Flak Schutz der Hydrierwerke 44/45

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    etwas was mich schon lange beschäftigt,

    ist die Treibstoffversorgung des Heeres nach dem Verlust der rumänischen Ölfelder.

    1. für die "Hermann Göring Werke" Leuna Bitterfeld wo (warscheinlich) auch das Kerosin für V2 produziert wurde,

    gehe ich davon aus das die leichte Flak (2-5cm) aus der Hitlerjugend, und die schwere Flak (über 10cm) aus aufgelösten Einheiten der Luftwaffe (nach 44) gestellt wurde.?

    2. für die "Hermann Göring Werke" in Brüx, könnte die sudetendeutsche HJ eingesetzt worden sein, aber wer bediente die schwere Flak? (über 10cm)

    Ich vermute jetzt einmal das die 8,8 nur noch im Erdkampf eingesetzt wurde. Und nicht gegen Höhenbomber.

    3. andere wichtige Hydrierwerke? nach 44

    Ich denke das reicht erst einmal zum ankurbeln.

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Guten Abendliebe freunde,will mich kurz zuschalten.Bin im 92 lebensjahr und war im Jahr 1943 als Flakhelfer in Pölitz

    Hydrierwerke. 2.schwere Flakabteilung 616 mit 10.5 Geschützen.Linke Oderseite.Später bei der 7.616 mit 8,8 Geschützen

    rechte Oderseite.Es gab sogar eine 12,8 Flakbatterie.Wünsche euch eine gute Nacht.

  • Hallo Sterner,

    ich freue mich sehr einen Zeitzeugen zu diesem Thema zu haben.

    Pölitz, am Stettiner Haff?

    Dort gab es keine Kohle. (Hydrierwerk chemische Braunkohleaufbereitung)

    Aber die Kriegsmarine hatte große Treibstofflager.

    Sehr interessant ist das ihr noch mit der 8,8 in den Himmel geschossen habt.

    bin begeistert.

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo Ralph,


    im IG-Farbenwerk Stettin-Pölitz wurde m.W. Kraftstoff aus Kokerei-Teer hydriert. In den dt. Hydrierwerken ( 1939= 7; 1944= 15) wurde aus so ziemlich allen "kohleähnlichen" Stoffen Treibstoff hydriert.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo Ralf,


    warum bist der Meinung das die 8,8cm Flak 1944/45 nicht mehr zur Flugabwehr eingestzt wurde ?



    Hier mal ein paar ca.Zahlen :


    8.8cm / 18,3 6, 37 Höhereichweite: 9750m

    8,8cm / 41 14930m

    10,5cm / 38, 39 10500m

    12,8cm 14800


    Die Flakhelfer wurde meines Wissens an allen Flak eingesetzt.


    Gruß, Lemmy

  • Hallo Leute,

    Thema läuft,

    Die Steinkohle für Pölitz-Stettin, kam vermutlich über die Neisse/ Oder aus Schlesien. (Waldenburg)

    Das bedeutet , auf der gesamten Oderlinie könnten kleine Hydrierwerke (auf der Basis von schlesischer Steinkohle)

    entstanden sein.

    Steinkohlekokereien können Kraftstoff sauberer und günstiger als Braunkohle Hydrierer herstellen.

    HG Werke = IG Farben

    Ich möchte sie einmal durchzählen "mit Wiki" und für dieses Thema nummerieren.

    1. Leuna Bitterfeld -Braunkohle

    2. Billingham- Steinkohle

    3. Böhlen - Braunkohle

    4. Magdeburg - Braunkohle

    5. Gelsenkirchen - Steinkohle

    6. Welheim - Pech

    7. Gelsenburg - Steinkohle

    8. Zeitz -Braunkohle

    9. Lützkendorf Kassel - Teer

    10. Stettin Pölitz - Steinkohle

    11. Wesseling - Braunkohle

    12. Brüx - Braunkohle

    13. Blechhammer - Steinkohle

    Falls Insider auch etwas über BASF Werke beitragen möchten, bitte mit laufender Nummer weiterzählen.

    Ich weis auch das aus "Schiefer" Kraftstoff hydriert wurde. (nur für Lanz Traktoren)

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo Lemmy,

    du hast sicher Recht.

    die Sowjets kamen mit massiven Tieffliegerangriffen.

    Da konnte man mit der 8,8 noch wirken.

    Aber wenn man länger leben wollte, schoss man eventuell nicht mehr hinterher.

    Ich war nicht dabei, aber es war schrecklich.

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo zusammen,


    nicht weit von meinem Heimatort (Gröben bei Weißenfels) befanden sich auf den "Baggerkippen" mehrere Flak-Stellungen, welchen u. a. die Hydrierwerke in Zeitz vor Luftangriffen zu schützen hatten.


    Flak.JPG


    Die Stellungen hat man vor Jahren noch relativ gut im Gelände lokalisieren können. Ich werde mal schauen, ob ich sie noch finde und fotografiere sie.


    Auf dem Friedhof meines Heimatortes waren / sind auch Soldatengräber für die Gefallenen der Flak-Stellungen.


    Es sollen aber auch amerikanische Besatzungen dort beerdigt worden sein, welche aber nach dem Einzug der Amerikaner durch diese 1945 exhumiert worden sind.


    Gruß


    Frank

    Ich suche alle über das Infanterie Regiment 226 , die 79. Infanterie Division sowie das Nebelwerferregiment 84.

  • Hallo,

    war es nicht so, dass sich im Raum Leuna/Merseburg eine ganze ,,Flak-Front" befand, die auch 1945 in die Endkämpfe in diesem Raum eingriff?

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,

    zur " Flakfront" gibt es das interessante Buch von Jürgen Möller:"Flak im Endkampf-Leuna 1945", Rockstuhl Verlag 2013. Dort finden sich ca. 25 Seiten über die Entstehung der Flak-Konzentration im Raum Leuna.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hi

    Das ist richtig.

    Da kaum Truppen vorhanden waren wurden diese auch zur Panzerabwehr mit mäßigen Erfolg eingesetzt.

    Jedoch bei der Luftabwehr wiesen sie einige Erfolge wohl auf.

    Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Hallo,


    wir hatten hier mal einen Schreiber über die Flakkonzentrationen mit, wenn ich mich recht erinnere Lagekarten dazu..

    Da müsste man doch Schlüsse ziehen können.

    Finde den Beitrag aber nicht.

    Vielleicht erinnert sich jemand.


    Gruß Karl

  • Hallo Ralph,


    Anfang Juli 1944 wurden die 3.Batterie der schw. Flak-Abteilung 625 von Bielefeld nach Oberschlesien zum Schutz der dortigen Hydrierwerke verlegt.

    Die übergeordnete Division war die 11. Flak-Division.




    PS: die schw. Flak-Abteilung 625 hatte 10,5 cm Flak

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Gerd,

    ich gehe einmal davon aus, dass es das Hydrierwerk Blechhammer (Heydebreck O.S.) war.

    Steinkohle oder Braunkohle? Da gibt es widersprüchliche Angaben.


    Bei Wiki ist zu lesen: Die strategische Bedeutung dieses Chemiestandortes führte in der zweiten Jahreshälfte 1944 zu 15 Angriffen von B-24-Bomberverbänden der amerikanischen Fifteenth Air Force von Stützpunkten in Italien aus. Dabei wurde das Werk zweimal wöchentlich bombardiert.

    Also waren die Hydrierwerke im Osten des Reiches, nicht durch russische Tieffliegerangriffe,

    sondern durch anglo amerikanische Höhenbomber gefährdet.

    Was die Verlegung von schwerer Flak erklärt.


    zur Erinnerung

    Blechhammer wurde auch im Thema: BRABAG u. Oberschlesische Hydrierwerke AG, behandelt.


