Werner von Blomberg - Entlassung und Italienreise

  • Hallo zusammen,


    im Deutsch-russischen Projekt findet sich Korrespondenz zwischen Werner von Blomberg und Wilhelm Keitel anläßlich der Entlassung des ersteren als Oberbefehlshaber der Wehrmacht, siehe http://wwii.germandocsinrussia…age/1/mode/inspect/zoom/6

    [Bestand 500, Findbuch 12450 - Oberkommando der Wehrmacht (OKW), Akte 12].


    Themen sind u.a. die beabsichtigte Rückkehr nach Deutschland (Zitat: "meine Verbannung"), Geldsorgen usw.


    Eine google-Suche ergab, dass nicht so viel davon in öffentlichen Webquellen dokumentiert ist. Da mir ein paar Details interessant erschienen, erstelle ich derzeit eine Abschrift. Nachfolgend gebe ich mal einen Überblick, später folgt mehr.


    BRIEFE VON BLOMBERG (handschriftlich):

    [1] 25.01.1938, Berlin; an HITLER

    [2] 30.01.1938, Hotel Excelsio-Napoli auf dem Wege nach Capri, Hotel Quisisana; an KEITEL

    [3] 03.02.1938, Quisisana Grand Hotel Capri; an KEITEL

    [4] 15.03.1938, Sorento; an KEITEL

    [5] 05.04.1938, Bristol & Albergo Palazzo, Fioroni, Genova (Central), Genua; an KEITEL

    [6] 08.06.1938, Bristol & Albergo Palazzo, Fioroni, Genova (Central), Genua; an KEITEL

    [7] 28.06.1938, Grand Hotel Menaggio, Lac de Como; an KEITEL

    [8] 05.09.1938, Parc-Hotel Merano, Maia-Alta, Cav. O. Panzer; an KEITEL

    [9] 26.10.1938, Parc-Hotel Merano, Maia-Alta, Cav. O. Panzer; an KEITEL

    [10] 04.12.1938, Grand Hotel Baglioni & Palace, Firenze-Florence; an KEITEL

    [11] 30.12.1938, Grand Hotel Flora-Roma; an KEITEL


    Gruß

    Jörg

  • Hallo,


    hier jetzt die Abschrift des Briefes vom 26.10.1938 (Akte: Seite 13 bis 16).


    Angesprochen wird ein deutscher sogenannter "Halbjude", Stabsarzt i.R., der in Italien lebt. Die Unterstreichungen stammen wohl von Keitel, desgleichen auf der ersten Seite der Hinweis auf das Heerespersonalamt (P.A.), welches von seinem Bruder Bodewin geleitet wurde. Ist näheres bekannt?


    Habe ich den Namen überhaupt richtig gelesen?. Beim u fehlt zwar der Überstrich, aber dies ist bei "Via Laura" ebenso der Fall. Auch die zweite Silbe kommt mir recht spanisch vor???


    Danke für Hinweise!


    Die im ersten Absatz angesprochene Heirat der Tochter von Blombergs mit einem Sohn Keitels wird demnächst hier ausgeführt werden.


    Grüße

    Jörg


    ===============

    Parc-Hotel Merano, Maia-Alta, Cav. O. Panzer

    26.10.1938


    Lieber Keitel!


    Ich bedanke mich sehr für Ihr freundliches Telegramm von

    der Hochzeit. Ich möchte aber zugleich den Bereich dieser

    Dankesworte erweitern auf die lange Zeit, in der Sie und

    Ihre verehrte Gattin sich meiner Tochter angenommen haben.

    Möge ein freundliches Gestirn immer über diesem jungen

    Paare leuchten!


    Es ist tragikomisch, daß ab und zu Bittsteller sich an mich

    wenden. Meistens genügt es, dann ihnen zu erklären, daß

    sie nun ein Jahr zu spät kommen. Heute begegnete ich

    einem verzweifelten Falle, den ich lieber weiter gebe, um

    meine Seele zu salvieren:


    Dr. Karl Lubow, Stabsarzt i.R., in Bologna – Via Laura Bassi

    Veratti 53; die Trägodie des Halbjuden. Sein Gesuch ruht

    im P.A.; bei Ihrem Bruder. Er lebt in Italien, studierte seine

    Wissenschaft erneut auf italienisch, machte sein ital.

