Knobelbecher

  • Hallo,

    ich besitze die Knobelbecher und die Offiziers-/ Reitstiefel meines Vaters, die er 1940 und 1943 empfangen hat. Ich habe 1971 ein Paar Kampfstiefel(eigentlich Knobelbecher mit der demokratischen Schnalle) gebraucht von der BW erhalten. Diese Stiefel sind knochenhart, die Stiefel meines Vaters aus dem Krieg sind noch schön geschmeidig. Er trug sie bis Anfang der sechziger Jahre bei der Gartenarbeit. Wie kommt das? Die Wehrmachtsstiefel standen so 20 Jahre in einem ungeheizten Speicher. Meine Kampfstiefel/Knobelbecher waren immer im Schuhschrank. Hängt das auch mit der Dicke des Leders zusammen?

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer


    Das könnte an der Gerbung liegen!

    Ist in deinen Stiefeln vielleicht die Gerbart angegeben?

    Ich meine mich zu erinnern, daß vor 30 Jahren, was drin stand.


    Gruß Arnd

  • Hallo,


    nur eine kurze Anmerkung, falls nicht bekannt:

    Offiziere bekamen Kleidergeld und beschafften sich ihre Uniformen dann selbst, deshalb zusätzlich meist besseres und weicheres Stiefelleder.


    Gruß Karl

  • Tag allerseits,


    Karl hat wieder einmal völlig Recht.

    Die Offiziersstiefel meines verstorbenen Vaters waren Jahrzehnte nach Kriegsende immer noch voll verwendungsfähig und das Leder geradezu erstklassig. Dass man 1944 noch Offiziersstiefel in dieser Qualität bekam, das verwundet

    in der Tat.


    Grüße

    Bert

  • Hallo,


    ich kenne dieses Mysterium: Bw-Stiefel von ca. 1990, stehen in der Waschküche, kühl, hohe Luftfeuchte, eigentlich ideal, trotzdem hart. Opas Motorradstiefel von ca. 1950, Nebenraum der Heizung, warm, trocken, für Leder nicht gut, trotzdem weich. Polizei-Lederjacke von 1974, hängt seit Jahren unter anderen Jacken hier bei mir im Büro und wird vielleicht 1-2x im Jahr kurz übergezogen, trotzdem weich.


    Scheint wirklich an der Qualität der Verarbeitung zu liegen.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    weil das Leder der Stiefel der Soldaten der Wehrmacht so hart war gab es im Strafvollzugslager der SS in Matzkau sog. "Stiefelkommandos", die die neuen Stiefel ( für wen auch immer) sicher blasenreich und qualvoll einlaufen mussten.*


    Gruß Karl


    Peterssen: "Ein verlorener Haufen"

  • Hallo,


    das Zauberwort für geschmeidiges Leder heißt schon immer: Walken, dass passiert entweder bereits im Produktionsprozess oder aber nachträglich.


    Habe meine neuen BW- Knobelbecher 1968 wochenlang mit einem Stück Besenstiel gewalkt, mühselig, aber sehr hilfreich, nie eine Blase gelaufen. Rainer, nicht Schnalle, ich denke Du meinst Schlaufe.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • nicht Schnalle, ich denke Du meinst Schlaufe

    Hallo Paul,

    die Schlaufen sind im Stiefel, die Schnalle aussen und am oberen Stiefelrand. Die Gamaschenkos von meinem Vater sind auch noch sehr weich, seine Bergstiefel sind etwas härter. Das Leder meiner infraroresistenten braunen Stiefel, 1974 erhalten, ist noch prima weich. Ebenso meine Kampfstiefel von 1988. Die sind auch noch schön weich. Anscheinend hängt das wirklich davon, wie Thilo schrieb

    Scheint wirklich an der Qualität der Verarbeitung zu liegen

    ab.

    Ist in deinen Stiefeln vielleicht die Gerbart angegeben?

    Ich habe nichts gefunden

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    mit Schnalle liegst Du richtig, ich war bei den Fingerschlaufen zum Anziehen der Stiefel.


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

  • Hallo Paul,

    die Knobelbecher, die ich 1967 beim Bund bekam, waren absolut fussunfreundlich. Die waren zwar schön weich, aber ich weiss nicht wieviele andere die schon getragen hatten, und das Fussbett gefiel meinen Füssen nicht. Mein eigentliches Problem bei diesen Stiefeln ist ein hoher Spann. Passt der Stiefel war das Anziehen ein grosses Problem. Kam ich leicht in die Stiefel, konnte ich darin spazieren gehen. Nach der AGA bekamen wir dann Springerstiefel und dann war "Blasen ade". Als Reservist habe ich einmal die Knobelbecher anprobiert, passten nicht, durfte die trotzdem empfangen. Auf der Rückfahrt nach Hause Springerstiefel gekauft. Und damit nur noch einmal beim Berner Marsch Blasen gehabt. Die haben dann nach drei Jahren und acht Monaten ihren Geist aufgegeben. Ich weiss nicht wieviel tausend Kilometer ich damit gelaufen bin.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Morgen.


    Vielleicht liegt es daran das die Stiefel einmal aus dem Oberleder und einmal aus dem unteren sogenannten Spaltleder gefertigt werden.

    Das obere Leder wird ja auch für Möbel bzw Autoleder genutzt.

    Ich bin nächste Woche bei meinem Kunden der in Mülheim, als letzter von vielen, im großen Stil Leder veredelt. Gegerbt, gespaltet und gefärbt wird in Mülheim schon seit ca 15 Jahren nicht mehr.


