Suche Informationen zu Geschichte und Einheit meines Großvaters - u.a. Polizei Regiment 22

  • Liebe Forums-Community,

    über meinen Großvater existieren nur recht wenige Informationen. Bernhard Matthijs wurde am 8. März 1906 in Hamburg geboren und brachte sich am 14. August 1952 um.

    Zu seinem Tod gibt es eine Mitteilung der Polizeibehörde Hamburg - P - Wo. -70.85 - vom 18. August 1952. Dernach starb er im Rang eines Polizeimeisters und hatte zuletzt die Personalnummer -12372-. Unterzeichnet von Ltd. Kriminaldirektor Breuer.
    Über Ihn wurde in der Familie nur wenig gesprochen. Wir wissen, dass er an seinen Erlebnissen im 2. Weltkrieg zerbrochen ist.

    In den Unterlagen meines Vaters gibt es ein Schreiben des Kommandeurs der Ordnungspolizei für den Distrikt Warschau - IIb - 21 05 - datiert auf den 15. März 1943 mit dem Betreff "Aufhebung der Einweisung des Meisters.d.Sch. Matthijs in eine Planstelle des Polizei-Regiments 22/Bisher Pol.-Regt. Warschau/." An den Befehlshaber der Ordnungspolizei im Generalgouvernement in Krakau. Dem Schreiben nach befand sich mein Großvater zu diesem Zeitpunkt im Polizeikrankenhaus in Berlin, wo er in Folge der Begleiterscheinungen einer schweren Alkoholabhängigkeit hin überführt worden war. Das Schreiben schloss mit der Bitte, seine Einweisung in eine Planstelle des Polizei-Regiments 22 aufzuheben und ihn seinem Heimatstandort Berlin zur Verfügung zu stellen. Unterzeichnet vom Oberstleutnant der Schutzpolizei Jarke.

    Dem Schreiben kann man ferner entnehmen: Heimatdienststelle PV. Berlin, gem. Verfügung des Kommandos der Schutzplozei Berlin S. IIb 1110/11.7., vom 15.7.41, in eine Planstelle des Polizei-Regiments 22 - früher Pol.Reg. Warschau eingewiesen.

    Mich wundert die Heimatdienststelle Berlin, da er aus Hamburg stammt. Zum einen interessiert mich natürlich die Geschichte seiner Einheit im Polizei Regiment 22 zwischen Juli 41 und März 43. Aber gerne wüsste ich auch, wo ich suchen muss, um herauszufinden, wo er zuvor und danach eingesetzt wurde.

    Wir wissen, dass er meine Großmutter im zweiten Weltkrieg im polnischen Lodz kennengelernt hat. Meine Großmutter floh mit ihrer Familie erst ganz zum Schluß von dort nach Hamburg. Er wird also wohl auch dort in der Region mal zu tun gehabt haben.

    Ich hoffe, hier ein paar Anhaltspunkte oder Tipps zur Suche zu erhalten.


    Liebe Grüße,

    Benjamin

  • Danke. Ich habe bereits eine Anfrage an das Staatsarchiv Hamburg und das Bundesarchiv gestellt. Auch bei der Hamburger Polizei habe ich mal vorsichtig angeklopft. Bin gespannt, was dabei herauskommt.

    Etwas irritiert bin ich, dass in dem Schreiben die Heimatdienststelle mit PV. Berlin angegeben wird. War er doch eigentlich aus Hamburg...


    Viele Grüße,

    Benjamin

  • Hallo,

    ... Ich habe bereits eine Anfrage an das Staatsarchiv Hamburg und das Bundesarchiv gestellt ...

    in den Beständen des Bundesarchives ist am Dienstort Berlin-Lichterfelde unter der Bestandsnummer R 9361-III/568716 etwas zu Bernhard Matthijs zu finden, hast Du direkt dort in Lichterfeldeangefragt?

    Matthijs, Bernhard
    Bestandsbezeichnung: Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der SS und SA
    Geburtsdatum: 8.3.1906
    Geburtsort: Hamburg
    Unterlagenart: Sachakte Alte Signatur: SA / 4000002805
    Benutzungsort: Berlin-Lichterfelde

    Quelle: https://www.invenio.bundesarchiv.de/basys2-invenio/main.xhtml

    ... Etwas irritiert bin ich, dass in dem Schreiben die Heimatdienststelle mit PV. Berlin angegeben wird. War er doch eigentlich aus Hamburg ...