    Staatsexamen, heiratete eine Italienerin, arisch, faschistisch,

    will in Italien bleiben, aber die ital. Rassegesetze verjagen

    ihn, wenn er von deutscher Seite als Jude abgestempelt wird.

    Soweit ich die deutschen Bestimmungen übersehe, hilft nur

    ein Gnadenakt des Führers; er verspricht sich viel von einer

    Einschaltung Görings’. Ich empfehle den Fall dem menschlichen

    Wohlwollen aller, die es angehen können.


    Sie können sich vorstellen, in welcher Gefühls- und

    Gedankenwelt ich die politische Spannung durchlebte und

    wie glücklich ich über die Lösung war.


    Mein Herz, als Deutscher, ist tief bewegt von den Wundern

    des Jahres 38. Als Einzelner bin ich voll tiefster Bitterkeit

    und Verwunderung!


    Mit allen guten Wünschen


    getraulichst


    Ihr Blomberg


    ======================

    Update am 11.04.2019: 2 ???-Wörter ersetzt; Lubow ist der Name

  • Hallo Jörg,


    Quote


    Habe ich den Namen überhaupt richtig gelesen?

    ich bin mit Sicherheit kein Handschriftexperte, aber wenn ich den ersten Buchstaben des Namens mit dem B von Bologna vergleiche, heißt der Dr. nicht Bubow sondern Lubow.



    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo, Jörg,


    die roten ?? könntest Du mit "salvieren" und "menschlichen" ergänzen.


    In Berlin lebte ein Dr. Karl Lubow (Regierungsmedizinalrat). Ob es die angesprochene Person ist?


    Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Thilo,

    danke - war verwirrt wegen dem B in Bruder. Bei Eigennnamen schrieb Blomberg das B anders und deutlicher.


    Hallo Diana,

    danke! Das ist er wohl.


    Hier die genauen Einträge:


    Telefonbuch Berlin:

    - 1930: Lubow, Karl, Dr., Reg. Medizin. Rat, W 30, Eisenacher Str. 101. IV T. bzw. 3766

    - 1932: Lubow, Karl, Dr., Reg.-Med.-Rat, Stabsarzt a.D., W 30, Eisenacher Str. 101. B 7 Pallas 37 66

    - 1934: Lubow, Karl, Dr., Reg.-Med.-Rat, Stabsarzt a.D., 027, Alexanderstr. 44. E 2 Kupfergraben 37 55

    - 1935: Lubow, Karl, Dr. med., prakt. Arzt (8-9, 4-7), 0 27, Alexanderstr. 44. E 2 Kupfergraben 37 55

    - 1936: Lubow, Karl, Dr. med., prakt. Arzt (8-9, 4-7), 0 27, Alexanderstr. 44. E 2 Kupfergraben 37 55


    Den Namen und die ??? oben habe ich ersetzt.


    Gruß

    Jörg

  • Hallo,


    hier folgt der nächste Brief.


    Diesem Brief liegt noch eine von Blomberg verfasste Vergleichsrechnung bei, aus der ein monatliches "Einkommen als Reichskriegsminister" von 2.082,50 RM und ein Ruhegehalt von 1.835,38 RM hervorgeht (jeweils netto).


    Gruß

    Jörg


    ==========================================

    Grand Hotel Baglioni & Palace, Firenze-Florence

    04.12.1938


    Lieber Keitel!


    Im Januar bin ich ein Jahr ver-

    heiratet. Ich schließe aus Ihrem

    Brief vom September, daß

    noch dieser Jahresfrist meine

    Verbannung beendet ist.


    Ich möchte aber nicht wieder das

    Septembererlebnis durch-

    machen. Ich bitte Sie daher,

    den Führer dienstlich zu fragen,

    ob ich im Januar nach Wiessee

    heim reisen kann. Ich brauche

    wohl nicht hervorzuheben,

    daß ich zurückgezogen, als

    Privatmann, dort leben

    möchte und daß ich nur wünsche,

    befehligt zu werden.


