Ausstattung des Flugplatzes Kassel-Waldau (ehem. Betriebsflughafen Fieseler Werke)

  • Hallo liebes Forum,

    ich habe mich vor allem deswegen hier angemeldet, weil ich so viel wie möglich über die Ausstattung des Flugplatzes Kassel-Waldau erfahren möchte. Auf dem Gebiet ist mittlerweile ein Industriepark entstanden und jetzt möchte das Regierungspräsidium in Kassel von unserem Ingenieurbüro eine Einschätzung basierend auf historischen Quellen darüber haben, wo und in welchem Maße durch die Vornutzung als Militär- und Betriebsflugplatz Schadstoffe in den Untergrund (Boden und Grundwasser) gelangt sein könnten.
    Der Flugplatz war seit 1926 ins Liniennetz der Lufthansa eingebunden und wurde dann bis zum Ende von WKII von den Gerhard-Fieseler-Werken als Produktionsstätte (Werk III) und Betriebsflugplatz genutzt. Hier wurde v.a. der "Fieseler Storch", Fi 156, gebaut. Im Krieg wurde der Flugplatz zum Einsatzhafen 1. Ordnung umgebaut. Nach schweren Bombardements durch Briten und Amerikaner wurde der Flugplatz durch die Amerikaner übernommen und bis 1955 militärisch genutzt.

    Besonders interessieren mich hierbei Lage und Ausstattung der unterirdischen Tankanlagen/-lager, Munitionslager, Spreng-/Brandplätze, dokumentierte Betriebsunfälle, Auflistungen der Schäden durch die Bombardierungen vom 22.07.1940, 28.07.1943, 30.07.1943 und 19.04.1944, Position möglicher Flakstellungen am Nordrand des Geländes, und alles, was ich jetzt vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm habe.

    Besonders wertvoll ist bisher die Seite https://www.qsl.net/wd4ngb/waldau.htm , auf der ein ehemaliger Angehöriger der US-Army, der in den 60er Jahren in Kassel stationiert war, einiges an Luftaufnahmen zusammengetragen hat. Ich habe unten mal ein Bild vom Untersuchungsgebiet eingefügt von dieser Seite, wahrscheinlich kurz nach dem Bombenangriff vom 28.07.1943 aufgenommen.

    Ist davon auszugehen, dass Versorgungsanlagen wie Munitionslager außerhalb dieses Bildausschnitts liegen? Was mag sich wohl unter den Tarnnetzen am Nordrand verbergen, was in der Bildmitte, was könnte im Gebiet unterhalb des "umgedrehten L" (ehemalige Flugzeughalle) gewesen sein, was zerstört wurde? Was steht im großen, hellen Fleck am südlichen Rand des Bildausschnitts für Infrastruktur herum?

    Termine im Stadtarchiv und im Militärarchiv Freiburg habe ich bereits gebucht, ich bin über jeden Tipp dieser Community dankbar!

    Viele Grüße,

    Max

  • Hallo Max,


    sofern die Luftbilder in guter Auflösung vorliegen, könnte der zuständige staatliche Kampfmittelräumdienst mit ihren sehr guten Möglichkeiten

    bei einer stereoskopischen Auswertung unterstützen.


    Die Mitarbeiter sind normaler Weise für gute Gespräche immer zugänglich.


    Gruß

    Dieter

  • Hallo Max,


    ich bin auf dem Gebiet nur Laie , aber habe ein paar Vermutungen.


    - Da es vorher ein Zivilflugplatz war , sind die Tanklager wahrscheinlich dichter an den alten Hangars . Erleichterte der Lufthansa wahrscheinlich

    ihre Flugzeuge Abflugbereit zu machen. Verwegen Idee: Hat die Lufthansa Unterlagen zu Ihrem alten Abflughafen ?

    Auf Militärflugplätzen werden die Tanklager eher ein paar KM weiter weg im Boden versenkt, da Flugplätze halt begehrte militärische Ziele sind.


    Bezüglich Tanklager auf Flugplätzen: Tanklager


    - Munitionsbunker werden auch nicht so dicht an Rollbahn oder Hangars zu finden sein.


    Auch hier vielleicht eine Idee... der Aufbau des Flugplatzes Nordholz: Nordholz


    Oft wurden Munitionsreste und "Abfall" in alte Gräben ( Schützenlöcher etc. ) geschmissen und zugeschüttet. Wenn man alte und neue Luftbildaufnahmen vergleicht, kann man

    sie vielleicht identifizieren und dort suchen.


    Treibstoff und Munition wird auch eher nicht mit LKW's , sondern mit einer kleiner Nebenstrecke per Zug angeliefert worden sein. Vielleicht gibt es irgendwo Spuren einer Gleisverlegung ?


    Sind nur so ein paar Ideen und vielleicht helfen sie ja ein kleines bisschen weiter ?!


    Mfg

    Chris

  • Hallo,


    mal eine unbedarfte Gegenfrage zu:


    > und jetzt möchte das Regierungspräsidium in Kassel von unserem Ingenieurbüro eine Einschätzung basierend auf historischen Quellen.

    Das macht ihr ja sicherlich nicht ehrenamtlich oder zu Wohlfahrtszwecken.

    Welchen Stundensatz stellt ihr dem Steuerzahler in Rechnung?


