Kasseler Liste - Verzeichnis zensierter und verbotener Bücher Online

  • Guten Tag,


    durch einen Artikel in einer Wiesbadener Tageszeitung wurde ich kürzlich auf die "Kasseler Liste" aufmerksam.

    Die Suche im Forum habe ich mehrfach benutzt, aber keinen passenden Eintrag gefunden.


    Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kasseler_Liste


    Suche in der Online Datenbank: http://www.kasselerliste.com/die-kasseler-liste/


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

    Edited once, last by Holzkopf ().

  • Hallo Micha



    Das Pantheon in Kassel war sehr beeindruckend!

    Ich habe es normalerweise nicht so mit moderner Kunst.

    Das war richtig gut gemacht!


    Gruß Arnd

  • Guten Tag,


    bei Wiki + auf der Seite der Kasseler-Liste ist ein Artikel der SZ verlinkt;

    darin ist die "gesamte Geschichte" des Projekts sehr gut beschrieben,

    ebenso etwa die Problematik, zensierte Literatur überhaupt zu finden.


    Daraus 2 Stellen zit.:

    "Wer beim Thema Zensur an graugesichtige Männer denkt, die fernab der Öffentlichkeit ihren Zensur-Index fertigen, liegt falsch. 'Die historische Erfahrung zeigt, dass die Praxis viel hinterhältiger ist', sagt Gassner. ... Er erzählt von Tabus, ungeschriebenen gesellschaftlichen Regeln, informellen Verboten und Selbstzensur."


    Roßbach + Gassner bleiben am Thema, werden weiter "untersuchen, warum über Epochen hinweg immer neue, vermeintlich aufgeklärtere Systeme sich der Zensur bedienten. Denn dass es unter einem Regime, das sich selbst als freiheitlich versteht, auch wirklich mehr Denk- und Meinungsfreiheit gab oder gibt, lasse sich wissenschaftlich nicht belegen, sagt Roßbach."


    https://www.sueddeutsche.de/bi…-kasseler-liste-1.3540350


    Dank an Micha + Gruß,

    Kordula

  • Tag allerseits,


    Die Kasseler Liste deckt weite Gebiete und einen großen Zeitrahmen ab. Die frühesten Einträge stammen aus dem „Index Librorum Prohibitorum“, den die katholische Kirche erstmals 1559 veröffentlichte und der in der Datenbank in seiner endgültigen Fassung von 1948 enthalten ist. Es ist nur ein Beispiel für Zensur, die nicht nur von staatlichen Institutionen ausgeht. Ebenso haben zivile und religiöse Institutionen ihre eigene Geschichte, systematisch das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verletzen. Die katholische Laienorganisation Opus Dei, die auch in der Kasseler Liste erwähnt wird, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass strenge und zwingende Leseanweisungen den Mitgliedern einen gestuften Index bieten. Andererseits haben Schulbezirke und Schulbibliotheken in den Vereinigten Staaten von Amerika auch Aufzeichnungen darüber, dass sie Bücher systematisch aus ihren Sammlungen verbannen.


    Dazu

    http://www.kasselerliste.com/the-list/


    Es wäre eigentlich dringend erforderlich, dass die Katholische Kirche sich mit ihrem wahrlich mittelalterlichen Index einmal intensiv beschäftigt. Viele damaligen Festlegungen passen nicht mehr in die heutige Zeit!



    Grüße

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Guten Tag,


    danke für eure bisherigen Antworten.

    Die Online Datenbank ist schon recht komplex, natürlich trifft man immer wieder auf Verweise zu der Publikation "Liste der auszusondernden Literatur".

    Diese vierbändige Publikation war ja schon mehrfach Thema hier im Forum.

    Wikipedia Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/…auszusondernden_Literatur

    Die komplette Liste Online: http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit.html


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Quote

    Es wäre eigentlich dringend erforderlich, dass die Katholische Kirche sich mit ihrem wahrlich mittelalterlichen Index einmal intensiv beschäftigt. Viele damaligen Festlegungen passen nicht mehr in die heutige Zeit!

    Moin Bert,


    du sprachst vermutlich das sog. "Geheimarchiv des Vatikan" an. https://de.wikipedia.org/wiki/Vatikanisches_Geheimarchiv


    Das ist auf jeden Fall ebenso ein interessantes Thema, zu dem ich selbst nichts beitragen kann.

    Vielleicht wäre das ein weiteres Thema, in dem Zusammenhang mit den vielen Themen, die hier im Forum immer wieder diskutiert werden?


    Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Guten Abend, Micha,


    Quote

    Vielleicht wäre das ein weiteres Thema, in dem Zusammenhang mit den vielen Themen, die hier im Forum immer wieder diskutiert werden?

    keine gute Idee. Lassen wir Kirche und Religion dort, wo sie hingehört, aber hier ist nicht der richtige Platz.


    Gruß

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    zum Ende 1980iger Jahre war ich im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes einige Wochen in der Bibliothek der Universität Witwatersrand (Johannesburg, Südafrika) auf Materialsuche, hauptsächlich recherchierte ich in Publikationen die nie über die Grenzen SA hinaus gelangt waren.

    Nachdem ich mit den Bibliothekaren einigermaßen warm geworden war, führten sie mich eines Tages in eine abgesperrte Abteilung der Bibliothek, in der zensierte Bücher aufbewahrt wurden. Ich fand dort interessante Veröffentlichungen, auch zu meinem Themengebiet, wo ich mich ernsthaft fragte, warum der Zensor die unter Verschluss genommen hatte. Zur Erinnerung, damals herrschte in Südafrika noch die Apartheid. Ich vermute mal, dass nach dem Ende der Apartheid die Abteilung in den allgemeinen Betrieb eingegliedert wurde.


    Wenn es gebannte Bücher gibt und darüber ein Liste geführt wird, stellt sich mir die Frage, kennt man nur Autor und Titel oder ist auch bekannt, ob es diese Bücher und Schriften noch irgendwo eingestellt sind. Oft ging nämlich Zensur mit Vernichtung einher.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • Guten Tag im Thema,


    Diana, dein Einwand mir völlig klar, Kirche und Religion gehört nicht ins Forum, war meine Antwort an Bert, mehr nicht.


    Paul, aus meiner eigenen Arbeit in lokalen Archiven in Norddeutschland sind mir derartige "Giftschränke" doch in Erinnerung, und ich werde das nicht genau ausführen.

    Gerade in kleinen Gemeindearchiven war fast immer nur eine einzige Person für den gesamten Bestand verantwortlich.

    Einige dieser Personen studierte Teilzeitkräfte, wartend auf eine Vollzeitanstellung.

    Wenn sich dann eine solche Person nicht einmal ansatzweise mit dem Thema "Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945" auskannte,

    oder gar jemals beschäftigt hatte, dann sah und sieht es übel aus.


    Großes eigenes Desinteresse und eine gewisse Gleichgültigkeit der Materie gegenüber habe ich ebenfalls selbst erleben müssen.

    Vielleicht eine Chance für junge und interessierte Menschen, in diesen Archiven endlich mal etwas frischen Wind in die verstaubten Regalmeter zu pusten,

    das würde ich mir pers. wünschen.


    Es verkommt sehr viel Material, weil ganz einfach niemand damit beschäftigt ist, weil das Geld aus öffentlicher Hand fehlt, kein Etat!


    Nachdenklicher Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung