Bestimmungshilfe Deutsch-Südwestafrika

  • Hallo zusammen,


    bei meiner Recherche der Kriegswerdegänge der Soldaten aus WK1 und 2 meiner Heimatgemeinde bin ich auf einen interessanten Eintrag in der Kriegsstammrolle gestoßen, siehe Anhang.

    Es handelt sich hierbei um eine Kriegsteilnahme im ehem. Deutsch-Südwestafrika.


    An Auszeichnungen erhielt er:

    - Pr M E II ??? Kennt jemand diese Abkürzung?

    - Südwestafrika-Denkmünze 1

    - Militärverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern

    - Bayer. Dienstauszeichnung 2. Klasse


    1904/06 nahm er am Feldzug gegen die Hereros u. Hottentotten teil, insbesondere:


    05.04.1904: Gefecht bei Okalarui?

    14.12.1905: Gefecht bei Smoub?

    05.01.1906: Gefecht bei Bysteck?

    22.04.1906: Gefecht bei Ganis?

    26.05.1906: Gefecht bei Gamimai?


    Wie lauten die Gefechtsorte in Afrika korrekt?

    Meine Recherche hierzu blieb leider bislang erfolglos und mit diesem Kriegsschauplatz hatte ich bislang noch gar nichts zu schaffen.


    Vielen Dank im Voraus!


    Schönen Abend.

    Stefan

    Files

    • Derr.JPG

      (46.87 kB, downloaded 34 times, last: )
  • Hallo Stefan,


    das "PR ME (II) ist das preußische Militärehrenzeichen. Gestiftet 1806, war es als Preuß. Militärehrenkreuz (=1. Kl.) und Preuß. Militärehrenzeichen (=2.Kl.) in die höchste für Unteroffiziere u Mannschaften in kriegerischen Handlungen (AUSSERHALB der mit dem EK beehrten "grossen" Kriege 1813-15, 1866, 1871/71) . In den 1860er Jahren wurde dann das " Goldene Militärverdienstkreuz" für Uffze & Mannschaften.

    Die Verleihung war mit einem Ehrensold von 3 (Ehrenkreuz) bzw. 1 Taler ( Ehrenzeichen) pro Monat verbunden.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Hallo,

    das Ordensband wird gerne mit dem des EK verwechselt, aufgrund seiner Ähnlichkeit.

    Gruß,

    JR

    PS: Hab mal ein Foto aus meiner Sammlung angehängt. Träger in zivil mit Militär-Ehrenzeichen (=2. Kl.) und China-Denkmünze

    EhrenzeichenChinaDenkmünze.jpg

    Edited once, last by IR75 ().

  • Hallo Stefan,


    wenn Du hier klickst findest Du eine Karte Namibias aus der damaligen Zeit. Vielleicht findest Du dort die genannten Orte.


    Die Ortsnamen deuten eher auf den mittleren nördlichen Teil des Landes hin.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Stefan,


    ist die Einheit bekannt? Folgende Orte konnte ich ermitteln:


    05.04.1904: Gefecht bei Okalarui? Okaharui, Farm bei Okahandja


    Dort steht ein Kriegerdenkmal:


    https://www.nhc-nam.org/nahris/sites/0841979


    05.01.1906: Gefecht bei Bysteck? Busteck


    Grüße

    Thilo









    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Es handelt sich hierbei um eine Kriegsteilnahme im ehem. Deutsch-Südwestafrika.


    Hallo Stefan,


    ist der Soldat in Deutsch-Südwest gefallen? Eventuell ist er im Gedenkbuch der Kolonialtruppen verzeichnet, zum nachschauen bräuchte ich aber seinen Namen? Wenn Du den Namen Deiner Heimatgemeinde und der zugehörigen Orte nennst, könnte ich auch noch nach weiteren Einträgen suchen.


    Gruß, J.H.

    Edit:

    05.04.1904: Gefecht bei Okalarui? Okaharui, Farm bei Okahandja

    Das Gefecht fand an Ostern 1904 statt, im Anhang zwei kurz Presseberichte über den Verlauf. Bei Wiki ist der Herero-Aufstand ziemlich gut dargestellt: https://de.wikipedia.org/wiki/…erero_und_Nama#April_1904

    Quelle: Wiener Zeitung/Abendpost Nr. 82 vom 11.April 1904, Seite 3 u. Christl.-soz. Arbeiter-Zeitung Nr. 16 vom 16.April 1904, Seite 5

  • Hi JH,


    der Name dürfte "Derr" sein - so jedenfalls ist der Scan benannt;

    vll. gibt's ja auch einen Vornamen.


