Sollten wir den Holocaust nicht mehr weiter diskutieren, sondern einen Strich darunter ziehen?

  • Hallo Arnd,


    sehr interessant, besten Dank,

    Ich glaube damit ist die saubere Wehrmacht Geschichte!

    Nicht jeder war an den Verbrechen beteiligt!

    Allerdings waren genug von den Oberen informiert!

    Die "saubere Wehrmacht konnte ja auch nicht geben" sie mußte die Einsatzgruppen schließlich logistisch unterstützen und mit Nachschub versorgen und deren Einsatzgebiete freikämpfen. Daß sie aber direkt an Massentötungen beteiligt war, bezweifel ich allerdings.


    Ich denke die kämpfende SS sollte man hier herausnehmen.

    Die hatten in der Truppe so eine Selbsterziehung, das es keine Gnade geben konnte.

    Also damit habe ich ein Problem, soll das auf Befehlsnotstand in der Waffen-SS deuten? Und Hermann Vögelein (Fegelein)?


    Gruß Wolfgang



    schwieriges Thema

    Ja, genau deshalb habe ich diesen Thread so eröffnet.


    Gruß Wolfgang

    QUOD SEVERIS METES * Für jede Information zur 296., 327. und 357. I.D. bin ich dankbar.

  • Hallo Wolfgang


    Gibt es Belege dafür, daß Soldaten, die an Erschließungen nicht teilnehmen wollten, bestraft wurden!

    Bin noch relativ frisch, habe aber bis jetzt nur davon gehört dass das nicht vorgekommen ist!


    Gruß Arnd

  • Hallo Arnd,


    nein, aber darauf kommt es nicht an, wie steht es heutzutage um das was Kennedy Zivilcourage nanne und daß die Nationalsozialisten sehr bedrohlich aufgetreten sind, sollte nicht bezweifelt werden.


    Gruß Wolfgang

    QUOD SEVERIS METES * Für jede Information zur 296., 327. und 357. I.D. bin ich dankbar.

  • Hallo,

    ich denke jeder von uns hat sich mal versucht vorzustellen, wie er damals gehandelt hätte oder wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er zu dieser Zeit geboren worden wäre.


    Ich für mich kann sagen, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass mich die Massenveranstaltungen, die "friedlichen Erfolge" in der Außenpolitik bis 1938 etc. beeindruckt hätten. Auch hätte ich niemals daran gedacht, meinen Wehrdienst verweigern zu wollen - schon deshalb, weil es unter Strafe stand. Und wenn ich Pech gehabt hätte, wäre ich evtl. sogar - wie viele ab 1943 - als einer der "unfreiwillig-Freiwilligen" in der Waffen-SS gelandet; also einer Organisation, die im nachhinein als "verbrecherisch" eingestuft wurde.

    Eine Mitläuferkarriere kann ich mir für meine Person also durchaus vorstellen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Wissen um sämtliche in deutschen Namen begonnenen Verbrechen damals nicht in allen Details "per Mausklick" verfügbar waren etc.


    Ab da muss ich allerdings einen Trennungsstrich ziehen:


    Aktive Beteiligung am Völkermord bez. Geiselerschießungen, Dienst in einem Konzentrationslager u.ä. - da nehme ich für mich in Anspruch, dass ich mich hier geweigert hätte.

    Was mich manchmal stutzen lässt, sind solche Dinge wie das Stanford-Experiment, dass ja viele kennen dürften.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment

    Kann ich das also wirklich von mir behaupten?


    Oder wie war das mit der Banalität des Bösen als der Charakaterisierung von Leuten wie Eichmann? Wären diejenigen Menschen, die sich aktiv am Holocaust oder an Kriegsverbrechen beteiligt haben, bei einem anderen Verlauf der Geschichte ebenfalls auffällig geworden? Sadisten / Verbrechernaturen wie Dirlewanger, Göth etc. wohl schon. Aber die vielen anderen?


    LG

    Flo

  • Tag allerseits,


    es entstand in der Nachkriegszeit vereinzelt der Eindruck, der Rückhalt von Hitler im Volke sei eher gering gewesen.

    Das war der Versuch, alle Deutschen "reinzuwaschen" - ein untauglicher Versuch!