    Das dürfte mit der Um- bzw. Neustrukturierung der deutschen Polizei im Jahr 1936 durch Himmler zusammenhängen. Vorher war die Polizei (wie heute auch) Ländersache, nach der Machtergreifung waren die Nationalsozialisten bestrebt, die "Befehlsgewalt" über die Polizei zu erlangen. Zur Geschichte der Polizei lohnt ein Blick ins Lexikon: http://www.lexikon-der-wehrmac…/OrPo/Ordnungspolizei.htm


    Gruß, J.H.


    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Wow, danke Heinrich, das wird er sein. Geburtsdatum und Name stimmen überein und der Name ist ja zum Glück eher selten. Dem gehe ich gleich auch nochmal nach. ich bin bisher nur über die Seite der (ehemaligen) WASt gegangen.

    Danke auf für die Erklärung in Sachen Umstrukturierung der Polizei.

    Viele Grüße,
    Benjamin

  • Hallo,


    er war schon vor dem Krieg Polizeibeamter, 1938 wohnhaft Weddestraße 5 in Hamburg. Zuletzt hat er in der Lutterothstr. 33 gewohnt.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Danke Thilo, darf ich fragen, woher du die Informationen hast? Gerade, dass er schon vor dem Krieg Polizeibeamter war, wäre interessant.

    Wir wussten, dass er es danach noch war, bis zu seinem Freitod. Mein Großvater war vor dem Krieg verheiratet und hatte zwei Söhne (geboren 1936 und 1937). In Lodz hat er dann meine spätere Großmutter kennengelernt. 1947 kam mein Vater zur Welt. Mein Großvater nahm sich dann, wie oben schon geschrieben, 1952 das Leben. In der Lutterothstraße 33 ist mein Vater aufgewachsen.


    Mein Vater dachte bisher, er hätte zur Reserve Polizei gehört und wäre dann vermutlich mit dem berüchtigten 101er Regiment eingesetzt worden. Was auch die Verbindung zu Lodz und dem dortigen Kennenlernen meiner Großmutter erklären würde. Ist aber alles Gestocher im Nebel, da wir nur wissen, dass er zwischen Juli 41 und März 43 zum Polizei Regiment 22 gehört hat...

    Würde mich sehr freuen, da wieder von dir zu hören.
    Viele Grüße,

    Benjamin

  • Hallo Wolpertinger,


    Willkommen hier bei der "Polizei".


    Die Tatsache, dass er vor dem Krieg aktiver Polizei-Beamter gewesen sein soll, lässt viele Möglichkeiten offen.

    Darunter auch die Verwendung als Unterführer in einem Polizei-Bataillon, das dann in Polen eingesetzt war und damit auch beim SS-Polizei-Regiment 22.

    Bei den Reserve-Polizei-Bataillonen bestanden die Mannschaften aus Reservisten und dann im späteren Kriegsverlauf auch immer mehr Unterführer und Offiziere,

    auf aktive Beamte konnte man, vor allem in Funktionsstellen wie dem Kompanie-Hauptwachtmeister z.B. aber nicht verzichten.


    Versetzungen im Reichsgebiet waren ab 1937 nicht unüblich, aus welchem Grund auch immer.


    Ich würde beim Einsatzgebiet Polen auch eine Anfrage beim Bundesarchiv Ludwigsburg empfehlen, wo die Unterlagen zu NS-Gewaltverbrechen liegen.


    Gruß aus München

    Marcus


    P.S.: auf Grußformeln wird hier großen Wert gelegt

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

  • Vielen lieben Dank, Marcus!

    Das werden ja immer mehr Anhaltspunkte. Klasse.

    1943, zu Zeiten des Eingangs erwähnten Schreibens, stand mein Großvater im Rang eines Meisters der Schutzpolizei. Wenn ich das richtig verstehe, entspricht das dem Rang eines SS-Sturmscharführers.