    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo Lemmy,

    8,8 als Flugabwehrgeschütz ab 2.Hälfte 1944. (hat es sicher gegeben. Man hat da alles eingesetzt,

    auch wenn die Höhe nicht erreicht wurde)

    Meine Meinung,

    - gegen Höhenbomber: wenig Splitterwirkung nur bei Treffer wirksam.

    - gegen Tiefflieger: wirkungslos, da zu langsam und nach einer Ladung Streubomben,

    die der Russe beim Vormarsch in deutschen Luftwaffenlagern fand und sehr gerne nachbaute,

    sah die Besatzung, der meist auf Fahrgestell montierten ungeschützten 8,8 auch nicht mehr gut aus.

    - zu dieser Zeit lohnte sich das betonieren einer Flakstellung für 8,8 einfach nicht mehr.

    Sie war als Pak viel effektiver. (aber wahrscheinlich hat die Luftverteidigung die Kanonen nicht rausgerückt).

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

  • Hallo,

    noch ein paar Worte zum Flakgürtel um Schkopau-Merseburg-Leuna. Hab darüber nochmal bei J. Möller in seinem militärgeschichtlichen Abriss über die amerikan. Besetzung dieses Gebietes nachgelesen. So schreibt er in seinem Vorwort unter anderem, dass die dort befindlichen Flak-Geschütze samt Besatzungen den angreifenden amerikan. Panzerverbänden hohe Verluste beibrachten und den Vormarsch teilweise für Tage aufhielten.Dabei mußten die deutschen Soldaten, Flakhelfern, RAD-Männer und ausländischen Hilfswilligen in den letzten Kriegstagen dafür einen hohen Blutzoll entrichten. Weiterhin schreibt Möller, dass Mitte 44 im mitteldeutschen Raum einer der größten Flak-Schutzgürtel Deutschlands entsteht. Bis Nov. 44 werden allein rund um Leuna 492 Flakgeschütze der Kaliber 8,8 cm, 10,5 cm und 12,8 cm sowie mehrere hundert leichteFlakgeschütze der Kaliber 2 cm und 3,7 cm in Stellung gebracht. Es kam auch zu einer Aufstockung der bestehenden Flakbatterien. Oft erfolgt dies mit alten Geschützen bzw. Beutegeschützen. Verhindern konnte die massierte Anzahl dieser Geschütze die Zerstörung von Leuna und damit die synthetische Benzinproduktion nicht. Auch dem Hydrierwerk Lützkendorf wird letztendlich das Genick gebrochen. Wie wir wissen, war die Treibstoffproduktion die Achillesferse der dt. Kriegswirtschaft. Ohne Treibstoff fährt kein Panzer/Sturmgeschütz bzw. fliegt kein Flugzeug. Selbst die modernen Schiffe der Kriegsmarine lagen fest, wenn ihnen kein Treibstoff zugeführt wurde. Deshalb ist es für mich nicht ganz verständlich, warum die dt. Hydrierwerke erst 1944 in den engeren Fokus der anglo-amerikanischen Bomberflotten rückten. Ob es bis dahin am fehlenden Jagdschutz lag, kann ich nicht beurteilen.

    6 Tage dauerten die Kämpfe im besagten Revier, bevor die Wehrmacht vertrieben war.

    Übrigens stiegen vom Flugplatz Brandis bei Leipzig der Raketenjäger Me-163 B-1 auf. Die Amerikaner erbeuteten auf dem Feldflugplatz Merseburg 12 Raketenjäger diesen Typs.

    Noch ein Wort zur 8,8 cm Flak. In ihrer modernsten Ausführung, die 8,8 cm Flak 41, erreichte diese eine max. Schusshöhe von 14.700 m, die 10,5 cm Flak 39 nur 12.800 m und selbst die 12,8 cm Flak 40 kam auch nur auf 14.800 m. Sicherlich waren die meisten 8,8 cm Flak-Geschütze zum Kriegsende nicht vom modernsten Typ und auch viel zu oft schon ,,ausgeleiert". Für den Erdkampf fehlte bei den Abwehrkämpfen im mitteldeutschen Industrierevier öfters das entsprechende Visier, so dass über das Geschützrohr das Ziel anvisiert werden mußte.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo Wirbelwind,

    mit deinem letzten Argument hast du mir das Genick gebrochen.

    Ohne Richtoptik kein Direkt Schuß.

    Und Jena konnte natürlich nicht für jede Kanone eine Optik herstellen.

    Die 8,8 war ein Flak (mit Leitstelle), alle Fahrlafetten waren Pak mit Optik.

    Da hast du mal so etwas von Recht .

    Gruß Ralph

    P.S. bedeutet das etwa das Afrika Korps am "El Halfa Pass" Winter 41/42 durch das Rohr anvisiert hat und die Tommys

    in Schach gehalten hat. Oder hatte das Afrika Korps einfache Richtoptiken mitbekommen.

    Ich weiche ab.

    Gruß Ralph

    Namen, die keiner mehr nennt, Marion Gräfin Dönhoff.

    Edited once, last by Bludau Ostpreußen ().

  • Hallo zusammen,

    hallo Wirbelwind,


    nur z. K.: Die mir vorliegenden Zahlenangaben zur Leistung der Flak weichen von den von dir zitierten Angaben teilweise ab, z. B. Koch, Adalbert: "Die Geschichte der Deutschen Flakartillerie 1935 - 1945":

    8,8 cm Flak 41 = 14.930 m höchste Reichweite in Metern*

    10,5 cm Flak 38/39 = 10.500 dito*


    Wirksamkeit der Flak:


    allein die Abschussmeldungen der Flak sind kein vollständiger Wertmesser, denn

    > Frühwürfe

    > Abdrängen der Bomber vom Ziel

    > planloser und schneller, ungezielter Abwurf

    denn, wenn die Bombenlast an Bord war, war die Explosionsgefahr logischerweise größer.

    Das sind Faktoren die berücksichtigt werden müssen.


    Die Beschädigung der fluguntüchtig gewordenen und Personalverluste an Bord, als Folge von Flak -Beschuß: 20 - 25 % sind der sog. indirekten Flakwirkung zuzuschreiben**


    US - Oberst Davis, W.: Im Jahr 1943 sei etwa 1/3 der Totalvelsute der Fliegerverbände der 8. US - Luftflotte auf Flak zurückzuführen.

    In den Jahren 1994/1945 (Verstärkung der Heimatflak D.U.) sogar ein Anteil von 2/3 der Gesamtverluste.***


    * Siehe auch gleichlautenden Beitrag von Lemmy.

    ** Nach Mitteilung des Gen. d. Flakart.v. Axthelm

    *** Die Geschichte der deutschenFlakartillerie von 1935 - 19 45 (S. 64 und S. 71)


    Gruß Karl

  • Hallo Bludau Ostpreußen.


    14 . Ruhland / Schwarzheide


    Das Werk gibt es heute immer noch und liegt unweit von Senftenberg. Es wurde dazumal aus dem Senftenberger Revier mit Braunkohle beliefert. Hauptaufgabe war die Sicherstellung mit Treibstoffen für die Heeresgruppe Mitte der Ostfront.


    Die Amerikaner begannen, wohl als Unterstützung für die Landung in der Normandie, ab Mai 1944 die deutschen Hydrierwerke zielgerichtet zu bombardieren. Davon war auch Schwarzheide mehrmals betroffen. Die Produktion konnte jedoch jedes mal nach einigen Tagen wieder aufgenommen werden. Aus mir bis jetzt unerfindlichen Gründen war das Werk durch die Amerikaner sehr schwer zu navigieren, so das mindestens ein Angriff dokumentiert ist, wo die Maschinen ihre Bomben blind in den Wald abgeworfen hatten.


    In diesem Zusammenhang gibt es in der Gegend noch viele ehemalige Stellungen der Fla Raketen der NVA. Diese hatten die Aufgabe, das Lausitzer Braunkohlerevier mit den Kraftwerken Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe bei Hoyerswerda zu sichern.


    Gruß Andreas