    MfG, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Hallo Max,

    ich bin erstaunt, dass Du und das vom RP Kassel beauftragte Ingenieurbüro die Gutachten zur Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten nicht kennen. Auch im RP Kassel müssten die Gutachten bekannt sein. Schon 1996 ist der Flugplatz als Untersuchungsgebiet gelistet worden. In dieser Zeit dürfte auch ein entsprechendes Gutachten erstellt worden sein. Frage im Umweltamt beim RP Kassel nach diesem Gutachten. Du würdest Dir und dem Steuerzahler viel Zeit und Geld sparen.

    MfG aflubing.

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank schonmal für die Tipps und Antworten!

    aflubing : Das Industriegebiet ist in der Tat schon lange im Altlastenkataster als "altlastverdächtige Fläche" verzeichnet, es geht jetzt darum, Gewissheit zu erlangen, was genau wo und in welcher Menge in die Umwelt gelangt sein könnte. Da der Auftrag aus dem Umweltamt (Dezernat Grundwasserschutz, Wasserversorgung, Altlasten, Bodenschutz) kommt, gehe ich davon aus, dass sie uns Gutachten welcher Art auch immer nicht vorenthalten. Habe zusätzlich jedoch auf deinen Tipp hin gerade das Umweltamt der Stadt Kassel angeschrieben, ob sie noch was haben.


    mfpb330 : Das Stadtarchiv hat mir Ende letzter Woche bereits wertvolle Informationen zu den Tankvorgängen geliefert. In der Tat scheint es keine unterirdischen Leitungen gegeben zu haben, sondern Tankwagen und sowas wie rollende Ölfässer. Ein 10,000 L Tanklager konnte ich in den Blaupausen lokalisieren und weiß auch wo die Treibstoffvorräte nach dem Krieg gelagert wurden.

    Noch nicht weiter gekommen bin ich bei der militärischen Ausstattung des Flugplatzes:
    - Wo standen und stehen beispielsweise (laut Luftbild) Abwehranlagen wie Flak und Nebelfässer?
    - Wisst ihr was über Löschschäume der Werksfeuerwehren? Es wurde meines Erachtens hauptsächlich mit Proteinschaummitteln gearbeitet und noch nicht mit altlastenrelevanten PFC-Schäumen
    - Bin auf einen Antrag für den Bau eines "Gurtraumes" an den MG-Schießstand gestoßen. Handelt es sich dafür um die Bezeichnung für einen Raum, in dem Munitionsgurte gelagert wurden?

    MfG,
    Max

  • Nachtrag: Liegt jemandem von euch das Buch "Fliegerhorste und Einsatzhäfen der Luftwaffe" von Karl Ries und Wolfgang Dierich (1993) vor? Vielleicht würde mir jemand einen Scan der Seite mit der dort abgebildeten Planskizze/Abschnittes des Flugplatzes zukommen lassen, nur zur Ansicht (bevor ich dem Steuerzahler 70 € für das ganze Buch bei Amazon in Rechnung stelle ;)) ? Und ja, die Fernleihe von Bibliotheken habe ich schon versucht...

    Edited once, last by Geogod ().

  • Hallo Max,


    die Aktenbestände zum Flugplatz Waldau sind Dir bekannt? Stadtarchiv Kassel 22 Akten. Hessisches Staatsarchiv Marburg 4, Hessisches Hauptstaatsarchiv 1.


    Von der Verpachtung des Flugplatzrestaurants bis zu Brandschutzmaßnahmen ist nahezu alles zu finden.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,

    im Stadtarchiv Kassel bin ich (wie schon geschrieben) gewesen und habe in einigen Aktenmetern viel Brauchbares gefunden. Leider lässt das Militärarchiv Freiburg mit der Bearbeitung meiner Anfrage noch auf sich warten, daher mein Versuch, hier in diesem Forum weitere Hinweise auf die militärische Ausstattung des Flugplatzes zu finden.

    Grüße,

    Max

  • Hallo Max,


    im Hessischen Staatsarchiv Marburg befinden sich div. Luftbilder des Flugplatzes aus den 1960ern, im Hessischen Hauptstaatsarchiv lediglich die Flugbetriebsmeldungen 1970.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,

    die Recherche bei Arcinsys habe ich bereits durchgeführt, alle relevanten Luftbilder sind bestellt.

    Grüße,

    Max

  • Hallo zusammen,


    Edit: Bilder/Links gelöscht. Gab es alles schon.....


    Die Flakstellungen würde ich dort aufgrund der Laufgräben vermuten , die habe ich ähnlich schon auf Luftbildern von Flakstellungen gesehen.


    Ist aber nur eine Vermutung.


    Lohnt sich vielleicht Bilder von Flaksstellungen mal anzuschauen und zu vergleichen:


    Beispiel


    Gruß

    Chris

  • Moin Chris,

    das ist ja dieselbe Aufnahme, die ich in meinem Ursprungspost hochgeladen hatte. In wie weit soll das zur Beantwortung meiner Fragen hilfreich sein?
    Ich hatte Mr Bruce Richards (den Ersteller der website https://www.qsl.net/wd4ngb/waldau.htm ) schon direkt angeschrieben, weil er in den 60er Jahren in Kassel für die US-Airforce stationiert war, leider bisher noch ohne Antwort.

    Worauf machst du fest, dass dort am Nordrand Flakstellungen sind unter den Tarnnetzen? Ich vermute das auch, mir fehlen aber konkrete Indizien.

    Werk II ist für mich in diesem Falle nicht von Interesse, nur die als Werk III bezeichnete Produktionshalle befand sich auf dem Gelände des früheren Betriebsflugplatzes.

    Grüße,

    Max