    In dem mir vorliegenden Kolonialen Hand- und Adreßbuch gibt es diesen Namen nicht.

    (Ist von 1926/27; enthält Namen aus allen ehemaligen "Schutzgebieten" und meist auch

    die Anschriften im DR. Dies so ausführlich, weil vll. mal jemand etwas dazu sucht.)



    wenn Du hier klickst findest Du eine Karte ...

    Hi Paul,


    gib' uns den Link, damit wir auch suchen können.


    Grüße, Kordula

  • Hallo zusammen,


    schon einmal Danke für Eure Hinweise!


    Nun konnten also schon die Orden/Ehrenzeichen und zwei der fünf Schlachtorte geklärt werden.

    Vielleicht hat ja noch jemand eine Idee bei den anderen drei?


    Der Link bzgl. der Namibia-Karte fehlte leider.


    Nun zum Kriegswerdegang des Gesuchten, zusammengestellt anhand der Kriegsstammrolle:


    Name, Vorname: Derr, Andreas Michael

    Letzter Dienstgrad: Gefreiter

    Beförderung: Am 28.01.1906 zum überz. Gefreiten ernannt.

    geboren: 29.11.1882 in Stalldorf

    gestorben:

    Beruf: Postpackmeister in Schwabach (Austraße 2)

    Familienstand: verheiratet

    Aussehen: Größe: 1,73 m; Gestalt: schlank; Haarfarbe: dunkelblond; Bart: Schnurrbart

    Dienstverhältnisse:

    -          Frühere:

    Wehrdienst ab 25.10.1902 als Rekrut bei 3. Kompanie 5. Infanterie-Regiment „Großherzog Ernst Ludwig von Hessen“ (Bamberg).

    Am 04.01.1904 zu Kaiserl. Schutztruppen Südwestafrika.

    Am 31.12.1906 zur Reserve entlassen.

    -          Nach Eintritt der Mobilmachung:

    Am 25.01.1918 zum 1. Rekrutendepot, Ersatz-Bataillon, 7. Landwehr-Infanterie-Regiment (Nürnberg) eingerückt.

    Orden, Ehrenzeichen und sonstige Auszeichnungen:

    -          Pr. ME II (=Preußisches Militärehrenzeichen 2. Klasse)

    -          SWAD 1 (=Südwestafrika-Denkmünze)

    -          Militärverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern

    -          Dienstauszeichnung 2. Klasse: Verleihungsdatum jeweils nicht genannt

    Mitgemachte Gefechte bzw. bemerkenswerte Leistungen:

    -          Feldzug gegen die Hereros u. Hottentotten: 1904/06, insbesondere

    Gefecht bei Okaharui: 05.04.1904

    Gefecht bei ??: 14.12.1905

    Gefecht bei Bysteck/Busteck: 05.01.1906

    Gefecht bei Ganis??: 22.04.1906

    Gefecht bei Garnimai??: 26.05.1906

    Verwundung/Erkrankung:

    -          Vom 30.01. – 06.05.1918 im Lazarett Schwabacherstraße, Fürth.

    Entlassung:

    Am 27.05.1918 zufolge stv. G. K. V. vom 18.05.1918 No. 153468 zur Verfügung des Bezirkskommandos Gunzenhausen entlassen u. bis 31.12.1918 zurückgestellt.

    Ich suche derzeit nach Soldaten aus folgenden Orten:

    Bütthard, Gaurettersheim, Höttingen, Oesfeld, Gützingen, Tiefenthal (alle PLZ 97244)

    Stalldorf (PLZ 97283)


    Wenn es noch also noch weitere "Kolonialkämpfer" gegeben haben sollte, würde ich mich über Hinweise freuen.


    Schöne Grüß

    Stefan


    Schriftgröße auf normal gesetzt, Diana

  • Hallo,


    unten die bei Okaharui und Busteck Gefallenen und Verwundeten.


    Für den Zeitraum um den 14.12.1905 finde ich nur ein Gefecht südlich Toasis, am 22.04.1906 ein Gefecht im Gausob-Revier Bezirk Keetmanshoop..