    Der Historiker Werner Maser beschreibt in seinem Buch "Deutschland Traum oder Trauma" (S. 429) treffend den Propaganda-Effekt: ...Die alles beherrschende, heroisch stilisierte Propaganda und die Angst als Loyalität, Solidarität und Gefolgschaftstreue initiierende Elemente allein schufen nicht das Staatsvolk, das noch im Hochsommer 1944 fast mehrheitlich hinter Hitler stand. Dass die Bevölkerung vielfach nicht durchschaute, was sich hinter den "Segnungen" und Propagandaversionen verbarg, ist eine Erkenntnis, die zwischen 1933 und 1945 nur vereinzelt vorhanden war.....


    Die Bevölkerung wusste, dass die Deutschen jüdischen Glaubens, die vielfach in der Nachbarschaft wohnten, aus der Wohnung geholt wurden. Wer bis Hochsommer 1944 hinter Hitler stand, der nahm das eben hin. Nach dem Motto:

    Es wird schon Gründe dafür geben, dass man die Juden "abholt". Andere hatten Angst und hielten den Mund und sprachen über solche Dinge nicht. Das ist gelebte Diktatur. Ich erlebte als kleiner Junge im September 1944 Folgendes:


    Eine Nachbarin machte einen Art Freudentanz auf dem Balkon, nachdem sie eine Sondermeldung über die Versenkung feindlicher Schiffe durch deutsche U-Boote im Radio hörte. Meine Mutter sagte zu ihr: "Führen Sie sich doch nicht

    so auf, das sind ja auch Menschen....!"


    2 Stunden später waren 2 Gestapobeamte samt Bürgermeister bei uns. Vorwurf: Wehrkraftzersetzung. Meine Mutter hatte es dem Bürgermeister (Mitglied der NSDAP) zu verdanken, dass sie nicht mitgenommen wurde. Sie musste sich aber

    danach über Wochen immer wieder bei der Polizei melden.


    Grüße

    Bert

  • Hallo Flo,


    EineMitläuferkarriere kann ich mir für meine Person also durchaus vorstellen.Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Wissen um sämtliche in deutschen Namenbegonnenen Verbrechen damals nicht in allen Details "per Mausklick"verfügbar waren etc.


    Ab damuss ich allerdings einen Trennungsstrich ziehen:


    AktiveBeteiligung am Völkermord bez. Geiselerschießungen, Dienst in einemKonzentrationslager u.ä. - da nehme ich für mich in Anspruch, dass ichmich hier geweigert hätte.

    Wir kommen nicht weiter durch die Frage, ob wir (nicht unter NS-Einfluß groß geworden) mehr Zivilcourage gezeigt hätten, wir hätten nicht! Unter diesem Gesichtspunkt müßen wir die Beteiligte am 20. Juli 1944 sehen und würdigen.


    Gruß Wolfgang

    QUOD SEVERIS METES * Für jede Information zur 296., 327. und 357. I.D. bin ich dankbar.

  • Hallo Arnd,


    nein, aber darauf kommt es nicht an, wie steht es heutzutage um das was Kennedy Zivilcourage nanne und daß die Nationalsozialisten sehr bedrohlich aufgetreten sind, sollte nicht bezweifelt werden.


    Gruß Wolfgang

    Hallo Wolfgang


    Dabei ging es mir um den immer wieder angegeben Befehlsnotstand!


    Gruß Arnd

  • Tag allerseits,


    dass es KZs gab, dass wussten alle, selbst kleine Kinder. Wenn in unserer Stadtrandgemeinde in den letzten Kriegsjahren KZ-Inhaftierte in ihren gestreiften Kleidungsstücken durch unsere Ortschaft zum Arbeitseinsatz in einen Rüstungsbetrieb liefen, dann riefen größere Kinder: "Die KZ-ler kommen....". Aber es gab ja nach Kriegsende Erwachsene, die noch nie etwas von der Judenverfolgung und den KZs gehört haben sollen.....


    Zivilcourage eines Einzelnen oder von WENIGEN führt in einer Diktatur kaum zu einem Erfolg. Auch die Männer des 20. Juli waren viel zu WENIGE, um etwas bewirken zu können und in ihrer Organisation mit erheblichen Mängeln behaftet.