    Der zweite Punkt ist das lei-

    dige Geld. Sie wissen, daß

    man damals mir ein unver-

    ändertes Einkommen ein-

    fach und ausdrücklich zu-

    sicherte. Das hat man im Jahre

    38 voll erfüllt. Für das Jahr

    39 und die Folge ist Nichts ge-

    ordnet. Ich schrieb wohl schon-

    mal, daß z. Z. meine geringe

    Pension durch Steuern, Ver-

    sicherung und meine Zu-

    wendungen an meine Schwes-

    ter und Kinder verbraucht

    wird. Bleibt die Pension mein

    Einkommen, muß ich das

    Alles völlig ändern. Auf jeden

    Fall ist Klarheit für mich wich-

    tig. So wäre ich Ihnen von

    Herzen dankbar, wenn Sie jetzt,

    die Fragen meiner Heim-

    kehr und meines Einkommens

    einer baldigen Entscheidung

    zu führen würden!


    Ich brauche nicht zu sagen, daß

    ich mit begreiflicher Ungeduld ???.


    Mit den besten Wünschen

    und Grüßen


    getraulichst


    Ihr Blomberg

  • Hallo,


    hier geht es weiter, diesmal chronologisch von vorne.


    Gruß

    Jörg


    ====================================================


    [78]

    Berlin, 25.01.1938


    Mein Führer!


    Ich melde, daß ich erkrankt

    bin.


    Zugleich bitte ich um Auslands-

    urlaub. Abreise möglichst 27.I.


    Ich bitte zu meiner Abmel-

    dung befohlen zu werden.


    v. Blomberg


    ====================================================


    [73-77]

    Hotel Excelsio-Napoli

    auf dem Wege nach Capri, Hotel Quisisana

    30.01.1938


    Lieber Keitel! Heute Morgen

    überraschte mich Wa. in Rom.

    Es war eine sehr peinliche Szene.

    Er wollte mir eine Pistole in

    die Hand drücken. Ich lehnte

    ab, da ich offenbar schon in einer

    anderen Ebene dieses Lebens

    bin, als seine Welt aus der

    er sprach. Wer hat ihn beauf-

    tragt, wer gab ihm die Erlaub-

    nis? Ich bitte Sie nun, nach

    diesem schweren Erlebnis, um

    Folgendes: Gehen Sie, baldmög-

    lichst, zum Führer und auch

    zu Göring. Ich frage beide

    ob sich etwas geändert hat

    in ihrer Auffassung und

    ihren Zusicherungen. Wenn

    das der Fall wäre, würde

    für mich und meine Frau

    der Weg zum Ende klar, und

    dann wohl auch unbestritten

    sein. Die Meinung von Wa.

    und den „höheren Offizieren“

    in deren Namen er anscheinend sprach (er deutete an, daß ein höherer

    Offizier mich aufsuchen wollte?!) Kann mich nicht beeinflussen.

    Ich könnte mir denken, daß der Führer durch einen Druck von

    Seiten der Wehrmacht es besser finden würde, mich meines

    Ranges u.s.w. zu entkleiden; es würde mich treffen, aber

    nach einem bestimmten Maße des Leidens, können sie

    nicht gesteigert werden. Ich erkläre nochmals, daß ich meine

    Frau nicht im Stich lasse und ich bitte den Führer um

    Schutz für sie. Wir wollen nicht herumreisen, bevor nicht

    etwas Gras gewachsen ist. Ich will in Italien, so unauf-

    fällig wie möglich leben, bis ein Reisen dann vielleicht

    zweckmäßiger erscheint, und bis schließlich – vielleicht –

    der Führer bestimmt, daß wir in Deutschland unauf-

    fällig leben können. Bitte sehen Sie meine Lage und

    meine Betrachtungen sehr ernst

    an und geben Sie mir schnell volle Klarheit.


    Ihr Blomberg


    ====================================================


    [64-65]

    Quisisana Grand Hotel Capri

    03.02.1938


    Lieber Keitel!


    Herzlichen Dank für Ihr schnelles Han-

    deln und rasche Benachrichtigung.

    Auf das Geschehen will ich nicht ein-

    gehen. Das mag in Berlin seine

    Erledigung, oder nicht, finden.