    Grüße

    Thilo

    Files

    • Busteck.jpg

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    • Okahuri.jpg

      (205.65 kB, downloaded 21 times, last: )

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Guten Morgen,


    Danke Thilo für Deinen Link.:thumbsup:


    Hier noch eine weitere (neuere) interessante Literaturquelle zum Hereroaufstand von 1904:


    Bild_DSW.JPG


    Vom gleichen Verfasser gibt es ein weiteres interessantes Buch zum Nama-Aufstand:


    Bild_Nama.JPG


    Ich selbst habe sehr interessiert den historischen Roman von Gerh. Seyfried gelesen:


    Bild_herero.JPG


    Vielleicht Anregungen fürs "Osternest" ;)


    Gruss & ein schönes WE

    Gerhard

    Edited once, last by mika1606 ().

  • Hallo,


    die Karte könnt ihr finden unter dem Stichwort Nama und Herero in Wikipedia. Sorry, arbeite im Moment vom IPad und da sind Kunststücke wie Dateien anhängen etwas sehr umständlich.


    Wenn Buchempfehlungen, dann auch noch diese: Uwe Timm, Morenga, ein fiktionaler Roman von 1978 über den Krieg und Genozid der Deutschen gegen Herero und Nama in 1904 - 1906/10.


    U. Timm greift vor rd. 40 Jahren in Deutschland ein Thema in einer Weise auf, die weit entfernt ist von dem damals noch sehr verbreiteten Heldenmärchen über die deutsche Kolonialverwaltung und deren Soldaten. Spannend und literarisch ausgezeichnet geschrieben.


    Beste Grüße


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für die zeitgenössischen Kartenauszüge und Buchempfehlungen.


    Wenn ich mir allerdings diese ganzen afrikanischen Ortsnamen ansehe, glaube ich kaum, daß sich anhand einer Karte die fehlenden drei Schlachtorte identifizieren lassen.

    Vermutlich waren das dann auch Gefechte an kleinen Farmen/Niederlassungen, die nirgends groß in Erscheinung getreten sind.

    Aber vielleicht hat ja noch jemand eine Idee?


    Schönen Abend!

    Stefan

  • Hallo,


    die Gefechte waren in der Regel kurz, selten länger als der lichte Tag, die Teilnehmerzahl, insbesondere auf deutscher Seite ziemlich übersichtlich. Das damalige Kartenmaterial nicht sehr genau, die Besiedlungsdichte zudem sehr niedrig, aber jede auch nur halbwegs relevante Örtlichkeit war von der ungefähren Lage her eingezeichnet. Die Problematik dürfte in der unterschiedlich überlieferten Schreibweise der Orte liegen. Die Herero sprachen eine Bantusprache, die Nama eine Khoi-San (Hottentotten oder Afrikaans Hütentüd) Sprache mit Klicklauten und die Orlam häufig Afrikaans, die Sprache der Buren. Oft gab es für einen Ort daher mehrere Namen, je nach Volk und wie die Deutschen die Worte interpretierten.

    Darum mit Geduld in den Alten Karten und Berichten recherchieren.



    Beste Grüße


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Stefan,

    Ich suche derzeit nach Soldaten aus folgenden Orten:

    Bütthard, Gaurettersheim, Höttingen, Oesfeld, Gützingen, Tiefenthal (alle PLZ 97244)

    Stalldorf (PLZ 97283)

    im Gedenkbuch sind aus den genannten Orten leider keine Einträge verzeichnet, eine weitere Suche nach im Zeitraum 1914 - 1918 in den Kolonialgebieten gefallenen deutschen Angehörigen der Kolonialtruppe wäre anhand der Namen noch möglich.

    Vermutlich waren das dann auch Gefechte an kleinen Farmen/Niederlassungen, die nirgends groß in Erscheinung getreten sind.

    Wenn in den damaligen Kolonialgebieten Kämpfe stattfanden, dann wurde sich oftmals an nahegelegenen Örtlichkeiten und Einrichtungen wie Dörfer, Farmen, Wohnplätze, Bergen/Anhöhen und auch Wasserstellen orientiert. Dies war z.B. zur Versorgung der Soldaten mit Trinkwasser unumgänglich, da große Flächen Afrikas erst um die Jahrhundertwende erkundet wurden, damals noch dünner besiedelt und verkehrstechnisch (Eisenbahn und Schifffahrt) noch nicht so erschlossen waren wie heute. Truppen konnten sich dort tage- und wochenlang bewegen, ohne dass man Nachrichten über ihren Aufenthalt oder Verbleib erhielt, Telegrafenstationen und -Verbindungen gab es nur sehr wenige.

