fleig, Katschmarek bei Werner Mölders, erzielte 6 Abschüsse bei der Luftschlachtum England.

    Später als Rottenflieger beim Kdr. I/JG 51, Hptm. Joppien, einige Dutzend (insgesamt hatte er 66 Abschüsse).

    Anderes Beispiel für die Wichtigkeit des Rottenfliegers:

    Major/Obstlt Friedrich Beckh, Kdr. IV./JG 51 später Kommodore (insgesamt 48 Abschüsse) war ein Mann, der in der Luft nichts sah und war auf seine Rottenflieger angewiesen, die ihn an den Gegner heranführten, und oft genug kamen sie vor ihm zum Schuss.

    Grüße

    Gebhard Aders

  • Hallo G. Aders,

    es war ja nicht grundsätzlich so, dass der Rottenflieger keine Abschussmöglichkeiten hatten.


    Hans- Joachim Birkner, RK - Träger mit 117 Luftsiegen in 14 Monaten bezeichnet.

    die doch sehr hohe Anzahl der Luftsiege, vermute ich mal, hat Birkner nach der "Katschmarek - zeit" erzielt.


    Gruß Karl

  • Hallo,


    wurde als Katschmarek ein erfahrener Pilot ausgesucht, der gute Deckungsmöglichkeit gab oder war das ein Neuling, der zunächst vom Chef/Rottenführer eingelernt wurde?

    Eigentlich war doch der Katschmarek schlecht aufgestellt: Er musste beschützen und durfte - zumindest zunächst oder in Abwehrlagen - nicht selbst aktiv werden.

    Entweder, dank militärischem Gehorsam, der Aufgabe gewachsen oder aber mit der Zeit, wenn er den Erfolgen oder Mißerfolgen seines Chefs zusehen musste psychologisch stark belastet. Der Mann in der zweiten, passiven Reihe...oder?


    Gruß Karl

  • Guten Tag,

    gehen wir mal von der Vorkriegsituation aus, und da gab es ganz unterschiedliche Vorgehensweisen. In einigen Staffeln bestimmte der Kapitän, wer Rottenführer und wer Rottenflieger war - da ging es nach Dienstgrad=Dienstalter=mehr Flugstunden.

    Ein StaKa, der ein Auge und ein Gefühl für die fliegerischen Eigenschaften seiner Männer hatte, konnte hier regulierend eingreifen. Aber aus Gründen der Disziplin blieb es meist dabei, dass der höhere Dienstgrad Rottenführer war.

    Nach Kriegsbeginn konnte sich die Lage ändern. Zum einen gab es Rivalitäten unter den Dienstgraden um besonders gute Rottenflieger, die im Kurvenkampf nicht abplatzten. Sodann wurden kampferfahrenen Unteroffizieren/Feldwebeln von den Schulen frisch hinzugekommene Leutnants als Rottenflieger zugewiesen.

    Bei den Gruppen und Geschwaderstäben war es in der Vorkriegszeit meist so, dass die Adjutanten die Rottenflieger beim Kommandeur bzw. Kommodore waren, was nur gelegentlich in der Kriegszeit beibehalten wurde.

    Das war so den vielen Gesprächen zu entnehmen, die ich im Lauf der Jahrzehnte mit ehem. Jagdfliegern geführt hatte. Und so mancher Kaczmarek sagte mir sinngemäß: "Wir waren ja eine Kampfgemeinschaft, und wenn mein Rottenführer einen Abschuss erzielt hatte, hatte ich gefühlsmäßig auch meinen Anteil dazu beigetragen, und wenn es nur darum ging, als "Luftzeuge" den Abschuss zu bestätigen. Besonders bei Einsätzen gegen 4-mots hat mir der "Alte" immer auf die Schultern geklopft, wenn er einen Abschuss erzielt hatte, und er hat immer "WIR" gesagt."


    Beste Grüße

    G. Aders

  • Hallo G. Aders,


    diese Erklärung erscheint mir schlüssig, zumal mir das mit dem höheren Dienstgrad und vor allem, dass der Adjutant der Rottenflieger beim Kommodore war auch schon zu Ohren gekommen ist.

    aus Gründen der Disziplin blieb es meist dabei, dass der höhere Dienstgrad Rottenführer war.

    Danke!


    Gruß Karl