    In einigen Tagen werden wir nach

    Sizilien gehen – Adresse gebe ich noch.

    Vorläufig ist es auch hier ganz leer.

    Ich werde in Italien bleiben, bis

    auch in Berlin ein Reisen für zweck-

    mäßig angesehen wird. Der Ent-

    scheidung des Führers sehe ich mit Ruhe

    entgegen; ich weiß, daß er sie so formen

    wird, wie die staatliche Forderung und

    sein Gefühl es nötig machen.


    Grüßen Sie meine Kinder, soweit Sie

    glauben, daß diese Wert darauf legen.


    Getreulichst und dankbar

    Ihr Blomberg


    ====================================================


    [61-63]

    Sorento

    15.03.1938


    Lieber Keitel!


    Heute will ich nur sagen, wie

    heiß und gespannt ich diese Schick-

    salstunden Deutschlands mit

    erlebe. Ich kann mich noch nicht

    überwinden, die nicht zu beneiden,

    die mittuen dürfen, aber im

    Ganzen konnte ich doch im

    großen Geschehen das eigene

    Schicksal vergessen.


    Ich drahtete an den Führer.

    Er wird wohl keine Kennt-

    nis davon bekommen.


    Aber ich wollte doch

    zeigen, daß ich wenigstens

    innerlich nicht beiseite stehe.


    Von Dorle hatte ich einen Brief.

    Das beglückte mich sehr.


    Heil Hitler!


    Ihr Blomberg


    ====================================================

  • Moin, Jörg,


    folgende Ergänzungen zu den Blomberg-Briefen:


    4.12.38


    ob ich im Januar nach Wiessee

    heimkehren kann. Ich brauche

    wohl nicht hervorzuheben,


    ändertes Einkommen mehr-

    fach und ausdrücklich zu-


    Pension durch Steuern, Ver-

    sicherungen und meine Zu-


    Ich brauche nicht zu sagen, daß

    ich mit begreiflicher Ungeduld harre.


    getreulichst



    30.1.38


    Es war eine sehr peinliche Szene.


    tragt, wer gab ihm die Erlaub-

    nis? Ich bitte Sie nun, nach


    für mich und meine Frau

    der Weg zum Ende klar, und


    Die Meinung von Wa.

    und den „höheren Offizieren“

    in deren Namen er anscheinend sprach (er deutete an, daß ein höherer

    Offizier mich aufsuchen wollte?!) Kann mich nicht beeinflussen.


    Ich könnte mir denken, daß der Führer durch einen Druck von

    Seiten der Wehrmacht es besser finden würde, mich meines


    fällig leben können. Bitte sehen Sie meine Lage und

    meine Betrachtungen sehr ernst


    3.2.38


    auch in Berlin ein Reisen für zweck-

    mäßig angesehen wird.


    wird, wie die staatliche Forderung und

    sein Gefühl es nötig machen.


    Getreulichst und dankbar

    Ihr Blomberg


    15.3.38


    überwinden, die nicht zu beneiden,

    die mittuen dürfen, aber im


    Ich drahtete an den Führer.

    Er wird wohl keine Kennt-




    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Diana,


    besten Dank! Ich konnte Deine Ergänzungen/Korrekten jetzt noch oben übertragen und entsprechend markieren.


    Es folgt direkt der nächste Brief.


    Viele Grüße

    Jörg



    ====================================================

    [56-59]

    Bristol & Albergo Palazzo, Fioroni, Genova (Central)

    Genua

    05.04.1938


    Lieber Keitel!


    Herzlichen Dank für Ihren

    Brief. Sehr einverstanden,

    daß Sie meinen Austritt

    aus dem Schlieffen-Verein

    erklären. Hartmann hatte

    die Vereinigung wohl über-

    sehen; ich bat ihn, meinen

    Austritt aus allen Vereinen

    u.s.w. zu veranlassen.

    Ich werde ihm schreiben, daß er auch

    meinen Regts.-Verein 73

    kündigt. Übrigens muß doch

    irgendwie meine Chef-Stellung

    beim Regt. 73 liquidiert wer-

    den.


