Warthausen ( Oberschwaben ) Februar bis April 1945: Welches "Eisenbahnlager stand auf einem Nebengleis des Bahnhofs" ?

  • Hallo Gemeinde,


    heute bin ich über eine Textpassage in einem Sonderheft 1 des Historischen Vereins in Biberach auf einen kleinen Beisatz gestoßen, der für mich völlig überraschend einen ganz neuen Forschungsansatz bietet. Im Ort kann sich keiner der heute sehr hoch betagten Herren an so etwas erinnern, in der Ortschronik ist kein Hinweis dazu enthalten.
    Daher meine Frage an Euch, ob jemand diese Gruppe schon einmal bei seinen Recherchen aufgefallen ist.


    In dem Heft wird der Luftangriff auf Biberach (Riß) abgehandelt, der am 12. April 1945 stattfand und vermutlich dem Bahnhof gegolten hatte aber dann das benachbarte Altstadtviertel verwüstet hat.

    Zum Bergen der Verletzten und Toten wurden die "Häftlinge" ( ? ) dieses "Eisenbahnlagers" eingesetzt, nach zwei Tagen seien sie dann von französischen Kriegsgefangenen abgelöst worden.


    Nun kann man die Verfasser des bereits 1985 erschienen Heftes nicht mehr fragen, auf welche Quellen etc. sie sich bei diesen Formulierungen gestützt haben. Doch scheint es mir am wahrscheinlichsten, daß sie hier Begrifflichkeiten durcheinander gebracht haben.


    Was ich mir am ehesten vorstellen könnte:

    - es handelte sich um einen ausgelagerten Reparaturtrupp der Eisenbahn , welche u.a. auch Fremdarbeiter oder Kriegsgefangene in ihrer Mannschaft hatten.


    Vielleicht gelingt es ja mit Eurer Hilfe, dieses lokale Rätsel auch nach so vielen Jahren noch zu lösen.


    Herzlichen Dank im Voraus,

    Uwe


    Nebenbei: Bei dem Luftangriff war unter den Opfern auch ein Oberfeldwebel Matthias Rütter aus Biberach ( Riß ) . Er wurde schwer verletzt aus den Trümmern geborgen und verstarb kurz darauf im Krankenhaus.

    Von ihm ist der Ausspruch überliefert: "Es ist schrecklich! Nun war ich bisher 5 Jahre im Kriegseinsatz und es ist mir nichts zugestoßen. Und jetzt im Heimaturlaub trifft es mich so schwer."

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Grüß Dich Uwe,


    ich denke auch in Richtung "mobiler Reparaturtrupp mit Kriegsgefangenen".


    Es gab wohl z. B. ganze Bataillone mit kriegsgefangenen Glasern und Dachdeckern um zerbombten Städten schnell "helfen" zu können.


    "Am 8.7.1941 wurde zwischen Stadt, Wehrmachtsstellen und Kölner Handwerkerschaft vereinbart, daß neben 2 Baukompanien der Wehrmacht (400 Deutsche) 2 Kompanien des Kriegsgefangenen-Dachdecker-Bataillons VI Krefeld (400 französische Kriegsgefangene) und 1 Kompanie des Kriegsgefangenen-Glaser-Bataillons VI Duisburg (200 Personen) nach Köln abgestellt werden sollten. Als Unterkunft für die Kriegsgefangenen wurde die Schule Klingelpütz vorgesehen. Die Glaserkompanie wurde allerdings wegen dringender Fliegerschäden in Aachen sofort dorthin umgeleitet. Am 11.7.1941 kamen die 2 Kompanien des Kriegsgefangenen-Dachdecker-Bataillons in Köln an und wurden in der Schule Klingelpütz untergebracht. ...
    Das Lager der 4.Komp./Glaser Bat. XII in der Schule Klingelpütz wurde am 29.6.1943 völlig zerstört. Daraufhin wurde es in das Gymnasium Gyrhofstr. 17 (siehe dort) verlegt."https://museenkoeln.de/NS-DOKU…04&stt=K%C3%B6ln-Altstadt


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo Uwe,


    kann es sich um das "Lager Lindele" handeln ?