    Zu diesem Ergebnis kommt auch heute die historische Forschung.


    Eine Diktatur geht erst dann zugrunde, wenn die überwiegend Mehrheit des jeweiligen Volkes das System ablehnt und in Massen auf die Straße geht. Beispiel: die DDR.


    Gruß

    Bert

    Edited once, last by Jahrgang39 ().

  • Hallo Jahrgang 39.


    Wir haben es hier mit einer Thematik zu tun, die äußerst delikat ist, um das einmal so zu umschreiben. Fakt dürfte sein :


    Kenntnis über die Judenvernichtung erhielten die Alliierten spätestens seit 1941 mit dem Knacken des Codes der Enigma. Hier gelang es diesen, eine Meldung der Einsatzgruppen abzufangen und zu entschlüsseln. Mir ist auch bekannt, das es mindestens in einem Fall gelang, einen Augenzeugen aus dem Lager Auschwitz herauszubringen, der den Alliierten persönlich seine Beobachtungen vortragen konnte. Den Alliierten war also dieser Vorgang bekannt. Warum wurde nicht entsprechend gehandelt ? Dürfte die Frage nun lauten .


    Ich war im Jahr 2011 persönlich in beiden Lagern in Auschwitz und habe mir einen Überblick verschaffen können. Nach Aussage der Museumsführerin sind deutsche Staatsbürger diejenige Nation, welche mit Abstand die wenigsten Besucher ausweist. Gaskammern habe ich in Auschwitz II keine sehen können. Das Stammlager Auschwitz I macht einen sehr soliden gebauten Eindruck und war mit Sicherheit als Arbeitslager gebaut worden. Das reine Vernichtungslager war dann später Auschwitz II.


    Im Grunde genommen war die " Judenvernichtung " ja als Staatsgeheimnis deklariert. Im Lager Auschwitz I sind unzählige Fotografien der Opfer dokumentiert. Es gibt ja auch ein Buch über den Fotografen von Auschwitz, indem dieser seine Erlebnisse schildert. Hier frage ich mich, was macht es für einen Sinn, eine eigentlich geheime Aktion auch noch für die Nachwelt zu dokumentieren ?


    Zur Frage, was man " wusste " : Hier bin ich der Meinung, das große Teile der damaligen Bevölkerung eben dieses ab einem gewissen Zeitpunkt doch wussten. Man zog sich aber in eine " Traumwelt " zurück und negierte ganz einfach die Realität. Das gleiche Phänomen ist aktuell auch zu beobachten bezüglich der illegal und staatlich forcierten Einwanderung. Man glaubt doch tatsächlich hier kämen " Fachkräfte " um unsere Rente zukünftig bezahlen zu können. Diese Diskrepanz ist psychologisch erforscht und dokumentiert. Das Aufwachen davon wird bei den zustimmenden Protagonisten schockähnliche Zustände verursachen.


    Im Übrigen las ich einmal ( für die Quellenfetischisten hier : ich weis das Buch nicht mehr ) , das die Organisatoren der Judenvernichtung in etwa 54 % eine akademischen Ausbildung aufwiesen. War Himmler nicht auch Agraringenieur ?


    Was den 20. Juli 44 betrifft : Hier standen die Teilnehmer am Widerstand auf verlorenen Posten. Trotz Verbindungsaufnahme zu den Alliierten gab es von diesen keinerlei Unterstützung. Der Hintergrund dürfte klar sein : Warum sollte man einen Diktator zu diesem Zeitpunkt entsorgen, der eklatante Fehlentscheidungen zugunsten der Alliierten am laufenden Band tätigte ? Hauptziel der Alliierten war die vollständige Niederringung Deutschlands. Wie mir bekannt ( in meiner Bibliothek befinden sich mehrere Bücher, wo einzelne Aussagen darüber enthalten sind ) , hätten selbst die Russen die Möglichkeit der Ausschaltung gehabt, was diese aber unterließen. Die Betonung liegt dabei auf Möglichkeit, nicht Erfolg .


