Was ist eine R-Maschine?

  • Guten Tag,

    ich fürchte, mit der Frage überfordere ich die Forumsmitglieder:

    Aber ein Versuch ist es wert::

    Im Deckwortverzeichnis für den Jägersprechverkehr tauchen Deckworte auf, deren Bedeutung mir schleierhaft ist:

    Kreuzspinne = R-Maschine wirft,

    Schlagbaum = R-Maschine erfasst

    Pfefferkorn = R-Maschine verloren

    Lastwagen = berühre R-Maschine

    Zauberflöte = bin unter R-Maschine.

    Ich habe mich zwar ein paar Jahrzehnte mit der Reichsverteidigung und speziell mit der Nachtjagd befasst - aber der Begriff "R-Maschine" ist mir bislang nicht untergekommen.

    Auch Mikael Sveijgaard ("SES") anwortete mir: No idea!

    Für jede Hilfe bin ich dankbar!!

    Beste Grüße

    Euer

    G. Aders

  • Hallo ,


    von der o. a. Bedeutung der "R-Maschine" ( wirft, erfasst, verloren, berühre, bin unter) könnte es sich m. E. um einen feindl. Bomber handeln. Für ein Mistelgespann passt "wirft" nicht. Ich kann das nicht belegen, aber es könnte ein Anhalt sein.


    Hier eine ähnliche Anfrage:

    Codewörter der Luftwaffe im Funkverkehr


    Gruß Karl

  • Guten Tag ans Forum,


    soweit mir bekannt ist, besaßen u.a. Bomber der RAF Kennungen aus Großbuchstaben. Der erste Großbuchstabe vor dem Hoheitsabzeichen war wohl eine

    Kennung innerhalb einer Staffel. Es gab also RAF-Bomber mit dem staffelinternen Kennbuchstaben "R". Könnte das eventuell mit R-Maschine gemeint sein.

    Es fand ein erfolgreichen Luftkampf gegen den Bomber "R" statt und nicht gegen einen Bomber "P" oder "Q" oder sonst einen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Servus,


    könnte es sich dabei um feindliche Flugzeuge (R-Maschine), sprich Pathfinder, handeln, welches ein Radargerät (H2S-Gerät) an Bord hatte und durch das FuG 350 Naxos aufgespürt wurden?

    Zauberflöte könnte darauf hinweisen, das der Nachtjäger unter dem Bomber ist, um dann seine "Schräge Musik" einsetzt.

    Gruss, Holger

  • Danke, Karl,

    Feindflugzeug habe ich auch vermutet, nur:

    Im Verzeichnis werden Flugzeuge eben auch als Flugzeuge bezeichnet und nicht als Maschinen ("Auto" = feindl. 2-mot Flugzeug, "dickes Auto" feindliches 4-mot Flugzeug).

    Wenn diese im BA-MA befindliche Kopie des Deckwortverzeichnisses eine sehr späte Ausgabe ist, könnte damit auch ein eigenes Flugzeug gemeint sein, z. B. Pfadfinder (für insatz Bodenplatte o. ä.) oder eben auch Mistel. Dazu passt aber nicht, dass auch dem Deckblatt steht "für Reichsverteidigung usw.".

    Aber das "usw" kann man ja weit auslegen - vielleicht ist die ""R-Maschine" eine russisches Störkampfmaschine? (Sog. Nähmaschine).

    Ist schon alles ganz schön kompliziert.

    Beste Grüße

    Gebhard Aders

  • Hallo,



    in diesem Zusammenhang fällt mir eine Zeichnung ein: R-Bar over Bielefeld.

    Auf dem hinteren Leitwwerk steht "R"

  • Hallo zusammen,


    im Kontext der Codebegriffe ("... berühre die Maschine..) fällt mir spontan die Erklärung "Ramm-Maschine" für den vom Sturmjäger bzw. Rammjäger zu vernichtenden alliierten Bomber.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Bingo, Holger!

    wie war der deutsche Codename für das H2S? Rotterdam-Gerät!

    Das damit ausgerüstete Flugzeug könnte/dürfte die "R-Maschine" gewesen sein!

    Beste Grüße

    Gebhard Aders

  • Hallo Gerd,


    Quote


    Auf dem hinteren Leitwwerk steht "R"

    das R ist Teil der Geschwaderkennung, mit eine besonderen Funktion der Maschine hat es nichts zu tun.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    > das R ist Teil der Geschwaderkennung, mit eine besonderen Funktion der Maschine hat es nichts zu tun.

    Kleine Ergänzung.

    Das ist die individuelle Maschine "R, wie Romeo, im Squadron.

    Die Squadron-Kennung ist "T4", wie auch im Bild am hinteren Rumpf rechts vom Hoheitsabzeichen prominent aufgemalt ist.