    Da er sich schon 1952 das Leben genommen, vermute ich nicht, dass es schon größere Ermittlungen gegen ihn gegeben haben könnte. Gegen Angehörige des Reserve Polizei Bataillons 101 wurde in Deutschland ja beispielsweise erst ab 1958 ermittelt (und wir wissen nicht, ob er da überhaupt dabei war). Laut Wikipedia wurde in der Bundesrepublik überhaupt erst ab 1954 gegen Angehörige verschiedener Polizei Bataillons ermittelt. Macht es unter diesen Umständen dennoch Sinn, in Ludwigsburg anzufragen?

    Viele Grüße,
    Benjamin

    PS: Dachte eigentlich immer, meine Umgangsformen seien ganz ordentlich. Werde gucken, ob ich noch ein paar Beiträge oben in Hinblick auf abschließende Grußformeln editieren muss... Danke für den Hinweis!

  • Hallo Benjamin,


    wegen Ludwigsburg würde ich auf jeden Fall eine Anfrage empfehlen.


    Man muss die Arbeitsweise der Staatsanwaltschaft verstehen.

    Leute wurden vernommen, "mit wem haben Sie Dienst gemacht", für die erhaltenen Namen wurden Karteikarten angelegt,

    man überprüfte "lebt der noch" und falls nein, war das beendet.

    Eine Karteikarte hat man aber halt angelegt und da stehen die wichtigen Daten halt drauf.


    Ein "Meister der Schutzpolizei" ist der ranghöchste Dienstgrad unter dem Offizier, bei der Wehrmacht wäre das ein Stabsfeldwebel.


    Schon für den Hauptwachtmeister braucht er 12 Dienstjahre mindestens, er war definitiv Berufspolizist vor dem Krieg, einen Meister der Schutzpolizei der Reserve

    habe ich noch nicht gesehen.


    Gruß aus München

    Marcus



    edit: vielleicht verschiebt man das in den Polizei-Bereich ?

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  • Klasse Marcus,

    das sind wirklich prima Informationen, die schon sehr weiterhelfen. Da werde ich auf jeden Fall mal in Ludwigsburg anklopfen.

    Auch das mit den Dienstjahren hilft sehr weiter. Ich bin gespannt, was aus der Anfrage bei der Polizei Hamburg wird. Da müsste es ja dann über die Zeit vor dem Krieg weitere Informationen geben.

    Viele Grüße,
    Benjamin

  • Hallo nochmal,


    hast Du die Entnazifizierung schon angeschaut?

    Wird ja wohl in Hamburg geschehen sein, einfach im Archiv danach fragen.

    Da gibt es dann Lebenslauf, Persilscheine usw.


    Gruß aus München

    Marcus

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  • Hallo Marcus,


    habe heute erst ganz frisch angefangen. Anfragen an die Archive sind vor ein paar Stunden erst raus. Ich bin gespannt.


    Liebe Grüße aus dem Taunus,

    Benjamin

  • Guten Abend ans Forum und an Benjamin,


    der Major der Schutzpolizei Jarke wurde Anfang 1937 von der Bezirks-Regierung Liegnitz zur Polizeiverwaltung (PV) Stettin versetzt.

    Mitte 1938 wurde er dann von der PV Stettin zur PV Berlin versetzt und dann im Sommer 1939 von der PV Berlin zur PV Graz.

    Hier in Graz wurde er im Frühjahr 1941 zum Oberstleutnant der Schutzpolizei befördert, bevor er dann im März 1943 in Warschau als

    Kommandeur der Schutzpolizei im sogenannten auswärtigen Einsatz zu finden war.

    Entsprechende Einträge zu seiner Person sind in den entsprechenden Ministerialblättern vorhanden.

    Über Bernhard Matthijs habe ich weder in meinen Beständen noch in entsprechender Standard- Fachliteratur (Curilla, Klemp pp.) etwas finden können.


    Hauptwachtmeister mussten übrigens mindestens eine Dienstzeit von 4 Jahren als Hauptwachtmeister abgeleistet haben, bevor sie zu Meistern befördert werden konnten.

    Eine Beförderung vom Hauptwachtmeister zum Meister war auch vor Ablauf der geforderten 4 Jahre möglich, wenn eine vorwurfsfreie Polizei-Dienstzeit von 17 Jahren nachgewiesen

    werden konnte.