    Was 1989 betrifft:


    Nach meiner Einschätzung handelt es sich hierbei um den Fake einer " Revolution ". Als damaliger Oberleutnant einer besonderen Einheit der NVA war ich im Grunde genommen involviert. Zu diesem Zeitpunkt war es uns untersagt, die Kaserne zu verlassen. Wir schliefen völlig in Kampfmontur auf Feldbetten mit der Kalaschnikow darunter, jederzeit einsatzbereit. Des weiteren waren einsatzbereit :


    NVA ca. 180 000 Mann

    Stasi hauptamtlich ca. 85 000 Mann

    Volkspolizei ca. 20 000 Mann

    Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in der DDR ca. 350 000 Mann


    Insofern hätte man die " paar Zehntausend " Demonstranten locker in den Griff bekommen. Irgendwer wollte das aber nicht.


    Also Freunde , Feuer frei für eine Diskussion !


    Gruß Andreas

  • Grüß Dich Andreas,


    danke für Deine Ergänzung.


    Die Frage, warum die DDR die damaligen Demonstranten "nicht in den Griff bekam", die geistert immer noch durch die Medien.


    Auch im Jahre 1989 war das Medienzeitalter schon stark ausgeprägt. Selbst eine Diktatur konnte es sich damals nicht mehr ohne weiteres erlauben,

    unter Zehntausenden, die beispielsweise in Dresden auf Straße gingen, ein Blutbad anzurichten. In China funktionierte es noch, auf dem Platz

    des Himmlischen Friedens. In der DDR war die Situation schon eine andere. Bei aller Kritik, die der Westen immer für die

    DDR parat hatte, es ist auch den "führenden Persönlichkeiten" der damaligen DDR zu verdanken, dass es nicht zum Waffeneinsatz kam. Selbst

    Mielke erlaubte sich nicht, hier "kurzen Prozess" zu machen. Auch den Offizieren und der Generalität der NVA haben wir es zu verdanken, dass diese "Revolution" friedlich verlief.


    NS: Der "Reichsheini", wie Himmler in Süddeutschland immer genannt wurde, war Diplomlandwirt und befasste sich kurzzeitig mit Hühnern.

    Wahr ist auch, dass man bei der SS meist nur als Akademiker für höhere Ränge in Betracht kam. Gleiches galt für die damaligen Gauleiter.


    Grüße

    Bert

  • Guten Tag zusammen,


    bis vor wenigen Posts ein Thread, der so lief, wie es laufen sollte.....

    nicht nur wegen der guten Threadführung von Wolfgang, der sich echt der Sache angenommen hat,

    den Thread fortführend begleitet,

    sondern auch wegen der Art der Antworten, alles fein, alles gut.


    Dann, aus unerklärlichen Gründen, verläßt Bert das Spielfeld, bringt die DDR ins Spiel.

    Bert weicht gerne ab, immer wieder, die Frage ist nur,

    wie lange lassen sich Mitglieder das noch gefallen, Mitglieder, die einfach nur an einer Fortführung eines sicher interessanten Threads Gefallen fiinden?

    Oder ich?


    Welch eine Vorlage für Heinrichotto / Andreas.

    Springt, natürlich, sofort drauf an!


    Und dazu kommen solche Fragen:

    Quote

    Hier frage ich mich, was macht es für einen Sinn, eine eigentlich geheime Aktion auch noch für die Nachwelt zu dokumentieren ?

    Nachwelt?

    Es sollte das 1000jährige Reich werden,

    wer macht sich da schon Gedanken, was an Papier jemals zur Verfügung steht?

    Kennst du dich mit dem Bürokratenirsinn der SS aus?

    Quote

    " Judenvernichtung "

    Du setzt den Begriff Judenvernichtung in Anführungszeichen, was denkst du dir dabei?

    Ist das nicht passend für dich?


    Weiter:

    Quote

    ( für die Quellenfetischisten hier : ich weis das Buch nicht mehr )

    ich verbitte mir den Begriff "Quellenfetischisten" für Mitglieder des Forums, die, so wie in den Regeln gefordert, Ihre Quellen angeben.

    Sowas wie "ich weis das Buch nicht mehr" taugt höchstens zur Erheiterung.


