Was ist das für eine Uniform?

  • Hallo in die Runde!

    Ich komme nicht weiter bei der Bestimmung der Uniform, die auf dem angehängten Foto von 1940 zu sehen ist (Aufnahmeort unklar, damals wohnte er in Berlin).

    Darauf ist ein deutscher Grafiker, über den ich forsche, mit seiner Tochter zu sehen. Er war als Nazigegner bekannt, besaß nach eigenen Angaben keinen Wehrpass und hat im Zweiten Weltkrieg offenbar keinen aktiven Wehrdienst geleistet, gehörte aber nach eigenen Angaben der Landwehr an.

    Kann mir jemand bei der Beantwortung einer der folgenden Fragen helfen?


    Was könnte das für eine Uniform sein: Landwehr-Uniform oder vielleicht eine aus seinem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, wo er im 114. Infanterie-Regiment diente und nach Kopfverletzung als dienstuntauglich entlassen wurde? Gegen eine Erste Weltkriegs-Uniform spricht, dass ich zwischen den Flügelschwingen auf der Mütze ein Hakenkreuz zu erkennen glaube.Was bedeuten die Ärmel- und Mützenabzeichen? Könnte das Ärmelabzeichen für "Infanterie" stehen?


    Ich bin dankbar für jeden Hinweis!


    Viele Grüße

    KWK

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    • KWK_Uniform.jpg

      (226.75 kB, downloaded 105 times, last: )
  • Hallo,

    ich vermute Luftschutzpolizei, die hatten eine Zeit lang diese Gross-Schwingen an der Mütze,

    später dann den normalen Polizeiadler, oder auch einfach den Luftwaffen-Adler.

    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo,

    ich vermute Luftschutzpolizei, die hatten eine Zeit lang diese Gross-Schwingen an der Mütze,

    später dann den normalen Polizeiadler, oder auch einfach den Luftwaffen-Adler.

    Grüße, ZAG

    Hallo,


    definitiv Luftschutz.

    Das "J" oder "I" am Ärmel kann ich auch nicht deuten.

    Gruß Tilo

    Ehre die Toten

  • Hallo zusammen,


    laut diversen Internetseiten steht das "J" ("I") für Instandsetzungsdienste.


    Grüße


    edit: Foto angehängt

    Files

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Guten Tag ans Forum


    auf dem Foto ist ein Angehöriger des Sicherheits- und Hilfsdienstes (SHD) mit Mannschaftsdienstgrad zu sehen.

    Die Kopfbedeckung wird bei Nimmergut im Katalog von 1978 als Tuchmütze 1940-1942 bezeichnet.

    Zum SHD gehörte auch der Einsatzbereich Instandsetzung, dessen Tätigkeitsabzeichen das abgebildete gotische "I" war.


    Männliche Angehörige des SHD waren ältere Semester, normalerweise nicht jünger als Jahrgang 1901, oft mit

    körperlichen Leistungseinschränkungen.

    SHD-Einheiten waren in den zivilen Luftschutz eingebunden.


    Mit freundlichen Grüßen aus der Normandie


    Peter

    (PH)

  • Hallo zusammen,


    Peter hat vollkommen recht:


    es handelt sich auf dem Bild um einen SHD-Angehörigen in einem Luftschutzort 1. Ordnung (die anderen Orte waren nicht mit den entsprechenden Uniformen ausgestattet). Berlin kann sehr gut sein, 1940 möchte ich aber aus nachfolgenden Gründen wiedersprechen. Es ist zu datieren auf den Zeitraum 01.08.1941 bis 01.03.1942. Das Startdatum bildet sich durch die Trageweise des Tätigkeitsabzeichen am linken Oberarm (zuvor am Unterarm), die Einführung der Schulterstücke zur SHD-Uniform bis zum "Ende" des S.H.D. und in die Luftschutzpolizei und die Luftschutzdienst-Abteilungen der Luftwaffe.