    Zum Bahnhof Biberach fand ich einen Artikel bei Wikipedia.

    Einfach bis "Biberach im zweiten Weltkrieg" scrollen.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Bernhard,

    hallo Gerd,


    danke für Eure Anmerkungen.

    Lager Lindele: dies kann es nicht sein, das lag am andeen Ende von Biberach (heutiges Areal der Bereitschaftspolizei ). Zudem war es zu dieser Zeit nicht mehr mit "Häftlingen" belegt.


    Herzliche Grüße

    ( auch von der Kö 0262 an die Kö 0225 ;-) )


    Uwe

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  • Hallo Uwe,


    folgende Hinweise habe ich für dich.

    In Biberach war das landesschützen-btl. 411 zur Gefangenbewachung eingesetzt.

    Zum Bergen der Verletzten und Toten wurden die "Häftlinge" ( ? ) dieses "Eisenbahnlagers" eingesetzt, nach zwei Tagen seien sie dann von französischen Kriegsgefangenen abgelöst worden.

    Auf was beruht die Annahme "Eisenbahnlager"?

    Was sollen wir uns darunter vorstellen, hier komme ich derzeit nicht weiter?


    Frage:

    Welches Gefangenlager befand sich in Biberach?

    Wenn von Häftlingen geredet wird sollten wir doch hierzu was finden.


    Diese Hinweise habe ich noch:

    - Gleisbauzug 2007 ab 14. März 1945 im Raum Hinterweidenthal - Landau West im Einsatz wegen Bombenschäden.

    - Ab 14.04.1945 Bataillion Major Grambow mit vier Kompanien und einer Genesenkompanie im Kreis Biberach eingesetzt. (Das Bataillion Grambow ist/war das Eisenbahn-Ersatz-Bataillon 5 in/aus Straßburg.


    Biberach.JPG


    Den Ort mit K....ünz im Kreis Biberach konnte ich noch nicht entziffern/lokalisieren.

    Grüße Matthias

  • Hallo Matthias,


    schön, daß Du dich der Sache angenommen hast. Danke.

    Ich habe der Übersichtlichkeit wegen zu den jeweiligen Punkten Stellung dazu genommen:

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  • Hallo Uwe,


    passen könnte auch das Kriegsgefangenen Bau- und Arbeits-Bataillon 27, Standort Friedrichshafen.

    Zumindest was die Ablösung betrifft ist ja nur ca. 60 km entfernt.

    Grüße Matthias

  • Hallo Schlichi,


    mit Kellmünz dürftest Du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig liegen. Weit und breit ist sonst kein Ort mit vergleichbarer Buchstaben- Kombination.


    Hallo Matthias,

    auch ein guter Ansatz. Da kann ich nächste Woche anläßlich der Führung in Raderach mal bei Herrn Dr. Semler im Archiv stöbern.. ;-)


    Herzliche Grüße

    Uwe

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  • Hallo Uwe


    eventuell war es eine SS-Bau- bzw. SS-Eisenbahn-Baubrigade?


    Neben den SS-Baubrigaden wurden ab Herbst 1944 noch acht SS-Eisenbahnbaubrigaden mit jeweils etwa 500 KZ-Häftlingen gebildet (KZ auf Schienen), die in Eisenbahnzügen untergebracht waren und vorwiegend beim Gleisbau eingesetzt wurden


    https://de.wikipedia.org/wiki/SS-Baubrigade


    Uwe

  • Hallo Uwe,


    herzlichen Glückwunsch! "Volltreffer" .

    Die richtige Anwort lautet: 7. SS-Eisenbahnbaubrigade.