    Ich werde mich bei einem der letzten ausgebildeten Gerber mal schlau machen.


    Grüße Uwe

  • Guten Morgen.


    Wir haben unsere Knobelbecher nach dem Reinigen erstmal mit Zeitungspapier ausgestopft zum Trocknen. Das Weichmachen erforderte den Einsatz von Stiefelfett und einer Wasserflasche.

    Nach dem Einfetten wurde die Wasserflasche als Schlaginstrument benutzt und damit das Fett "einmassiert" und gleichzeitig das Leder gewalkt. Hat immer zum gewünschten Ergebnis geführt.:)


    Grüße,

    Arcus

  • Moin Rainer,


    die Stiefel des Großvaters, 1944 "Arbeitsführer" (Major) im RAD, wurden in Ungarn angefertigt, aus dem sog. "Juchtenleder".

    Seine damaligen Uniformen wurden alle in Maßarbeit genäht , Erinnerungen meiner Großmutter.


    Oma erwähnte mehrfach, daß ihr Ehemann immer sehr eigen, um nicht zu schreiben eitel war, wenn es um seine damalige Uniformierung ging.

    Ich denke, das ist ein kleines Spiegelbild der damaligen Zeit, eine Wertung steht mir bitte nicht zu.

    "Kleider machen Leute", so war das wohl, hat sich bis heute wenig daran geändert.


    In diesem Sinne einen Gruß


    Micha


    P.S. Ich pflege Stiefel und Lederjacken immer schon mit Erdal-Froschfett, bisher keine Klagen! :)

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Hallo zusammen,

    hallo Paul,

    Hallo Rainer,


    mit Schnalle liegst Du richtig, ich war bei den Fingerschlaufen zum Anziehen der Stiefel.

    dazu gab es noch die Stiefelhaken, zusammenklappbare Metallbügel mit Handgriff , die man zur besseren Handhabung in die Schlaufen eingehängt hat.


    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,


    das Blasenlaufen hing sicher einerseits mit der Lederqualität (Härte) zusammen,

    war aber auch systembedingt, denn die Knobelbecher neigten - selbst bei bestem

    Sitz - zum Schlappen im Gegensatz zu Schnürschuhen, Springerstiefeln oder

    später geschnürten Kampfstiefeln. Um das "Schlappen" zu verhindern, gab es

    Stiefelriemen, die über Ferse und Steg geführt wurden und über dem Spann

    verschnallt wurden.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)


  • Um das "Schlappen" zu verhindern, gab es

    Stiefelriemen, die über Ferse und Steg geführt wurden und über dem Spann

    verschnallt wurden.

    Hallo,

    sowas habe ich bei der BW nie gesehen. Danach auch nicht. Knobelbecher die >Tage mal wieder angezogen und 5 Meter gelaufen, die Füsse waren absolut nicht einverstanden. Danach meine 1988 empfangenen Stiefel getestet, die fragten sofort: Wann mal wieder 20 Km rennen? Meine Antwort: Frag den Krebs.

    Gruss

    Rainer

    Suum cuique

  • sowas habe ich bei der BW nie gesehen.

    Hallo Rainer,


    diese "Marschriemen" waren auch kein Teil der persönlichen Bekleidung/Ausrüstung,

    sondern wurden in den Kantinen zum Kauf angeboten.

    Da heutzutage kaum noch in Stiefeln/Knobelbechern marschiert wird,

    haben sie sich nur noch als modisches Relikt erhalten.

    Das Prinzip war ganz einfach: Durch gezieltes Anziehen des über den Rist

    laufenden Riemens (anders als auf dem Foto) wurde der Stiefel am

    "Schlappen" gehindert.


    Gruß

    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Wiki: ". . . Soll also ein bequemer Einschlupf gewährleistet sein, liegt der Schaft nicht

    mehr dicht an der Fußbeuge an, so dass der Fuß beim Gehen hochlupft. Um dies zu

    verhindern, wird der Fuß mit einem Marschriemen (ein mit einer Dornschließe in der Länge

    verstellbarer Riemen, der im Schuhboden befestigt ist und quer über den Rist verläuft) fest

    in den Fersenbereich des Stiefels gezogen."

  • Moin Rudolf,


    den Firlefanz an den Stiefeln (Dateianhang) bezeichnet man z.B. in den USA als "Boot Harness Strap", ein modischer Schnickschnack,

    beliebt bei Western Fans und Möchtegern Bikern, auch in europäischen Tanzhallen in den 1970er und 1980er Jahren.

    (Vermutlich eine Reminiszenz an ehemals mit Sporen geschmückte Cowboystiefel?)


    In Bikerkreisen wurden die Träger solchen Unfugs z.B. gerne als "Rassler" bezeichnet, über und über mit rasselnden Ketten

    und allerlei Schmuckwerk behängte Männer, die sich auf den damaligen Treffen tummelten, war immer eine gute Lachnummer. :saint:


    Genug aus dem Nähkasten geplaudert, einen Gruß


    Micha

    Phantasie ist auch eine Begabung

  • Hallo,


    Quote

    Durch gezieltes Anziehen des über den Rist

    laufenden Riemens (anders als auf dem Foto) wurde der Stiefel am

    "Schlappen" gehindert.

    sie verhindern auch, daß Schlamm die Stiefel auszieht, ein sehr lästiger Effekt.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941