    Anhand der Dienstkleidungsvorschriften habe ich die Bestandteile und Zeiträume eingegrenzt:


    - blaugraue LS-Tuchmütze ohne Schirm (Schiffchen) mit gewebter grauer "Luftschutz"-Schwinge als Hoheitszeichen (seit 01.07.1940)

    - blaugraue Fliegerbluse (Luftwaffe) ohne LS-Hoheitszeichen (seit 01.07.1940; seit 01.08.1941 mit LS-Hoheitszeichen auf der rechten Brust, leider hier verdeckt)

    - dunkelgrüne Schulterstücke SHD-Mann (seit 15.07.1941)

    - braunes gewebtes Tätigkeitszeichen gotisch I für den Instandsetzungsdienst am linken Oberarm (seit 01.08.1941)


    Falls du mehr zum S.H.D., der LS.-Pol oder den LS-Abt. (mot.) wissen möchtest, kannst du gerne fragen. Wir würden uns sehr über mehr Informationen über Orte, Zeiten und mehr Fotos zu seinem Einsatz im Luftschutz freuen. War er zuvor in der Technischen Nothilfe ehrenamtlich tätig?


    Viele Grüße

    THWler

    Grüße

    THWler


    Ständig auf der Suche nach Informationen und Relikten der Technischen Nothilfe (TN), den Technischen Truppen und dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD)-/Luftschutz (LS)-Abteilungen/Luftschutzpolizei, zum Erhalt der Vorgeschichte des Technischen Hilfswerk (THW) und der systematischen Aufarbeitung und Verarbeitung der Historie mit dem Ziel einer öffentlich zugänglichen Publikation unter wissenschaftlichen Maßstäben.

  • Hallo THWler et alii,


    Nur eine winzige Kleinigkeit:

    - das 'Schiffchen' hieß bei der Luftwaffe 'Fliegermütze', beim Luftschutz 'Luftschutzmütze',

    - die kurze Jacke mit verdeckter Knopfleiste und ohne aufgesetzte Taschen hieß bei der Luftwaffe 'Fliegerbluse', beim Luftschutz 'Luftschutzbluse'. Ob sie nach Eingliederung der SHD-Abteilungen (mot) als Luftschutz-Truppe in die Luftwaffe in 'Fliegerbluse' umbenannt wurde, ist mir nicht bekannt, aber auch irrelevant.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo zus.


    zur Info diese Collage mit Uniformwechsel eines Mannes mit der selben (?) Funktion.


    Bild 1 mit Luftwaffen-Uniform, Adler, aber Koppel SHD

    Bild 2 mit Luftwaffen-Uniform aber Polizeiagler am Ärmel und Schiffchen, Kragenspiegel

    Bild 3 in dunkler Sicherheits Hilfsdienst Uniform, mit Armbinde und "Luftschutz-Schwinge" am Schiffchen.(nur das ist Datiert mit Sommer 1940)


    Auf unscharfen Gruppenbildern sieht man z.B. wenige in SHD-Uniformen, viele mit Pol-Adler, andere mit Lw-Adler am Schiffchen.


    Grüße, ZAG

  • Moin Thomas,


    danke für die Ergänzungen.


    Moin ZAG,


    Schöne Bilder!


    Chronologisch:

    Bild 3: sieht nach dem SHD-Mantel (keine Hoheitszeichen, 6 Knöpfe) mit grüner SHD-Armbinde aus, also zeitlich einzuordnen ab 01.07.1940

    Bild 1: typische SHD-Uniform mit Dienstgrad SHD-Truppführer, zwischen 15.07.1941 und 01.06.1942. Gelbes gotisches G für Gasspüren und Entgiften am linken Oberarm ab 01.08.1941.

    Bild 2: übernommen in die LS-Pol, Uniform beibehalten, aber Pol-Hoheitszeichen und Kragenspiegeln in Waffenfarbe des Dienstes (hier gelb). Gleicher Rang, jetzt LS-Pol Truppführer ab 01.06.1942.


    Viele Grüße

    THWler

    Grüße

    THWler


    Ständig auf der Suche nach Informationen und Relikten der Technischen Nothilfe (TN), den Technischen Truppen und dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD)-/Luftschutz (LS)-Abteilungen/Luftschutzpolizei, zum Erhalt der Vorgeschichte des Technischen Hilfswerk (THW) und der systematischen Aufarbeitung und Verarbeitung der Historie mit dem Ziel einer öffentlich zugänglichen Publikation unter wissenschaftlichen Maßstäben.