    Für 1938 ist ja nun

    die Geldfrage geregelt. Ich

    bin dankbar dafür, weil

    ich ja nun für dieses Jahr wenig-

    stens meine Kinder weiter

    unterstützen, Dorle und viel-

    leicht auch Bille aussteuern

    und meine einbezahlten

    Ausstände bezahlen kann.


    Hoffentlich findet man eine

    Lösung für die Zukunft; ich kann mir eigentlich nicht denken,

    daß der Führer seine Zusicherung von damals fallen läßt!

    Bitte danken Sie Dorle für ihre Zeilen. Ihr versprochener

    Brief wird mich wohl erst auf meiner Rückreise erreichen.

    Sie glauben nicht, wie dankbar ich Ihnen und Ihrer

    Gattin für Ihre Fürsorge bin! Ja, das Wunder

    um Österreich und der Führer, der Mann des deutschen

    Schicksals! Gottlob, kann ich auch als Betrachter das

    große Geschehen tief miterleben.


    Herzlichste Grüße und alle guten Wünsche!


    Heil Hitler!


    Ihr Blomberg

  • Hallo Jörg,


    zum Brief vom 5.4. 38 folgende Ergänzungen:


    Austritt aus allen Vereinen

    u.s.w. zu veranlassen.


    Ich werde ihm schreiben, daß er auch

    meinen Regts-Verein 73


    Für 1938 ist ja nun

    die Geldfrage geregelt. Ich


    ich ja nun für dieses Jahr wenig-

    stens meine Kinder weiter


    Bitte danken Sie Dorle für ihre Zeilen. Ihr versprochener


    Gattin für Ihre Fürsorge bin! Ja, das Wunder

    um Östreich und der Führer, der Mann des deutschen


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Diana,


    danke wiederum, jetzt alles oben integriert. Versuche, dazu zu lernen, aber manchmal etwas blind;).


    Viele Grüße

    Jörg

  • Hallo, Jörg,


    ach was, die Handschrift ist nicht die einfachste, ziemlich anspruchsvoll. Das, was Du transliteriest hast, ist top, das hätte nicht jeder gekonnt. Da kann man getrost stolz drauf sein :)


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo,


    hier die nächsten drei Briefe. Im ersten und zweiten Brief geht es um die Hochzeit der Tochter Blomberg mit Sohn Keitel. Der dritte Brief ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass Blomberg nicht zur Hochzeit nach Deutschland reisen durfte.


    Gruß

    Jörg


    ========================================

    [48-49]

    Bristol & Albergo Palazzo, Fioroni, Genova (Central)

    08.06.1938


    Lieber Keitel! Ich halte mich kurz, denn Ihre

    Zeit ist belastet. Ich weiß, wie sich für Dorle

    die Sommermonate abspielen werden.

    Es kommt dann der Herbst und ich komme

    damit auf meinen Wunsch zurück, daß

    dann die Hochzeit stattfinden möge.


    Wenn ihrem Sohn einige Lebensmonate

    fehlen, so ist zu erinnern, daß die Bestim-

    mung ja Ausnahmen zuläßt und hier

    ja wohl wirklich ein Ausnahmefall

    besonderer Art vorliegt. Bitte geben Sie

    mir Ihre Meinung. Ich kann nur wieder-

    holen, daß es aus ernsten Gründen mein

    besonderer Wunsch ist, daß die jungen

    Leute im Herbst heiraten. Ich wäre sehr

    dankbar, wenn Sie sich zur gleichen

    Auffassung bekennen würden.


    Mit herzlichem Gruß und Heil Hitler!


    Ihr Blomberg


    =============================

    [39-40]

    Grand Hotel Menaggio, Lac de Como

    28.06.1938


    Lieber Keitel!


    Sehr herzlichen Dank für Ihren

    Brief vom 22.VI.


    Ich freue mich sehr, daß Sie

    für den Oktober zustim-

    men. An sich würde ich sagen:

    je früher im Oktober, um

    so besser; aber wirklich kann

    die Hochzeit nicht erst in

    der 2. Okt.hälfte stattfinden,

    denn schließlich muß Ihre ver-

    ehrte Gattin doch Luft schnappen

    können zwischen den beiden

    Festen. Es beglückt mich natür-

    lich, daß Sie die Hochzeit aus-

    richten wollen, da ich dazu ja

    nicht in der Lage bin. Aber

    wollen wir uns nicht über

    die geldliche Seite dieser

    Belastung auseinandersetzen.


