Leutnant Franz Mähler

  • Hallo zusammen,


    über eine Auktion bin ich an Teile eines Briefwechsels zwischen dem Leutnant Franz Mähler und seiner Frau Rosa Mähler (geb. Killesreiter) gekommen. Franz Mähler ist am 03.10.41 als Angehöriger der 183. Infanterie-Division gefallen, wozu es eine Beschreibung seines damaligen Kameraden gibt. Diese Informationen würde ich gerne teilen und in diesem Beitrag zur Verfügung stellen.


    Anfangen möchte ich aber mit den Lebensdaten von Franz Mähler, wie diese über den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung gestellt werden:


    Nachname: Mähler

    Vorname: Franz

    Dienstgrad: Oberleutnant (Anm.: letzter bekannter Rang Lt. d.R.)

    Geburtsdatum: 27.01.1912

    Geburtsort: Sulzbach-Rosenberg

    Todes-/Vermisstendatum: 03.10.1941

    Todes-/Vermisstenort: Mal-Tischowa Nähe Baltotino


    Zusätzlich konnte ich aus dem Briefwechsel zwischen Franz Mähler und seiner Frau die folgenden Ränge und Feldpostnummern (ich hoffe ich habe alle Einheiten richtig zugeordnet) feststellen:


    Datum
    Rang Feldpostnummer Einheit
    30.07.1941 Leutnant 08668 Regimentsstab Infanterie-Regiment 343
    16.01.1941 Feldwebel 11562C Stab II u. 5.-8. Kompanie Infanterie-Regiment 343
    03.03.1940 Unteroffizier 11562C Stab II u. 5.-8. Kompanie Infanterie-Regiment 343
    20.09.1939 k.A. 27340 2. Kompanie Feldersatz-Bataillon 17


    Außerdem habe ich in der Liste der Offiziersverluste (NARA T-311 R-233 F-200) den Namen Mähler ebenfalls gefunden:

    NARA T-311 R-233 F-200.JPG


    Den Brief seines Kameraden an Frau Mähler folgt im nächsten Post.


    Grüße

    Alex

  • Hallo zusammen,


    anbei der Brief von Leutnant Heberlein an Frau Mähler, der die Ereignisse beschreibt, die zum Tod von Franz Mähler geführt haben. Dieser Brief wurde erst ein Jahr nach Lt. Mählers Tod geschrieben.


    Leutnant u. Kp. Fhr.

    Hans Heberlein

    Feldp. No 12658 B


    Im Felde, 3.10.1942

    Hochverehrte gnädige Frau!

    3. Oktober 1941. Ein sonniger Herbsttag. Ein Bataillon unter vielen tritt zum Sturmangriff an. Wie immer, so wehrt sich auch heute der Feind erbittert, zäh, ja verzweifelt. Er schießt aus allen Rohren, was diese hergeben. Es hilft ihm nichts. Die 1. Widerstandslinie ist gebrochen, die 2. zum Wanken gebracht. Wir sammeln, nehmen Befehle entgegen und stürmen weiter. Unter den Stürmenden ist und führt der tapfere Leutnant Mähler. Wir schießen, wir springen, wir robben, wir bleiben mal für kürzere, mal für längere Zeit liegen um ein besonders listiges Widerstandsnest niederzuschlagen und wir schlagen es nieder. Die feindl. Linien sind durchbrochen, der Feind geschlagen. Es geht weiter vorwärts. Nach ein paar hundert Metern erhalten wir erneut Feuer.

    Der Kommandeur befiehlt: Lt. Mähler mit etwa 12 Mann greift von rechts, Lt. Heberlein mit 15 Mann greift von links das vor uns liegende Kusselgelände an und nimmt es weg. Es ist 15.10 Uhr. Um 15.30 ist das Kusselglände in unserem Besitz. Was vom Feind nicht geflohen ist, ist gefallen oder verwundet. Wir sind dabei uns einzugraben, Lt. Mähler und ich beobachten das Feindfeld weiter und suchen es nach versprengten Russen ab. Da kracht aus höchstens 200 m Entfernung ein Schuß. Der tapfere Lt. Mähler der kniend beobachtet, sinkt langsam vornüber auf die Erde. Ich will sprechen mit ihm. Doch er antwortet nicht mehr. Ich fühle den Puls, er schlägt nicht mehr. Ich suche nach der Wunde und muss feststellen, ein Infanteriegeschoß schlug ihm mitten durchs Herz. Ein tapferes Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen.


    Hochverehrte gnädige Frau!