    Edited once, last by THWler ().

  • Hallo zusammen,


    Laut Schlicht/Angolia: Die deutsche Wehrmacht. Uniformierung und Ausrüstung 1933-1945, Band 3 'Die Luftwaffe' (S. 562 f.), gab es folgende Tätigkeitsabzeichen im Luftschutz:

    - weißes 'F' auf rotem Grund für den Feuerlösch- und Entgiftungsdienst (F- und E-Dienst)

    - weißes 'J' auf braunem Grund für den Instandsetzungsdienst

    - dunkelgrünes 'G' auf gelbem Grund für den Gasspürdienst

    - weißes 'V' auf lila Grund für den Veterinärdienst

    Außerdem gab es wohl noch ähnliche hochovale Abzeichen mit dem Äskulapstab (auf grauem Grund) bzw. einem unklaren Anker für Sanitäts- respektive Havariedienst. Alle diese Abzeichen hatten eine grüne Umrandung (beim Havariedienst vielleicht auch nicht). Ergänzende Angaben aus Davis/Westwell: Deutsche Uniformen und Abzeichen 1933-1945, S. 143.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Moin zusammen,


    die Bestimmungen (LDv 788) und zeitgenössischen Veröffentlichungen (Uniform-Markt) definieren die Tätigkeitszeichen:

    - Erstmalig gezeigt in Uniform-Markt 13-1940 (01.07.1940): wie von Thomas beschrieben für F, J, G, V: Trageweise auf dem linken Unterarm, am linken Oberarm die SHD-Armbinde

    - Einführung des Äskulapstabes für den Sanitätsdienst (LDv 788) am 01.08.1941: Zeitgleich Änderung der Trageweise am linken Oberarm; am Unterarm nun die SHD-Armbinde (oft schmal gefaltet und vernäht)


    Über den Havariedienst bzw. ein Tätigkeitszeichen mit Anker gibt es keine zeitgenössischen Anlagen. Ich halte dies für einen Fehler von Schlicht/Angolia (tolle Bücher, aber oftmals fehlerhaft).


    Grüße

    THWler

    Grüße

    THWler


    Ständig auf der Suche nach Informationen und Relikten der Technischen Nothilfe (TN), den Technischen Truppen und dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD)-/Luftschutz (LS)-Abteilungen/Luftschutzpolizei, zum Erhalt der Vorgeschichte des Technischen Hilfswerk (THW) und der systematischen Aufarbeitung und Verarbeitung der Historie mit dem Ziel einer öffentlich zugänglichen Publikation unter wissenschaftlichen Maßstäben.

  • Hallo THWler,


    Mit "toll, aber oftmals fehlerhaft" hast Du zwar grundsätzlich Recht, aber ausgerechnet in diesem Fall nicht. Ich habe gerade erst auf S. 567 beim Wasserstraßen-Luftschutz nachgeschlagen und siehe da - eine Reproduktion eines zeitgenössischen Dokumentes zeigt dort das Abzeichen für den Havariedienst. Hätte ich auch gleich drauf kommen können.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo nochmal an alle.

    Ich bedanke mich sehr herzlich für alle Antworten und bin beeindruckt von den detaillierten Angaben!

    THWler : Ich habe zwar weitere Informationen und Materialien zum Schicksal "meines" SHDlers, aber weiß leider nichts über seinen Einsatz im Luftschutz oder im Krieg, habe auch keine weiteren Fotos von ihm in Uniform. Meine Anfrage bei der WASt bzw. beim Bundesarchiv läuft noch. Dass das Foto erst nach dem 1.8.1941 aufgenommen wurde, kann eigentlich nicht sein, da seine Tochter, die er da im Arm hält, Anfang Juni 1940 geboren wurde. Ein einjähriges Kind ist in der Regel deutlich größer, aber zu Kriegszeiten mag das anders gewesen sein... Halte ich aber für unwahrscheinlich.


    Mich würden noch die Aufgaben der Intandsetzungstruppe beim SHD interessieren. Ist den Angaben bei WIKIPEDIA hier zu trauen? Oder gibt es andere Literatur hierzu?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Instandsetzungsdienst

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherheits-_und_Hilfsdienst


    Tragischerweise wurde der von mir Erforschte, zu dessen Aufgaben beim Luftschutz offenbar die Bergung Verschütteter gehörte, selbst Ende April 1945 in Berlin-Mitte wohl von einem SS-Angehörigen erschossen und dann verschüttet; jedenfalls wurde seine Leiche erst Monate später geborgen.