    Dieses legte ein Runderlass vom 02.01.1939 fest.


    Vielleicht noch dieser interessante Erlass über ärztliche Untersuchungen von Polizei-Angehörigen auf Einsatzfähigkeit nach den Wehrmachtsbestimmungen gemäß Runderlass vom 24.09.1942:


    Wegen des ständig wachsenden auswärtigen Einsatzes der Ordnungspolizei, mussten auch solche Pol.-Angehörige herangezogen werden, die nicht „voll polizeidiensttauglich“ im Sinne der PDV 12 waren

    Für die Beurteilung von körperlicher Tauglichkeit und Einsatzfähigkeit galt ab nun nicht die Einstellungsuntersuchung gemäß PDV 12, sondern die „Ärztliche Anweisung zur Beurteilung der Kriegsbrauchbarkeit“ der Wehrmacht.

    Also gelangen nicht mehr nur folgende Offiziere, Unterführer und Mannschaften zum auswärtigen Einsatz:

    ·         „kv.“ = kriegsverwendungsfähig

    sondern auch folgende:

    ·        „gvF.“ = garnisonsverwendungsfähig Feld

    ·         „gvH.“ = garnisonsverwendungsfähig Heimat.

    Zu den Polizei-Einheiten waren grundsätzlich nur „kv.“-befundene Polizei-Angehörige abzustellen.

    Standen hiervon nicht genügend zur Verfügungn, so waren auch „gvF“-Befundene und „gvH.“-Befundene abzustellen.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Vielen Dank, Danuser. Auch das sind sehr hilfreiche Informationen.

    Hier zu Hause kommen weitere Informationen derweil so tröpfchenweise reingekleckert. Mein Vater konnte sich gerade noch daran erinnern, dass ihm die Ex-Frau seines Vaters mal erzählt hatte, dieser sei einer der jüngsten Polizeimeister seiner Zeit gewesen. Deckt sich ja auch mit den Informationen hier. Wenn man zum Hauptwachtmeister mindestens 12 Jahre brauchte und dann nochmals mindestens 4 Jahre als Hauptwachtmeister, um Meister zu werden... Im März 1943 war mit dann 37 Jahren bereits Meister, muss also mindestens 16 Jahre vorher in den Polizeidienst eingetreten sein.

    Er hatte wohl auch eine SA-Vergangenheit - wohl bereits in den 20er Jahren. Vielleicht beziehen sich darauf die Unterlagen in Lichterfelde.

    Die Anfragen sind alle raus. Ich kann nun nur abwarten und Tee trinken. Ludwigshafen hat sich bereits gemeldet. Dort liegt nichts über ihn vor.

    Viele Grüße,
    Benjamin

  • Hallo,


    1936 taucht er zum ersten mal mit eigener Wohnung in Hamburg auf: Wandsbecker Chaussee 122, Polizeibeamter. Da Polizeiwesen damals Angelegenheit der Stadt Hamburg war, dürfte es auch im Staatsachiv Hamburg Unterlagen zu ihm geben.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Danke, Thilo.

    1936, da war er 30 Jahre alt. Dürfte bereits mit seiner ersten Frau Anni verheiratet gewesen sein. In dem Jahr kam auch der erste Sohn (Halb-Bruder meines Vaters) zur Welt. Der zweite folgte dann 1937.

    Spannend, wie sich langsam ein Puzzle zusammenfügt. Staatsarchiv Hamburg ist angefragt. Ebenso die Personalabteilung der Polizei Hamburg.

    Liebe Grüße,
    Benjamin

  • Liebe Community,


    heute kam Rückmeldung von der Personalabteilung der Polizei Hamburg. Dort liegt nichts in den Archiven, außer einem internen Vermerk, dass sich die Akte meines Großvaters im Staatsarchiv Hamburg befindet.
    Nun werde ich dort mal die Tage anrufen. Ich bin leider erst im Mai wieder in Hamburg, aber eventuell ergibt sich dann die Möglichkeit, dort einmal persönlich vorbei zu schauen.

    Liebe Grüße,

    Benjamin