    In ihrer Doktor-Arbeit zum Thema der SS-Baubrigaden hat Frau Dr. Frings ( jetzt bei der Stadt Köln ) dazu ein paar klare Angaben enthalten, wie mir soeben vorab telefonisch mitgeteilt wurde.


    VIelen Dank Dir und den anderen Hinweisgebern für die Hilfe. Jetzt kann ich das belegbar mit ins Buch zur Bahn aufnehmen.


    Bemerkenswert für mich . selbst kenne ich den Platz seit meiner Schülerzeit und halte mich dort und im Ort seit Jahrzehnten regelmäßig auf. Auch zur Kriegsgeschichte im Ort und in der Region habe ich in den Neunzger Jahren viele alte Einwohner befragt und so manches Detail erfahren. Aber dazu hat nie einer etwas direkt oder indirekt geäußert... Und auch ein knitzer, naseweißer Vereinskollege aus dem Ort, der mit seinem Fahrrad schon "jeden Winkel" im Ort ausgekundschaftet hatte, hat hierzu nie etwas in Erfahrung gebracht.. (gerne hätte ich ihn heute auch befragt, aber er ist vor ein paar Jahren an den Folgen eines Rangierunfalls gestorben.. ).


    Nochmals vielen Dank - ihr habt mir eine große Freude bereitet!


    Herzliche Grüße

    Uwe

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  • Hallo Uwe.


    Kurze Frage aus Interesse. Entschuldigung, etwas sehr Off Topic, Wohnst du in der Nähe?


    Mit freundlichen Grüßen, Mathias

    Suche alle Informationen über den Verbleib meines Urgroßvaters - Ausbildungs- und Ersatz Bataillon 44, vermisst ab Februar 1945 in Bartenstein, Ludendorff- Kaserne. Hier klicken für Informationen

  • Hallo Mathias,


    nur soviel : "Jain " ;-)

    Du bekommst eine PN..


    Gruß Uwe

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo Zusammen,


    ich hätte noch einige Anmerkungen:


    1. die Reichsbahn unterhielt selbst Zwangsarbeiterlager zum Wiederaufbau von Strecken;

    2. reichten diese Kräfte nicht aus, forderte die Reichsbahn z.B. von der SS eben "KZ auf Schienen" an

    oder griff auf Kriegsgefangene zurück.


    Mit anderen Worten: Auftraggeber war die Reichsbahn und somit auch in die Verbrechen des NS-Regimes verwickelt.

    (dies ist aber ein anderes Thema)

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Uwe und Gerd,


    ich danke für die weiteren Hinweise.

    Das Buch zur 5. ist sicherlich sehr interessant und der Autor darf sich über zwei konkrete Fragestellungen von mir zu seinen Ausarbeitungen "freuen".. ;-)


    Einen schönen Sonntag noch,

    Gruß Uwe

    ( der jetzt schnell noch seine langen Tapetenrollen im Lokal seiner Wahl abgibt - hoffentlich hilft es für ein sinnvolles Ergebnis bei Europa- , Kreistags- und Gemeinderatswahl .. )

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  • Hallo,


    hier gibt es einen sehr interessanten Aufsatz zur 7. SS-Eisenbahnbaubrigade, deren Zug auch in Warthausen stand.

    Interessant ist, dass sich die Häftlinge mit ihren Bewachern einigten: Die SS-Wachmannschaften "verdrückten sich", die Häftlinge "bewachten" sich (z.T. in SS-Uniform) selbst und simulierten bis zum 23. April 1945 nach außen ganz normalen Dienstbetrieb.

    Sie halfen der luftkriegsgeschädigten Bevölkerung auch ohne die SS-Leute. "Ihren Chef", den SS-Führer Kurt Schäfer gaben sie später den Franzosen gegenüber als Wehrmachtsoffizier aus um ihn zu schützen.

    http://www.eckerwald.de/dok/2018/biberach.pdf


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    sehr nett von Dir, daß Du auf den Aufsatz hinweist. Danke.


    Mit freundlichen Grüßen

    Uwe

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