    Ich glaube zu wissen, daß

    der Führer erwartet, daß ich

    im Oktober zurück kehren

    will. Ich glaube nicht, daß es

    erforderlich ist, daß ich offiziell darum anfrage. Eine rechtzeitige

    Meldung, um die ich Sie seiner Zeit bitte werde, wird wohl

    das Richtige sein.


    Daß Dorle sich bei Ihnen und im Kreise Ihrer Familie sehr

    wohl und vertraulich fühlt, beglückt mich sehr. Ich bin

    Ihnen Allen von Herzen dankbar dafür.


    Mit besten Grüßen und Empfehlungen


    getreulichst


    Ihr Blomberg


    =============================


    [101-102]

    Parc-Hotel Merano, Maia-Alta, Cav. O. Panzer

    05.09.1938


    Lieber Keitel!


    Ich bestätige Ihre Nachricht, daß

    meine Verbannung nicht vor

    Januar beendet werden

    kann und daß nachdrücklich

    gemachte Zusicherungen hin-

    fällig geworden sind. Ich

    vergesse, irgendein Wort

    hierzu zu sagen. Auch denke

    ich nicht daran, Jemanden um

    Dieses oder Jenes zu bitten.


    Es tut mir leid, daß Sie genötigt

    werden, mir mitzuteilen,

    was allerdings nicht nur über-

    raschend und schmerzlich, sondern

    ein Stoß ins Lebenszentrum ist.


    Ich denke, unser beider Verhältnis

    zu einander wird darunter nicht

    leiden.


    Mit herzlichem Gruß und

    vielen guten Wünschen


    Ihr Blomberg

  • Hallo, Jörg,


    folgende Ergänzungen könnten eingebaut werden:


    Brief 8.6.38


    Lieber Keitel! Ich fasse mich kurz, denn Ihre

    Zeit ist belastet. Ich weiß, wie sich für Dorle


    Wenn Ihrem Sohne einige Lebensmonate

    fehlen, so ist zu erinnern, daß die Bestim-


    Brief 28.6.38


    so besser; aber praktisch kann

    die Hochzeit wohl erst in


    Meldung, um die ich Sie seiner Zeit bitten werde, wird wohl

    das Richtige sein.


    Brief 5.9.38


    fällig geworden sind. Ich

    verzichte, irgendein Wort


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Tag allerseits,


    Blomberg war nach alledem fachlich kein schlechter General, auch wenn er dem "Führer" hörig war.

    Blomberg wurde in einem durchaus kritischen Alter Witwer und verknallte sich in eine junge Frau, ohne sich über ihr Vorleben kundig zu machen. Das war damals vor allem eine Möglichkeit für Göring als Kriegs-

    minister aufzusteigen, was er anstrebte, ihm aber nicht gelang.


    Die Briefe Blombergs zeigen, wie ein einst honoriger General einen ehemaligen unterstellten Offizier (Keitel) um Hilfe anfleht.


    Dazu

    https://www.zukunft-braucht-er…g.de/werner-von-blomberg/


    Grüße

    Bert

  • Hallo Diana,


    danke nochmals. Leider kann ich es oben nicht mehr korrigieren.


    Die Hochzeit war dann am 22. Oktober 1938:


    Garnisonsgemeinde Berlin:

    Karl-Heinrich Armand Werner Gustav Keitel

    *02.01.1914 in Wolfenbüttel, evangelisch, ledig

    Leutnant im Kavallerie-Regiment Nr. 3 in Göttingen

    Dorothee Hannah Erna Elisabeth von Blomberg

    *28.06.1917 in Hannover, evangelisch, Fräulein

    Vater: Generalfeldmarschall Werner von Blomberg u. Charlotte geb. Hellmich, Mutter verstorben

    Standesamt: Berlin-Tiergarten Nr. 892

    Kirchlich: 22.10.1938


    Gruß

    Jörg