    Es handelt sich also um das 845th Bombardment Squadron der 489th Bombardment Group (Heavy), stationiert in RAF Halesworth.


    Viele Grüße, Uwe K.

    "Phillipp - das ist nicht mehr die alte Gang."

  • Liebe Kollegen,

    das "R" auf einzelnen Feindflugzeugen hat mit den Deckworten der deutschen Luftwaffe nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Warum sollte die Luftwaffe in ein Deckwortverzeichnis, das für die gesamte Tag- und Nachtjägerei gedacht war, ein Deckwort für Feindflugzeuge festlegen, die irgendwo den Buchstaben "R" hatten? Ist doch Unsinn.

    Ich bleibe bei meiner Auslegung : R-Maschine = Rotterdam-Träger, nochmals Danke Holger!

    Beste Grüße

    G. Aders

  • Nein Gerd,

    die Deckworte wurden von der Luftwaffe im Sprechverkehr nur zur Bekämpfung des Gegners benutzt.

    Gruß

    Gebhard Aders

  • Hallo Herr Aders


    Dann müßte es sich eigentlich um Übungsflüge gehandelt haben, und zwar um solche, bei der mit eig. Radargerät (z.B. FuG 350, Naxos) das Rotterdam-Signal geortet wurde.

    Interessant wäre, zu welchem Zeitpunkt diese Deckwörter verwendet wurden.


    Viele Grüße

    JoMe

  • Liebe Leute, also noch mal von vorn:

    Gebt erst mal über die Tante Gugel die Suchbegriffe "Deckwortverzeichnis Jägersprechverkehr" ein - da findet ihr einiges, besonders möchte die auf die Seite von "gyges.dk" aufmerksam machen.

    Die Deckworte entstanden - soweit ich das herausfinden konnte - im Sommer/Herbst 1940 mit der Aufstellung der Nachtjagd. Das waren zum einen Deckworte, mit denen Jägerleitstellen Nachrichten/Weisungen/Befehle an Jäger gaben, z. B. über Kurs und Höhe des Feindflugzeugs, eigener Kurs u.a.m., zweitens waren Deckworte Meldungen an Bodenstellen wie z. B. "Ich berühre" = "ich habe Ziel gesehen" oder "Ricardus" = "Ich habe nicht verstanden, bitte wiederholen". ( Neben den Deckworten konnten auch an 2-mot-Jäger mit BoFu auch 3-stellige Morsezeichen gesendet werden. ) Und wenn dann ein Nachtjäger eine Lancaster m it Rotterdamm-Gerät aufgefasst hatte, (also 1943), gab er "Schlagbaum" durch, und wenn er sich unter die Lancaster gesetzt hatte, das Deckwort "Zauberflöte" - als nächstes wird er dann "Horrido" = Abschuss gefunkt haben.

    Aber 1943 wurden die Deckworte auch für die Tagjäger In der Reichsverteidigung verwendet, schon früher beim Flugmeldedienst, auch für die Flak. An der Ostfront und im Mittelmeerraum entstanden Varianten. Auch für die Schlachtflieger und Schnellkämpfer gab es Deckworte.

    Die Verzeichnisse wurden mehrfgach geändert, bzw. erweitert.

    Sinn des ganzen: Statt langem Gequasel genügte ein Tarnwort (oder 3 Morsezeichen), um einen Sachverhalt anzuzeigen.

    Vorsicht! Da gibt es ein Computerspiel "Sturmovik" - da werden auch Deckworte verwendet - meistens der Fantasie entsprungen.


    Beste Grüße

    Euer Aders


    .

  • Moien,

    denke auch das es sich um einen Pfadfinder mit H2S handeln könnte. Allerdings stört mich das Wort "wirft" etwas. Eine mögliche Erklärung:#

    Bei den Angriffen auf Rüsselsheim (Opelwerke) im August und September 1944 führte der Angriffsweg über Trier hinweg. In der Nähe vonTrier wurde jeweils eine 4000lbs Flüssigkeitbrandsbombe geworfen um am Boden einen Wendepunkt anzuzeigen. Dieser Brandherd wurde mindestens dreimal noch beworfen um die Markierung am brennen zu halten. Das Verfahren ist mit Sicherheit auch bei anderen Angriffen der RAF angewendet worden.

    h.

  • Servus,


    da es sich ja, wahrscheinlich, um einen Pfadfinder handelt, könnte sich das "wirft" auch auf die "Christbäume" beziehen, welche diese Maschinen für den nachfolgenden Bomberstrom als Zielmarkierung abgeworfen haben.

    Gruss, Holger

  • Richtig , Holger,

    oder auch Bodenmarkierungen. Weniger wahrscheinlich ist, dass mit "Werfen" der Abwurf von Düppeln gemeint sein kann.

    Beste Grüße

    Gebhard Aders