    Quote

    Nach meiner Einschätzung handelt es sich hierbei um den Fake einer " Revolution ".

    ich habe im Laufe der Zeit schon mit vielen Leuten zu tun gehabt, aber diese, deine Einschätzung, ist wahrhaftig neu.


    Quote

    Wir schliefen völlig in Kampfmontur auf Feldbetten

    Welch Glück für jeden freiheitsliebenden Menschen...Schlaf ist immer gut.

    Quote

    Insofern hätte man die " paar Zehntausend " Demonstranten locker in den Griff bekommen.

    Und wie? Feuer frei?


    Quote

    Irgendwer wollte das aber nicht.

    Millionen von Deutschen...


    Grüße Thomas, kurz vorm Kotzen...

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • es ist auch den "führenden Persönlichkeiten" der damaligen DDR zu verdanken

    Hallo Bert,


    gibt es etwa eine heutige DDR? Ist mir neu!

    Auch den Offizieren und der Generalität der NVA haben wir es zu verdanken, dass diese "Revolution" friedlich verlief.

    Na denen bestimmt nicht! Ein Offizier oder ein General führt nur die Befehle aus!



    Insofern hätte man die " paar Zehntausend " Demonstranten locker in den Griff bekommen. Irgendwer wollte das aber nicht.

    Hallo Andreas,


    daran gibt es überhaupt kein Zweifel. Über die Hintergründe des "friedlichen Anschlusses" gab es Anfang der 90-er hinreichend Filme, Dokumente und Publikationen u.a. von Alexander Schalck-Golodkowski 1993 in der "Zeit", dass die Führung der MfS 1983 einen kontrollierten Anschluß an die BRD beschlossen hat...


    Aber ich lasse es lieber, gleich springen ohnehin die Glaubengetreue aus Thüringen und Umgebung aus der Deckung und das Gemetzel geht los...

    Gruß Viktor

  • Hallo zusammen!


    Die provokante Fragestellung zum Start dieses Threads sollte wohl so einiges in Bewegung bringen, was ja auch funktioniert hat.

    Geschrieben wurde viel, jeder darf seine Meinung kundtun, heute ist das möglich, ganz anders als damals.

    Wir, die Nachgeborenen, mussten diese Zeit nicht erleben, alles was wir wissen können, stammt aus den zahlreichen Berichten und Dokumentationen über die Nazizeit und den Holocaust.


    Zuallererst empfinde ich tiefe Trauer für die gedemütigten, geschundenen und ermordeten Menschen, Entsetzen darüber, wie kleine Kinder ihren Müttern entrissen, wie sie gequält wurden im Dienste einer perversen "Wissenschaft" und Fassungslosigkeit, dass all diese unvorstellbar grausamen Verbrechen von Deutschen begangen wurden.


    Dann bedauere ich, dass dieses immense intellektuelle und kreative Potential der geflüchteten und ermordeten jüdischen Menschen für Deutschland verloren ging, was für ein Verlust!


    Die Frage, die ich stelle ist nicht, ob man noch etwas diskutieren oder "aufarbeiten" sollte, (m. E. eine unglückliche Formulierung in diesem Zusammenhang), sondern, ob wir zur Trauer fähig sind...


    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Guten Abend zusammen,


    Viktor,


    hier geht gar kein Gemetzel los.


    Einen Thread, mit dieser Thematik, gut von Wolfgang geführt,

    den lasse ich bestimmt nicht durch Bemerkungen von Leuten kaputt machen,

    die es einfach nicht drauf haben, bei der Sache zu bleiben.

    Immer wieder von Höckschen auf Stöckschen, interessiert keine S...