    Nichts liegt mir mit dieser wahrheitsgetreuen Schilderung ferner, als etwa die Narben erneut aufzureißen, die sich über die Wunden gebildet haben, die Ihnen der Heldentod Ihres so vortrefflichen, tapferen Gatten geschlagen haben. Seine gute Kameradschaft, sein gerader Charakter, seine Echtheit und Ehrlichkeit haben heute am 1. Jahrestag seines Heldentodes mein Inneres aufgewühlt. Der Brief an Sie hochverehrte Frau Mähler, soll ein Gruß und Dank sein an unseren tapferen Lt. Mähler. So wie er lebte, so starb er, als ein Held.


    Mögen Sie die Gewißheit haben, das wir ihn nie vergessen werden, er wird immer mit uns marschieren, unser Leutnant Franz Mähler.


    Genehmigen Sie bitte den Ausdruck vorzüglicher


    Hochachtung!

    Heil H. (Anm.: geändert)!

    Ihr

    Sehr ergebener

    Hans Heberlein

    Leutnant.





    Grüße

    Alex

  • Hallo Alex,


    der Lt. Heberlein könnte er hier sein:


    Nachname:
    Heberlein

    Vorname:
    Hans

    Dienstgrad:
    Hauptmann

    Geburtsdatum:
    24.10.1906

    Geburtsort:
    Ottensoos

    Todes-/Vermisstendatum:
    17.01.1945

    Todes-/Vermisstenort:
    13 km s.o. Vukovar/Jugosl.


    Hans Heberlein wurde noch nicht auf einen vom Volksbund errichteten Soldatenfriedhof überführt.

    Nach den uns vorliegenden Informationen befindet sich sein Grab derzeit noch an folgendem Ort: Vukovar - Kroatien


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,


    vielen Dank für die Info. Leider habe ich bisher zu Leutnant Heberlein keine Informationen erhalten. In der Verlustliste der Offiziere der HG Mitte taucht er nicht auf, obwohl er am nächsten Tag (04.10.41) verwundet worden ist. Dies schreibt er in dem folgenden Brief, der einen nochmaligen Kontakt zwischen Lt. Heberlein und Frau Mähler zeigt.


    Lt. Hans Heberlein

    z. Zt. Res. Laz. Josefsheim

    Bad Wörishofen


    Bad Wörishofen, 7.12.1942

    Hochverehrte Frau Mähler!

    Ihr lbs. Brieflein v. 20.10. wurde mir nach hier, wo ich mich z. Zt. Im Res. Laz. Josefsheim befinde, von meiner Kompanie zugesandt. So sehr ich mich darüber freue, mache ich mir jetzt doch Vorwürfe, Ihnen szt. nicht geschrieben zu haben, ich war indes im guten Glauben, dass das Batl. Ihnen die näheren Umstände, die zum Heldentod Ihres so hochgeschätzten Gatten Führten, mitgeteilt hat, da dies zu jener Zeit noch möglich war. Ich bedauere wirklich sehr, daß Sie, hochverehrte Frau Mähler, die Ungewißheit über die letzte Stunde Ihres lb. Gatten, ein volles Jahr im Herzen mit sich herumtragen mußten. Zwei Gründe darf ich anführen, die mein Schweigen entschuldigen. Erstens liegt es mir nicht, viel zu reden, zu schreiben und zum anderen wurde ich 1 Tag danach am 4.10.41 verwundet, wodurch ich einige Zeit nicht sitzen konnte. Unverantwortlich und schamvoll wäre es, wenn man Ihnen gar noch falsch berichtet hätte; leider ist das nicht der erste Fall.

    Als Vater von drei Kindern kann ich (mich) den Schmerz ermessen, der bei dem Wort und den Gedanken „Nie wieder“, immer aufs neue drückt, es wird und muß aber ein Trost für Sie sein, daß Ihr Herr Gemahl in seinem Bübchen, jawohl auf das er so stolz war, weiterlebt in alle Ewigkeit. Und so stolz Ihr Gatte auf sein Bübchen war, so stolz wird einst sein Junge, sein Sohn sein, auf seinen Vater, den tapferen Leutnant Mähler, der schon so frühzeitig in diesem Kriege mit hohen Tapferkeitsauszeichnungen geehrt wurde.

    In diesem Geiste bitte ich Sie und Ihr lbs. Bübchen bestens grüßen zu dürfen.

    Genehmigen Sie den Ausdruck allerhöchster Hochachtung!

    Ihr sehr ergebener H. Heberlein Lt.



    Eine Frage hätte ich dazu: Gibt es als Nicht-Angehöriger überhaupt eine Chance Informationen über Franz Mähler bei WASt, Archiven... zu erhalten? Bisher habe ich keine Anfragen gestartet, da ich erstmal davon ausgehe, dass ich keine erhalten würde.


    Grüße

    Alex