    Im Bundesarchiv gibt es zur Kolonialgeschichte umfangreiche Bestände, viele ehemalige Angehörige der Kolonial- und Schutztruppe waren später Mitglied im Reichskolonialbund, der mit den erneuten Kolonialbestrebungen zur NS-Zeit noch einmal kurz auflebte: http://www.bundesarchiv.de/DE/…e/kolonialgeschichte.html


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 2 times, last by Johann Heinrich ().

  • Hallo alle zusammen,


    prima, daß Ihr Euch so toll engagiert und immer neue Ideen bringt.


    Beim ersten Schmökern in den Büchern und auch auf den Landkarten konnte ich bisher noch keine Hinweise auf die die fraglichen Gefechtsteilnahmen des Soldaten Derr finden.


    Kann man denn anhand der bereits bekannten beiden Gefechte Rückschlüsse auf die Einheit ziehen, in der er gedient hat?


    Schönen Abend!

    Stefan

  • ... Wenn ich mir allerdings diese ganzen afrikanischen Ortsnamen ansehe, glaube ich kaum, daß sich anhand einer Karte die fehlenden drei Schlachtorte identifizieren lassen ...


    Hallo,


    es gibt eine Karte von Namibia, in der die Gräber der gefallenen Angehörigen der Schutztruppe, der Union und sonstiger Kriegsteilnehmer aus den Jahren 1884 bis 1945 verzeichnet sind. Diese Karte könnte bei Deiner weiteren Suche sehr hilfreich sein, da sich die Grablagen in der Nähe der jeweiligen Gefechtsorte befinden dürften: https://www.namibiana.de/de/so…ia-von-1884-bis-1918.html


    Wolfgang hatte Dir schon die digitale Version de Buches "Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika" oben verlinkt, leider ist dies keine Vollversion, einzelne Seiten des Buches fehlen dort. Antiquarisch ist die Erstauflage beider Bände aus dem Jahr 1906 (und folgende) aber noch zu bekommen, z.B. über das ZVAB: https://www.zvab.com/servlet/S…S%FCdwestafrika%22+&isbn=


    Bei der Universitätsbibliothek Frankfurt gibt es ein umfangreiches Bildarchiv mit zahlreichen Aufnahmen aus der Kolonialgeschichte:

    http://www.ub.bildarchiv-dkg.u…kt/frames/hauptframe.html

    Weiterführend findest Du dort auch eine Online-Version des "Deutschen Kolonial-Lexikon", das eigentlich bereits im Jahr 1914 druckfertig vorlag und erscheinen sollte, dann aber umständehalber erst nach dem Ende des 1.Weltkrieges im Jahr 1920 (in unveränderter Form) erschien. Darin findest Du zahlreiche Eintragungen zu Personen (z.B. Major Glasenapp) und Örtlichkeiten in Deutsch-Südwest und den weiteren Kolonien und auch einige Karten und Schautafeln: http://www.ub.bildarchiv-dkg.u…ojekt/Lexikon/lexikon.htm


    Stammen Deine Informationen zu Andreas Michael Derr aus den bei ancestry.de veröffentlichten Militärstammrollen? Da Derr gebürtiger Bayer war, könnten weitere Informationen (z.B. auch zu seinen genannten Auszeichnungen) über das Bayerische Hauptstaatsarchiv zu finden sein, hier mal ein paar Treffer mit der dortigen Online-Bestandssuche zum Suchwort "Südwestafrika":

    https://www.gda.bayern.de/findmitteldb/Suche/Archiv/

    Seine Meldung zur Schutztruppe könnte auch mit seiner beruflichen Tätigkeit als Postpackmeister zu tun haben, er war anscheinend ein sogenannter "Unterbeamter" der Post-, Fernsprech- und Telegrafenverwaltung, die sicherlich zum Aufbau, Bedienung und Instandhaltung der wenigen in Namibia vorhandenen Fernsprech- und Telegrafeneinrichtungen sehr begehrt waren.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().