    Wenn Wolfgang mir sagt, welche Posts ich löschen soll, dann mach ich das.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Abend Heinrich Otto,

    Diese Diskrepanz ist psychologisch erforscht und dokumentiert. Das Aufwachen davon wird bei den zustimmenden Protagonisten schockähnliche Zustände verursachen.

    es gab damals und gibt auch heute keinen Schock, allerhöchstens in Ländern, wo über Nacht das Militär putscht und die Macht mit blutiger Gewalt übernimmt. Sind die wichtigsten Schaltstellen einmal im Staat besetzt, hat man ausreichend nützliche Idioten als Schlägertrupps am Wirken, folgt einem die vierte Gewalt (Presse) auf den Fuß. Wenn dann noch diffamiert, verfolgt und beruflich ausgegrenzt wird, das kann unsere Blockwart- und Denunziantennation wie keine Zweite, muss auch der letzte Kritiker verstummen und im Strom schwimmen, nur die wenigsten opfern ihre Existenz oder gar ihr Leben..Was bleibt, ist das stetige Steigen der Temperatur wie beim kochenden Frosch im Wasserglas. Der Ostdeutsche ist sicherlich aus eigener zeitnaher Erfahrung viel empfindsamer gegenüber solchen Gefahren.


    Irgendein französischer Kämpfer der Resistance und späterer Philosoph hat das Wesen von Diktaturen mal sehr gut ergründet. Zu jeder Zeit sind 80% der Bevölkerung empfänglich für Propaganda, das Tragische in Unrechtsregimen sind die Intellektuellen, also Ärzte, Juristen, etc., jene sind es, die sich wie besessen auf die neuen politischen Visionen stürzen und voller Überzeugung verbreiten. Der kleine Hansel wird zum Opfer und weiß nicht, wie ihm geschieht oder in diesem Fall, wie ihm damals geschah.


    Ich empfehle zur Erdung und zum Hinterfragen des "wussten alles" das einmalige Interview oder das Buch über die 103-jährige Brunhilde Pomsel. So nah an Goebbels, so aushenutzt und so unwissend. Man war jung, unpolitisch und brauchte einfach nur Arbeit.


    Aber der bessere Deutsche von heute veracjtet Oma und Opa, fällt nie herein. Knurrt auch nur leise, wenn die Miete nicht mehr bezahlbar ist. Hat er von Opa geerbt, der hat sich im Luftschutzbunker auch zusammengerissen. So ein deutscher Endsieg kostet halt immer ne Menge an Opfer 😊


    H.W.

  • Moin,


    pardon, aber was hat die DDR-Geschichte mit den von Wolfgang dargelegten Gedanken zu tun? Genauso wie die die Bundesrepublik hat auch die SBZ und spätere DDR Akteure der NS-Zeit in verantwortliche Positionen aufsteigen lassen. Alles ganz schwierig. Und das Ende der DDR war eine Folge ihres ökonomischen Totalschadens und der neuen freiheitlichen Strukturen in den Nachbarländern. Wir vermischen hier Beiträge, die nicht zusammen passen. Ich jedenfalls habe keine Lust, auch nur ansatzweise Gedanken/Rechtfertigungsversuche von DDR-Grenzorganen, also "Einsatzmitteln" einer weiteren Diktatur, zu lesen.


    Beste Grüße


    Horst

  • Guten Abend Christiane,


    sind wir zur Trauer fähig, das war deine Frage.

    Trauer, sind wir überhaupt zur Aufbereitung des Holocaust fähig, fähig gewesen?

    Das Unvorstellbare vorstellbar in die Köpfe zu bringen?


    Viele "wollten" damals davon nichts wissen, nach 1945 wollte k e i n e r mehr was davon wissen.

    Wo und wie wird denn überhaupt aufgeklärt, Deutsche Geschichte,

    wie wird man als Schulklasse, als Ausflügler, darauf vorbereitet, wenn man das Ziel z.B. Auschwitz hat?

    Wer weiß denn schon, worum man überhaupt trauen sollte?


    Eine für mich mindestens genauso wichtige Frage:

    Sind wir lernfähig?


    Christiane,

    ich danke dir für deine Wortmeldung.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Horst,


    Quote

    .....die nicht zusammen passen. Ich jedenfalls habe keine Lust, auch nur ansatzweise Gedanken/Rechtfertigungsversuche von DDR-Grenzorganen, also "Einsatzmitteln" einer weiteren Diktatur, zu lesen.


    und wie richtig das ist ! Alle Beiträge in die Richtung werden kommentarlos relegiert weil voll o.T. !!


    Ich hoffe es war deutlich genug !!

