RKU Gebietskommissar Pawlograd/Pavlograd/Pawlohrad - Informationen gesucht

  • Hallo,

    bei der Recherche über meinem Urgroßvater habe ich schon oft in diesem Forum gelesen - nun mein erster Beitrag.


    Ich suche nach Informationen zu meinem Urgroßvater Kurt Zimmermann, vor allem in seiner Funktion als Gebietskommissar in Pawlograd. Ich habe auch schon etwas herausgefunden, aber die Suche steckt gerade ein wenig fest, ich auch zeitmäßig, und ich finde jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um hier im Forum nach Hilfe zu fragen.




    Kurt Zimmermann


    30.03.1899 geboren in Bautzen

    Teilweise Geburtsdatum mit 1898 angeben (NSDAP Mitgliedskarteikarte)


    1917 Teilnahme 1.Weltkrieg Kriegsgefangenschaft

    1918 Freikorps

    1924 NSDAP-Mitgliedsnummer: 9426, Eintritt am 04.07.1925

    1926-1936 Rentmeister b. Graf Gneisenau in Sommerschenburg, Wohnadresse Helmstedt, höhere Funktion (unbekannt) in der SA

    1936-1939 Ordensburg Vogelsang und Krössinsse (Hundertschaftsführer / Rittmeister)

    1939-1941 207. Infanterie Division, Polen, Frankreich

    1941-1942 ?

    1942-1943 Gebietskommissar in Pawlograd

    1943-1945 ?

    Mai 1945-1946 Wehrmacht Kriegsgefangenschaft?

    1946-1951 Arbeit und Leben unter falschen Namen in Luther am Barenberge

    1951-1981 gelebt bis 1981 in Helmstedt


    Mir sind nur sehr wenige Dokumente von ihm erhalten, ua. ein selbstgeschriebener Entwurf für seines Lebenslaufs (wahrscheinlich für Rentenansprüche).

    In diesem gibt er an, dass er ab 1941-1945 "im landwirtschaftlichen Sektor der Ukraine tätig" gewesen zu sein.

    Aus verschiedenen Dokumenten geht hervor, dass er als Gebietskommissar ab Oktober 1943 als Gebietskommissar in Pawlograd vorgesehen war. Die mündlichen Überlieferung bestätigt dies.

    Ich halte es auch für sehr wahrscheinlich. ABER ich habe noch keinen Beweis oder Dokument gefunden, was dies ausdrücklich bestätigt.

    In Gefangenschaft war er wohl nie, diese Angabe ist vielleicht nur ein Lückenfüller gewesen, um Rentenansprüche geltend machen zu können. Eventuell sei er über Tschechoslowakei geflohen - so die vage Überlieferung meines Großvaters. Meine Großmutter, die leider schon verstorben ist und mehr über Zimmermann wusste, hat bis zu ihrem Tod geschwiegen.




    Ich hoffe im Forum, Hilfe oder weitere Hinweise finden zu können!

    Vielleicht können auch Hinweise zu Polizei-, Militäreinheiten die in dem Zeitraum in und um Pawlograd operierten weiterhelfen oder Eisenbahn, wirtschaftliche Berichte, Briefe, etc.

    Die Krönung wäre ein Foto, aber das wäre zu schön um wahr zu sein.



    Danke und Grüße


    outandin

  • Moin outandin,


    Infos etc. habe ich leider nicht, aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit ein Foto zu bekommen.

    In den Stadt- bzw. Gemeindearchiven gibt es oft das "Meldeblatt für die polizeiliche Registrierung und Ausstellung einer deutschen Kennkarte".

    In meiner Heimatstadt gab es diese von 1946 bis Anfang der 50er.

    Leider haben nicht alle Gemeinden diese Meldeblätter.

    Ich würde hier mal in Lutter und in Helmstedt anfragen oder vorbeischauen.

    Ein Versuch wäre es wert.


    Gruß

    Andreas

    Herzlichen Dank an alle die mir bei meinen Fragen und Anliegen geholfen haben.


    Ich wünsche euch viel Erfolg bei den eurigen.


    Gruß

    Andreas

  • Hallo outandin,


    herzlich willkommen im Forum.


    WIKI schreibt:


    Als ich hätte fragen sollen, war ich zu jung.
    Als ich hätte fragen wollen, waren Sie zu alt.

  • Hallo Outandin,


    ein Kurt Zimmermann wohnte als Kommissar und Regierungsamtmann von 1921-1928 in der Mättigstraße 23, Bautzen.


    Eine weitere Recherchemöglichkeit:

    Die Entnazifizierungsakten auch Spruchkammerakten genannt, finden Sie in den jeweiligen zuständigen Landes- oder Staatsarchiven.


    eventuell hast Du im Bundesarchiv erfolg.


    Archivsignatur: R 9361-II/1248166

    Zimmermann, Kurt
    Bestandsbezeichnung: Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der NSDAP / Parteikorrespondenz
    Geburtsdatum: 30.3.1898
    Unterlagenart: Sachakte

    Alte Signatur: VBS 1 / 1210027448
    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde

    Grüße

    Dirk

  • ... 1942-1943 Gebietskommissar in Pawlograd ...


    Hallo,


    hier noch ein kurzer Überblick über die Verwaltungsgliederung und die zugehörigen Örtlichkeiten:


    Reichskommissariat Ukraine, Rowno

    Generalbezirk Dnjepopetrowsk

    Gebietskommissariate Petrikowka, Nowomoskowsk, Pawlograd, Werchnedneprowsk, Pjatichatka, Kamenskoje, Sinelnikowo,

    Pokrowskoje, Kriwoi Rog, Chortiza, Saporoshje, Nikopol, Kamenka/Dnjepr, Orechow, Pologi, Halbstadt (russ. Molotschansk),

    Berdjansk.