    Gibt es ein wissenschaftliches Buch, in dem ich die Uniform wiederfinden könnte? Ihr seid Euch ja uneinig, ob den Angaben in "Schlicht/Angolia: Die deutsche Wehrmacht. Uniformierung und Ausrüstung 1933-1945, Band 3 'Die Luftwaffe' (S. 562 f.)" zu trauen ist.


    Besten Dank nochmals -

    KWK

  • Hallo KWK,


    ich gebe dir bezüglich des Alters des Kindes recht, bin mir bei der Einführung der Abzeichen, etc. aber sehr sicher, da ich die zeitgenössische Dienstkleidungsvorschriften und Uniform-Markt Artikel sowie diverse Fachbücher habe. Möglicherweise handelt es sich um ein Geschwisterchen, dass zwischen 1941-1942 geboren wurde? Vor dem Stichtag wurden keine Schulterstücke, sondern SHD-Armbinden mit speziellen Rangbalken getragen. Setz dich gerne mit mir in Verbindung, ich habe viel digitalisiert oder kann dies tun.


    Verschüttetenbergung war eine Standardaufgabe des SHD ID an der Heimatfrint. Der Wiki Artikel zum Instandsetzungsdienst ist ok, sehr zu empfehlen sind die Ausführungen von Erich Hampe, stv. Chef der Technischen Nothilfe und General der Technischen Truppen, der nach dem 2. WK Zivilschutz und THW mit gegründet hat. Der SHD war so sinnvoll und erfolgreich, dass man Ende der 50er/Anfang 60er in der BRD den LSHD neu gründete. Wie zuvor die TN im SHD übernahm das THW im LSHD den Instandsetzungsdienst.

    https://www.google.com/url?sa=…Vaw3lv14vnRstgJ9xsBVmyKts


    VG

    THWler

    Grüße

    THWler


    Ständig auf der Suche nach Informationen und Relikten der Technischen Nothilfe (TN), den Technischen Truppen und dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD)-/Luftschutz (LS)-Abteilungen/Luftschutzpolizei, zum Erhalt der Vorgeschichte des Technischen Hilfswerk (THW) und der systematischen Aufarbeitung und Verarbeitung der Historie mit dem Ziel einer öffentlich zugänglichen Publikation unter wissenschaftlichen Maßstäben.

    Edited once, last by THWler ().

  • Hallo THWler,


    Vielen Dank für den Literaturtipp. Aus welchem Buch stammt der Text von Erich Hampe - hast du eine genauere Quellenangabe?

    Außer der Tochter auf dem Foto gab es übrigens tatsächlich kein zweites Kind. Ich werde die Angehörigen nochmal mit dem Widerspruch konfrontieren.


    Danke und viele Grüße

    KWK

  • Hallo KWK,


    "Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg". Ist ein Klassiker, habe ich Original; die Fachinformationsstelle des BBK hat es aber netterweise auch digital und öffentlich zugänglich:

    https://www.bbk.bund.de/DE/Ser…weitenweltkrieg_node.html


    Er hat auch noch mehr dazu geschrieben, seine anderen Werke drehen sich aber mehr um die Technischen Truppen (Wehrmacht) und die Technische Nothilfe (TN).


    VG
    THWler

    Grüße

    THWler


    Ständig auf der Suche nach Informationen und Relikten der Technischen Nothilfe (TN), den Technischen Truppen und dem Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD)-/Luftschutz (LS)-Abteilungen/Luftschutzpolizei, zum Erhalt der Vorgeschichte des Technischen Hilfswerk (THW) und der systematischen Aufarbeitung und Verarbeitung der Historie mit dem Ziel einer öffentlich zugänglichen Publikation unter wissenschaftlichen Maßstäben.

  • Hallo KWK,


    Erich Hampe: Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Dokumentation und Erfahrungsberichte über Aufbau und Einsatz. Frankfurt am Main: Bernard & Graefe 1963.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"