    Gruss Dieter

  • Guten Abend H. W.,


    Deine Aussage

    Man war jung, unpolitisch und brauchte einfach nur Arbeit.

    möchte ich ergänzen um "und man wollte nichts Näheres wissen" - dann passt das sicher auf die damalige Situation. Ganz bestimmt hat nicht jeder damals alles gewusst, aber geahnt vielleicht doch? Hierzu empfehle ich mal das Buch


    "Davon haben wir nichts gewusst!" - Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945


    von Peter Longerich (ISBN 9783886808434) und vielleicht ein offenes Gespräch mit der eigenen Verwandtschaft, die diese Zeit miterlebt hat.


    Ich frage mich immer, woher denn die Mitglieder der Weißen Rose und anderer Widerstandsorganisationen von so Vielem gewusst haben? Die hatten weder Internet noch kamen sie aus der Zukunft ...


    <edit> Siehe hierzu auch das Interview mit Hitlers letzter Sekretärin, Traudl Junge, die selbst zugibt, dass man es wohl hätte wissen können -> KLICK ab Minute 1:00 bis zum Ende <edit>


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

    Edited 2 times, last by stefan_reuter ().

  • Hallo Christiane,

    Die provokante Fragestellung zum Start dieses Threads sollte wohl so einiges in Bewegung bringen, was ja auch funktioniert hat.

    die Ausgangsfragestellung fand ich nicht provokativ, eher birgt eine Andeutung im Verlauf des Threads Sprengstoff, der Wunsch nach einem öffentlichen Gerichtshof, der diesmal überhaupt nichts auslässt und der Presse über Jahrzehnte den täglichen "Wunschnazi" oder die "Wunschverbrechen" liefern könnte, achte auf die rotmarkierte Aussage:


    die Untätigkeit der Nachkriegslegislative müssten wir jetzt nachbessern, und Delikte wie "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" rückwirkend ei inführen, bei der Gelegenheit sollte man sich auch mit weiteren Themen aus den Nürnberger Prozessen, ehe wir solche Taten nach dem Grundsatz "Keine Strafe ohne Gesetz" ungeahndet lassen müssen, ich denke an Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, wie Geiselerschießung oder wildes requirieren, oder Übergriffe auf Kulturgüter.


    Gruß Wolfgang


    Edit:Rot


    Das besitzt für mich ein gewisses Geschmäckle, jenes einer grotesken Inszenierung, am deutschen Aufarbeitungswesen soll die Welt genesen.

    Das die Welt nach mittlerweile 30 Jahren exzessiver Holocaust-Aufarbeitung keinen Deut besser geworden ist, im Gegenteil, wird in egoistischer Eigenliebe zur Jurisprudenz ignoriert.

    Während Franzosen sich ihren edlen Napoleon nicht nehmen lassen, man frage nur die Spanier nach dessen Geiselerschießungen, europaweiten Versklavungen und dessem Requirieren, während der Amerikaner jedem Gerichtshof oder jeder Nation dieser Welt mit Flugzeugträgern droht, sollten sie jemals klagende Worte über einen US-Soldaten äußern,

    soll zumindest in Deutschland nicht der kleinste Kartoffel- oder Ikonendieb ungeschoren davonkommen.


    Wie rechtswidrig und brutalstmöglich bereits jetzt schon vorgegangen wird, zeigte mitunter der Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt. Kleinlaut wurde von der unfähigen Staatsanwaltschaft die per Rollkommando beschlagnahmte Sammlung zurückgegeben und der unschuldige Sammler in den Herztod getrieben.

    Zu verlockend war der Fund bei gleichzeitiger medialer Inszenierung als "Super-Kulturgut-Nazi".

    Und in Berlin müssen sie die ersten verurteilten Mörder wegen Verfahrensverzögerungen auf freien Fuß setzen, werden neue Strafkammern aus dem Nichts und ohne Aussicht auf zu besetzende Richterstellen erschaffen. Erinnert an den Führerbunker im März 1945, da wurden auch am Kartenbrett immer neue Divisionsnummern erschaffen und aufgestellt.


    So ein besessenes Land mit gewaltentwöhnten Kriegsenkeln, die als "bessere Deutsche" pharisäerhaft richten wollen und auf die Gegenwart mit einem "Nach mir die Sintflut" pfeifen, sind mir einfach nicht geheuer...


    MfG

    Tac