    Quelle: Verwaltungsgliederung des Deutschen Reiches und der angegliederten und besetzten Gebiete -Stand Sommer 1942-


    Für den Ort Pawlograd findet sich in der Literatur auch eine Verwendung des deutschen Städtenamens "Paulstadt"; ob Pawlograd aber tatsächlich so umbenannt wurde, ließ sich leider nicht bestätigen (siehe auch Molotschansk). Im März 1943 stieß die 3.sowj. Panzerarmee gegen Dnjepopetrowsk vor, wie in den entsprechenden Wehrmachtberichten zu lesen ist.


    Gruß, J.H.


    Edit: Noch etwas zur Ergänzung:


    Einrichtung des Reichskommissariats für die Ukraine mit Sitz in Rowno durch Führer-Erlass vom 20. August 1941 als oberste zivile Verwaltungsorganisation in der um Teile Weißrusslands erweiterten, aber um Galizien und Transnistrien verkleinerten Ukraine. Reichskommissar war der Gauleiter und Oberpräsident der Provinz Ostpreußen Erich Koch. Auflösung der Behörde des Reichskommissars durch Erlass des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete zum 11. November 1944; Abwicklung bis Anfang 1945.

    Der Großteil der Aktenbestände des RKU und nachgeordneter Dienststellen ist vermutlich im Zuge der Rückzugs- und Räumungsmaßnahmen vernichtet worden, im Bundesarchiv/Lichterfelde befinden sich aber noch einige wenige Aufzeichnungen - darunter anscheinend auch 18 Personalakten aus den Beständen des NS-Archives des ehemaligen MfS der DDR.

    Quelle: Invenio/Bundesarchiv


    Nochmal Edit: In diesem Thread hatten wir schon einmal ein paar Informationen zu den Gebietskommissaren in der Ukraine (in Verbindung mit Kriegsverbrechen) zusammengesucht: Gendamerie


    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 3 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo,


    vielen Dank für die Hinweise.


    - Bei den Fotos habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Ich besitze Fotos von ihm, allerdings keines mit einem Hinweis auf eine Tätigkeit bei der SA oder bei anderen NS-Organisationen, Zilvilverwaltung in der Ukraine, etc.

    - Zur Geschichte der Ordensburgen, Lehrgänge, Personal, ua. finde ich auf Deutsch eine gute Einführung: Heinen(2007): "Gottlos, schamlos, gewissenslos: Zum Osteinsatz der Ordensburg-Mannschaften."

    - Die Akte habe ich schon eingesehen und liefert leider keine weiteren Hinweise oder Bestätigung bzgl. des Einsatzes als Gebietskommissar in der Ukraine.

    - Es liegen keine Spruchkammerakten vor.

    [edit:]- Es liegen keine Akten zu Kurt Zimmermann im NS-Archiv des MfS vor. Interessant wäre das BStU, aber ich kann keinen Antrag stellen.

    - Ich denke, dass Pawlograd nicht umbenannt wurde. Bevor Pawlograd unter die Kontrolle der Zivilverwaltung geriet und auch nachher, wurde Pawlograd als Pawlograd in den Akten geführt, bisher noch nichts gegenteiliges gelesen. Trotzdem ein interessanter Hinweis, eine mögliche Nennung der Stadt mit der Bezeichnung "Paulstadt" im Hinterkopf zu behalten. In welcher Literatur taucht es denn zB. als Paulstadt auf?


    Quote

    Kurt Zimmermann wohnte als Kommissar und Regierungsamtmann von 1921-1928 in der Mättigstraße 23, Bautzen

    Pawlograd

    Das ist sehr interessant! Woher stammt die Quelle?

    Wie man sich denken kann, gab es zwar schon sehr viele Personen mit dem Namen Kurt Zimmermann, aber in Bautzen zu passender Zeit mit diesen Berufstiteln lässt sich der Personenkreis stark eingrenzen. Denkbar wäre es, dass er noch bis 1928 mit seiner Heimatadresse in Bautzen gemeldet war. Er hat bis 1926, Sommerschenburg fast jährlich seinen Arbeitsort gewechselt und war wohl auch ua. Regierungsangestellter (so ganz klar ist das nicht).


    Pawlograd stand nur von Oktober 1942 bis Oktober 1943 unter der Kontrolle der Zivilverwaltung.

    Im März 1943 (oder vorher) gab es auch einen Aufstand in der Bevölkerung gegen die Deutsche Besatzung - vielleicht zeitgleich mit der og. Offensive.


    Der Link zur Gendamerie (s.o.) ist gut. Da die Gebietskommissare mit diversen Behörden und Institutionen zu tun hat, gerade auch bei der Sicherung und Aufrechterhaltung von Kontrolle, Ordnung, Bandenbekämpfung, erhoffe ich mir irgendwann irgendwo etwas zu finden. Vielleicht auch bei wirtschaftlichen Fragen, zB. Dokumente, die Lieferungen, Personalfragen, Wirtschaftsinformation betreffen. Und um Pawlograd gab auch Eisenbahnknotenpunkte herum.



    Grüße


    outandin

  • Hallo Outandin,



    Dein Urgroßvater war der Gebietskommissar von zwei weiteren Siedlungen neben Pawlograd, dies sind Jurjewka und Pereschepino.

    234.jpg

    Ich lebe in Dnepropetrowsk, es ist 70 km von der Stadt entfernt Pawlograd. Ich studiere gerade die Periode der Geschichte von 1941 bis 1943 Pawlograd und seine Bezirke.



    Grüße Mark

    Edited once, last by MarkHold ().